CE - Untitled
© 1999 by Melissa Schneider, Stefan Krommes, Martin Bueltgen
 

Hi folks.... 
 
OH GOTT - Schon wieder ein CAT'S EYE Ende des Chaos-Trios.... -  
Genau ! Richtig geraten lieber Leser.. Eine neue Geschichte, aber kein neues Ende.... 
 
Eigentlich sollte das eine Kurzfassung unserer ersten Geschichte werden,-  
ihr wißt schon der gigantische Wälzer, etwas über 250 Seiten  
mittlerweile, der euch nach dem Lesen jahrzehntelang mir Papier zum Anzünden des 
Kaminfeuers versorgt. 
Doch wir waren einfach zu faul all die Seiten durchzusehen und das Wichtigste heraus- 
zuschreiben. Also haben wir einfach was Neues gestrickt.  
 
Die Hauptpersonen gehören Hojo - ich meine wer wollte schon einen Detective 
oder einen ewig schreienden Dezernatsleiter besitzen. - Obwohl was die drei 
Schwestern betrifft... 
Aber lassen wir das... 
Die Anderen Personen, die nicht Hojo gehören, gehören uns. 
Aber ihr könnt sie gerne haben. Die essen zu viel und unsere Zimmer sind eh zu klein. 
 
 
Die Vorlage mit all den romantischen Szenen stammt von Melissa (keiner schreibt 
Lemons so gut wie sie ;-) und Stefan (Meister der irren Storylines ). 
Gelesen, Rechtschreibfehler eingefügt und verrissen hat es Martin.. 
 
Wir danken all den Serien aus denen wir Ideen geklaut haben..... 
 
             Dieses Fanfic wurde geprüft und  
                 erhielt das Gütesiegel  
 
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                SailorMoon-Freies FanFic ;-) 

               (Anmerkung: Es gibt auch eine
            SailorMoon-haltige Fassung, Thomas)
 
  
                Melissa Stefan Martin '6/99  
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                       CE - Untitled  
 (wußten Sie schon das große Künstler Ihren Werken keine Namen geben?)     
 
 
Die schwarzhaarige wunderhübsche junge Frau rannte über das flache Dach  
geschmeidig wie eine Katze, das erbeutete Bild fest unter den Arm geklemmt.  
Sie hörte einen Schrei hinter sich, ein dumpfes Poltern, wütende Flüche.  
'Wieder einer weniger.' dachte sie. Die Leitungen der Blitzschutzanlage,  
die wie Stolperdrähte ihren Weg kreuzten, würden sie nie zu Fall bringen.  
Sie kannte den Abstand in dem sie kamen, zählte ihre Schritte wie eine  
Hürdenläuferin. 
"Katze Stehenbleiben!" Die Stimme ihres Verlobten beunruhigte sie nicht.  
Sie verspürte in diesem Moment keine Gefühle, für keinen. Alles war nach  
Plan gelaufen. Das Ende des Daches war erreicht. Sie sah hinunter. Etwas  
mehr als fünfzehn Meter tief unter ihr verlief die Straße. Sie drehte sich  
um. Die Polizisten kamen immer näher, vorne weg ein junger Detective in  
einem grau-blauen Sakko. Seine Augen funkelten listig und zuversichtlich  
und sein strubbeliges Haar zottelte beim Laufen. "Ha, das ist dein Ende  
Katze." rief er. Die junge Frau mit dem hautengen Trikot lächelte ihm zu.  
Sie hörte das Aufgrollen eines schweren Diesel-Motors unten auf der Straße.  
Sie winkte den Polizisten frech und warf dem Detective einen Kuß zu. Ein  
LKW hupte, sie wandte sich der Dachkante zu und sprang. 
 
Der Detective trat an den Rand des Daches und sah hinunter. Ein oben  
offener Müllaster fuhr die Straße entlang. Er grinste im Verborgenen.  
"Wasch' dich gut, Kätzchen. Sonst gehe ich nicht mehr mit dir aus."  
murmelte er in sich hinein. Eine Polizistin trat neben ihn. Sie hatte knapp  
schulterlanges schwarzes Haar und trug eine getönte Brille. Ihre Uniform  
stand ihr gut und verlieh ihr ein Respekt einflößendes Aussehen. "Und  
Utzumi?" Der angesprochene hob entschuldigend die Hände. "Sie ist einfach  
gesprungen." sagte er resigniert. "Ich habe das Gefühl, sie haben kein  
Interesse mehr daran die Katzen zu fassen." mutmaßte die Polizistin. Ihr  
Kollege schwieg. "Ist es, weil Hitomi die Katze ist?" Toshi Utzumi bedachte  
seine Kollegin mit einem abschätzigen Blick. "Hören sie doch endlich damit  
auf, Asaja. Seit Jahren versuchen sie nun schon es zu beweisen." "UND ICH  
WERDE ES BEWEISEN." Toshi winkte ab: "Machen Sie mal. Ich geh schlafen.-  
Bis morgen." 
 
Der Vollmond schien in das Autofenster und blendete ihn. Er durfte ohnehin  
nicht einschlafen. Er wußte nicht, wann ihm der Gedanke gekommen war und  
warum. Waren es Asajas ständige Sticheleien gewesen? Das Theaterstück, in  
dem er mitgespielt hatte? Alles zusammen hatte ihm die Augen geöffnet für  
etwas, das er nicht gesehen hatte. Eine bittere Wahrheit, die er nicht  
sehen wollte. Was wenn es tatsächlich so wäre... - ja was dann... - er  
wußte es nicht, aber er mußte die Wahrheit herausfinden. Nicht weil es  
seine Pflicht war, nein, weil es ihn betraf - vielleicht betraf. Jedenfalls  
würde er nicht mehr ruhig schlafen können, so lange er nicht die Identität  
von Katzenauge kannte.  
Und den ersten Schritt in diese Richtung hatte er letzte Woche getan: 
  Dreimal hatte er an die Tür geklopft: Lang-Kurz-Kurz die Pausen - das war 
  sein Zeichen. Er sah in die obere linke Ecke der schäbigen Tür. Kaum 
  erkennbar aus einem Loch nicht größer als ein Centstück schaute ein 
  Kameraobjektiv heraus. "Mach schon auf!" formte er die Worte mit seinen 
  Lippen ohne sie auszusprechen. Er hörte das Rascheln hinter der Türe, den 
  Klang von Riegelschlössern und Ketten, die entfernt wurden. Die Türe 
  wurde geöffnet, doch keiner war zu sehen. "Komm rein." sagte eine 
  verrauchte Stimme knapp. Toshi trat in das Appartement. Er sah sich um. 
  Eine typische Junggesellenwohnung, nur das hier an Stelle von 
  Pornomagazinen überall elektronische Geräte und Computer herum standen. 
  Er drehte sich zu dem Mann, der inzwischen schon wieder die Eingangstüre 
  geschlossen hatte. "Du hältst immer noch nicht viel vom richtigen Leben, 
  oder?" Der Mann lachte und fuhr durch sein langes, strähniges Haar. "Du 
  bist doch sicher nicht hierher gekommen um mir meinen Lebensstil 
  vorzuhalten, Detective." "Nein, ich bin hier weil ich dich um einen 
  Gefallen bitten wollte..." Der Mann nickte und räumte einen Stuhl frei 
  von Papier und Videobändern. "Setz dich, Schnüffler." meinte er, wobei er 
  Schnüffler nicht böse betonte. Es war nur, das keiner von beiden den 
  anderen beim Namen nannte. Er war ein Informant, dem man einen Mord hatte 
  anhängen wollen und Toshi hatte seine Unschuld bewiesen. In den Jahren 
  darauf hatte sich eine Art Symbiose zwischen ihnen entwickelt. Der Eine 
  duldete und nutzte die Existenz des Anderen.- "Was weißt du über Wanzen 
  und Peilsender. Chemische Leuchtfarben.- Personenüberwachung allgemein." 
  fragte Toshi und der Informant lachte. Genüßlich lehnte er sich in den 
  abgewetzten ledernen Drehstuhl vor dem Computerterminal. "Da läuft der 
  Hase.- Nun gut, ich denke du sprichst mit dem Richtigen." 
Und als Ergebnis dieses Gespräches saß Toshi jetzt in seinem Auto und  
starrte auf das komische Gerät in seinen Händen. Er wußte nicht wie oder  
warum es funktionierte, wichtig war nur, es zeigte an, wo sein kleiner  
Spion sich befand. Das bisher stumme Gerät begann zu piepsen. Immer lauter  
und schneller wurden die Tonfolgen, bis sie schließlich zu einem langen  
Pfeifton verschmolzen. Ein gelber Kleinwagen fuhr an seinem geparkten Wagen  
vorbei und der monotone Pfeifton zerriß wieder in einzelne Töne. Toshi  
parkte aus und reihte sich in den Verkehr ein. Er folgte dem Wagen und dem  
Signal. Es ging Richtung Iunari-Revier. Der gelbe Wagen bog in den  
Hinterhof des Café Katzenauge ein. Toshi grinste und fuhr weiter. Nach etwa  
hundert Metern fand er einen Parkplatz. Er schaltete das Radio ein und  
lauschte gespannt einem einzigartigen, sehr informativen und enthüllenden  
Sender. 
 
                             ******** 
 
Er war etwas müde und rieb seine Augen. Der Kaffee vor ihm duftete  
herrlich. 
"Toshi?" 
"Äh, ja, Hitomi?" erschrocken blickte er von seiner Tasse auf. 
"Ich fragte, ob das mit deinem Urlaub klar geht." 
"Ja sicher.- Der Urlaub ist genehmigt, vorausgesetzt die Katzen schlagen  
nicht wieder zu." 
Hitomi drehte sich ihren Schwestern zu und zwinkerte "Ach ich denke, sie  
werden einem hart arbeitenden Detective auch mal einen Urlaub gönnen." 
"Hoffentlich." meinte Toshi unbewegt, doch innerlich grinste er. 
Sein Pieper beendete seine Kaffeepause abrupt. "Na ja, dann bis heute  
Abend! - Tschau Ladies!" 
Hitomi sah ihm nach, wie er in das Revier zurückging. Dann drehte sie sich  
zu ihren beiden Schwestern, die die ganze Zeit wortlos an der Bar gesessen  
hatten. 
"Gib's zu du freust dich auf den Urlaub mit ihm." grinste Love frech. "Aber  
nicht das du Unsinn machst!" 
"Das wär eher der Ratschlag für dich oder?" gab Hitomi schlagfertig zurück  
und wandte sich der Ältesten zu. "Und es ist abgemacht, Nami, keine  
Aktionen so lange wir in Urlaub sind - Bitte." 
Nami warf ihr gelocktes Haar zurück. "Ja, versprochen. Ich denke wir zwei  
können auch etwas Ruhe gebrauchen." 
 
                              ******* 
 
Toshi ließ sich müde auf das Bett im Hotelzimmer fallen. Der Flug war eine  
Tortur gewesen. Zum Karneval nach Rio reisen. - Welcher Teufel ihn geritten  
hatte, als er dem Vorschlag von Hitomi zustimmte, wußte er nicht mehr. So  
betrunken konnte er doch nicht gewesen sein? Aber vielleicht war es gut, so  
weit von Japan entfernt zu sein. Vielleicht würde es ihm helfen bei dem ,  
was er vorhatte. Es klopfte. "JA?" "Ich bin's Hitomi. Ich wollte noch auf  
einen Kaffee in die Stadt, kommst du mit?" "Ja, Moment." Toshi stand vom  
Bett auf und reckte sich. Er nahm den Zimmerschlüssel und wollte gerade  
gehen. "Halt.." meinte er zu sich und ging zurück zum Tisch, wo der Walkman  
lag. Er steckte ihn in seine Tasche und ging hinaus. 
 
Nach dem Besuch im Café neben dem Hotel waren sie durch die Stadt spaziert.  
Hitomi hatte sich sehr gewundert als Toshi sie in eine Disco einlud. Sie  
tanzen eine ganze Weile, dann setzten sie sich zum Verschnaufen an die Bar. 
"Du bist ein guter Tänzer, Toshi." lobte Hitomi und nippte an ihrem  
Longdrink. Toshi wurde etwas rot. "Danke, du hast ja auch viel Geduld mit  
mir gehabt." sagte er und blickte Hitomi gebannt an. Sie spürte die  
bohrenden Blicke doch irgendwie zielten seine Augen nicht auf ihren Körper  
oder ihr Gesicht. Irgend etwas neben ihrem Ohr mußte es sein, das ihren  
Verlobten schon seit Minuten fesselte. "Was starrst du so?" "Ich starre  
doch nicht." Sie bewegte ihren Kopf und sah, wie seine Augen der Bewegung  
folgten. "Doch du starrst mich an, ist da was?- Sag schon!" "Seit wann hast  
du grün schimmernde Haare?" Die Frage kam mit ernstem Blick, etwas  
verwundert klingend. "Was?" Hitomi hob ungläubig die Augenbraun. "Doch, da  
neben deinem Ohr." Sie zog den Mund schief. Warum sollte er sie belügen?  
Und überhaupt, solche Scherze machte er normalerweise nicht. Sie griff in  
ihr langes Haar und zog eine Strähne nach vorn. Tatsächlich im Schein der  
Schwarzlichtlampen schimmerten einige der sonst pechschwarzen Haare in  
gelbgrünen Farben. "Was ist das?" fragte sie verwundert. Toshi zuckte mit  
den Schultern. "Weiß nicht. Aber deine Finger auch." Hitomi erschrak als  
sie in ihre offenen Handflächen sah. Es war viel schwächer hier, dennoch in  
den Vertiefungen der Hornhaut, in der Feinstruktur ihrer Fingerabdrücke war  
es zu sehen. Und auch an den Seiten ihrer Unterarme waren leuchtende  
Flecken. "Hab ich da in was 'rein gefaßt?" "Keine Ahnung, aber man sieht es  
ja nur im Schein dieser Lampen hier. Mach dir mal keine Sorgen." Toshi  
legte beruhigend seine Hand auf die von Hitomi. Innerlich triumphierte er. 
 
Hitomi gähnte als sie die Tür zu ihrem Zimmer aufschloß. "Ich bin  
hundemüde, aber sicher kann ich nicht einschlafen." Toshi nickte  
zustimmend. "Ja, die Zeitverschiebung." meinte er und zog den Walkman aus  
seiner Tasche. "Hier, versuch's mal damit. Die Musik entspannt.- Vielleicht  
hilft es." Hitomis Augen funkelten dankbar. "Du bist ein Schatz." sagte sie  
und küßte ihn auf die Wange, woraufhin er errötete. "Gute Nacht, Toshi."  
"Schlaf gut Hitomi." Er wartete noch bis sie die Türe verschlossen hatte,  
dann ging er zum Nebenzimmer, das er bewohnte. 
Er warf seine Jacke auf die Kommode hinter der Eingangstüre und setzte sich  
auf den kargen Holzstuhl an den Tisch. Er griff nach der Fernbedienung und  
zappte durch die Programme, die das kleine Fernsehgerät im Einbauschrank  
bot. "Spanisch, Spanisch, Englisch, unverständlich, nichts, nichts--- AHHH  
noch nicht mal vernünftig fernsehen kann man hier." Mit einem Schlag auf  
den Schalter brachte er das Gerät zum Schweigen. Er seufzte und sah aus dem  
Fenster. Er war gespannt, wie Hitomi auf die Cassette reagieren würde. Er  
kannte sie zwar seit der Schulzeit und seit über einem Jahr waren sie nun  
schon verlobt, doch die Reaktion auf so etwas Unglaubliches war nicht  
vorherzusehen. Es kamen Zweifel in ihm auf, das er das Richtige tat, doch  
er mußte es jetzt wissen. 
 
Die Tür flog auf und Hitomi stürmte hinein. Wütend warf sie Toshi den  
Walkman an die Brust. "WAS SOLL DAS?" Er blickte ihr tief in die Augen.  
"Ich dachte du magst Katzenmusik." sagte er ohne auch nur einen Muskel  
seines Gesichtes zu einem Lächeln zu verziehen. "Du bist krank!" maulte  
Hitomi und wandte sich schon zum Gehen. Toshi sprang auf und hatte sie mit  
einigen schnellen Schritten überholt. Er schloß die Türe und lehnte sich  
dagegen. "Nicht so schnell, Katze." sagte er bestimmt. "Wenn du mich nicht  
sofort hinaus läßt schreie ich!" schimpfte Hitomi. "Ich laß' dich sofort  
gehen." meinte Toshi kalt und zog eine weitere Cassette hervor. "Sofort,  
nachdem du dir das hier angehört hast." 
 
Hitomi saß auf Toshis Bett zusammengekrümmt wie ein Häufchen Elend. Sie  
weinte bittere Tränen. "Was wird jetzt aus uns?" brachte sie langsam  
hervor. Toshi legte von neuem seinen Arm um sie. "Ich weiß es nicht." sagte  
er. So sehr er sich gewünscht hatte die Wahrheit zu erfahren, so  
schmerzlich wurde ihm nun bewußt, das es die Dinge nicht einfacher machte.  
Irgendwie bereute er seine Neugier. 
 
                             ********* 
 
Der Mann schnaufte gewaltig während er immer weiter in den Mangroven-Wald  
vordrang, der das Landhaus umgab. "Ich bin zu alt dafür!" meckerte er zu  
sich. Sein Vorsprung vor den Hunden war groß, doch nicht groß genug. Er  
hörte das Bellen der Tiere und die anspornenden Rufe der Wachen, die mit  
Gewehren hinter ihnen herliefen. Der Wald endete abrupt. Der Fluß. Er  
schien so ... breit. So unüberwindlich sah er aus. Er blieb kurz stehen und  
drehte sich um. Da waren sie schon, die deutschen Schäferhunde, abgerichtet  
zu beschützen und nötigenfalls zu töten. Mit nur einem Daseinszweck, die  
angeeigneten Besitzungen und dunklen Machenschaften von VanBreuking zu  
beschützen. Doch er war seinem Gefängnis entkommen- eine wandelnde Gefahr,  
würde er überleben. Er mußte weiter. Hinein in die Fluten. Schlimmstenfalls  
würde er darin umkommen, aber das würde auch passieren wenn er nun aufgab.  
Er ging zu Grunde dort in diesem Anwesen, als malender Sklave dieses Ex- 
Nazis. Und das war qualvoller, langsamer, als es das Sterben in den Fluten  
je sein könnte. Mutig stapfte er voran. Die Uferböschung war steil. Er  
verlor den Halt und wurde von der Strömung mitgerissen.... 
 
                                 ********* 
 
Das Telefon im Café klingelte und Nami hob ab. "Café Katzenauge, tut mir  
leid, wir haben noch geschlossen. - Ach sie sind's Herr Nageishi - Ja,  
verstehe. - Wirklich? - Ja, wir erwarten sie dort." 
"Was war denn?" fragte Love gewohnt neugierig. Namis Augen funkelten. "Herr  
Nageishi hat vielversprechende Hinweise, wonach sich Vater in Brasilien  
aufhält. Wir treffen ihn in Santarem." "Dann mach dich mal auf das  
Donnerwetter von Hitomi gefaßt." "Ja, es tut mir leid um ihren Urlaub mit  
Toshi." 
 
                                 ********* 
 
Die Sonne schien in das Fenster und weckte sie. Hitomi seufzte. Es hatte  
ihrer Enttarnung bedurft um das zu erreichen, was sie sich seit Jahren  
wünschte- eine Nacht mit Toshi verbringen. Und wenn sie so zurückdachte war  
der Preis für diese Nacht vielleicht gar nicht zu hoch gewesen. Toshis  
sanfter Kuß rüttelte sie wach. "Hi." flüsterte er. "Na, du. Wie geht es  
dir." "Schon besser." gab sie zurück und erwiderte die Berührung seiner  
Lippen. Sie fühlte sich wohl in seinen Armen. Es bekräftige sie in dem  
Glauben, das sie und Toshi gemeinsam eine Lösung finden würden. Sie hatte  
ihm alles erzählt und er hatte so verständig reagiert. Kein böses Wort,  
keine Vorwürfe. Liebe und Zärtlichkeit hatte er ihr geschenkt. 
Das Rappeln des Telefons störte das Beisammensein: 
"Utzumi? - Hallo Nami.- So, du suchst also Hitomi." er blickte kurz zu  
seiner Verlobten, sie nickte. - "Ja, die ist hier." 
"Ja, ich bin's Schwester.- Was? Sofort? - Ja, gut. - Toshi von seinem Chef  
zurückrufen lassen ?- Nein, das braucht ihr nicht." Hitomi machte eine  
lange Pause und holte tief Luft bevor sie weiter sprach. "Toshi kommt mit.-  
Er weiß es." Die Stille, die am anderen Ende der Leitung herrschte sprach  
Bände. "Ich weiß wir werden es schaffen, Schwester.- Egal, was passiert,  
ich bleibe bei ihm.- Ja, wir treffen uns dann da." 
 
Nami war kreidebleich als sie den Hörer auf die Gabel legte. 
"Was?" fragte Love. "Du bist doch nicht etwa sauer, weil sie die Nacht bei  
ihm verbracht hat?" 
"Nein.- Toshi hat es herausgefunden." 
 
                            ******** 
 
Was hätte er jetzt für eine Nase voll Schlafgas gegeben! Er haßte schon das  
Fliegen in einem großen, geräumigen, gut gewarteten Linienflugzeug, aber  
die Reise in diesem Flugapparat war wie ein Ritt durch die Hölle. Das so  
oft gerühmte enge Band zwischen dem Piloten und dieser Frachtmaschine  
bestand wohl darin, das sie gleich alt waren. Und den Kaugummi unter seinem  
Sitz hatte wohl Charles Lindbergh dorthin geklebt. Nicht, das er undankbar  
war für diesen Flug über die einmalige Landschaft des dichten Regenwaldes,  
von weniger Landschaftsbegeisterten auch grüne Hölle genannt. Auch der  
Blick auf die Tierwelt war nicht zu verachten.- Wahrscheinlich hatte der  
Pilot sogar eine Art Vertrag mit den Affen. Denn er flog so tief, das sie  
von den Baumwipfeln aus mühelos zu einer kostenlosen Rundreise auf das Fahrwerk 
aufspringen konnten . "Esta Bien??" Toshi verstand die Sprache nicht  
in der die dickliche Gestalt sprach, deren Umrisse er durch den Qualm einer  
noch dickeren Zigarre hindurch erahnte. Hitomi hingegen verstand und  
lächelte den Piloten unbekümmert an. "Si, bien." antwortete sie in der  
Fremdsprache. "Gefällt es dir nicht, Toshi?" Er rang sich ein Lächeln ab.  
"Gefällt es dir nicht.." äffte er sie nach. "Das ist so, als ob der Teufel in  
der Hölle fragt ob es zu kalt ist und er noch ein Feuer mehr entzünden  
soll." Hitomi lachte wissend. Toshi wurde immer sarkastisch wenn er Angst  
hatte, aber es natürlich nicht zeigte. "Ruh dich aus." sagte sie und er  
nickte. 
 
Sie waren schon eine gute Stunde unterwegs. Die Aussicht war ein wenig  
eintönig aber gerade diese Schlichtheit beruhigte und verzauberte sie. Sie  
sah den Schatten des Flugzeuges, den die unbarmherzige Sonne auf das dichte  
Blätterdach des Regenwaldes warf. Sie stiegen in Anbetracht der nahenden  
Bergkette. Toshi lehnte an ihrer Schulter und schnarchte. Sie wußte noch  
nicht was werden sollte.- Vielleicht würden sie einfach so weitermachen wie  
bisher. Ein lautes Stöhnen riß sie aus ihren Gedanken und noch bevor sie  
wußte was geschah, begann die Maschine zu sinken. "Toshi wach auf." Sie  
stand auf und der Kopf des Detectives fiel haltlos auf den nun freien Sitz "Was ?" 
 
Als er seiner Verlobten nach vorn zum Cockpit folgte zerrte sie bereits an  
dem Piloten. Er war leblos über dem Steuerknüppel zusammengebrochen. Toshi  
fühlte den Puls. "Vergiß es." murmelte er kalt und hievte den Mann von  
seinem Sitz. Hitomi begriff und nahm seinen Platz ein. Nachdem Toshi den toten  
Mann auf einem Sitz abgelegt hatte trat er wieder ins Cockpit. Hitomi  
lachte ihn an, doch es war ein aufgesetztes Lachen. Er sollte nicht sehen, wie  
ihr die Knie schlotterten. Noch nie hatte sie ein Flugzeug geflogen, bis  
auf die paar Mal, wo Love sie hatte steuern lassen. Und wie ein Gleitschirm  
sah dieser Blechsarg wirklich nicht aus. "Nimm Platz Copilot Utzumi."  
witzelte sie. Toshi zog die Augen zu engen Spalten zusammen. Er atmete tief  
durch und setzte sich auf den Sitz neben ihr. Beim Anblick der vielen  
Instrumente schüttelte es ihn "Ich nehme an, du kannst das Dingen hier  
fliegen?" Hitomi sah ihn mit ernster Miene an. Ihr Lächeln war wie  
eingefroren. "Fliegen? - Ja! Landen ?- Nein." Toshi sah sie mit  
aufgerissenen Augen und halboffenem Mund an. "Na was?" fragte sie "Kannst  
du es besser?" Er verdrehte die Augen zum Himmel. "Mein Gott, warum immer  
ich?" 
 
Er begann sich zu beruhigen. Seine Verlobte schien Alles im Griff zu haben.  
Sie flog nun schon zwei Stunden und das Flugzeug schüttelte nicht mehr oder  
weniger als unter dem Piloten zuvor. Und überhaupt, runter kamen ja alle,  
fragte sich nur in wieviel Teilen. "Du machst das sehr gut, finde ich."  
lobte Toshi. "Danke, aber im Moment mache ich nicht sehr viel." "Hauptsache  
wir stürzen nicht früher ab, als nötig." Hitomi lachte gequält. Ihr Blick  
ging aus dem Fenster. "Toshi, schau doch mal ob du einen Anhaltspunkt  
findest um sich zu orientieren." Er nickte und sah auf seiner Seite hinaus.  
"Äh, ist der Qualm normal?" Hitomi schreckte auf. "Welcher Qualm?" "Die  
schwarze Rauchfahne aus dem Motor an der Tragfläche." Hitomi blickte auf  
die Instrumente. "Mach dir mal keine Sorgen, das ist sicher nichts Großes."  
"Nein, sicher nicht. So ein kleines Feuer ist doch was Erwärmendes,  
besonders für den Treibstofftank." "Hör auf, wenn es brennen würde dann  
würde doch sicher ein Feueralarm..." Ein lautes Summen unterbrach sie  
gefolgt von einem Dutzend aufleuchtender Warnlampen. "MIST! FEUER." rief  
sie und begann auf den Knöpfen herumzudrücken. "Sieh mal, ob es ausgeht."  
Er sah wieder hinaus. Der Rauch war weiß geworden und die kleinen Flammen,  
die eben noch züngelten waren verloschen. "Ist aus." rief er. "Was jetzt?"  
seine Stimme klang ein wenig verängstigt. "Ich weiß es nicht so genau. Aber ich 
hoffe, das die Kiste auch mit einem Motor noch in der Luft bleibt." Wie  
auf Kommando begann auch die letzte verbleibende Antriebsquelle zu  
versiegen um mit einem vernehmlichen Knall und einer schwarzen Rauchwolke  
ihr Leben auszuhauchen. "Darf ich mir denn jetzt Sorgen machen?" "Ja." antwortete 
Hitomi ein wenig gereizt und sah starr nach vorn. Eine Hügelkette,- sie mußten 
steigen, doch im Augenblick ging es genau in die entgegen gesetzte Richtung und 
das zu allem Überfluß ziemlich achnell. "Los, ab nach hinten, Toshi.- Wir gehen  
runter!" "Nein, ich bleibe hier." Hitomi sah ihn aus braunen Augen  
entschlossen an. "Ab nach hinten, sag ich und keine Diskussion." Er nickte  
und gab ihr einen Kuß auf den Mund. "Viel Glück, mein Kätzchen." "Wir  
werden es brauchen." 
 
Er rappelte sich hoch. Das Flugzeug hatte eine Schneise in den Wald  
geschlagen. Das Geräusch des berstenden Holzes, Schreie der Tiere und seine  
Eigenen, Kreischen von zerreißendem Metall, alles klang noch in seinen  
Ohren. Doch um ihn herum war es still geworden. Nur ein Summen lag in der  
Luft. Das Geräusch der Moskitos und Insekten. Jede Art von Insekt lauerte  
dort draußen auf ihn.- Er hatte gehört, das Hunde eine derart enge  
Beziehung entwickeln konnten, das auch sie starben, wenn Herrchen oder  
Frauchen starb, doch so etwas auch bei Flugzeugen zu vermuten war  
irrsinnig.- Er blickte zu Boden. Etwas von der Ladung war aus den Kartons  
gerutscht und einige der keinen Pakete waren aufgerissen. Er seufzte.  
"Warum ich? Warum?- Bitte Gott, mach, das es Puderzucker ist." Doch er  
wußte es besser,- auch ohne zu probieren. Er kroch nach vorn. Er hörte  
Hitomi leise stöhnen. Sie hatte eine Wunde am Kopf, schien aber sonst ganz  
okay. "Kannst du aufstehen?" Sie nickte tapfer. "Ja, ich denke es geht."  
sagte sie und schwang sich unsicher aus dem Sitz. Sie stolperte und Toshi  
fing sie auf. "Wenn es doch nur hell wäre." Toshi stutzte. "Es ist hell." 
 
Er hatte einen Sitz herausgerissen und ihn vor das Flugzeugwrack gestellt.  
Mühsam tastete sich Hitomi dorthin. "Ist es besser mit deinen Augen,  
Schatz?" "Nein, ich sehe gar nichts mehr." antwortete sie und hielt die  
Kompresse auf ihre blutende Kopfwunde. "Wir sollten in der Schneise ein  
Feuer machen und hier warten. Man wird ein Suchflugzeug schicken." Toshi  
senkte den Kopf und machte ein betretenes Gesicht. Vorsichtig nahm er den  
Verband und versorgte die Wunde seiner Verlobten. "Keiner wird uns suchen.-  
Er hatte Drogen geladen.- Rohopium.- Und da wird er wohl kaum diesen Flug  
angemeldet haben." Hitomis Gesicht erstarrte zu einer Maske. "Dann sind wir  
verloren." "Nicht so ganz." erwiderte Toshi. "Im Norden muß ein Fluß sein,  
vielleicht einen Tagesmarsch entfernt." "Haben wir denn genug Wasser und  
Proviant?" Toshi blickte auf die beiden Feldflaschen und die eine Dose mit  
der Notration. "Ja, es reicht." log er. 
 
Er hatte zwar Karte und Kompas, doch ohne genau zu wissen, wo sie  
abgestürzt waren, war es ein Glücksspiel. Sie waren nach Norden gegangen  
für den Rest des Tages. Er hatte Hitomi viele Pausen gegönnt, doch ihr  
Zustand hatte sich nicht gebessert. Es war heiß gewesen, doch er selbst  
hatte kaum getrunken oder gegessen. Essen und Wasser sollten einzig und 
allein für Hitomi sein.  
Die Dunkelheit brach schnell herein und er hatte auf einer Lichtung ein  
Lagerfeuer gemacht. In der leeren Dose der Notration brutzelten einige  
Würmer vor sich hin und der Geruch war nicht mal unangenehm. "Was kochst du  
da Schönes?" fragte Hitomi. Sie war ein wenig eingeschlafen. Toshi wußte,  
es lag nicht an dem Fußmarsch, das sie müde war. Schläfrigkeit,  
Kältegefühl, Blindheit, das alles waren Folgen ihrer Kopfverletzung. "Sag  
schon, Nami, was gibt es zu essen?" Toshi legte zärtlich seinen Arm um ihre  
Schultern. "Toshi." sagte er. "Was?" erwiderte Hitomi verdutzt. "Du hast  
mich Nami genannt, Hitomi." "Das hab ich sicher nicht, Love!" Er nickte.  
"Sicher nicht." - Sinnestrübung, es wurde also schlimmer. Er nahm ein paar  
der gerösteten Würmer und legte sie Hitomi in die Hand. "Hmm, schmeckt nach  
Nüssen. Lecker. Machst du das morgen wieder, Mama?" Toshi küßte ihre Stirn.  
"Sicher, Kind." antwortete er. "Was auch sonst." murmelte er leise in sich  
hinein. 
 
Er schlief die ganze Nacht über nicht ein. Er fand keine Ruhe. Sein  
Verstand und sein Gefühl ließen ihn unablässig Hitomis Puls fühlen und auf  
ihren Atem lauschen. Nach der Mahlzeit war es etwas besser mit ihr  
geworden. Zumindest ihr Geisteszustand war wieder halbwegs normal und sie  
redete ihn mit dem richtigen Namen an. "Toshi?" "Ja, mein Engel." "Verlaß'  
mich nicht, ja?" "Niemals." Sein Kuß auf ihre Stirn ließ sie wieder  
einschlafen. 
 
                          ********* 
 
Ihr Leben verlief in ewig gleichen Bahnen. Nichts hatte sich verändert in  
den 23 Jahren, die sie nun schon in dieser Mission lebte und arbeitete. Sie  
war ein armes 18jähriges Tagelöhner-Kind gewesen als sie ihren  
Märchenprinzen kennengelernt hatte. Sie hatte ihn geheiratet und ihre  
Familie verlassen. Sie wurde schwanger und gebar ihm ein wunderhübsches  
Mädchen. Dann wurde sie schwer krank. Als sie aus ihrer tagelangen  
Bewußtlosigkeit aufwachte, war ihr junger erfolgreicher Ingenieur weg.  
Seine Arbeit hatte er beendet und war mit ihrer gemeinsamen Tochter nach  
Japan zurückgekehrt. Alles was ihr blieb war ein Hochzeitsfoto, ein  
wertloser Ring und eine unendliche Leere in ihrem Herzen.- Sie wußte nicht  
ein noch aus und da hatte sie den schweren Schritt getan: Sie hat sich für  
ein Leben wie Mutter Theresa entschieden. Gutes zu tun,- Menschen zu  
helfen, denen es vielleicht genau so ergangen war wie ihr,- das gab ihr  
Kraft durchzuhalten. 
 
Es war kurz nach dem Morgengebet, da ein kleiner Junge gelaufen kam und sie  
aufgeregt zum Waschplatz am Fluß führte. 
 
Der Mann, den die Frauen des Dorfes aus dem Fluß gefischt hatten war halb  
tot. Noch immer umklammerte er das Treibgut, das ihn über Wasser gehalten  
hatte. Schnell schafften sie ihn in die Mission. 
 
Er war bewußtlos, doch sein Zustand stabilisierte sich. Seine Gesichtszüge  
waren verborgen hinter einem dichten schwarzen Bart, der langsam ergraute.  
Er war nicht sonderlich alt, doch vom Leben gezeichnet. Ein sorgenvolles  
Leben mußte es sein. Schwester Maria wusch seine Hände.- Es waren zarte  
Hände, kaum die Hände eines Arbeiters. Sie erschrak ein wenig als sie seine  
Fingerspitzen berührte. Ein Gefühl der Vertrautheit hatte sie durchzuckt,  
doch das war unmöglich.- Nein, dieses Gefühl würde sie nie wieder spüren. 
 
                            ********* 
  
"Morgen! - Möchtest du etwas essen?" Hitomi schlug die Augen auf. Dunkelheit.  
Sie versuchte sich zu strecken, doch irgendwie ging es nicht. Sie spürte  
den Boden an ihrem Arm, auf ihrer Schulter, an ihrer Seite, doch warum  
nicht an ihren Beinen. Sie rollte auf den Rücken wie ein hilfloser Käfer.  
"MEIN GOTT ICH KANN MEINE BEINE NICHT MEHR FÜHLEN!" schrie sie. Nach einem  
kurzen Moment des Schreckens schlug Toshi die Hände vors Gesicht und sank  
zu Boden. "Auch das noch." 
 
Sie hing über seinen Schultern wie ein Sack. Was stand dieser Mann nicht  
alles für sie durch. Er schleppte sie durch die heiße Mittagssonne, als  
wäre sie eine kleine Umhängetasche. 'Lass mich hier und hol Hilfe!' hatte  
sie gesagt, doch das schien keine Frage für ihn zu sein. 'Du kommst mit und  
wenn ich dich bis nach Japan trage. Ich will dich schließlich heiraten.'  
Heiraten- das Wort klang immer noch in ihren Ohren.- Ein merkwürdiger Ort  
für einen Antrag.- Aber sie würde ihn nötigenfalls daran erinnern. -  
Vielleicht hätte sie es sich schriftlich geben lassen sollen. Ob die Affen  
hoch oben in den Bäumen vor Gericht als Zeugen akzeptiert würden? 
 
"Langsam." sagte er noch, doch da hatte sie die Flasche schon angesetzt und  
den letzten Rest getrunken. Er faßte an ihre Stirn. "Und?" fragte sie. Müde  
ließ er sich auf den Boden fallen und lehnte sich neben sie an den Stamm  
des Riesenbaumes. "Du wirst wieder werden." sagte er und legte aufmunternd  
seine Hand auf ihre Schulter. Er bemühte sich vor ihren Sinnen zu  
verbergen, das er log. Sie schwitzte nicht mehr und das bedeutete sie litt  
unter Flüssigkeitsmangel.- Er mußte den Fluß finden und das schnell. 
 
"Ist das der Fluß, den ich höre?" Das plätschernde Geräusch hatte sie aus  
ihrer Lethargie geweckt. Sie spürte wie Toshi seine Schritte beschleunigte  
und die letzten Kraftreserven mobilisierte. "Ja, ja, das ist er, das ist  
der Fluß. Oh, danke Gott, wir haben ihn gefunden." 
 
Das Wasser aus dem Fluß kochte über dem Feuer in der blechernen  
Feldflasche. Es war mühsam Trinkwasser auf diese Weise zu bereiten, doch er  
wollte nicht noch mehr riskieren. Blutegel, Parasiten, keine Ahnung, was  
alles in dieser Brühe herum schwamm. Er hatte genug Filme gesehen, um zu wissen,  
das man es nicht pur trinken sollte. 
Hitomi ging es noch nicht besser, aber auch nicht schlechter und nach einer  
Mahlzeit gebratener Insekten, die ihr diesmal nicht so gut schmeckten, wie  
in ihrer geistigen Umnachtung tags zuvor, schlief sie nun, eingekuschelt in  
die Decken, die er aus dem Flugzeug hatte retten können. Zärtlich klopfte  
Toshi dreimal auf das gelbe Paket neben ihm, so als wolle er Glück und gute  
Geister heraufbeschwören. Es war ein Schlauchboot, das er im Flugzeug unter der 
Ladung gefunden hatte. Sie würden es gut gebrauchen können. Der Fluß strömte nicht  
sehr schnell hier, wahrscheinlich weil sein Bett relativ breit war, dennoch  
war es sicher nur ein Nebenarm eines weitaus größeren Flusses. 
Er sah in das knisternde Feuer und stand auf, noch etwas Holz nachzulegen. 
Vielleicht würde er in dieser Nacht etwas Schlaf finden. 
Seine Schritte im Kies des Ufers hatten Hitomi aufgeweckt. "Toshi, bist du es?"  
"Schlaf weiter." murmelte er liebevoll und faßte die Hand, die sie ihm  
entgegenstreckte. "Komm zu mir, bitte." Vorsichtig kroch er unter ihre  
Decke. Sie fröstelte und versuchte näher an ihn heran zu rücken. "Nimm mich  
bitte in den Arm, ja?" Er kuschelte sich an sie und umschlang ihren  
zierlichen Körper. "Ich mache dir so viel Kummer, Toshilein." "Nein, du  
doch nicht. Und jetzt schlaf ein. Du brauchst deine Kraft." 
 
                           ********** 
 
"Schwester Oberin?" Sie schreckte auf. "Oh, ich bin wohl eingeschlafen."  
Die junge Ordensschwester lächelte sie an. "Macht ja nichts. Die  
Morgenandacht." Schwester Maria nickte. "Ja, ich komme sofort." sagte sie  
und schloß nochmals für einen Moment die Augen. Sie hatte die ganze Nacht  
am Bett des fremden Mannes gewacht, den sie tags zuvor am Fluß gefunden  
hatten. Irgendwas an ihm beunruhigte sie und machte sie neugierig zugleich.  
Und dann war da noch der Traum, den sie gehabt hatte. Seit Jahren hatte sie  
nicht mehr so intensiv geträumt. 
 
                          *********** 
 
Er war besorgt, noch immer keine Besserung in ihrem Zustand erkennen zu  
können. Hitomi konnte ihre Beine zwar wieder bewegen, doch sie war den  
ganzen Morgen über wieder sehr schläfrig gewesen und auch jetzt auf dem  
schwankenden Schlauchboot schien sie nur zu gern einschlafen zu wollen.  
Toshi mußte einen Arzt für sie finden. Es war schon später Nachmittag, kaum  
zu sagen wie viele Kilometer sie sich schon auf dem Fluß hatten treiben lassen. 
Er kniff seine Augen zusammen: Dort in der Ferne am Rande des Ufers sah er eine  
Bewegung. Boote lagen an einer Art Steg und Kinder spielten im Wasser. Er  
sah zu Hitomi: Sie war wieder eingeschlafen. Der Flußlauf verlangsamte sich  
und er steuerte auf das Ufer zu. "Hey, ola, Hilfe, Help !" 
 
                          *********** 
 
Schwester Maria sah wieder nach ihren Kranken. Der Fremde schien sich  
schnell zu erholen. Seine Lebenszeichen wurden stündlich stärker und bald  
würde er aus seiner Bewußtlosigkeit erwachen. "Schwester Oberin?" Sie fuhr  
herum. "Ja?" "Neue Patienten, Schwester!" Sie nickte der jungen Schwester  
zu. "Ich komme gleich." 
 
                          *********** 
 
"Wo ist ein Arzt?" Toshi kämpfte verbissen mit dem Sprachproblem. Hitomi  
auf dem Arm führte man ihn durch das Dorf. Er hatte eine Ordensschwester  
gesehen, doch sie war bereits wieder im Trubel, den seine Ankunft  
verursacht hatte, verschwunden. "Arzt? Doctor?" Die Fremden redeten auf ihn  
ein, doch er verstand kein Wort. "Leute, ich verstehe euch nicht.- Ich  
brauche einen Arzt." rief er wieder laut. Die Menge teilte sich und eine  
ältere Dame im Kirchengewand trat zu ihm. "Ich helf können wie?" sagte sie  
in schlechtem japanisch, doch Toshi war unbeschreiblich glücklich, das ihn  
überhaupt jemand verstand.  
 
Mit Armen und Beinen schaffte er es sich verständlich zu machen, und so  
lange er einfache Worte benutzte und mit ein wenig Englisch hier und da  
ging es sogar recht gut. Die Schwestern hatten Hitomi untersucht und ihre  
Kopfwunde behandelt. Sie hatten sie an einen Tropf gehangen und nun lag sie  
in einem schlichten, alten, aber äußerst sauberen Krankenhausbett. Er sah  
sich um. Es war ein einziger Saal in den wohl an die dreißig oder mehr  
Betten hinein paßten, doch zur Zeit waren es nur zehn oder zwölf, die  
großzügig verteilt umher standen. Und selbst davon waren nur Sechs belegt.  
Er sah zwei Frauen die wohl gerade entbunden hatten, denn sie trugen Babys  
auf dem Arm. Dann war da ein Junge mit Gipsbein und ein Mann in seinem  
Alter, der liebevoll von seiner Frau umsorgt wurde. Und zu guter Letzt der  
alte Herr, der bewußtlos im Nebenbett lag. Toshi seufzte zufrieden. Man  
hatte ihm zu Essen gereicht und er hatte sich waschen können. Die Leute  
waren freundlich und es schien, als ob sie bereit waren selbst das Wenige,  
was sie besaßen noch mit Fremden zu teilen. Es tat ihm irgendwie Leid immer  
nur mit einem Lächeln antworten zu können. 
 
Schwester Maria kam langsam durch den Saal. Der junge Fremde auf dem  
Holzstuhl am Bett seiner Freundin tat ihr leid. Sie bedauerte seine Sprache  
nicht besser gelernt zu haben. Aber im Nachhinein betrachtet hatte ihr Ex- 
Mann ihr nie viel von sich erzählt. Ob er überhaupt vorgehabt hatte, mit  
ihr zusammen zu leben. Wie würde ihre Tochter heute aussehen? War sie so  
hübsch, wie die junge Japanerin auf dem Bett vor ihr? Sie hoffte es.- Aber 
sie würde es wohl nie erfahren. Die Menschen um sie herum waren jetzt der  
Ersatz für Kinder oder einen Ehemann. Es war nicht so, daß sie mit dem  
Eintritt in den Orden all diese Gefühle abgelegt hatte. Nein auf eine ganz  
besondere Art hatte sie ein zweites Mal geliebt. Zuneigung empfunden für  
den Fremden, der als Pater verkleidet in ihr Dorf gekommen war.- An dem Tag  
als die bewaffneten Männer das Dorf durchkämmt und ihn mitgenommen hatten,  
war für sie eine Welt zusammengebrochen.  
 
                           ******* 
 
Es war spät und Toshi war vor einiger Zeit schon auf dem Stuhl eingenickt.  
Eine junge Ordensschwester hatte ihn geweckt und redete nun auf ihn ein.  
"Es tut mir leid, Schwester, aber ich verstehe sie nicht." gab Toshi  
zurück. Wieder erklangen die ihm unverständlichen Worte. "Sorry, I don't  
understand. Nix verstehen, no comprende." Die Schwester hob ihre hübschen  
Augenbrauen und formulierte nochmals die fremden Worte langsam und mit  
Untermalung durch ihre zierlichen Hände. Toshi hob entschuldigend die Hände  
und schüttelte den Kopf. "Sie fragt, ob sie sich nicht lieber auf ein Bett  
legen wollen. Sie findet der Stuhl sei zu hart zum Schlafen." Toshi  
erschrak ein wenig, doch die Stimme aus der Dunkelheit klang freundlich.  
Toshi sah die junge Ordensschwester an und schüttelte den Kopf. "No,  
gracias." Sie nickte und verabschiedete sich mit einem versöhnlichen  
Lächeln. Erst jetzt suchte Toshi die Quelle der hilfsbereiten Stimme. Es  
war der ältere Mann im Nebenbett. Er war endlich aufgewacht aber schüttelte  
immer noch benommen den Kopf. "Vielen Dank, mein Herr." sagte Toshi und  
verbeugte sich höflich. "Keine Ursache." sagte der Alte in einem  
merkwürdigen Akzent und setzte sich langsam auf. Er musterte den jungen  
Mann und die junge Frau im Krankenbett. Toshi sah die Blicke, die auf ihm  
lasteten. "Mein Name ist Toshi Utzumi." Der alte Mann nickte wortlos. "Und  
wie heißen Sie, wenn ich fragen darf?" bohrte Toshi, als nach Sekunden des  
Schweigens noch immer keine Antwort kam. "Michell.- Heinrich Michell."  
antwortete der Alte.  
 
Der alte Mann drehte sich unruhig in seinem Bett. Er hatte nicht die  
Wahrheit sagen können. - Noch nicht. VanBreuking war mit allen Wassern  
gewaschen. Er mußte seine wahre Identität noch Geheim halten. Vor allem  
aber durfte er nicht hier bleiben. Hier würde man ihn zuerst suchen und  
nochmals wollte er ihr das nicht antun. Auf ihre Fragen hin hatte er sich  
als Vermessungsingenieur ausgegeben, der mit seinem Flugzeug abgestürzt  
war.- Sie hatten ihn wohl nicht wiedererkannt. Irgendwie würde er sich  
schon nach Santarem - der nächsten größeren Stadt - durchschlagen. Dort  
würde er Untertauchen und seinen Freund kontaktieren.- Kein Problem für  
ihn, er hatte lange genug Versteck gespielt. Er sah zu der Frau auf dem  
Bett neben ihm. Sie war sehr hübsch und sie und ihr Freund gaben   
ein schönes Paar ab. Ein leises Stöhnen ließ ihn aufmerken. Die Frau kam zu  
Bewußtsein und sofort war ihr Freund hellwach. Sie wechselten leise ein  
paar Worte und dann küßten sie sich. Sie liebten sich sehr, das sah er 
deutlich. Verschämt wandte er den Kopf ab. Er hatte auch geliebt - vor  
langer Zeit. Doch jedes Mal hatte er der Frau Unglück gebracht und sie in  
tiefes Leid gestürzt. Mit einer Träne in den Augen schlief er ein. 
 
Er wachte auf. Schweißgebadet. Er schlug das Moskitonetz vom Bett zurück  
und stand auf. Leise schlich er hinaus. Der Himmel war klar und weit. Kein  
Zaun, keine Alarmanlage, die seine Bewegungen behinderte. Er war frei. Frei  
zu gehen wohin er wollte. "Es hat sich nicht viel verändert, Michael - oder  
sollte ich Pater Alberto sagen." Schwester Maria war hinter ihn getreten.  
Er lächelte in sich hinein. Nein, ihr hatte er noch nie etwas vormachen  
können. Sie hatte ihn wiedererkannt. Schon damals hatte sie ihn  
durchschaut, kaum, das er in diese Mission gekommen war. Er hatte sie  
geliebt. Nicht so wie er seine Frau geliebt hatte. Maria war für ihn eine  
Tochter. Ersatz für die, die er zurück hatte lassen müssen bei seiner  
Flucht. "Du bist also Schwester Oberin geworden - du verdienst es,  
wirklich." Sie nickte. "Danke." sagte sie. Sie empfand immer noch etwas für  
diesen Mann, aber es war auch viel Zeit vergangen und sie hatte lange  
gebraucht, um über den Verlust hinweg zu kommen. "War es schlimm?" fragte  
sie. Verloren blickten seine Augen in den Sternenhimmel. "Du machst dir  
kein Bild davon. Er hat mich nicht mißhandelt, jedenfalls nicht mehr, als  
er bemerkte, das ich nicht der war, den er suchte. Ich mußte für ihn  
malen. Ich war einer der Goldesel, die ihm das Geld für seine irren Pläne  
beschafft haben.- Noch ein paar Monate und ich wäre daran zerbrochen." "Was  
hast du jetzt vor?" "Ich werde nach Santarem gehen und dort untertauchen.  
Vielleicht lebt mein alter Freund ja noch und er kann mir helfen." "Zurück  
zu gehen?" "Ja. Ich denke das schulde ich ihnen." "Ich wünsche dir alles  
Glück." sagte Schwester Maria leise und mitfühlend. "Aber du mußt bald  
verschwinden. Sie werden nach dir suchen und wenn sie dich finden..." Er  
fuhr herum und griff ihre Hände. Zärtlich berührte er ihre Fingerspitzen.  
"Wenn sie mich hier finden, werden sie jeden im Dorf bestrafen. Das  
wolltest du doch sagen.- Aber sei unbesorgt, das werde ich nicht noch  
einmal riskieren." Sie zog die Hände zurück,- ein wenig barscher als ihr  
lieb war. "Der Bus geht morgen Früh um 10 Uhr." Er nickte. "Ich danke dir  
für Alles. Bitte, Maria, sag mir, wenn ich etwas für dich tun kann." Sie  
schüttelte den Kopf, doch dann besann sie sich eines Besseren. Langsam  
holte sie ein abgegriffenes Lederetui heraus. Ein einzelnes vergilbtes Foto  
lag darin. Als sie es dem alten Mann reichte zog er die Augenbrauen hoch:  
"Ist er das?" "Ja. Versuch ihn und meine Tochter zu finden- tust du das für  
mich?" "Sicher..." 
 
                      ******** 
 
Es war noch nicht richtig hell als der Aufruhr sie weckte. Schwester Maria  
kam herein geeilt. "Schnell sie mitkommen." sagte sie zu Toshi und Hitomi  
und tippte auch dem alten Mann im Nebenbett auf die Schulter. Sie führte  
die drei in einen Nebenraum der Kapelle. Drei Ordensgewänder lagen dort.  
"Ziehen an sie schnell." herrschte sie ungewohnt befehlend, dann wechselte  
sie einige leise Worte mit dem alten Mann, zu leise, als das Hitomi es  
hätte verstehen können. Ihre Augen hatten sich erholt, zwar sah sie noch  
ein wenig verschwommen, aber sie erkannte wieder, wo sie lang lief und was  
sie tat. 
Als Schwester Maria gegangen war blickte sie den alten Mann fragend an.  
"Bewaffnete Männer durchsuchen das Dorf nach Fremden.- Wenn sie uns finden,  
kann es sein, das sie ein Massaker unter den Einwohnern anrichten." Hitomi  
nickte. Die Stimme dieses Mannes war so warm und so weich. Der Akzent, mit  
dem er sprach war zu fremd um zu vermuten er sei Japaner, doch er schien  
ihr so vertraut. 
Es dauerte einige Minuten bis Hitomi die Schwesterntracht angelegt hatte.  
Toshi und der alte Mann hatten es da weitaus einfacher mit ihren einfachen  
Mönchsroben. Der Alte musterte Hitomi prüfend und zupfte noch einige  
Details zurecht. "Gut so, Fräulein. Sprechen sie so wenig wie möglich. Nur  
wenn sie gefragt werden." Hitomi nickte. "Herr Utzumi, sie halten sich an  
mich. Wenn man sie fragt tun sie, als seien sie stumm." 
 
Auf ihrem Weg hinaus aus dem Dorf schlotterten Toshi die Knie. Die Fremden  
durchsuchten jeden Winkel der Stadt. Sie trugen automatische Gewehre und  
Patronengurte über grün-oliv gemusterten Kampfanzügen. "Ganz ruhig."  
zischte der alte Mann, der zusammen mit Schwester Maria vorausging. Ein  
dicker Mann mit Glatze in dekorierter Uniform begleitet von zwei Wachen  
stellte sich ihnen in den Weg. Prüfend musterte er ihre Gesichter.  
Schwester Maria trat vor und wechselte einige Worte mit ihm. Sein strenger  
Blick hellte sich auf und er ließ die Gruppe passieren. Erst als sie das  
Dorf schon eine Weile hinter sich gelassen hatten zeigte sich ein zufriedenes 
Lächeln auf dem Gesichte der Ordensschwester und des alten Mannes. 
"Ein Vorteil hat dieses Land." erklärte der Alte. "Die meisten Menschen sind  
sehr gottesfürchtig." Toshi und Hitomi sahen sich an und nickten erleichtert. 
 
                   ********** 
 
Die Staubwolke hinter dem altertümlichen Bus war schon von Weitem zu sehen  
gewesen. Ohne Probleme hatte er angehalten und die Fahrgäste aufgenommen,  
die zusammen mit ihnen am Rande der Piste standen.  
"Ein merkwürdiger Kauz." meinte Toshi als er auf der Sitzbank Platz nahm  
und beobachtete, wie sich der alte Mann in der Mönchskluft von der  
Ordensschwester verabschiedete. Hitomi nickte. "Ja, er hat sicher ein  
Geheimnis.- Ich würde zu gern wissen welches." 
 
"Also Michael, alles Gute und laß mal was von dir hören." sagte Schwester  
Maria und wischte kurz über ihre feuchten Augen. "Das werde ich."  
antwortete der Alte. "Ja, das werde ich." 
 
                      ********* 
 
Die Fahrt mit dem Bus dauerte lange, doch keiner der Passagiere nahm weiter  
Notiz von der Nonne und den beiden Mönchen. Bei ihrer Ankunft in Santarem  
verschwanden die drei auf der Toilette und kamen als normale Touristen  
wieder heraus. Es war schon erstaunlich was nicht Alles, sofern richtig  
verstaut, unter die weit fallenden Mönchsroben paßte. "Sie haben ja  
abgenommen, Bruder Toshi." witzelte Hitomi, als sie ihren Verlobten wieder  
in Jeans und Hemd sah. Er streckte ihr die Zunge heraus.  
Der alte Mann lächelte. Es war schön zu sehen, wie sich die beiden neckten.  
Nur aufrichtige Liebe schienen sie für einander zu empfinden, obwohl die  
junge Frau den Eindruck machte, als berge sie ein gefährliches Geheimnis in  
ihrem Inneren. "So, ich denke, hier trennen sich unsere Wege." sagte er  
schließlich. "Es war schön sie kennen gelernt zu haben." 
Hitomi verbeugte sich höflich. "Vielen Dank für Alles und kommen Sie gesund  
nach Hause." Toshi reichte dem Mann die Hand zu einem festen Händedruck.  
"Leben sie wohl." 
Sie blickten dem Mann noch eine Weile nach bis er im Getümmel vor dem  
Busbahnhof verschwunden war.  
"Und jetzt, Kätzchen?" Toshi lachte unbeschwert. Der Kummer der letzten  
Tage war von ihm abgefallen. Hitomi ging es sehr viel besser und das war  
alles, was ihm wichtig war. 
"Mal sehen, ob wir das Hotel Royal finden.- Meine Schwestern sollten ja  
schon dort sein." 
 
                       ******** 
 
Es dauerte ungefähr vier Tassen Kaffee pro Nase und siebzehn Sandwiches bis  
Hitomi und Toshi die Ereignisse der letzten Tage erzählt hatten. 
"Das hätte ich zu gern gesehen!" platzte Love frech und vorlaut heraus.  
"Bruder Toshi vom Orden der erfolglosen Detektive." Ihr Lachen blieb ihr im  
Halse stecken als Toshi mit einem fragenden "Ach ja, erfolglos?" konterte. 
Nami räusperte sich. "Ich nehme an, ihr wißt noch nicht wie es jetzt weiter  
gehen soll?" 
"Doch, wir wissen es." sagte Hitomi und faßte Toshi bei der Hand. "Toshi  
und Hitomi werden heiraten und Detective Utzumi wird weiter Katzenauge  
jagen." 
"Das wird nicht einfach, Kind." erwiderte Nami. "Besonders Toshi steht  
dabei sehr unter Druck. - Du weißt ja, daß deine Kollegin nur darauf wartet  
Hinweise in die Finger zu bekommen um ihre Vermutung zu beweisen. 
"Ich weiß, es ist eine Gratwanderung für mich." antwortete Toshi. "Aber ich  
will es so." 
 
Das Telefon hatte Nami aus dem Schlaf gerissen. Ein wenig unverständig  
hatte sie aufgenommen, das Herr Nageishi ihnen riet sofort nach Japan  
zurückzukehren. Eile war geboten, da es ein wichtiges Kunstwerk aus der  
Sammlung ihres Vaters gab, das nur noch wenige Tage in Japan sein würde.  
Sie mußten es holen bevor es außer Landes geschafft wurde. 
 
                       ******* 
 
'Es ist doch immer so. Wenn man auf die Ankunft eines Flugzeuges wartet,  
hat es natürlich Verspätung.' dachte sie und blickte auf die Anzeigetafel  
gegenüber der Sitzbank. Zahlen und Zeichen ratterten und sie lächelte.  
ARRIVED - stand inzwischen hinter dem Flug, auf dessen Passagiere sie  
wartete. Langsam ließ sie ihre Zeitung sinken und blickte über deren Rand. Da  
kamen sie und er war dabei,- begleitete sie, wie sie es vermutet hatte. Er  
war der Helfer. Sie würde ihn kriegen... 
 
                    *********** 
 
"Also Chef, ich muß protestieren. Ich habe Urlaub." Der Dezernatsleiter  
lachte. "Was sagten sie Utzumi, sie wollen freiwillig einen Monat lang  
Nachtschicht schieben?" "Ähhh, nein, eigentlich nicht, nein, ich wollte nur  
wissen, ob sie mir etwas über die geplante Katzenaktion sagen können." "Ah,  
jetzt sprechen sie meine Sprache, Utzumi." 
 
                      ******* 
 
Sie saß schon einige Zeit auf der Bank im Park und wartete. Es war kurz vor  
Mitternacht und normalerweise würde er zu dieser Zeit im Bett liegen, doch  
da kam er. Sie schlich ihm nach. Er nahm den Weg über den Parkplatz zum  
Hintereingang und wenige Minuten später ging das Licht in mehreren Zimmern  
des Hauses an. Sie wartete noch eine Stunde, doch er kam nicht mehr heraus. 
 
Am nächsten Morgen kurz nach sechs war sie wieder dort. Er verließ das Haus  
kurz nach sieben. Wieder durch den Hintereingang. Er ging den gleichen Weg  
zurück, auf dem er gestern Abend gekommen war. Er kaufte einen heißen  
Kaffee und wärmte sich daran, während er ziellos durch den Park schlich. Um  
halb Acht verließ er den Park auf dem Weg, der von seinem Appartement durch  
den Park hindurch zum Polizeirevier führte. Ohne das Haus der Schwestern  
eines Blickes zu würdigen, betrat er das Revier. Sie lachte. "Der Urlaub  
muß sehr erfolgreich für ihre Beziehung verlaufen sein, Kollege." 
 
                 ************ 
 
"Also verstehe ich das richtig, Nami? - Herr Nageishi will das wir die  
Büste gegen eine Fälschung austauschen, während wir den Diamanten zur  
Ablenkung stehlen?" Nami nickte. "Aber warum stehlen wir sie nicht einfach,  
wie wir es vorher immer taten?" "Ich weiß es nicht, Hitomi. Herr Nageishi  
hat darum gebeten es so durchzuführen." 
 
                  ******** 
 
Die kleine Lichtkuppel auf dem Dach des Museums hob sich lautlos aus ihren  
Befestigungen, ohne Alarm auszulösen. Schnell hatte die junge Frau in dem  
rot-orangen Trikot die elektrische Winde über dem Loch installiert. "Hast  
du alles?" fragte sie. Die Dame in dem hellblauen Trikot faßte an den  
Knoten, zu dem ihr langes Haar gebunden war. Dann sah sie schnell auf den  
Werkzeuggürtel, den sie trug. "Ja, klar." sagte sie und klinkte sich an das  
Stahlseil. Unter leisem Summen schwebte sie hinunter zu der Vitrine. Sie  
setzte den Saugnapf auf das Deckglas und schnitt ein kreisrundes Loch mit  
dem Glasschneider. Ein leichter Ruck und die Glasscheibe brach heraus. Sie  
nahm den Diamant vom Kissen. Der Alarm schrillte. Sie blickte hoch. Die  
junge Frau an der Winde nickte gelassen und es ging wieder aufwärts. Kurz  
unter dem Loch in der Decke gab sie ein Zeichen zum Anhalten. "Toshi, wo  
bleibst du." zischte sie. Ein Augenblick später flog die Türe auf und ein  
junger Detective stürmte herein. Kurz dahinter folgte eine Polizistin mit  
dunkler Brille. "Na also." murmelte die Diebin am Seil und zog ein Blasrohr  
heraus. Ein Luftstoß und ein kleiner Pfeil schoß auf den Detective zu.  
Getroffen in der Schulter taumelte er und kippte um. Der zweite Pfeil den  
sie abfeuerte galt der Polizistin, doch er mußte sie verfehlt haben, denn  
sie stand noch. Die Diebin ließ sich auf das Dach hochziehen. Weitere  
Polizisten traten herein. "Sie flieht über das Dach." rief die Polizistin  
und stürmte hinaus.  
 
Der vom Pfeil getroffene Detective drehte den Kopf und sah sich um. Die  
Diebe auf dem Dach waren verschwunden und auch die Polizisten im Raum. Er  
stand auf und zog den Pfeil aus dem Schaumstoffpolster, das er unter seinem  
Anzug trug. Er ging zu der Büste am Ende des Saales. Ein Lüftungsgitter war  
einige Schritte weiter in der Wand eingelassen. Er nahm den Deckel ab.  
Dahinter war ein Duplikat versteckt, für ungeübte Augen völlig identisch. 
"Halt! Utzumi!" schallte es durch den Raum. Er fuhr herum. Es war die  
Polizistin. "Asaja?" "Ja, Utzumi. Überrascht ?" antwortete sie und  
lachte siegessicher, in der Hand den Pfeil haltend, der ihr gegolten hatte.  
"Ich sagte doch ich kriege die Katzen und Sie gehören dazu. Und jetzt weg  
da. Los Hände hoch." sie zielte mit ihrer Dienstwaffe auf ihn. Toshi stand  
regungslos da. Dann sah er einen Schatten hinter seiner Kollegin. Wie aus  
dem Nichts war er aufgetaucht und streckte sie mit einer Handkante zu  
Boden. Erst als die Person ins Licht trat erkannte er Nami. "Komm Toshi,  
wir müssen es zu Ende führen.." 
 
Der Dezernatsleiter ließ das ganze Museum absuchen, aber nicht nur der  
Diamant, auch Detective Utzumi und Unterinspektor Asaja waren verschwunden. 
 
                          ****** 
 
Nami saß wortlos im geheimen Besprechungszimmer und betrachtete wie Toshi  
sich immer wieder vor die Stirn schlug. "Wie konnte ich nur so dumm sein.  
Ich wußte doch, das sie mich der Mithilfe verdächtigte." Hitomi legte  
zärtlich ihre Arme um ihn. "Nein, Schatz. Es war mein Fehler. Ich hätte sie  
nicht verfehlen dürfen." 
Love blickte zu der Frau, die in einem Bürosessel friedlich vor sich hin  
schlummerte. "Und was jetzt? Wollen wir sie in Beton gießen und in der  
Bucht von Tokio versenken? - Sag du doch 'mal was große Schwester." 
Nami sah in die Runde. Dann mit einem Mal begann sie zu lachen. "Macht euch  
keine Sorgen. Es verlief alles nach Plan." sagte sie. 
 
                         ******* 
 
Als Asaja aufwachte schmerzte ihr die Schulter vom Einstich des  
Betäubungspfeiles. Das Geschoß hatte sie getroffen, doch nicht gewirkt. Sie  
schlug die Augen auf und als sie die Personen sah, die sie erwartungsvoll  
musterten sprang sie auf. Jeder Muskel spannte sich in ihrem Körper und sie  
griff an ihren Halfter. Natürlich,- sie hatten ihr die Waffe genommen. Sie  
lachte. "Die Kisugi-Schwestern sind die Katzen und Utzumi ist ihr  
Informant.- Ich habe also doch recht gehabt." Sie beruhigte sich und sank  
wieder auf den bequemen Drehstuhl. "Und was wollen sie jetzt mit mir  
machen? Ich denke nicht, das sie mich umbringen wollen. - Warum geben sie  
nicht auf?" 
Nami lächelte. "Ich denke, wir werden erst einmal Tee trinken." sagte sie  
und ging hinaus. 
 
Es herrschte angespannte Stille, als sie zurückkehrte. Nami servierte die  
Getränke und setzte sich wieder an den kleinen Tisch, den man extra zu  
diesem Anlaß hingestellt hatte. Genüßlich nahm sie einen Schluck aus ihrer  
Tasse, dann erst öffnete sie den Umschlag, der ebenfalls auf dem Tablett  
lag. Sie betrachtete den Inhalt, ohne das die Anderen etwas davon sahen. 
"Darf ich Sie fragen, was mit ihrem Vater ist, Fräulein Asaja?" Die  
Polizistin stutzte. "Ich weiß nicht, was diese Frage soll, aber bitte.-  
Mein Vater starb, als ich drei war.- Und um die nächste Frage zu  
beantworten: Ich wuchs bei meinen Großeltern auf und habe meine Mutter nie  
gekannt." Nami nickte betroffen. "Das tut mir leid. Haben sie nie nach  
ihrer Mutter gesucht?" Asaja rümpfte die Nase. "Also soll das jetzt hier  
ein Verhör werden oder was?" Nami schloß kurz die Augen. Sie mußte das  
Vertrauen dieser Frau gewinnen. "Bitte, Fräulein Asaja." sagte Nami und  
nahm ein Foto aus dem Umschlag. "Kennen sie diesen Mann dort?" Asaja  
erschrak sichtlich. "Das ist das Hochzeitsfoto meiner Eltern.- Woher haben  
sie das?"  
 
                            ******** 
 
Asaja konnte nicht glauben, wohin sie unterwegs war. Das Flugzeug konnte  
nicht schnell genug fliegen und wenn es genutzt hätte, hätte sie sogar  
geschoben. Allein schon die Tatsache, das sie zum ersten Mal seit Jahren  
und vor allem so überstürzt Urlaub eingereicht hatte, hatte ihren Chef  
verwundert und, wenn sie ehrlich war, auch sie selbst. "Toshi, sie haben  
sie doch schon einmal gesehen? - Wie ist sie so."  
Toshi schreckte aus seinen Gedanken. "Nett." antwortete er auf Verdacht. Er  
hatte nur mit einem Ohr zugehört. Er konnt immer noch nicht so recht glauben, 
was Nami und dieser mysteriöse Herr Nageishi ihnen Allen offenbart hatten: 
Der alte Mann, den sie in der Mission getroffen hatten war kein Geringerer 
als Michael Heinz gewesen, geflohen aus den Händen eines Ex-Nazis namens  
VanBreuking. VanBreuking gehörte auch die Büste, die Toshi im Museum  
ausgetauscht hatte. In ihr waren Drogen deponiert, die so als Teil der  
Kunstsammlung den Bestimmungsort erreichen sollten. Das Landhaus von  
VanBreuking war daraufhin vor drei Tagen hochgenommen worden, seine  
Schergen wurden verhaftet, von VanBreuking selbst keine Spur. Die größte  
Überraschung war gewesen zu hören, das die Ordensschwester, die Hitomi  
gepflegt hatte, Asajas leibliche Mutter war. Und nun nach 25 Jahren würde  
sie endlich ihre Tochter wiedersehen. Alles in Allem ein Ende wie  
geschaffen für ein Märchen aus moderner Zeit. -  
Sein privates kleines Happy-End hatte Toshi gestern erlebt und der Ring an  
seinem Finger erinnerte ihn daran. Er war verheiratet. Verheiratet mit der  
Frau, die seelenruhig im Sitz neben ihm schlummerte. Die Frau, deren  
Geheimnis er kannte und behüten würde, so lange er lebte. 
"Es wird sicher tödlich langweilig im Revier, jetzt wo Katzenauge  
Vergangenheit ist." Asaja verzog keine Miene. Wortlos griff sie in die  
Innentasche ihres Blazers und zog ein Kuvert heraus. Toshi las den Brief  
und sah sie unverständig an. "Wieso ?" "Ich habe nach meiner Mutter  
gesucht, so lang ich denken kann.- Ich kenne sie nicht einmal. Kein Urlaub  
der Welt kann lang genug sein." "Und sie wollen Alles deshalb aufgeben?"  
"So wie es die Schwestern taten. Und Sie waren auch dazu bereit." Toshi  
lachte. "Ja, sie haben recht." 
 
                          ******** 
 
Die Flitterwochen waren viel zu schnell vergangen und der Dienst im Revier  
war wirklich langweilig geworden. Nicht zuletzt, weil Asaja seit dem Ende  
ihres Urlaubs noch nicht zum Dienst erschienen war. Sie mußte den Brief  
abgeschickt haben. Toshi war inzwischen bei den Schwestern eingezogen und  
fühlte sich dort sehr wohl. Hitomis Zimmer war auch nicht viel kleiner als  
sein Appartement. Außerdem gab es keinen Grund mehr Platz an geheime  
Besprechungsräume zu verschwenden. Der Vater der Schwestern war zunächst  
bei Herrn Nageishi untergekommen, zumindest so lange, bis sicher war, das  
man nicht mehr nach ihm suchte. 
Normalität hatte Einzug gehalten in das Leben der kleinen Familie. Nami  
arbeitete zeitweise als Kunstexpertin für das städtische Museum und war vor  
wenigen Tagen nach Deutschland gereist um eine Ausstellung vorzubereiten.  
Love hatte ihren Schulabschluß hinter sich gebracht und arbeitete nun im  
Café. - So wie auch Hitomi. 
"Toshi? Kommst du ?" Er blickte zur Türe des Gemeinschaftsbüros. Es war  
Kawano Mizaki, der Freund, den zu haben Love immer geleugnet hatte. Er  
hatte im Revier eine Ausbildung begonnen. "Ja, laß uns Kaffeepause machen.  
Es ist ja wieder mal nichts los." 
 
Sie saßen im Café an der Bar und sahen aus wie Zwillinge. Gut, Kawano hatte  
glattes Haar und Toshis war strubbelig, der Polizeischüler trug eine  
Uniform und Toshi sein graues Jackett, aber die Art wie sie über der Theke  
hingen und ihren Kaffee hypnotisierten, mütterlich beobachtet von ihren  
Liebsten,- es war wie Vergangenheit und Zukunft Seite an Seite.  
"Toshi?- Weißt du was ich nicht verstehen kann?" 
"Was, Kawano?" 
"Warum macht man es der Polizei so schwer? - All die Vorschriften,  
Formulare?" 
Toshi sah ihn unverständig an. 
"Na ja, meist ist es doch so, das die wirklich großen Fische schon längst  
über alle Berge sind, bis die Polizei die vorgeschriebenen Papiere hat und  
eingreifen kann." 
Toshi nickte wissend.  
 
                         ********* 
 
Hitomi wachte vom Lichtschein der Nachttischlampe auf. Sie drehte sich um  
und sah Toshi, wie er zum wiederholten Mal die Worte las, die er vor Tagen  
schon auf das Briefpapier gekritzelt hatte. "Was hast du?" Toshi seufzte  
und legte den Briefblock zur Seite. Er kuschelte sich in das Bett und nahm  
seine Frau in den Arm. Zärtlich küßte er sie. "Ich bin mir immer noch nicht  
sicher, daß es das Richtige ist.- Ich meine uns fehlt es doch an nichts und  
warum sollte ich dann so etwas wagen? Besonders jetzt, wo du schwanger  
bist." "Vielleicht solltest du es tun, weil du es möchtest.- Träume ohne  
Taten sind nichts wert." "Aber es ist so unsicher. Es könnte schief gehen  
und was dann?" "Ich habe mit dem Gefühl der Unsicherheit gelebt, seit wir  
uns kennen.- Warum daran etwas ändern?" Toshi lachte und zog Hitomi zu  
sich. "Laß uns jetzt nicht mehr daran denken, ja?" "Gern." 
 
                         ********* 
 
Die Adern auf seiner Stirn schwollen an, sein Blutdruck schoß in die Höhe  
und sein Gesicht wurde feuerrot. "UTZUUUUUMIIIIII!" 
Toshi blickte von seinem Schreibtisch auf.- Katzenauge war Vergangenheit,  
er hatte keine Ermittlung verpatzt, sich auch sonst keinen Schnitzer  
geleistet - also konnte der Wutausbruch seines Chefs nur Eines bedeuten: Er  
hatte seinen Brief bekommen. Er atmete tief und trat gefaßt nach vorn vor  
den großen Schreibtisch. Der Dezernatsleiter war aufgesprungen und blickte  
ihn durch seine fast rahmenlose Brille an. Er wiegte ein graues Papier in  
den Händen. "Utzumi, was soll das? Das ist ein Scherz, oder?" Toshi  
schüttelte stumm den Kopf. Der Chef sah in aus ausdruckslosen Augen an. Er  
nickte kurz, dann griff er zu dem anderen Blatt auf seinem Schreibtisch. Es  
schien dickes, schweres Papier zu sein, denn es wedelte nicht so leicht wie  
das Graue zuvor. "Wissen sie, was das hier ist?" Toshi zuckte unwissend die  
Schultern. "Dies ist Asajas Kündigung." "Wirklich?" Toshi tat erstaunt,  
doch er hatte es bereits geahnt. In den letzten Tagen war er mehrmals bei  
ihr zu Hause gewesen, keiner machte auf. Keiner erwiderte die Anrufe.  
Überwältigt von Neugier und Sorge hatte er sich Eintritt in ihre Wohnung  
verschafft. Es war alles aufgeräumt und sorgsam abgedeckt, so als würde man  
das Appartement für eine lange Zeit leer stehen lassen. "Erst Asaja, jetzt  
Sie? Utzumi, warum tun sie das? Sie sind die erfolgreichsten Detectives  
meiner Abteilung.- Nur weil sie Katzenauge nicht gefaßt haben?" Toshi  
zögerte. Was sollte er sagen? - Das er den Polizeidienst quittierte, weil  
er nicht riskieren konnte ungewollt die Identität von Hitomi zu verraten? 
 
                               ********** 
 
"Tss, kommt her und maßt sich an das Sicherheitssystem zu kontrollieren."  
Nami fuhr herum und ihre Augen waren zu stechenden kleinen Punkten  
geworden. Sie hatte das Geflüster gehört. "Sagten sie was?" fragte sie  
dennoch. "Nein." log der große blonde Polizeibeamte in Zivil. "Dann habe  
ich mich wohl verhört." erwiderte Nami und wandte sich wieder der Arbeit  
zu. Sie testete die Alarmanlage, die den wertvollsten  
Ausstellungsgegenstand sicherte, den die Ausstellung alt - ägyptischer  
Kunst hatte: Das Sonnenboot des RA. Es war eine Wanderausstellung und als  
Vertreterin des japanischen Nationalmuseums war es nun ihre Aufgabe die  
Kunstgegenstände unbeschadet und sicher in die Hände des deutschen  
Nationalmuseums zu geben. "Mach hin, Schlitzauge. Ich habe Feierabend."  
wieder hatte sie die beleidigenden Worte gehört, die der Polizist zu seinen  
Kollegen murmelte. "Ich bin fertig, Krautfresser." sagte sie und drehte  
sich herum. Wieder schenkte sie ihm vernichtende Blicke. Der blonde Hüne  
fühlte sich etwas unbehaglich und war froh, sich seinen Männern zuwenden zu  
können. "Also gut, Männer. Wir haben es geschafft. Wie es scheint ist der  
hohe Besuch aus Japan zufrieden und ihr habt Feierabend." Wortlos nickten  
die sechs Polizisten, die im Raum standen und gingen hinaus. Als der Blonde  
ihnen folgen wollte, hielt Nami ihn zurück. "Einen Moment noch, Inspektor  
Rossinier." Er fuhr herum und sah sie an. "Oberinspektor Rossinier."  
korrigierte er. "Okay, Oberinspektor Rüpel." Der Mann hob mahnend die Hand.  
"Na, na, ich könnte mich über dich beschweren." "Ich aber auch, du  
ungehobelter Klotz." Er lächelte. "Also gut, was gibt es, eure königliche  
Hoheit?" Nami holte tief Luft. "Ich weiß, das du mich hassen mußt. Und ich  
verstehe es auch, aber bitte laß uns das hier professionell durchziehen."  
"Ich denke, es wäre besser, wenn du dir einen Anderen suchst. Es ist zwar  
15 Jahre her, aber es schmerzt immer noch, weißt du das?" Nami nickte. "Ich  
weiß." flüsterte sie. "Was ist, soll ich dich zum Essen einladen?" "Aber  
keinen Schlitzaugenfraß!" "Nein, richtig schönes fettes deutsches Essen,  
damit du noch runder wirst!" Er sah an sich herunter. "Ich bin nicht fett!"  
stellte er beleidigt fest. Nami grinste. "Wenn du meinst." erwiderte sie  
ironisch, doch insgeheim mußte sie zugeben, das er wirklich sehr gut  
aussah.  
 
Sie waren noch nicht einmal aus dem Museum heraus, als die Alarmglocke  
schrillte. Nami und Oberinspektor Robert Rossinier sahen sich an. "Das  
Boot!" entfuhr es ihnen wie aus einem Mund und sie rannten zurück in den  
Ausstellungssaal. Ein großes Loch klaffte in der Wand und eine schwarz  
gekleidete Gestalt hatte bereits mit roher Gewalt die Vitrine aufgebrochen  
und entnahm nun das ganz aus Gold bestehende Sonnenboot. Der Polizist griff  
nach seiner Waffe. "Halt, stehenbleiben!" rief er, doch der Dieb gab sich  
unbeeindruckt und floh durch die heraus gesprengte Maueröffnung in die  
Dunkelheit des angrenzenden Gebäudes. Nami setzte nach, während Robert  
wieder hinaus rannte.  
 
Der Flüchtende warf Nami immer wieder Stühle und kleinere Möbel in den Weg  
während sie ihn durch das angrenzende Großraumbüro jagte. Der Dieb gewann  
immer mehr an Boden und als er schließlich in die Tiefgarage floh verlor  
Nami ihn im Gewirr der parkenden Wagen aus den Augen. Erst als sie einen  
Motor aufheulen hörte, sah sie ihn wieder. Doch da war es bereits zu spät  
und er raste mit quietschenden Reifen der Ausfahrt zu. 
 
Robert hörte Namis Rufe und sah den Wagen, der aus der Tiefgarage herauskam  
und auf ihn zu hielt. Er zog seine Waffe und legte an, doch noch bevor er  
abdrücken konnte, mußte er sich mit einem Sprung in Sicherheit bringen um  
nicht überfahren zu werden.  
 
"Warum hast du nicht geschossen?" meckerte Nami. "Er hätte mich über'n  
Haufen gefahren!" rechtfertigte sich Robert. "Pah, ich hätte geschossen."  
erwiderte Nami selbstsicher und ging voraus zum Polizeirevier. Robert  
schüttelte den Kopf und trottete hinterher. "Zicke! - Das kann ja noch  
heiter werden." 
 
                        ********** 
 
Sie wachte auf und ihr dröhnte der Kopf. Das Summen der Moskitos begleitete  
sie Tag und Nacht. Sie vermißte fließend warmes Wasser, eine Dusche,- ganz  
zu schweigen von einem Sprudelbad um sich zu entspannen. Ihre Augen  
schmerzten. Vor Wochen schon waren ihr die Augentropfen ausgegangen und die  
Lieferung an Medikamenten für die Mission würde nicht vor nächster Woche  
kommen. Die wenigen Bücher hatte sie schon alle dreimal gelesen. Und auch  
wenn 25 Jahre eine lange Zeit waren,- irgendwann waren alle Geschichten  
erzählt. Ihre Mutter war ohnehin ständig um die Kranken besorgt und schien ihre  
wiedergefundene Tochter mittlerweile als selbstverständlich anzusehen. Sie  
konnte es ihr nicht einmal richtig verübeln. Sie hatte sie nie gekannt und  
andere Dinge hatten ihr Leben geprägt. Sie seufzte- Vielleicht war die  
Kündigung zu vorschnell gewesen. Was sollte sie tun, wenn sie zurückkehrte?  
- Um ihren Job betteln würde sie nicht. Sie griff nach dem Stift auf dem  
kargen Holztisch und riß ein Blatt Papier aus ihrem Notizbuch.- Sie würde 
es verstehen..... 
 
                         ********** 
 
Robert hatte Namis Zeugenaussage eigenhändig getippt. Etwas, das er schon  
seit Jahren nicht mehr gemacht hatte,- immerhin war er Oberinspektor. Doch  
kaum das Nami die Ausführungen las, rümpfte sie die Nase. "Das ist kein  
guter Stil." meckerte sie wie eine Deutschlehrerin. Robert sah sie aus  
bösen Augen an. "Was soll das? Das ist soll kein Roman werden, das ist 
eine Zeugenaussage. Und außerdem wer von uns lebt seit 14 Jahren in  
diesem Land? - Du kannst es ja in Japanisch schreiben und ich lasse 
es von einem Schriftsteller übersetzen." Wütend schlug er auf den Schalter  
der Schreibtischlampe woraufhin sie ausging. "Entweder du unterschreibst es  
oder du läßt es. Ich gehe jetzt nach Hause." "Was ist mit den  
Ermittlungen?" "Morgen früh 9 Uhr hier." muffelte Robert schon im  
herausgehen begriffen. "Sei hier oder laß es, was mir ehrlich gesagt.." Er  
hielt inne. "Was dir lieber wäre." ergänzte Nami. "Du hältst mich für einen  
Klotz am Bein." Robert lachte. "Das hast du gesagt." Nami hatte seine  
Gedanken gelesen, aber was zählte war, das er es nicht gesagt hatte. "Wenn  
du dich für einen Klotz hältst- Bitte!" 
 
                        ************ 
 
Sie hatte sich mies gefühlt, als sie am Morgen wie ein Krimineller im  
Schutze der Dunkelheit das Dorf verlassen hatte. Doch der Sonnenaufgang,  
dem sie auf der staubigen Piste entgegen gegangen war, hatte sie ein wenig  
versöhnt. Es war wie der Beginn eines neuen Lebens. - Ihres neuen Lebens. 
Der Bus grollte auf, nun da er wieder anfuhr. Die Sitzbank erzitterte und  
es schreckte sie aus ihrer Melancholie. Ein junger Mann ließ sich in den  
Sitz neben sie fallen. Erschöpft seufzte er und blickte Asaja aus fröhlich  
funkelnden Augen an. "Toshi, aber was.. ?" entfuhr es ihr leise, als sie in  
das Gesicht sah. Der junge Mann lachte. "Wenn Sie mich so nennen wollen,  
bitte." erwiderte er schlagfertig, "Aber eigentlich wäre Aiko mir lieber."  
Asaja senkte beschämt den Blick. Sie war zu überrascht gewesen. Erst als  
sie genauer hingesehen hatte, war ihr der Unterschied aufgefallen. Die  
Augenfarbe war anders und dieser Mann hatte bräunliches Haar und war etwas  
rundlicher im Gesicht. Dennoch sah er Utzumi zum Verwechseln ähnlich.  
"Bitte verzeihen sie." murmelte sie leise. "Ich habe sie verwechselt." Er  
lachte charmant. "Macht nichts, von schönen Frauen lasse ich mich gern  
verwechseln." Asaja schmunzelte. Die Art dieses Mannes gefiel ihr und da  
die Fahrt noch ein paar Stunden dauern würde, war sie für jeden  
Gesprächspartner dankbar. 
 
                                ********* 
 
"5000 Yen - Das ist doch fast geschenkt!" Dem Schrotthändler standen  
Schweißperlen auf der Stirn. Schon seit über zehn Minuten feilschte er nun  
schon um den Preis für eine alte Leuchtreklame. Toshi betrachtete das  
rollbare Schild und setzte ein wissendes Lächeln auf. "Niemals. - Die  
Beleuchtung ist hin, da sind Roststellen am Rollgestell und ich muß die  
Aufschrift ändern lassen.- 3800 - letztes Angebot." Der Alte sah ihn aus  
zusammengekniffenen Augen an. "Sie ruinieren mich." sagte er mit Mitleid  
erregender Stimme. "4700 - Bitte, ich muß auch leben." "4000." meinte  
Toshi. "Ach kommen sie, was sind schon 700 Yen." Toshi lachte. "700 Yen  
sind der Unterschied zwischen 4000 bekommen oder gar nichts." Er drehte  
sich zum Gehen, doch er ging nicht so schnell wie gewohnt. "4500---" schrie  
ihm der Schrotthändler hinterher. Er blieb stehen und drehte sich nach  
einer kurzen Gedankenpause um "Inklusive neuer Beleuchtung und neuer  
Beschriftung?" fragte er. Der Alte verdrehte die Augen. "Ja, gut." 
 
                        ************ 
 
Es war kurz nach Neun und Robert war sicher Nami nicht wiederzusehen.  
Immerhin war er am Abend zuvor deutlich genug gewesen. Zwar sagte ihm sein  
Gefühl etwas anderes, aber in 14 Jahren hatte sein Verstand es geschafft alle 
Gefühle für diese Frau zu verdrängen. 
"Du kommst spät. Es ist schon Zehn nach.- Weiß dein Chef, das du zu spät  
kommst?" Er verzog sein Gesicht als er Nami auf dem Stuhl vor seinem Büro  
sitzen sah. "Ich bin der Chef." meckerte er. 
 
Der erste Hinweis, dem Nami und Robert nachgingen führte sie über das  
Kennzeichen des Fluchtwagens zur Autovermietung. "Ja, ich erinner' mich an  
den Kerl." meinte der junge Mann hinter der Ladentheke. "Etwa 35, mittelgroß,  
dunkle Haut, buschige Augenbrauen, schwarzes Haar, Schnurrbart. War recht  
freundlich. Französischer Führerschein." Der Computer piepste. "Ja, da  
haben wir ihn. Hakim, Mechmet.- Welche Adresse wollen sie? - Die, die er  
mir gegeben hat oder die andere?" Robert blickte ihn verwundert an. "Wie?"  
"Na, ich denke die Adresse, die er angegeben hat ist falsch. Zusammen mit  
dem Führerschein zog er eine Quittung eines Hotels heraus. - Also habe ich  
beide Adressen in den Computer gegeben." Der junge Angestellte lächelte  
selbstzufrieden. Nami blickte ihn mit ernüchternden Blicken an. "Wenn die  
Adresse falsch ist, denken sie, sie sehen den Wagen noch mal?" Das Grinsen  
auf dem Gesicht des jungen Mannes verschwand. 
 
Robert klappte sein Notizbuch zu. "Toll, Sackgasse." meinte er. "Beide  
Adressen haben wir jetzt geprüft, beide falsch." Nami blickte auf die  
Eisenbahngleise, die die Straße beendeten. "631" murmelte sie und sah auf  
die Hausnummern an den Häuserwänden. Die Straße endete mit Nummer 198 auf 
dieser und mit Nummer 197 auf der anderen Seite. Plötzlich beagnn sie zu 
lächeln. Wortlos drehte sie sich herum und ging die Straße hinauf. 
"Was machst du?" fragte Robert und versuchte mit einigen  
schnellen Schritten zu ihr aufzuschließen. "Wo willst du hin?" Nami sagte  
kein Wort bis sie plötzlich stehen blieb. "Hier ist es." sagte sie  
schließlich als auf eine billige Absteige zeigte, von der nur ein kleines  
unauffälliges Schild neben der Tür kündete. Robert blickte auf die  
Hausnummer. "136- Warum bin ich nicht darauf gekommen! Die Quittung des  
Diebes muß verkehrt herum auf dem Tisch gelegen haben und da hat er die  
Nummer von rechts nach links aufgeschrieben." Nami lächelte überlegen und  
zeigte Freude über ihren Triumph, den sie innerlich aber gar nicht als solchen  
empfand. 
 
                           ******** 
 
"Fliegen Sie etwa auch mit dieser Maschine?" Asaja klang verwundert als sie  
sah, wer den Platz neben ihr zugeteilt bekam. Der junge Mann schenkte ihr  
ein zufriedenes Lächeln. "Ja, ich denke, sie werden mich nicht so schnell  
los." Asaja schüttelte amüsiert den Kopf.- Sie konnte sich einen  
schlechteren Sitznachbarn vorstellen. "Wo waren wir stehen geblieben, Aiko?  
- Wollten sie mich nicht im Schach schlagen?" "Ich werde mein Bestes tun,  
Mitzuku." 
 
                           ******** 
 
Sie hatten nicht lange suchen müssen. Das Sonnenboot lag in einem Koffer  
unter dem Bett in Hakims Hotelzimmer. Die Spurensicherung hatte daraufhin  
das Hotelzimmer auf den Kopf gestellt und Fingerabdrücke gesichert. Und nun  
warteten Nami und Robert auf die ersten Ergebnisse. Ein junger Polizist kam  
in das Büro und reichte einen Ordner mit Unterlagen. Robert bedankte sich  
bei ihm mit einem Kopfnicken. "Sehen wir mal." murmelte er als er das  
Dossier durchsah. Nach wenigen Sekunden war er fertig. Er grinste und warf  
die Akte zu Nami, so wie man einem Hund Futter vorwirft. "LIES!" herrschte  
er. Sie sah ihn verachtend an, doch befolgte seine Aufforderung. "So, so  
ein Idealist." meinte sie, als sie fertig war. "Ein Krimineller!" erwiderte  
Robert. "Auch wenn er zu einer Organisation von fanatischen Nationalisten  
gehört, die von sich behaupten nur die Beute von Grabräubern wieder zurück  
in ihr Land zu bringen.- Er bleibt für das Gesetz ein Dieb." Nami legte die  
Akte zusammen und zuckte unbeteiligt mit den Schultern. "Und was jetzt? -  
Das Boot ist wieder da und Hakim wird sich schon längst wieder abgesetzt  
haben." Robert lachte. "Er ist ja auch nicht der Dieb, den ich suche." 
 
                           ******** 
 
Die Stimmung in der Cafeteria des Iunari-Reviers war gedrückt. Toshi saß  
mit ein paar Kollegen am Tisch. "Und du hast wirklich gekündigt, Toshi?"  
fragte Kawano. "Ja, ich will was anderes machen." "Was denn? Bienen  
züchten?" warf ein Kollege ein. Toshi lachte "Nein, Frauen, damit du auch  
eine abbekommst!" erwiderte er und stieß mit den Kollegen an. "Na du kannst  
ja froh sein so einen hübschen Käfer wie deine Hitomi an Land gezogen zu  
haben." Toshi grinste verlegen. "Ja, da habe ich wirklich Glück gehabt."  
Eine junge Verkehrspolizistin am Nebentisch seufzte traurig. "Ja, und ich  
hatte mir schon Hoffnungen gemacht." 
 
                           ******** 
 
Das Büro des Museumsdirektors war groß und reich möbliert. Die stählerne  
Tür des großen Tresors glitzerte gespenstisch im hereinfallenden Licht der  
Außenbeleuchtung. "Worauf warten wir eigentlich?" flüsterte Nami zu Robert,  
der etwa drei Schritte entfernt von ihr im Dunklen hockte. "Auf einen  
Dieb." gab er zurück. "Und jetzt still, ich höre was." Das Schloß der  
Zimmertüre sprang auf und vorsichtig schlich eine dunkle Gestalt herein.  
Ohne Licht zu machen ging sie mit schlafwandlerischer Sicherheit durch den  
Raum hin zu dem Tresor. Das Knacken des Zahlenschlosses verriet die Übung,  
die diese Person im Umgang mit diesem Tresor hatte. Nach Sekunden sprang  
die Türe mit einem klackenden Geräusch auf. Das goldene Glitzern im fahlen  
Mondlicht ließ Nami aufmerken. - Das Sonnenboot! -Aber wie kam es dorthin?  
Und mehr noch warum wurde es nun in einen Pappkarton verpackt? Sie blickte  
zu Robert, doch der war bereits aufgestanden und zum Lichtschalter  
geschlichen. Ein kurzer Druck und der Raum wurde schlagartig erhellt. Die  
Person vor dem Tresor fuhr erschrocken herum. "Hände hoch, Herr  
Museumsdirektor Müller." sagte Robert und legte seine Dienstwaffe an. "Oder  
wollen sie ein Loch in ihrem Maßanzug?" 
 
Robert war sichtlich zufrieden mit sich und seiner Arbeit. Der Direktor  
hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt. "Woher wußtest du es?" fragte  
Nami anerkennend. "Ganz einfach.- Es war zu schlecht versteckt.- Wir  
sollten es finden." Er aalte sich in dem verwirrten Ausdruck, den Nami ihm  
schenkte. "Tja, wir Bullen sind eben nicht ganz dumm." Nami lachte. "Na  
gut, ausnahmsweise geb' ich dir recht." "Hey, du schuldest mir noch ein  
Abendessen, Schlitzauge. - Vergessen?"  
 
                         ******** 
 
Seit Stunden saß Asaja schon in ihrem Appartement und starrte verträumt auf  
den kleinen Zettel in ihrer Hand. Sie konnte es nicht beschreiben, aber sie  
hatte das Gefühl, das ihr Leben in den letzten Stunden eine Wendung  
genommen hatte.- Ein anderes Ziel war aufgetaucht. Sie ging zum Telefon und  
hob den Hörer ab. Gedankenverloren wählte sie die Nummer auf dem Zettel. Es  
klingelte. Nach Sekunden hörte sie eine monotone Tonbandstimme, dann einen  
Pfeifton. "Ja, Mitzuku Asaja hier. Ich frage mich, ob sie morgen Abend  
schon etwas vor haben.- Ich würde Ihnen gerne die Gelegenheit zu einer  
Revanche geben.- Rufen Sie mich einfach an. Bis dann." 
 
                         ********* 
 
Sie gingen Hand in Hand den Gang vor den Hotelzimmern entlang. "Wir sind  
da." murmelte Nami leise und drehte sich Robert zu. Sie sah in seine blau- 
grauen Augen, von denen sie schon vor Jahren so fasziniert gewesen war.  
"Ich möchte, das du mir schreibst." sagte sie leise und gefühlvoll. Er  
lächelte verlegen. "Du weißt ich bin kein sehr guter Schriftsteller, hast  
du ja selbst gesagt." "Dann ruf an." Nami rang mit den Tränen. "Bitte laß  
nicht wieder Jahre vergehen." Er sah in ihre Augen, die langsam feucht  
wurden. Sie senkte beschämt den Kopf. Robert lachte leise und faßte  
zärtlich an ihr Kinn. Behutsam hob er ihren Kopf bis sich ihre Blicke  
wieder trafen. Dann lehnte er sich vor und gab ihr einen langen  
leidenschaftlichen Kuß. Namis Herz brannte wie Feuer. Millionen von  
Schmetterlingen flatterten in ihrem Bauch als sie seinen Zungenkuß  
erwiderte. "Du wohnst doch sicherlich ganz am anderen Ende der Stadt,  
oder?" fragte sie atemlos zwischen zwei Küssen. "Ja, ganz weit weg." gab er  
zurück. "Und da - hmm - da--" seine heißen Küsse raubten ihr den Verstand.  
"Und da kann ich dich doch nicht ... allein gehen lassen ... so spät." Er  
unterbrach das verlangende Spiel ihrer Lippen. "Und was schlägst du vor?"  
Sie griff in die Tasche ihres Blazers und zog den Zimmerschlüssel heraus.  
"Du schläfst bei Freuden." lachte sie lüstern und drückte Robert mit einem  
heißen Kuß vor ihre Zimmertüre. Als sie aufschloß taumelten sie  
liebestrunken in den Raum. "Oh mein Gott, Robert, wo warst du nur in den  
letzten 15 Jahren!" seufzte sie glücklich. 
 
                       ******** 
 
Hitomi lächelte zufrieden und steckte den Brief zurück in den Umschlag,  
nachdem sie ihn laut ihren Freunden vorgelesen hatte. Love grinste. "So,  
so. Bleibt unsere große Schwester also noch länger weg.- Kann ich.."  
"Nein." unterbrach Hitomi. "Du kannst ihr Zimmer nicht haben." Die Jüngste  
schmollte und blickte ihren Freund Kawano an. "Komm, gehen wir ins Kino.-  
Hier sind wir nicht mehr erwünscht." 
Toshi sah den beiden lächelnd nach. "Waren wir früher genau so?" "Ich denke  
schon." antwortete Hitomi. "Und was macht ihr jetzt ihr zwei arbeitslosen  
Detektive?" Asaja, die neben Toshi an der Theke saß, runzelte die Stirn.  
"Ich habe mich bei verschiedenen Wachdiensten beworben.- Aber bisher nur  
Absagen." Sie seufzte. "Die Entlassung einzureichen war vorschnell." Asaja  
blickte zu ihrem Ex-Kollegen. "Und was ist mit Ihnen, Toshi?" Wortlos stand  
er auf und ging ins Hinterhaus. Als er zurückkam rollte er eine  
Leuchtreklame vor sich her. "Darf ich Ihnen vorstellen? - Mein neues  
Firmenschild.- Und wenn sie wollen auch Ihres." Als er es herumdrehte damit  
Asaja die Aufschrift lesen konnte, kippte sie fast vom Barhocker.  
"PRIVATDETEKTEI KATZENAUGE- Ermittlungen aller Art - Sind sie verrückt  
geworden, Toshi? - Das hier ist kein billiges Anime. - Das ist das Leben!" 
 
ENDE (oder nicht?) 
 

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