Ein Supertrio - Cat's Eye (Teil I+II)
© 1999 by Martin Bueltgen, Melissa Schneider, Stefan Krommes
 

Vorwort  I.  Sag' auf Wiedersehen Tokio, Toshi  II.  Die neue Welt  Autoren  



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                 Vorwort 

Die Geschichten basieren auf der TV-Serie 'Ein Supertrio' 
                                 (Manga: 'Cat's Eye' von Tsukasa Hojo).
Die Geschichte orientiert sich an den Handlungen und Personen der TV-Serie, 
was besonders Unterschiede der Namensgebung gegenüber dem Anime betrifft.

Dank all denen, die diesem Fanfic Speicherplatz einräumen und
sich die Zeit nehmen, es zu lesen. 
 
Teil I und II wurden erstmals 1997 im CB-Packet-Radio-Netz veröffentlicht
 
Letzte Überarbeitung 3-1999  

 Melissa Schneider (meschnei@gmx.de)
 Martin Bueltgen (mabueltgen@gmx.de)
 Stefan Krommes (krommes@uni-duesseldorf.de)

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                         Ein  Supertrio
                          Cat 's  Eye


I.    Sag' auf Wiedersehen Tokio, Toshi
       1.  Blick in die Zukunft
       2.  Träumereien
       3.  Auf Beutezug
       4.  Die Drohung
       5.  Das letzte Spiel beginnt
       6.  Zukunftsängste
       7.  Abschied






1. Blick in die Zukunft

Eine kleine Kapelle irgendwo in Mitten einer Berglandschaft und rings umher 
war alles eingehüllt in ein weißes Schneekleid. 
Alles war für die Hochzeit vorbereitet: Kerzen brannten ruhig in den vielen 
antiken Leuchtern, Blumengebinde waren überall in der Kapelle verteilt und 
ein wertvolles Marienkreuz zierte den Traualtar.
Am Ende des scheinbar kilometerlangen Mittelganges stand der Priester. - 
Ein Mann von Ehrfurcht einflößender Statur, aber gütigen Gesichtszügen.
Einige Schritte neben ihm stand der Bräutigam. - Ein gut aussehender Mann 
Mitte-Ende 20 und unauffälliger aber dennoch attraktiver Gestalt. Er trug 
einen weißen Anzug, der ihm so sehr schmeichelte, daß wohl eine jede Frau 
in der Kirche auf die Braut neidisch war. 
Der Trauzeuge des Bräutigams war ein großer, leicht untersetzter Mann Ende 
40 mit angegrautem Haar. Sein schlichter aber dennoch gut sitzender grauer 
Anzug hatte etwas von einer Dienstkleidung und im Gegensatz zum Bräutigam, 
der ganz entspannt wirkte, verriet sein Gesicht Anspannung und Nervosität. 
Immer wieder zupfte er unruhig an seiner Krawatte und mühte sich nicht 
vorhandene Falten aus seinem Anzug zu streichen.
Doch dann hatte das ungeduldige Warten endlich ein Ende: Der 
Hochzeitsmarsch ertönte und die Orgel ließ bei den tiefen Tönen die Kapelle 
förmlich erzittern.
Die Augen der Besucher richteten sich auf den Eingang, wo ein großer, etwas 
korpulenter Mann in einem edlen weißen Anzug erschien. Sein Bart verlieh 
seinen asiatischen Gesichtszügen aristokratisches Aussehen und auch sein 
erhabener Gang und seine Bewegungen wirkten ausgesprochen majestätisch, als 
er langsam die Eingangstüre der Kapelle öffnete. Ein würdiger Führer und 
Beschützer für die Braut, die er nun hereinführte.
Sie war eine ausgesprochen gut gebaute aber etwas zierlich scheinende Frau, 
die in etwa genau so alt wie der Bräutigam war.
Ihr wundervolles schwarzes Haar war zu einem Knoten gebunden, der ihren 
Schleier trug. Und wie schon bei ihrem Bräutigam waren in ihrem Gesicht 
auch leichte nicht - asiatische Einflüsse zu erkennen.
Sie trug ein wundervoll gefertigtes Brautkleid mit weitem Rock und langer 
Schleppe und man hatte das Gefühl, daß das Weiß ihres Kleides sogar noch 
heller strahlte als die Kerzen in den Leuchtern. Ein letztes Mal wurde die 
die Schleppe des Kleides gerichtet und dann war sie bereit Arm in Arm mit 
dem Brautführer den Mittelgang hinunter zum Altar zu schreiten.
Die bewundernden Blicke der Gäste begleiteten jeden ihrer Schritte und 
jeden Atemzug bis zu dem Moment, da sie schließlich an ihrem Ziel 
angekommen waren.
Der Priester begann mit der Zeremonie und laut und mahnend hallten seine 
Worte durch die Kirche, doch die Gedanken der Braut waren ganz woanders... 
Zwei Jahre war sie jetzt verlobt und hatte in all der Zeit nur auf diesen 
Moment gewartet. Zwei Jahre in denen sie jede Minute Gefahr lief, ihr 
Geheimnis zu verraten. Jahre des Wartens auf das Eine, was vielleicht nie 
passieren würde - vielmehr nie geschehen durfte. Wie hatte sie sich nur in 
solch eine Zwickmühle bringen können. - 'Wir werden erst heiraten, wenn ich 
Katzenauge gefaßt habe.' Wie oft hatte sie ihren Verlobten das sagen 
gehört. Aber das war jetzt alles Vergangenheit.- Jetzt, da der Priester 
sich anschickte ihr die alles entscheidende Frage zu stellen, wußte sie, 
daß sie nur noch einen Schritt von der Ehe entfernt war. - Es war die eine 
Frage, die sie in ihren Träumen und schlaflosen Nächten für sich selbst 
schon so oft beantwortet hatte:
"..Willst du, Hitomi Kisugi, diesen Mann Toshi Utzumi zu deinem rechtmäßig 
angetrauten Mann nehmen ?"
"Ja, ich will..." antwortete die Braut kaum, daß der Priester den Satz 
beendet hatte. Sie war glücklich. Gleich war sie am Ziel ihrer Träume.- 
Gleich war sie die Frau von Toshi Utzumi. 'Hitomi Utzumi,- irgendwie klingt 
das gut..' dachte sie. Und überhaupt,- was konnte jetzt noch schief gehen ? 
Es sei denn...-- aber Hitomi zögerte diesen Gedanken zu Ende zu führen...
Der Priester wandte sich dem Bräutigam zu: "Und nun frage ich dich, Toshi 
Utzumi, willst du diese Frau, Hitomi Kisugi zu deiner rechtmäßig 
angetrauten Frau nehmen?"
Hitomi konnte in Gedanken ihren Bräutigam schon 'Ja , ich will' sagen 
hören. Sie freute sich sogar schon auf den Hochzeitskuß,- doch Toshi 
zögerte und sein Blick war starr auf das kostbare Marienkreuz gerichtet, 
daß auf dem Altar stand. Hitomi war verwirrt und wütend zugleich. Wollte 
Toshi vielleicht kneifen ?- Oder träumte er einfach wieder einmal nur so 
vor sich hin ..- 'So eine Schande und das bei meiner Hochzeit !' dachte sie 
und trat näher an ihren Verlobten heran. Vorsichtig stubste sie ihn an.
"Was ist los mit dir, Toshi ? Träumst du ?" raunzte die Braut leise und 
blickte ihren Bräutigam wütend an, doch es kam keine Antwort.
Toshis Augen waren immer noch starr auf den Altar gerichtet und auch 
Hitomis Blick ging wieder in diese Richtung...
Und jetzt sie sah es: Dort, wo eben noch das Marienkreuz stand, lag jetzt 
nur noch eine weiß - rote Visitenkarte.
Erschrocken und ratlos sah sich Hitomi um. Was war passiert ? Mit einem Mal 
waren Alle um sie herum wie erstarrt und auch sie selbst konnte sich beim 
besten Willen nicht bewegen. Allein Toshis Trauzeuge schien nicht betroffen 
zu sein, denn er ging langsam zum Altar und nahm diese rot - weiße Karte an 
sich. Ein kurzer Blick darauf und sofort legte sich seine Stirn in Falten. 
Sekunden später wurde sein Gesicht feuerrot und er begann laut zu schreien: 
"UTZUMI ! SIE VOLLIDIOT ! Während sie hier Hochzeit feiern haben die Katzen 
wieder ein Kunstwerk unter ihren Augen gestohlen ! Ich werde sie versetzen, 
degradieren und ihr Gehalt halbieren, wenn sie diese Katzen nicht sofort 
verhaften !"
Der Bräutigam zuckte zusammen. "Jawohl Chef !" antwortete er und langsam 
fragte sich Hitomi, in welchem schlechten Film sie war. Ob ihr Zukünftiger 
etwa schon vergessen hatte, daß dies hier seine Hochzeit war?- Der 
wichtigste Moment in ein seinem Leben!? Verständnislos und ein wenig wütend 
wandte sie sich wieder ihrem Verlobten zu und sie erschrak ganz 
fürchterlich....
Wo eben noch ein gut gekleideter Mann gestanden hatte, war jetzt nur noch 
ein genervter Detektiv in fahl grauer Leinenhose, zerknautschtem weißgrauen 
Oberhemd unter einem mintfarbenem Jackett und schlecht sitzender Krawatte.
Zwar war es immer noch ihr Toshi, aber nicht der Toshi den sie heute 
heiraten wollte. Das neben ihr war der Detektiv Toshi, der noch immer 
erfolglos die Kunstdiebe jagte und deshalb ständig von seinem Chef 
gescholten wurde.
Und eben dieser Versager - Typ erwachte nun wieder zum Leben und traf eine 
Entscheidung...
"Es tut mir leid, Hitomi, aber ich kann dich erst heiraten, wenn ich 
Katzenauge gefaßt habe" sagte er bestimmt und Hitomi war sprachlos. Hilfe 
suchend fuhr sie herum und blickte fragend zu den Gästen in die Kapelle, 
doch inzwischen waren auch alle Bänke leer.... Ihr Blick ging zurück zu 
ihrem Bräutigam, doch auch Toshi, sein Chef, ihr Brautführer und der 
Priester waren mit einem Mal verschwunden. - Kein einziger Gast war mehr 
da....-
Nur in der ersten Bankreihe, gleich hinter ihr,- dort wo ihre Schwestern 
gesessen hatten, da saßen nun zwei Frauen in hautengen Trikots.
Die eine von ihnen war kaum 20 Jahre alt, hatte kurzes schwarzes Haar und 
in der Hand hielt sie eine Karte, die aussah, wie diejenige die eben noch 
auf dem Altar gelegen hatte. 
Die zweite Frau war eine sehr gut aussehende Dame Ende 20, mit 
dunkelbraunem fast schwarzem schulterlangem Haar und einem hübschen 
Muttermal auf der linken Wange. Sie hielt das Marienkreuz in ihren Händen.
Hitomi wollte etwas sagen,- wollte fragen, was das Alles zu bedeuten 
hatte,- doch noch bevor sie die richtigen Worte fand, zischte etwas an ihr 
vorbei und schlug neben ihr ein.
Die beiden Diebinnen verschwanden lachend und Hitomi zog langsam die 
Visitenkarte aus dem hölzernen Altar. Nachdenklich begann sie zu lesen: 
"Detektiv und Diebin,- das geht auf gar keinen Fall. Gruß Katzenauge."
Die Braut seufzte laut und blickte an sich hinunter, doch inzwischen hatte 
auch sie sich verändert: Statt des Brautkleides trug nun auch sie ein 
Trikot.- Das gleiche Trikot wie die beiden Diebinnen vorhin.
Hitomi stiegen Tränen in die Augen.
Was Gefühle betraf, war sie nur zu oft und zu gerne ein Eisklotz gewesen. 
Aber wenn es um ihren Toshi ging, dann warf sie alles über Bord.
Langsam wischte Hitomi die Tränen aus den Augen um wieder klar sehen zu 
können. Verwundert blickte sie sich um.
Auch der Ort der Handlung hatte sich nun verändert.
Sie war jetzt wieder zu Hause in Tokio und stand hinter der Theke des 
Cafés, das sie zusammen mit ihren Schwestern führte.
'Café Katzenauge' hatten sie es genannt, und dieser Name hatte schon zu 
mancher Spekulation geführt.
Hitomi musterte die Person auf dem Barhocker vor ihr. Es war Toshi, doch 
inzwischen war er ein alter Mann geworden,- mit grauem Haar und rundem 
Bäuchlein. Seine Hände zitterten, als er die Tasse mit dem Kaffee zum Mund 
führte.- Er zitterte so stark, daß etwas auf seine Krawatte tropfte.
Hitomi lachte.. "Ach Toshi, so alt du auch wirst,- du wirst dich nie 
ändern. Warte, ich wisch' das weg." sagte sie fürsorglich und griff nach 
dem Lappen auf der Theke.
Doch als sie hinüber reichte um den Fleck abzutupfen zuckte sie zurück.- 
Ihr Blick war auf ihren eigenen Handrücken gefallen und der war ganz 
runzelig. 
Verstört blickte sie in den Spiegel an der Wand, doch dort wo sonst immer 
ihr Spiegelbild war, sah sie nun eine buckelige alte Frau mit grauen 
Haaren. Es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter und sofort begannen ihre 
Augen hektisch nach ihren Schwestern zu suchen.--- Auch sie waren alt 
geworden.- Die ältere Schwester Nami hatte viel von ihrer Schönheit 
verloren und das einst so hübsche Muttermal auf ihrer Wange war in 
Altersflecken untergegangen. - Und Love, die jüngste der drei Schwestern, 
sah aus, als ob sie bereits um die 40 wäre.
"Ach übrigens, die Katzen haben eine Karte geschickt." murmelte Toshi leise 
und Hitomi fuhr herum.
"Ach ja. Und was schreiben sie." fragte sie.
"Sie wollen sich ein Gemälde holen...." antwortete der Detektiv und schlug 
mit der Hand auf den Tisch, so wie er es oft machte, wenn er hinter 
Katzenauge her war. Doch aus dem Schlag, der sonst das Café erzittern ließ 
war mittlerweile ein harmloser Klaps geworden. 
"Heute Nacht fasse ich sie !" sagte er mit Bestimmtheit und seine Augen 
funkelten als er fortfuhr "Und dann, ja dann können wir heiraten, Hitomi." 
"Ach Toshi, wie oft hast du das schon gesagt..." 
"Wieso ? Findest du, daß eine 30-jährige Verlobungszeit zu lang ist ?"
"Na ja, also laß es mich so sagen : Wenn sich jeder so viel Zeit ließe, 
dann hätten wir wohl keine Probleme mit Überbevölkerung mehr."
Toshi lächelte, wenigstens sein komisches Grinsen war das Alte geblieben.- 
"Na ja," sagte er. "Wenn das so ist, dann...  AHHHH Mein Herz !"- Toshi 
griff an seine Brust.
"Was ist ? Was hast du ?" fragte Hitomi besorgt, doch ihr Gegenüber war 
inzwischen schon auf dem Hocker zusammengesunken und sein schmerzverzerrtes 
Gesicht lag mit weit aufgerissenen Augen auf der Theke.
"Toshi, was hast du ? Sag doch etwas...." rief Hitomi, doch der Detektiv 
antwortete nicht. Hektisch griff sie seinen Arm um den Puls zu fühlen, doch 
sie spürte nichts.
Und als ihr schließlich klar wurde, daß sie ihren Verlobten für immer 
verloren hatte, ließ sie ihren Gefühlen und ihrer Verzweiflung freien Lauf: 
"TOSHI ! NEIN! NEIN! BITTE NICHT ! BLEIB BEI MIR !.."



2. Träumereien

Immer wieder hallten die Schreie durch das Caféhaus: "NEIN TOSHI !! BITTE 
STIRB NICHT ! BLEIB BEI MIR ! NEIIIIIN ! "
Das Licht im Flur der ersten Etage ging an und eine wunderschöne Frau im 
Morgenmantel trat aus einem der Zimmer auf den Gang hinaus. Sie horchte 
einen Moment und wollte gerade wieder unverrichteter Dinge in ihr Zimmer 
zurückkehren, als sich eine zweite Türe öffnete und eine jüngere Frau ihren 
Kopf in den Gang steckte. "Hast du auch die Schreie gehört ?" fragte sie 
und die Frau im Morgenmantel nickte "Ja, ich dachte schon, ich hätte mich 
verhört."
Die junge Frau mit dem Wuschelkopf lächelte. "Wetten, daß unsere Schwester 
wieder heimlich eine wilde Party mit ihrem Verlobten feiert !" witzelte sie 
und auch die Frau im Morgenmantel begann zu lachen.
"Keine Chance." sagte sie. "Ich habe Hitomi gesehen, als sie heute abend 
nach Hause gekommen ist. Und sie war allein.- Geh wieder schlafen Love, ich 
sehe einmal nach ihr."
Die junge Frau nickte. "Ist gut. Wenn das so ist, dann werde ich wohl 
meiner großen Schwester gehorchen müssen.- Obwohl ICH den Schönheitsschlaf 
nicht nötig habe...." sagte sie noch und verschwand wieder in ihrem Zimmer.
"Frech wie immer." murmelte die schöne Frau und schüttelte den Kopf.
Sie hatte sich inzwischen an die frechen Bemerkungen der jüngsten Schwester 
gewöhnt und außerdem meinte Love es nie böse, denn sie war alles andere als 
hinterhältig. Sie war eben nur frech und vorlaut, so wie alle Jugendlichen.
Die Dame löschte das Licht im Gang und klopfte an die Türe zum Zimmer der 
dritten Schwester. "Hitomi ? Schläfst du schon ?" fragte sie mit sanfter 
Stimme doch es kam keine Antwort.
Langsam öffnete sie die Türe und sah hinein.
Hitomi lag ruhig in ihrem Bett und es gab nichts ungewöhnliches zu 
erkennen. Leise trat die Frau in das Zimmer und setzte sich vorsichtig auf 
die Bettkante.
"Hitomi ? Alles in Ordnung ?" fragte sie leise während sie ihre Schwester 
aufweckte.
Müde schlug Hitomi ihre Augen auf. Aber das spärliche Licht, das von 
draußen ins Zimmer fiel ließ sie nur die Umrisse der Person erkennen, die 
sie aus dem Schlaf geholt hatte. Und so griff sie zuerst zu der kleinen 
Lampe auf ihrem Nachttisch.
"Ach du bist es Nami." seufzte sie glücklich. "Und du bist genau so schön 
und jung, wie ich dich in Erinnerung habe." Erleichterung sprach aus ihrem 
Gesicht. 
Nami blickte verwirrt.- Solch eine Begrüßung hatte sie wirklich nicht 
erwartet. "Vielen Dank, aber ich würde zu gern wissen, womit ich diese 
nächtliche Liebeserklärung verdient habe?"
"Ach nur so..." sagte Hitomi ausweichend, doch sie merkte genau, wie sie 
langsam vor Verlegenheit rot wurde.
Die große Schwester sah sie strafend an. "Du hast wieder einen dieser 
merkwürdigen Träume gehabt, stimmt's ?" fragte Nami und Hitomi nickte. 
"Ja, und ich denke ich weiß nun endlich was mir mein Unterbewußtsein sagen 
will: Ich werde Toshi verlieren, wenn wir nicht bald heiraten."
Nami blickte Hitomi verständig an, doch im nächsten Moment setzte sie auch 
schon diesen mahnenden Blick einer großen Schwester auf. 
"Ich versteh dich ja, aber vergiß nicht, daß wir noch einen Auftrag zu 
erfüllen haben. Und eine Diebin kann sich nun mal eine Ehe mit einem 
Detektiv nicht leisten." 
Ihre jüngere Schwester nickte bedächtig.- Über die Jahre hatte sie gelernt 
ihrer großen Schwester zu vertrauen und ihre Ratschläge zu befolgen.- Doch 
wenn es um Toshi ging, da hatte sie ihren eigenen Dickkopf. 
Traurig blickte Hitomi aus dem Fenster in die dunkle Nacht hinaus. "Ach 
Nami," seufzte sie. "Ich bin nun mal nicht so super sexy wie du. Bei mir 
stehen die Männer nicht Schlange. Ich habe Angst, daß ich Toshi verliere 
und dann,- dann finde ich vielleicht keinen Anderen mehr."
Nami grinste weise. "Ach Schwesterlein. Es gibt noch andere Männer außer 
Toshi, die ihr Leben geben würden um dich glücklich zu machen."
"Das verstehst du nicht, Nami. Ich kenne Toshi seit unserer Schulzeit. 
Seine verrückten Macken, die Art wie er sich aufregt wenn er von Katzenauge 
hört, seine Tolpatschigkeit" Hitomi hielt inne und wurde etwas verlegen 
"Und all das liebe ich an ihm."
"Ich hab' ja auch nicht gesagt, daß du dir einen Anderen suchen sollst. Ich 
finde es gut, daß du dich mit ihm triffst. Aber, wenn ihr heiratet, dann 
ist Katzenauge Vergangenheit. Und verlobt zu sein ist doch auch schön, 
oder?"
"Ach Nami. Nächste Woche werde ich sechsundzwanzig. Viele meiner 
Freundinnen haben schon Kinder und ich,- ich bin noch nicht einmal 
verheiratet." entgegnete Hitomi und - auch wenn sie es nicht wollte - 
begann sie zu weinen.
Nami nahm die Schwester tröstend in den Arm. "Es tut mir leid..." sagte sie 
mit ihrer gewohnt sanften Stimme. "Aber so lange wir noch die Katzen sind 
gibt es zu viele Risiken. Doch ich werde dir ein Geheimnis verraten, 
Hitomi. Du mußt mir aber versprechen, daß unser kleiner Wildfang nichts 
davon erfährt."
Hitomi blickte auf und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Ich werde Love nichts erzählen, das verspreche ich."
"Gut.- Also Herr Nageischi hat mir heute Abend mitgeteilt, daß es nur noch 
zwei Objekte unseres Vaters gibt, die nicht in unserem Besitz sind. Das 
Eine ist ein Gemälde.- Es heißt Frühherbst und hängt im Museum von 
Funabashi. Und das letzte Objekt ist ein Diamant. Er heißt Katzenauge und 
befindet sich im Ost-West-Museum hier in Tokio."
Hitomis traurige Augen begannen mit einem Mal wieder zu leuchten.
"Wirklich ? Na dann laß uns die Sachen so schnell wie möglich holen. Am 
besten heute noch. - Ja? - Ach komm schon, bitte !" 
Hitomi konnte es kaum glauben. War es wirklich soweit? Nach drei Jahren des 
Versteckens und des doppelten Spieles war die Erfüllung ihres Auftrages in 
erreichbare Nähe gerückt. -- Ihr größter Traum war greifbar nah.
"Wir müssen noch warten Hitomi. Wir dürfen uns jetzt so kurz vor dem Ziel 
keine Fehler erlauben. Herr Nageischi holt gerade Informationen über das 
Museum ein. Wenn alles nach Plan läuft, dann holen wir das Bild morgen 
Nacht."
"Na gut, wenn das so ist, dann glaub' ich kann ich auch noch ein paar Tage 
warten." meinte Hitomi leise und mit einem Mal war sie irgendwie ungeheuer 
glücklich.
"Da bin ich sicher." entgegnete Nami. "Und jetzt schlaf, du weißt, wir 
haben morgen einen großen Auftritt."

Der nächste Morgen begann so wie immer.
Es war kurz nach acht Uhr, und obwohl das Café erst um Zehn öffnete, waren 
die drei Schwestern schon seit langem auf den Beinen.
Sie putzen und fegten das kleine Café voller Liebe und bereiteten den 
nächsten Geschäftstag vor.
Dieses Café war mehr als nur ein Geschäft. Es war ihr zu Hause, ein Traum, 
den sie sich erfüllt hatten. 
Viel Geld war mit dem Kaffeehaus natürlich nicht zu machen, aber seine Lage 
machte es zu etwas Besonderem : Es war ein kleines Lokal in einem kleinen 
malerischen Haus in Mitten von Tokios häßlich schönen Wolkenkratzern.
Ja, es hatte irgendwie einen besonderen Charme... 
Ach ja, und - nicht zu vergessen - es lag direkt gegenüber vom Iunari 
Polizeipräsidium. - Kein Wunder also, daß die Schwestern immer über Toshis 
Pläne informiert waren.

Wie schon so oft nutzten die Diebinnen auch an diesem Morgen die Zeit vor 
dem Öffnen um ihre nächste Aktion vorzubereiten.
"Wir haben ein neues Ziel !" begann Nami und sofort strahlten Loves Augen 
wie die Augen eines Kindes, daß seinen ersten Weihnachtsbaum sah.
"Oh Toll ! Endlich mal wieder ein wenig ÄKSCHEN ! Ich habe schon gedacht 
ich roste ein !" rief sie aufgeregt und brannte schon darauf Einzelheiten 
zu erfahren. Am liebsten wäre sie gleich auf Beutezug gegangen, denn für 
sie waren die nächtlichen Raubzüge mit ihren Schwestern das Schönste auf 
der Welt.- Ein riesiges Abenteuer halt.-
Ihre Schwestern jedoch mißbilligten diese Einstellung.
Sie fanden, daß Love klar werden mußte, daß das, was sie taten, kein 
Abenteuer war. Im Gegenteil, es war ein Verbrechen und dazu noch 
gefährlich. Zu gefährlich manchmal. Sie planten ihre Einsätze zwar immer 
bis ins kleinste,- doch so gut sie Toshi auch mittlerweile kannten und auch 
mit seinen Schwächen rechneten, sie wußten, daß immer etwas schief gehen 
konnte. 
Zu Beginn hatten Nami und Hitomi oft versucht ihre kleine Schwester aus den 
Plänen heraus zu lassen, aber nicht zuletzt wegen ihrer Begabung im Umgang 
mit moderner Technik und der Starrköpfigkeit, die junge Menschen haben, war 
sie mittlerweile ein fester, unverzichtbarer Bestandteil des Teams 
geworden.
"Love ! Das ist kein Spiel !" ermahnte Hitomi von Neuem ihre kleine 
Schwester und auch die älteste der drei Schwestern, Nami, warf der Kleinen 
strafende Blicke zu.
Love schmollte. "Ja, Ja. Ich weiß, ich weiß, ich muß noch viel lernen. -  
Aber nun erzähl, Nami, worum geht's !"
"Wir werden uns heute Nacht den Frühherbst holen. Das Gemälde hängt im 
Museum von Funabashi und Herr Nageischi wird uns heute noch die Pläne 
bringen. Unsere Karte habe ich schon abgeschickt... "
"Zucker !" rief Love und begann zu kichern .
"Was ist denn so komisch ?" fragte Nami ihre Schwester irritiert.
"Heute Nacht ist gut, sogar sehr gut. Morgen ist doch der zweite Jahrestag 
von Hitomis Verlobung mit Toshi und da werden die beiden doch sicher 
ausgehen wollen."
"Ja und ? Was willst du damit sagen ?" fragte Hitomi etwas grimmig.
"Na ja," grinste Love, "dann hast du ja Gelegenheit ihn wieder aufzubauen, 
nachdem ihn sein Chef zusammengestaucht hat, weil er wieder versagt hat."
"Love, wann hältst du endlich dein vorlautes Plappermaul." mahnte Hitomi 
mit einem wütenden Ton in der Stimme. Doch sie war nicht wirklich 
ärgerlich. Sie wußte, wie sehr Love es liebte solche Späße zu machen. 
Manchmal hatte sie sogar das Gefühl ihre kleine Schwester beneidete sie um 
Toshi.
"Schon gut, schon gut !" besänftigte Love ihre Schwester und beinahe 
zufällig ging ihr Blick aus dem Fenster auf die Straße hinaus. "Übrigens, 
wenn man vom Teufel spricht, da kommt ja unser junger Detektiv."
Die drei Schwestern blickten hinüber zum Polizeipräsidium. Sie konnten 
gerade noch sehen, wie Toshi unter Gehupe und dem Geräusch quietschender 
Bremsen die viel befahrene Straße zwischen dem Präsidium und dem Café 
überquerte. Voller Schwung und Elan stieß er schließlich die Ladentüre auf 
und fast wäre die Türglocke hinunter gefallen und hätte ihn am Kopf 
getroffen.
"Hi Girls !" rief er fröhlich und ließ eine mittelgroße Reisetasche, die er 
über seine Schulter trug, auf den Tisch direkt neben der Eingangstür 
fallen.
"Hallo Toshi. " begrüßten ihn die drei Damen und besonders Hitomi lächelte 
ihren Verlobten an. "Du bist ja heute so gut gelaunt !" stellte sie fest. 
"Ist dein Chef krank ?" 
"Das wäre wohl zuviel des Guten." lachte Toshi. "Nein, die Katzen haben 
eine neue Aktion angekündigt und Asaja ist im Urlaub. Endlich kann ich den 
Einsatz wieder alleine planen, ohne diese studierte Schnepfe fragen zu 
müssen." erklärte er und man konnte ihm wirklich die Zufriedenheit und 
Erleichterung ansehen.
"Na dann herzlichen Glückwunsch." antwortete Nami und goß unaufgefordert 
und wie selbstverständlich einen frisch zubereiteten Kaffee ein. "Hier, der 
geht aufs Haus!" 
Eigentlich war Toshi ihr größter Feind, aber irgendwie war er auch ein Teil 
ihres Teams. Seine Fehler und die Unfähigkeit seiner Kollegen hatten 
Katzenauge schon oft gerettet. - Ja, man konnte fast sogar darauf 
vertrauen. Dennoch,- er war nicht zu unterschätzen. Sie respektierten ihn 
als Gegner. Und die Art, wie er über Katzenauge sprach, zeigte ihnen, daß 
auch er eine hohe Meinung von dem Gangstertrio hatte.
Toshi bedankte sich höflich, als er die Tasse Kaffee entgegen nahm. "Danke 
Nami, du bist immer so gut zu mir." 
Hitomi schmollte ein wenig. "Und was ist mit mir?"
"Ja, Hitomi." begann Toshi "Heute Nacht ist es soweit. Ich werde Katzenauge 
endlich fassen und noch bevor dieser Monat um ist werden wir Mann und Frau 
sein."
"Wie oft hast du das schon gesagt 
"Ja, du hast recht. Aber diesmal werde ich es schaffen."
Love musterte Toshis Tasche auf der Bank neben dem Eingang. "Und jetzt 
packst du schon für die Flitterwochen oder warum hast du diese riesige 
Tasche bei dir ?"
"Ach nein, da sind nur die Dinge drin, die ich für meinen Einsatz brauche." 
Nami merkte auf und ein wenig Unsicherheit klang in ihrer Stimme "Willst du 
etwa dort übernachten ?"
"So ist es ! Und wenn die Katzen dann kommen, dann greif' ich sie mir ! Und 
glaubt mir, diesmal bin ich vorbereitet !"
Hitomi zuckte zusammen. Ihr Toshi strotzte ja geradezu vor Selbstvertrauen 
und das gab ihr zu denken. Zu ungern erinnerte sie sich an den Fischzug, 
als der Detektiv ihnen das letzte Mal versteckt aufgelauert hatte. Er hatte 
sie total überrascht und sie waren nur mit äußerster Not entkommen. Und 
auch jetzt hatte sie irgendwie das Gefühl, daß Toshi ihre Pläne 
durchkreuzen würde.
Das Geläut der Glocke über der Eingangstüre unterbrach mit einem Mal 
unsanft ihre Gedanken und herein kam ein stattlicher bärtiger Mann in einem 
feinen weißen Anzug.  
"Guten Morgen, mein Herr, und willkommen im Café Katzenauge." begrüßte 
Hitomi den Gast und beugte sich dann über die Theke zu ihrem Verlobten 
hinüber. "Schau einmal auf die Uhr, Toshi. Müßtest du nicht schon längst 
wieder im Revier sein ?"
Toshi blickte auf die große Wanduhr und sprang wie von Bienen gestochen 
auf... 
"Ja, du hast recht, ich muß gehen, bis morgen dann Girls." rief er noch, 
griff seine Tasche und rannte aus dem Lokal.
Die Zurückgebliebenen blickten ihm noch eine Weile stumm nach, bis dann 
schließlich Nami das Wort ergriff.
"Guten Morgen, Herr Nageischi." sagte sie zu dem Gast im feinen Anzug.
"Guten Morgen, meine Damen." gab der Mann zu Antwort und griff in seine 
Tasche. Er zog ein gefaltetes Stück Papier heraus und begann, es 
auseinander zu legen. 
"Hier ist der Plan des Funabashi Museums." erklärte er und rückte die 
Gebäudezeichnung auf der Theke zurecht.
Die drei Schwestern betrachteten eingehend die Blaupausen, während der 
mysteriöse Gast mit seinen Erklärungen fortfuhr. "Wie sie sehen, verläuft 
ein alter Abwassertunnel direkt unter dem Raum, in dem sich das Gemälde 
ihres Vaters befindet. Der Tunnel ist nur wenigen bekannt, und deshalb 
denke ich, daß dies der ideale Weg ist um in das Gebäude einzudringen."
Der Fremde war er sicher, daß sein Plan Zustimmung finden würde, denn 
Katzenauge war bisher fast immer seinen Vorschlägen gefolgt.- 
Doch diesmal schüttelte Nami den Kopf.
"Nein, ich denke, das wäre nicht die beste Lösung, Herr Nageischi." wandte 
sie nachdenklich ein und zeigte auf eine Markierung im Plan. "Was ist das 
hier ?" 
"Das ist ein Lüftungsschacht, Fräulein Nami."
"Gut, dann sollten wir von Dach aus über die Lüftung eindringen."
Hitomi legte ihre Stirn in Falten: "Aber wie sollen wir dort hinein kommen? 
Toshi läßt das Dach sicher bewachen. "
"Nein, das glaube ich nicht." entgegnete Nami. "Toshi plant doch, uns im 
Museum aufzulauern, und was wäre ein besser Platz als der Lüftungsschacht 
unter dem Gemälde. Und wenn er uns nur diesen einen Weg offen ließe.." 
Der Fremde lachte. "Wie ich sehe, haben sie schon wichtige Informationen 
eingeholt. Also dann verabschiede ich mich. Viel Erfolg meine Damen."
"Vielen Dank Herr Nageischi. Sie haben gute Arbeit geleistet, wie immer." 
lobte Hitomi und der Fremde verbeugte sich mit typisch japanischer 
Höflichkeit. "Vielen Dank, Fräulein Hitomi, es war mir ein Vergnügen ihnen 
zu Diensten zu sein." antwortete er und verließ schließlich erhabenen 
Schrittes das Lokal. 
Die Schwestern blickten ihrem wundersamen Gast noch eine ganze Weile nach.
"Wenn wir Herrn Nageischi nicht hätten, dann wären wir manchmal ganz schön 
aufgeschmissen." murmelte Hitomi leise und ihre große Schwester nickte 
zustimmend. 
"Ja, ohne ihn hätten wir es wohl nie geschafft Vaters Sammlung wieder 
zusammenzubringen."
Die drei Schwestern widmeten sich wieder den Plänen des Museums.
"So gut dein Plan auch sein mag, Nami." bemerkte Hitomi nach einer Weile 
nachdenklich, "Es bleibt aber noch ein Problem, wir müssen Toshi aus seinem 
Versteck locken und ausschalten bevor wir an das Gemälde kommen können.". 
Nami schmunzelte über den Einwand ihrer Schwester, hatte sie doch schon 
längst eine Lösung gefunden. "Sag' mal Love, was hältst du davon, wenn wir 
uns eine neue Hitomi basteln ?" 
"Krasse Idee, Nami." entfuhr es Love. "Ich mache mich gleich daran." 
Hitomi überlegte kurz. "Ach jetzt verstehe ich! Eine von meiner Sorte ist 
euch nicht genug!" stellte sie mit einem schelmischen Lächeln auf dem 
Gesicht fest und mit einem Mal freute auch sie sich auf den bevorstehenden 
Beutezug. Und das besonders, weil es ihr vorletzter war.


3. Auf Beutezug

Es war kurz vor Mitternacht und Toshi hatte rings um das Museum von 
Funabashi Wachen postiert. Ein jedes Fenster und jede Türe waren mit 
Gittern gesichert worden und im Inneren waren alle Räume hell erleuchtet.
Toshi selbst hatte hingegen schon vor Stunden sein Versteck bezogen. Zwar 
war der Lüftungsschaft unter dem Gemälde klein, aber heute machte ihm das 
nichts aus. 
Immer wieder blickte er ungeduldig auf seine Armbanduhr.- Jetzt war es bald 
soweit. Die Katzen waren bisher immer pünktlich gewesen und irgendwie war 
Toshi ein wenig nervös als er in seiner Tasche kramte.
Atemmaske, Schutzbrille, Ohrstöpsel.- Der Detektiv lachte.- Wie gesagt, 
diesmal war er auf alles vorbereitet.

Draußen, weitab der Großstadtlichter, im Schutze der mondlosen 
wolkenverhangenen Nacht, schwebten Nami und Hitomi indes mit einem 
unauffälligen Ballon dem Museum entgegen.
Nami war erstaunt über das große Polizeiaufgebot und sie plagten Zweifel an 
der Durchführbarkeit ihres Planes.
Warnend drang ihre Stimme durch das Sprechfunkgerät an Hitomis Ohr, die 
sich an eine Strickleiter unter dem Ballon klammerte: "Sei ja vorsichtig! 
Wir können nicht sicher sein, das Toshi hier auf dem Dach keine Wachen 
aufgestellt hat."
"Ich bin doch immer vorsichtig !" antwortete die Diebin zuversichtlich und 
kletterte geschickt wie eine echte Katze hinunter auf das Dach des Museums. 
Ein Schornstein bot ihr den nötigen Schutz und als sie das Dach unter ihren 
Füßen spürte sah sie sich sofort um. Es war, wie ihre Schwester es 
vorausgesagt hatte: Es waren auf dem Dach keine Wachen postiert.
"Alles klar, Nami. Es ist keiner hier. Du kannst Love jetzt das Signal 
geben." flüsterte sie in ihr Mikrofon
"Ist gut Hitomi." antwortete die älteste der drei Schwestern und Sekunden 
später tönte ihre Stimme aus einem Funkgerät, das tief unten in dem alten 
Abwasserkanal stand. "Love, es ist soweit, du kannst loslegen."
Durch das Gewirr von Gängen und Kammern klang Namis sonst so sanfte Stimme 
mit einem Mal unheimlich und bedrohlich und so, obwohl sie schon ungeduldig 
auf diese Worte gewartet hatte, erschrak Love ein wenig. 
"Ist gut, Frankenstein. Von mir aus kann's losgehen." antwortete sie der 
älteren Schwester und kicherte leise vor sich hin. "Paß gut auf, Toshi. 
Unsere neue Hitomi ist schon ganz heiß auf ihren ersten Auftritt."

Toshi war inzwischen in seinem Versteck eingeschlafen.
Doch die Explosion, die ein großes Loch in den Boden riß, weckte ihn 
unsanft auf.
"Katzenauge ! Jetzt bist du dran !" murmelte er noch ein wenig verschlafen 
und setzte seine Atemmaske auf. Er sah aus seinem Versteck in den 
erleuchteten Ausstellungsraum hinein. Die Explosion hatte Unmengen von 
Staub aufgewirbelt, dennoch erkannte er eine Gestalt, die sich langsam auf 
ihn und das Gemälde zu bewegte. - Sein Herz pochte. Die Person war nur noch 
wenige Meter entfernt und er erkannte sie: Die Silhouette von Katzenauge.- 
Umrisse, die er mittlerweile nur zu gut kannte.
"Katzenauge ! Jetzt hab ich dich !" rief er und stürzte von einem 
Adrenalinstoß getrieben aus seinem Versteck.
Mit einigen schnellen Schritten erreichte er den Dieb und riß ihn zu Boden, 
noch bevor dieser sich wehren konnte. Eigentlich wunderte es ihn schon ein 
wenig, das dieses Katzenauge keinen Widerstand leistete- jetzt wo er die 
Handschellen anlegte. Aber in diesem Moment dachte er einfach nicht weiter 
darüber nach...
"Ha, jetzt endlich werde ich dein Gesicht sehen!" rief er voller Freude und 
drehte seinen Gefangenen auf den Rücken, doch als er plötzlich in Hitomis 
Gesicht blickte erschrak er fürchterlich und es dauerte einige Sekunden, 
bis er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.
"Nein, das kann nicht sein ! Du bist nicht Hitomi ! Du trägst eine Maske! 
Aber mich legst du nicht rein !" rief er und griff beherzt in das Gesicht 
seines Gegenübers.
Er zerrte an den Wangen und tatsächlich begann sich eine Maske abzulösen...

..doch darunter war nichts als ein stählernes Skelett. 
"Was zum Teufel geht den hier vor ?" rief Toshi und riß sich wütend seine 
Atemmaske vom Gesicht. Absolut frustriert begann er mit seinen Fäusten auf 
die Brust des Diebes zu trommeln. Doch alles was er spürte war hartes 
Metall, das bei jedem Schlag dumpf wie eine alte Blechtonne klang. Und da 
erst wurde ihm bewußt, daß man ihn hereingelegt hatte.
Sofort fuhr er herum und blickte zur Wand. Doch es war schon zu spät. -
Dort, wo eben noch das Gemälde gehangen hatte, war nunmehr nur noch ein 
leerer Fleck. 
Toshi ließ sofort von dem falschen Dieb ab und rannte zur Türe hinaus.
"Schnell folgt mir ! Katzenauge flieht auf das Dach !" rief er zu den 
Wachen, doch obwohl sie die Treppen zum Dach gleichsam hinauf flogen, war 
alles was sie sahen der Lichtschein eines Heißluftballons, der am Horizont 
verschwand. - 
Wieder einmal blieb Toshi nicht anderes zu tun, als den Katzen bewundernd 
nachzusehen.

4. Die Drohung

Am nächsten Morgen herrschte im Haus der Schwestern eine ausgelassene 
Stimmung, als die hübschen Diebinnen zusammenkamen, um zu beobachten wie 
Toshi seinem Chef Bericht erstattete.
"Was meinst du, wie oft wird der Chef heute auf den Tisch schlagen?" fragte 
Love mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Sie fand, daß die Abfuhr, 
die Toshi ein jedes Mal nach einem mißglückten Einsatz bekam, mit das 
Schönste an ihren Raubzügen war.
"Ich weiß nicht, Love..." sagte Hitomi nachdenklich. "Aber ich möchte jetzt 
nicht in Toshis Haut stecken."
"Ja, da hast du recht Hitomi." pflichtete die große Schwester bei. "Aber 
wer weiß... Vielleicht wird sich das Problem ja irgendwann von selbst 
lösen.."
Hitomi nickte.- Sie hatte den Wink verstanden. Schließlich fehlte nur noch 
ein Objekt und die Sammlung ihres Vaters war wieder komplett. Dann war ihre 
Aufgabe was die Kunstdiebstähle betraf wohl endlich erfüllt und Katzenauge 
war nichts, als ein weiterer ungelöster Fall in den Akten der Tokioter 
Polizei.
"Ach schaut mal ! Da ist ja unser Held" rief Love mit einem Mal und alle 
Augen richteten sich sofort auf das Polizeirevier. Nami griff zum Fernglas. 
Schon vor langer Zeit hatten sie dieses Zimmer auf der ersten Etage zu 
ihrem Besprechungszimmer gemacht, weil es genau gegenüber des Büros lag, 
das Toshi mit seinem Chef teilte. Doch erst seit sie gelernt hatte von den 
Lippen zu lesen hatte dieser Raum seinen besonderen Wert bekommen.

Während sich die Damen schon auf das bevorstehende Schauspiel freuten, 
schlich auf der anderen Seite der Straße einer der Hauptdarsteller zur 
Arbeit. Am liebsten wäre er jetzt unsichtbar gewesen.- Denn kaum das sich 
die Mitteilung von der Ankunft des wiederum glücklosen Detektives wie ein 
Lauffeuer verbreitet hatte, hörte er auch schon das Geschrei seines Chefs: 
"UTZUMI ! WO IST DIESER NICHTSNUTZ SCHON WIEDER ?"
Schnellen Schrittes hetzte der Detektiv die letzten Treppenstufen hoch, 
denn Eines hatte er inzwischen gelernt: Es wäre ausgesprochen unklug 
gewesen, dem Chef aus dem Weg zu gehen, denn jede Minute, die er ihn warten 
ließ würde seine Wut nur noch größer machen.
Ein wenig außer Atem erreichte er das Büro, das er mit seinem Chef und 
Kollegin Asaja teilte. Früher war er immer erst einen Moment vor der Tür 
stehen geblieben,- um sich zu sammeln ,- Mut zu fassen.
Aber in letzter Zeit machte ihm ein Anpfiff seines Chefs immer weniger aus. 
'Übung halt !' - sagte er immer, wenn seine Kollegen fragten, warum er so 
gut mit der Schelte fertig wurde.
Toshi trat ohne zu klopfen ein.
"Hallo Chef ! Da bin ich !" sagte er und machte ein unschuldiges Gesicht. 
"Ich habe gehört, sie wollten mich sprechen ?"
"UTZUMI SIE VOLLTROTTEL !" schrie der Chef. "Während sie mit einem 
Blecheimer ringen wird hinter ihrem Rücken ein Gemälde gestohlen. Sie sind 
eine Schande für das ganze Revier. Wie soll ich das nur der Presse 
erklären!"
"Aber Chef, der Roboter sah täuschend echt aus. Wie die richtige Katze."
"Sie sind ein Vollidiot, Utzumi. Sie waren wohl betrunken und der Alkohol 
hatte ihr Gehirn vernebelt !"
"Sie wissen doch ,daß ich nie im Dienst trinke !"
"Ach ja ? Vielleicht sollten sie es dann einmal versuchen. Betrunken 
stellen sie sich vielleicht nicht mehr so unheimlich dämlich an."
"Jawohl Chef ! antwortete Toshi und salutierte. "Kann ich jetzt gehen, 
Chef?"
"Gehen Sie - Gehen Sie. " bemerkte der Chef und seine Stimme klang mit 
einem Mal wieder gefaßt und weit weniger aufgeregt. "Aber Eines noch, 
Utzumi. - Der Polizeipräsident hat Erfolge gefordert. Er hat 
unmißverständlich klar gemacht, daß bei weiteren Mißerfolgen Köpfe rollen 
werden.- Und ich glaube sie wissen, wessen Kopf er damit meinte, Utzumi."
Toshi nickte. Er verstand diese Andeutung nur zu gut.- Es war ja geradezu 
ein Wunder, daß diese Drohung nicht schon vor langer Zeit ausgesprochen 
worden war.
"Jawohl Chef, ich verstehe. Wenn ich beim nächsten Mal versage, werde ich 
kündigen. Darf ich jetzt gehen?"
Der Chef grinste. "Dann haben wir uns ja verstanden, Toshi." sagte er. "Sie 
können wegtreten. Und genießen sie ihre Kaffeepause, es könnte die letzte 
sein."
"Danke Chef." antwortete der Detektiv und verließ mit gesenktem Kopf das 
Büro.

An diesem Morgen schien das Café Kilometer weit entfernt und Toshis Weg 
dorthin dauerte viel länger als sonst.
Die drei schönen Schwestern erwarteten ihn natürlich bereits in ihrem Café. 
Sie hatten alles beobachtet und durch Namis Fähigkeiten kannten sie auch 
jedes Wort, daß Toshi und sein Chef gewechselt hatten.
"Das war ja richtig langweilig heute morgen." meckerte Love. "Der Chef hat 
unseren Toshi ja noch nicht einmal richtig angeschrien. Ich glaube er kommt 
langsam in die Jahre."
"Sag sowas nicht. " entgegnete Nami. "Es kommt nicht darauf an, wie laut 
man etwas sagt, wichtig ist, was man sagt. Und was das betrifft war der 
Chef heute morgen wohl mehr als deutlich."
"Ja, das stimmt." seufzte Hitomi leise. "Wenn Toshi nicht bald Erfolg hat, 
dann ist seine Karriere wirklich in Gefahr."
"Ach, macht sich Frau Utzumi Sorgen um Ihre Zukunft ?" witzelte Love.
"Was verstehst du kleines Küken schon von solchen Dingen." 
"Ja, ja, ich weiß. Ich muß erst einmal erwachsen werden um dich zu 
verstehen. Aber selbst wenn ich steinalt bin, werde ich nicht verstehen, 
was zwischen dir und Toshi abläuft."
"Schluß jetzt ihr Zwei !" rief Nami dazwischen und sah Love böse an. "Was 
Hitomi und Toshi machen, daß ist einzig und alleine ihre Sache. Solange es 
nicht unserem Auftrag im Weg steht haben wir kein Recht uns einzumischen."
"Schon gut, ich habe ja auch nur so gedacht.." gab die jüngste der drei 
Schwestern kleinlaut zurück als plötzlich eine andere Stimme durch das 
Lokal hallte: "Das Denken sollte man den Pferden überlassen,- die haben den 
größeren Kopf."
Erschrocken blickten die drei Damen zum Eingang...
Toshi war unbemerkt hereingekommen.
"Ach Toshi, was machst du denn hier ?" entfuhr es Hitomi.- Wie hatten sie 
nur so unvorsichtig sein können die Türe offen zu lassen?!
"Ich habe meine Kaffeepause, schon vergessen ?" 
"Nein, Nein. Aber sag, seit wann stehst du schon da und belauschst uns ?"
"Lange genug um zu wissen worüber ihr redet..." antwortete Toshi 
geheimnisvoll und Hitomi erschrak. Sie konnte zwar nicht glauben, daß Toshi 
durch das Gespräch ihrer Schwestern hinter das Geheimnis um Katzenauge 
gekommen war, aber ihr Verlobter war nun 'mal immer für eine Überraschung 
gut und zweideutige Sprüche jagten ihr regelmäßig einen Schauer über den 
Rücken.
Aber diesmal schien nicht nur Hitomi beunruhigt zu sein, denn auch Nami 
klang verunsichert als sie fragte: "Und worüber haben wir deiner Meinung 
nach geredet, Toshi ?"
Toshi setzte einen weisen Blick auf und lächelte.
"Über Hitomi und mich." antwortete er. "Aber wie auch immer... Hitomi,- wie 
es scheint werden wir nun bald heiraten."
"Ich glaube, das haben wir gestern schon einmal gehört." warf Love gewohnt 
vorlaut ein und Toshi grinste verlegen.
"Ich war gestern eben ein bißchen zu optimistisch." gab er zu. "Aber heute 
liegen die Dinge anders. Das nächste Mal wird mein letztes Treffen mit 
Katzenauge sein."
Hitomi fiel es schwer, Unwissenheit zu heucheln. "In wie fern das ?" 
Toshi blickte noch tiefer in seinen Kaffee. 
"Nun ja, der Chef hat gesagt, das ich den Fall Katzenauge abgeben soll, 
wenn ich das nächste Mal nicht erfolgreich bin." erklärte er leise und ein 
wenig widerwillig. Den Fall abgeben - eine merkwürdige Umschreibung für das 
Karriereende. Toshi hatte seiner Freundin geschworen, sie nie zu belügen, 
aber dies eine Mal war es vielleicht besser, wenn sie noch nicht die 
Wahrheit erfahren würde. 
"Dann will dein Chef dir also den Fall wegnehmen ?"
Doch Toshi antwortete nicht...

Es dauerte lange bis der junge Detektiv an diesem Morgen seinen Kaffee 
getrunken hatte. Eigentlich war seine Pause längst vorbei, aber keine der 
Damen wagte es, ihn darauf hinzuweisen. Als er fertig war bedankte er sich 
höflich und ging dann wortlos hinaus.
Nachdenklich und verstört stand Hitomi hinter der Bar und sah ihrem 
Verlobten nach. Nami musterte sie eine ganze Weile.
"Solltest du nicht hinterherlaufen ?"
"Ja du hast wohl recht." antwortete Hitomi und legte ihre Schürze ab.
Sie zögerte noch einen Moment und warf der großen Schwester noch einen 
zweifelnden Blick zu, doch als Nami beschwörend nickte lief sie endlich 
ihrem Verlobten nach.
Als sie ihn einholte, hatte der Detektiv schon beinahe das Polizeirevier 
erreicht.
"Toshi, warte ! Warte, Toshi !" 
Der Angesprochene fuhr herum. 
"Hitomi ! Was machst du denn hier ? Ist was ?"
Hitomi holte kurz Luft und strafte ihren Gegenüber schließlich mit einem 
vorwurfsvollen Blick. 
"Hast du etwa vergessen, daß heute der zweite Jahrestag unserer Verlobung 
ist?" 
Toshi lachte. "Vergessen ? Nein natürlich habe ich das nicht vergessen." 
entgegnete er, doch die Art wie er es sagte und sein Gesicht verrieten, daß 
er log.
Normalerweise hätte Hitomi solch eine offensichtliche Lüge rasend gemacht, 
aber nicht so dieses Mal. - Heute spürte die junge Dame genau, daß es an 
ihr war, ihren Freund ein wenig aufzumuntern.
"Na dann können wir ja heute Abend ausgehen"
Toshi zögerte. "Äh ja, klar, laß uns ausgehen." meinte er und fügte noch 
leise hinzu "Wer weiss, wann wir wieder ausgehen können."
"Gut, dann holst du mich also nach der Arbeit im Café ab ?"
Toshi nickte. "Klar doch." sagte er noch und war im nächsten Moment auch 
schon mit schnellem Schritt im Polizeirevier verschwunden.
Hitomi ging langsam zurück zum Café und insgeheim bewunderte sie Toshi 
dafür, wie gut er mit dem Druck fertig wurde, der auf ihm lastete.

Den ganzen Tag über freute sich Hitomi auf den Abend.- Sie konnte es kaum 
erwarten endlich wieder einmal mit ihrem Verlobten auszugehen. 
Wie fast immer an solch einem Abend gingen die Beiden zunächst ins Kino und 
natürlich schlief Toshi auch wieder ein.
Früher hatte es Hitomi immer sehr geärgert, wenn am Ende des Filmes das 
Licht im Kino wieder anging und der Begleiter im Sitz neben ihr noch immer 
schnarchte.- Inzwischen machte ihr so etwas nichts mehr aus.- Ja, sie 
liebte es sogar, sich in der Dunkelheit des Kinos an ihren Verlobten zu 
kuscheln und sein leises Atmen zu hören. Toshi mußte ja nicht mitbekommen, 
wie sehr sie sich nach seiner Wärme sehnte.
Und so kam es, daß auch an diesem Abend nach eineinhalb Stunden wieder eine 
leise Stimme sanft an Toshis Ohr drang: "Aufwachen, Toshi. Der Film ist 
gleich zu Ende."  Toshi schreckte auf. 
"Was, was ? Oh , ich muß eingeschlafen sein.- Entschuldige Hitomi..."
"Ist schon gut.." flüsterte seine Verlobte während das Licht bereits wieder 
anging. "Und was möchtest du jetzt machen Toshi ?"
Toshi gähnte. Eigentlich wäre er jetzt am liebsten nach Hause gegangen, 
aber er traute sich nicht, das zu sagen. Immerhin war es vielleicht seine 
letzte Verabredung mit Hitomi. 
"Worauf hättest du denn Lust ?" gab er galant zurück und Hitomi überlegte 
kurz. 
"Was hältst du davon, wenn wir noch zu uns ins Café gehen?" schlug sie vor 
und Toshi stimmte zu. Immerhin war sein Appartement nur ein paar Straßen 
vom Haus der Schwestern entfernt und eine Tasse von Hitomis Kaffee vor dem 
Schlafen gehen war nicht zu verachten.
Die Uhr zeigte schon weit nach Zehn, als die beiden schließlich am Café 
Katzenauge eintrafen.
Das Lokal war schon geschlossen und nur noch in den Zimmern der Schwestern 
im ersten Stock brannte Licht als Hitomi leise die Türe aufschloß.
"Was hältst du von einem Kaffee ?" fragte sie mit sanfter Stimme, während 
sie im Lokal Licht machte.
"Eine gute Idee !" antwortete Toshi und setzte sich müde an die Theke.
Er staunte immer wieder, mit welcher Hingabe Hitomi den Kaffee bereitete. 
Es war wohl diese Liebe, die den Kaffee der Schwestern zu etwas ganz 
Besonderem machte.- Genau so außergewöhnlich wie der Name des Lokals.
Wann immer Toshi Zeit hatte, kam er her, um diesen herrlichen Kaffee zu 
genießen. Meist jedoch hatte er seine Tasse noch nicht einmal angerührt, 
wenn sein Chef ihn schon wieder zurück ins Revier rief. Überhaupt hatten er 
und Hitomi kaum mehr Zeit für einander, seit er im Iunari Revier arbeitete. 
Sein letzter Urlaub lag schon Jahre zurück. Damals, als er gerade seine 
Aufnahmeprüfung an der Polizeischule bestanden hatte, waren er und Hitomi 
zwei Wochen nach Saipan gefahren.- Saipan, das Hawaii der Japaner,- der Ort 
wo sie sich ewige Liebe geschworen hatten. Noch heute zehrte er von den 
Erinnerungen an diesen gemeinsamen Urlaub. 
'Bald werde ich wohl alle Zeit der Welt haben, um meinen Kaffee zu 
trinken.' dachte der Detektiv bei sich, als seine Verlobte das Getränk 
servierte.
"Hier, laß es dir schmecken." sagte Hitomi, doch Toshi reagierte nicht. Zu 
sehr machte ihm die Sorge um seinen Job zu schaffen.
"Was ist, träumst du ?" fragte Hitomi nach einer Weile.
Ihr war aufgefallen, daß ihr Verlobter kein Wort mehr geredet hatte, seit 
er dort an der Theke Platz genommen hatte.
"Äh nein. Nein, ich träume nicht." antwortete Toshi und rührte weiter 
bedächtig in der Tasse. "Sag mal Hitomi," begann er leise, "Was wäre, wenn 
ich kein Detektiv wäre,- würdest du mich dann auch noch heiraten ?"
Hitomi wußte in diesem Augenblick genau, worauf ihr Freund anspielte. Aber 
dennoch machte sie ein überraschtes Gesicht. Sie durfte sich nicht anmerken 
lassen, daß sie bereits alles wußte.- Ihr blieb keine andere Wahl als das 
Spiel mitzuspielen.
"Was redest du denn da für einen Unsinn ? Natürlich würde ich dich auch 
dann noch heiraten, wenn du kein Polizist mehr wärst. Aber wieso fragst 
du?"
"Ach, nur so..." seufzte Toshi ausweichend, doch Hitomi fand, es war nun 
langsam an der Zeit dieses Spiel zu beenden...
"Toshi, du verschweigst mir doch etwas ! Dein Chef hat gedroht dich zu 
entlassen. Stimmt's ?" 
Toshi erschrak, doch schnell hatte er sich wieder gefangen. Noch nie war es 
ihm gelungen seine Verlobte in solchen Dingen anzulügen. "Woher weißt du 
das denn ?" 
"Na hör mal, glaubst du etwa ich bin blöd ? Ich habe sowas schon lange 
kommen sehen."
"Ja ja, du hast ja recht." gab Toshi kleinlaut zu und ließ seinen Kopf noch 
tiefer sinken. "Ich frage mich nur, was wird, wenn ich meinen Job 
verliere." sagte er ganz leise und blickte hilfesuchend zu seiner 
Verlobten. Doch die lächelte nur zuversichtlich.
"Was soll schon aus uns werden,- wir heiraten, was sonst. Und dann 
arbeitest du eben bei uns im Café.- Was hältst du davon, Toshi ?"
Hitomi wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als daß ihr Freund 
auf diesen Vorschlag eingehen würde.- Sie hatte die ganzen letzten Jahre 
darüber nachgedacht und mit jeder geglückten Aktion der Katzen war die 
Sorge in ihr größer geworden. Die Sorge, daß Toshi wegen seinen Mißerfolgen 
eines Tages gefeuert werden würde.. 
Doch Toshi schwieg. Hitomi spürte den Kampf, der in ihrem Verlobten tobte. 
Der Beruf bedeutete ihm sehr viel und Katzenauge zu fangen war eine 
Obsession geworden. Resignieren, geschlagen den Rückzug antreten und den 
Dienst quittieren? - Das würde sein Stolz nie zulassen. Doch vielleicht 
konnte die Zuneigung, die sie für einander empfanden den Stolz besiegen. 
"Nein, nein, nein !!!!" brach es aus Toshi heraus. "Hitomi, das kann ich 
nicht. Entweder ich heirate dich als erfolgreicher Detektiv oder gar 
nicht."
"Du spinnst doch, Toshi." fuhr ihn Hitomi wütend an. "Was hat denn deine 
Arbeit mit deinen Gefühlen für mich zu tun ?"
"Es tut mir leid Hitomi, aber so denke ich nun mal. Und alles was du sagst 
wird nichts daran ändern."
Hitomi schwieg. Sie sagte kein einziges Wort mehr. Sie kannte ihren 
Verlobten viel zu gut um zu wissen, daß jede weitere Diskussion überflüssig 
war.- Im Gegenteil, ein falsches Wort konnte alles nur noch schlimmer 
machen.
Doch auch Toshi spürte, daß es an diesem Abend nichts mehr zu sagen gab.
Und so stand er langsam auf und rückte seinen Stuhl zurecht.
"Es war ein schöner Abend. Aber ich glaube, ich sollte jetzt gehen. Vielen 
Dank für die Verabredung, Hitomi."
Hitomi nickte beiläufig, doch sie hörte nur mit einem Ohr zu. Als sie aus 
ihren Gedanken aufschreckte, hatte Toshi aber schon das Lokal verlassen.
Hitomi stand noch eine ganze Zeit lang hinter der Bar bevor sie bedächtig 
zum Eingang ging und die Türe verriegelte. Als sie die Lampen im Lokal 
löschte zeichnete das spärliche Licht der Straßenbeleuchtung, das durch die 
Fenster fiel, gespenstische Schatten. Hitomi ging die wenigen Schritte 
zurück zur Theke und ließ sich auf einen Barhocker fallen. Sie empfand eine 
schreckliche Wut. Doch es war nicht Toshi, auf den sie wütend war.- Sie 
erkannte bald, daß sie vielmehr auf sich selbst wütend war. Die Pläne, die 
sie sich zurecht gelegt hatte gingen in Rauch auf. In all den Jahren hatte 
sie für alle möglichen Fälle Pläne gemacht. Nichts durfte dem Zufall 
überlassen sein, denn übereilte Entscheidungen waren schon immer der Feind 
eines jeden Kriminellen gewesen. Leider hatte sich der Kern ihrer Gedanken, 
- Liebe ist stärker als Logik - offensichtlich als falsch erwiesen. Zwar 
hatte sie kalkuliert, das ihr Verlobter in diesen Dingen traditionell und 
dickköpfig sein würde. Aber sie wollte einfach nicht glauben, daß ihm sein 
Stolz wichtiger war, als die Liebe, die sie für einander empfanden.
Was war es, das sie in diesem Moment fühlte? War es Wut oder Verzweiflung? 
War es nicht beides das Gleiche? Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen, 
doch je bewußter ihr wurde, was vor wenigen Minuten vorgefallen war, desto 
stärker stieg die Angst in ihr hoch. - Die Angst, Toshi zu verlieren. Und 
mit einem Mal, so sehr sie sich auch mühte, konnte sie ihre Gefühle nicht 
mehr unter Kontrolle halten - Weinend brach sie über der Theke zusammen. 

"Hitomi, du bist noch wach ?" fragte plötzlich eine Frauenstimme. Und sie 
spürte die zärtliche Berührung einer Hand auf ihrer Schulter. 
Sie erschrak ein wenig, doch als sie aufblickte erkannte sie durch ihre 
verweinten Augen ihre Schwester. 
"Ach Nami, du bist's." flüsterte Hitomi leise während sie sich die Tränen 
aus dem Gesicht rieb.
"Geht es dir gut , Kleines ?" frage die Älteste der drei Schwestern mit 
ihrer wunderschönen sanften Stimme. -
Hitomi nickte.- "Ja, ja, es geht schon."
"Das klingt ja wenig überzeugend. - Weißt du, ich habe dein Gespräch mit 
Toshi mit angehört.-- Und irgendwie kann ich ihn verstehen."
"Ach ja !? Du verstehst, daß ihm sein Job wichtiger ist als ich ?? Was bin 
ich denn,- eine Siegestrophäe, die er sich in sein Zimmer stellen kann?" 
"Sieh das doch einmal von Toshis Seite. Er will sicher sein, daß er für 
dich Sorgen kann. Er findet eben, daß einzig und alleine der Mann für die 
Familie sorgen muß.- Und in einem Caféhaus unter dem Befehl einer Frau,- 
seiner Frau, zu arbeiten, das könnte er nie."
"Aber was ist mit mir ? Zählen meine Gefühle nichts ? Glaubst du etwa ich 
werde meine Arbeit hier so einfach aufgeben, wenn wir heiraten ? Glaubst du 
etwa, daß ich zum Hausmütterchen werde und brav am Herd warte bis der Herr 
nach Hause kommt."
Nami lachte. "Ja, das wirst du - glaube ich. Die Dinge entwickeln sich nie 
so, wie man sie plant.- Wenn man eine Familie ist und Kinder hat, dann 
kommt sowas automatisch."
Hitomi warf trotzig ihr Haar zurück. "Nie und nimmer. !" antwortete sie mit 
großer Bestimmtheit und wie ein Blitz durchzuckte sie der Gedanke. 
"Vielleicht will ich Toshi ja auch gar nicht mehr heiraten."
Ja das war es. Pure Logik. Wenn sie ihre Beziehung mit Toshi beenden würde, 
dann wäre doch alles in Ordnung. 
"Belügst du dich jetzt nicht selbst ? Glaube mir, er ist der Richtige für 
dich. Weißt du noch wie oft ich früher versucht habe, dir deine 
Freundschaft mit ihm auszureden ?- Und was habt ihr getan, ihr habt euch 
verlobt. Glaubst du nicht, daß ihr auch solche Probleme lösen könnt?"
"Weiß nicht ....." murmelte Hitomi nachdenklich doch Nami war sehr viel 
zuversichtlicher. Zu eindeutig waren die Zeichen.
"Du und Toshi, ihr werdet es schaffen, glaube mir. Du kannst dir seiner 
Liebe sicher sein. Und was seinen machohaften Stolz betrifft,- ich glaube 
am Ende bist du ihm tausend mal wichtiger. Und jetzt komm,- es ist Zeit ins 
Bett zu gehen."
Hitomi seufzte. "Ja... Hoffentlich..." sagte sie leise und kurze Zeit 
später verließen die beiden Schwestern gemeinsam das Lokal.


5. Das letzte Spiel beginnt

Die folgenden Tage verliefen so wie immer. Jedoch mit einer Ausnahme.
Obwohl Toshi jeden Morgen zu seiner Kaffeepause ins Café der drei 
Schwestern kam, wechselten Hitomi und er kaum ein Wort.
Manchmal schien es sogar, als ob sie sich aus dem Weg gingen und einander 
ignorierten.
Dabei wußte Toshi genau, daß er sich bei Hitomi für sein Verhalten hätte 
entschuldigen sollen. - Doch es waren sein Stolz und seine Schüchternheit, 
die ihn davon abhielten. Aber auch Hitomi traute sich nicht, den ersten 
Schritt zu machen. Wie gerne hätte sie Toshi ihre Liebe gestanden, doch sie 
fand, daß sich dies für eine Frau nicht ziemte.
Und so verging eine ganze Woche, ohne daß die beiden ihren Streit 
beilegten.
Und die Nachricht, die Nami eines morgens verkündete, sollte alles nur noch 
schlimmer machen.
"Wir werden wieder zuschlagen." sagte sie und Love, die jüngste der 
Schwestern, war sofort Feuer und Flamme. "Super ! Und was holen wir 
diesmal?" fragte sie neugierig.
"Wir holen das Katzenauge. Es ist ein Diamant und er befindet noch für zwei 
Tage im Ost-West-Museum hier in Tokio." erklärte Nami.
Ein Lächeln huschte über Hitomis Gesicht. Ein seltener Anblick in den 
letzten Tagen. 
Auch Love kicherte. "Katzenauge stiehlt Katzenauge. - Das könnte glatt ein 
Buchtitel sein. Vielleicht werde ich ja mal ein Buch über uns schreiben. 
Und dann kriege ich den Pulitzerpreis."
Alle grinsten über diese Phantasie, doch Hitomi war die Erste, die es auf 
den Nenner brachte: "Ja, das oder 20 Jahre Gefängnis wegen mehrfachen 
Diebstahls." 
Love begann natürlich zu schmollen "Du bist Blöd..." sagte sie 
eingeschnappt, doch im nächsten Moment lachte sie auch schon wieder mit den 
anderen Beiden um die Wette.
"Kommt Kinder zurück zur Aufgabe!" ermahnte Nami schließlich. "Es gibt 
nämlich ein Problem. Wir müssen den Stein holen, bevor das neue Alarmsystem 
fertig ist. Und da bleibt uns leider nur noch heute Nacht."
"Du willst heute Nacht auf Beutezug gehen ?" Hitomis Stimme klang sehr 
enttäuscht.
"Ich weiß, heute ist dein Geburtstag und du freust dich schon auf deine 
Feier mit Toshi, aber wir können es nicht verschieben." Nami hielt inne, 
als sie sah wie das Lächeln aus dem Gesicht ihrer Schwester wich. 
"Natürlich, wenn du willst, dann werden Love und ich die Aktion alleine 
durchziehen."
Hitomi winkte ab. "Nein, nein, wenn uns dieser Fischzug gelingt, dann habe 
ich alle Zeit der Welt meinen Geburtstag nachzufeiern. Glaubst du ich will 
das Finale verpassen?" - Wieder einmal mehr beschloß Hitomi, daß sie ihre 
Gefühle hinter der Aufgabe zurückstellen mußte. Sie war geübt darin, denn 
Gefühle machten sie unaufmerksam und verwundbar. Was sie jedoch nicht sah 
war, daß die Gefühle, die sie nun zu unterdrücken suchte, um Einiges 
stärker waren als die, die sie bisher zurückgestellt hatte.
Die jüngste der drei Kisugi-Schwestern merkte indessen auf. "Wie meinst du 
das: 'Das Finale verpassen' ? " fragte sie neugierig aber keiner ging auf 
die Frage ein. Hitomi gab keine Antwort und Nami tat so, als hätte sie gar 
nichts gehört. 
"Sag schon, ihr verheimlicht mir etwas, oder ?- Das ist Gemein von euch !- 
Sagt schon, was ist es ?" quengelte Love immer und immer wieder. So lange 
bis Nami schließlich nachgab: "Was Hitomi damit meinte ist, daß dies das 
letzte Stück aus Vaters Sammlung ist."
Love begann frech zu grinsen "Ach dann gibt es ja bald eine Hochzeit - und 
eine Entlassung..."
Hitomi antwortete nicht.
"Love, hör bitte auf. Das, was ich euch jetzt zeige ist wichtig." ermahnte 
Nami und zog eine Zeichnung hervor, die sie auf der Ladentheke ausbreitete. 
"Seht her, Schwestern. Das ist ein Plan vom Ost-West-Museum. Seit unserem 
letzten Besuch hat man in allen Gängen Fallgruben installiert. Es gibt nur 
einen Weg, auf dem wir ans Ziel gelangen können, ohne eine Fallgrube 
auszulösen. Deshalb habe ich mir für unseren letzten Einsatz etwas ganz 
besonders überlegt. Dieses Mal werden wir einfach durch die Eingangstüre 
marschieren."
Love nickte. "Ja soviel zu den Fallgruben, doch wie willst du die Sensoren 
in den Gängen überlisten ?"
"Darum hat Herr Nageischi sich schon gekümmert." erklärte Nami. "Dieses 
Gerät hier macht die Sensoren in einem Umkreis von 10 m unwirksam. Aber da 
es nur bei den alten Sensoren funktioniert, müssen wir heute Nacht noch in 
Aktion treten. Außerdem haben wir nur ein Gerät, also kann auch nur Eine 
von uns den Diamanten holen."
Hitomi merkte auf. "Dann mach ich es."
Nami hob mißbilligend ihre Augenbrauen. "Bist du sicher, daß du das 
willst.-" fragte sie. "Du hast in letzter Zeit viel durchgemacht, Hitomi.- 
Vielleicht wäre es besser, wenn einer von uns.."
"Nein, ich schaffe das. Meine Arbeit und mein Privatleben sind zwei 
verschiedene Paar Schuhe." unterbrach Hitomi energisch. Und es müssen wohl 
auch die braunen Rehaugen gewesen sein, mit denen sie ihre große Schwester 
bettelnd ansah, die Nami letztlich entgegen alle Vernunft zustimmen ließen.
"Also gut,- wenn du sagst, daß du es schaffst, dann glauben wir dir, 
Hitomi. Aber ich hoffe dir ist klar, daß du auf keinen Fall vom Weg 
abweichen darfst, ansonsten landest du unweigerlich in einer Fallgrube."
Hitomi nickte zuversichtlich. "Ich werde aufpassen..." sagte sie und setzte 
ein selbstbewußtes Lächeln auf. Sie nahm sich vor, das sie diesen letzten 
Auftrag genau nach Plan durchführen würde.- Egal, welche Konsequenzen für 
ihr Gefühlsleben es hatte.

In der folgenden Nacht, als die Schwestern in Namis Wagen zu ihrem letzten 
Einsatz fuhren, herrschte mehr als sonst eine fröhliche, ja beinahe 
ausgelassene Stimmung.
Nami und Love konnten es kaum erwarten, diesen Auftrag zu beenden in der 
Hoffnung danach vielleicht endlich wieder ein normales Leben zu führen. Sie 
redeten und redeten und machten bereits Pläne für die Zukunft...
Nami wollte sich endlich einen netten Mann suchen und Love träumte davon, 
die Geschichte von Katzenauge aufzuschreiben und später als Buch zu 
veröffentlichen.
Hitomi jedoch schwieg den ganzen Weg über. Seit der Besprechung am Morgen 
hatte sie fast kein Wort mehr gesprochen. 
Aber so sehr sie auch versuchte, sich auf den Einsatz zu konzentrieren,- es 
wollte ihr nicht gelingen. Immer wieder dachte sie daran, welche 
Auswirkungen ihr Tun auf die Zukunft haben würde.- Würde sie die Liebe 
ihres Lebens verlieren ? Könnte sie danach je wieder glücklich werden ? 
'Reiß dich zusammen' - sagte sie sich immer wieder. 'Du darfst dich nicht 
deinen Gefühlen hingeben. Es ist nicht nur dein Leben um das es hier geht. 
Wenn du versagst werden deine Schwestern ihren Vater vielleicht nie wieder 
sehen. Loves größter Traum würde nie in Erfüllung gehen.' -
Sie konzentrierte sich und in Gedanken ging sie den Plan noch einmal durch. 
Es mußte alles perfekt funktionieren. Während sie sich versteckt hielt 
würden Love und Nami die Wachmänner - 'heiraten' ???? - Sie erschrak. Wie 
kam sie in diesem Moment auf diesen Gedanken. Warum konnte sie den Traum 
einer Hochzeit mit Toshi nicht genau so einfach verdrängen, wie alle 
anderen Gefühle zuvor. - Langsam kamen ihr Zweifel, daß sie der Aufgabe 
gewachsen war, die vor ihr lag 


Bei Toshis Männern herrschte unterdessen Aufregung und Nervosität als sie 
rings um das Museum herum ihre Posten bezogen. Der Detektiv hatte am 
Nachmittag eine dreistündige, äußerst geheime Einsatzbesprechung abgehalten 
und dabei mit seinen Männern Dutzende von möglichen Szenarien 
durchgespielt. Noch nie hatte er einem Einsatz solche Aufmerksamkeit 
gewidmet und seine Kollegen ahnten, daß dieses Mal sehr viel auf dem Spiel 
stand.
Als die drei Schwestern kurz vor Mitternacht am Ort des Geschehens 
eintrafen, waren sie gewaltig überrascht. Nami hatte schon mit einem großen 
Polizeiaufgebot gerechnet, doch was sie nun sah, übertraf ihre Erwartungen 
bei Weitem. Entgegen früheren Einsätzen hatte Toshi die Wachen dieses Mal 
unauffällig und sehr gezielt plaziert.- Ein wirkliche Herausforderung.
"Dein Liebster hat sich aber sehr viel Mühe gegeben. Das wird nicht leicht 
werden." stellte nun auch Love mit Bewunderung fest.
Hitomi freute sich für das Lob, das ihr Verlobter erhielt. "Ja, es geht für 
ihn ja auch um sehr viel." 
Nami lachte und begann ihr Trikot zu richten. 
"Das wird ihm aber nichts nutzen. Gegen die Waffen einer Frau sind die 
meisten Männer nun einmal machtlos." erklärte sie mit einem hämischen  
Grinsen auf dem Gesicht und Love lachte lauthals los. "Ja, wir sind nun 
'mal ganz niedliche Katzen." sagte sie. "Aber 'mal ehrlich, welcher Mann 
läuft nicht gerne zwei Damen in hautengen Trikots hinterher und kann dann 
auch noch behaupten, nur seinen Job zu machen... Nicht wahr, Hitomi ?"
Hitomi warf ihrer jüngeren Schwester böse Blicke zu.
"Wenn du Toshi damit meinst, dann bin ich sicher, daß er nur seinen Job 
macht und nichts Anderes." gab sie schließlich beleidigt zurück, doch Love 
grinste nur und erwiderte spitzzüngig. "Ach ja, entschuldige. Ich hab ja 
ganz vergessen, daß dein Toshi so etwas nicht tut. Er ist ein Heiliger und 
hat noch nie einer anderen Frau nachgesehen." Diese Bemerkung machte Hitomi 
schier rasend doch bevor sie etwas Passendes antworten konnte unterbrach 
Nami auch schon das Wortgefecht. "Jetzt ist es gut ihr Zwei ! Habt ihr etwa 
vergessen warum wir hier sind ? Schaut mal auf die Uhr ! Es wird Zeit für 
uns."
Kurz darauf verließen die drei Diebinnen das Auto.

Die beiden Wachen links und rechts des Haupteinganges gähnten beinahe wie 
auf Kommando. "Was meinst du wie lange es dauert?" fragte der Eine. "Ich 
denke es wird bestimmt 3 Uhr." antwortete der andere und blickte wieder in 
die Dunkelheit. Dort war etwas. Eine Bewegung im Hintergrund - undeutlich 
aber vernehmbar - lies ihn aufmerken. Ein Schatten huschte am Rande der 
Grünfläche entlang und verschwand in dem hohen Bewuchs, der die Steinmauer 
verdeckte, die das Grundstück umschloß und nur zu einer Seite hin einen 
Ausgang hatte. Wachsam starrte der Polizist in die Dunkelheit und sofort 
übertrug sich diese Angespanntheit auf all die anderen Wachposten. 
Nami warf Love einen kurzen Blick zu und mit einem Sprung waren die beiden 
von ihrem Versteck auf einem Baum mitten hinein in den Eingangsbereich des 
Museums gesprungen. Mehrere tausend Watt Lichtenergie ließen ihre 
weiblichen Rundungen voll zur Geltung kommen, während sie sich aufreizend 
in Pose stellten. 
Hitomi, die abseits des Einganges im Gebüsch Platz gefunden hatte, rief mit 
verstellter Stimme: "DA, DIE KATZEN AM HAUPTEINGANG! FANGT SIE!"
Und schon im nächsten Moment wurde sie Zeuge, wie sicher Namis Plan 
funktionierte: Wie eine Horde wilder Affen jagte der größte Teil der 
Wachposten hinter den beiden Katzen her. Und die bemühten sich redlich ihre 
Verfolger so schnell wie möglich vom Museum weg zu locken.
Hitomi kicherte - es stimmte schon: Ihre Schwestern machten wirklich eine 
Superfigur in ihren Trikots. Und sie fragte sich, ob ihr Verlobter auch zu 
denen gehörte, die auf diesen, wie sie fand, billigen Trick hereingefallen 
waren. Eines stand jedoch fest, - Unterinspektor Asaja hätten sie nicht so 
leicht austricksen können. 
Hitomi blieb noch einen Moment lang in ihrem Versteck und beobachtete das 
Museum. Soweit sie erkennen konnte waren mittlerweile alle Wachposten 
verschwunden und so schlich sie leise und, wie sie hoffte, ungesehen zum 
Hauptportal des Museums.
Sie zog einen Schlüssel hervor und führte ihn vorsichtig in das Schloß ein. 
Behutsam begann sie zu drehen.. 
Mit einem klickenden Geräusch entriegelte sich das Schloß und die Türe 
öffnete sich fast wie von selbst.
"Vielen Dank, Herr Nageischi. Der Nachschlüssel paßt perfekt.- Wie immer." 
murmelte sie dankbar als sie in das Museum eintrat.
Dort, im Inneren war alles Dunkel. Nur spärlich erleuchtete verirrtes Licht 
der Außenbeleuchtung durch die vielen Fenster hindurch die Gänge.
Mit größter Vorsicht machte sich Hitomi auf den Weg zu dem Edelstein. Sie 
wußte, daß ein unachtsamer Schritt genügte und sie würde in eine metertiefe 
Grube fallen.
Die Gänge schienen unendlich lang zu sein und sie hatte das Gefühl, daß sie 
Stunden unterwegs war bis sie endlich eine große zweiflügelige Holztüre 
erreichte. Hinter dieser Türe lag der Raum, in dem der Diamant aufbewahrt 
wurde. - Ein kurzer Blick - es war keiner zu sehen. Vorsichtig öffnete sie 
einen Flügel der Türe und trat ein.
Sie lauschte gespannt.- Die Stille war bedrohlich aber beruhigend zu 
gleich.
Konnte es sein, daß außer ihr kein Anderer mehr im Museum war? Hitomi wurde 
ein wenig nervös. Vielleicht wartete Toshi ja schon auf sie ? - Aber wenn 
ja, wo hatte er sich dann versteckt ?- Nach jedem Schritt hielt die Diebin 
inne und horchte.
Der Weg zu der Säule in der Mitte des Raumes schien eine Ewigkeit zu 
dauern. Doch nun hatte sie es geschafft. Dort, genau vor ihr - unter einer 
Glaskuppel und auf ein Samtkissen gebettet - da lag er: Katzenauge, der 
Stein, der den Katzen ihren Namen gegeben hatte. Schnell und routiniert 
hatte Hitomi das Alarmsystem ausgeschaltet.
'So, das war es dann wohl', dachte sie und beim Anblick des Edelsteins in 
ihren Händen, der im Zwielicht glänzte wurde sie unweigerlich traurig. 
Eigentlich hätte sie glücklich sein sollen, jetzt, da sie endlich ihren 
Auftrag erfüllt hatte, doch sie befürchtete, daß sie gleichzeitig Toshi 
vielleicht für immer verloren hatte.
Hitomis Gedankenspiele stoppten abrupt. Nein - an ihr Gefühlsleben durfte 
sie jetzt keinen Gedanken verschwenden. Vor ihr lag noch ein langer Weg und 
sie mußte sich beeilen, denn jeden Moment konnten die Polizisten das 
Ablenkungsmanöver ihrer Schwestern durchschauen und zurückkehren. Eilig 
trat sie den Rückweg an.
Kaum hatte sie den Raum verlassen und war wieder auf dem Korridor der 
tausend Fallgruben, da schallte plötzlich eine Stimme den Gang entlang.
"HA KATZE, STEHENGEBLIEBEN, JETZT HAB ICH DICH !"
Hitomi fuhr erschrocken herum. Sie konnte erkennen, wie ein Schatten am 
Ende des Ganges auftauchte. Sie brauchte nicht zu überlegen: Es war kein 
Anderer als ihr Toshi und augenblicklich wußte sie, daß sie den Ausgang 
schnellstens erreichen mußte.- Nur da war sie sicher.
Es würde ein sehr langer Weg zurück sein. Sie mußte den Detektiv in Schach 
halten aber gleichzeitig auch aufpassen, daß sie nicht in eine Grube fiel.
"Bleib' stehen Katze, du entkommst mir nicht." rief Toshi immer wieder und 
Hitomi sah mit Schrecken, daß er mit jedem Schritt er näher an sie heran 
kam. Noch schneller zu laufen war ihr nicht möglich. Schon mehrmals war sie 
auf Auslöser getreten und hatte sich erst im letzten Moment durch einen 
gewagten Sprung vor den offenen Fallgruben retten können. Sie war am Ende 
ihrer Kräfte.
Völlig geschafft blieb sie stehen und drehte sich zu ihrem Verfolger um. Er 
kam unaufhaltsam heran und so sehr sie es auch haßte, sie hatte in diesem 
Moment keine Wahl:-  Sie mußte Toshi gewaltsam außer Gefecht setzen...
Widerwillig zog die hübsche Diebin eine kleine Pistole hervor. 
"Tut mir leid, Toshi." murmelte sie leise und drückte mit letzter Kraft den 
Abzug.... - Eine kleine Glaspatrone verließ zischend die Waffe und 
zerplatze vor Toshis Füßen. Mit einem Schlag füllte sich der Korridor mit 
Tränengas und der Detektiv war mitten drin. Er versuchte zwar noch nach 
seinem Taschentuch zu greifen, aber es war zu spät. - Das Gas wirkte schon 
und er konnte nichts mehr erkennen.
Hitomi verharrte noch einen Moment.- Bevor sie flüchtete mußte sie erst 
sicher sein, daß ihr Verlobter nicht ernsthaft verletzt war. Doch als sie 
dann sein Fluchen hörte, da wußte sie, daß sie wieder einmal mehr nur 
seinen Stolz verletzt hatte.
"Puh, geschafft." murmelte die Diebin erleichtert und wollte gerade den 
nächsten Schritt in Richtung Ausgang machen, als sie plötzlich dieses 
zischende Geräusch hörte... 
Sie spürte noch den Boden unter ihren Füßen zittern, doch noch bevor sie 
wußte wie ihr geschah fiel sie auch schon haltlos in die Tiefe....

Hitomi schlug hart auf dem Boden der Grube auf. Sie war benommen, aber 
instinktiv versuchte sie sofort wieder aufzustehen. Sie schrie auf. Was war 
nur mit ihrem rechten Bein ? Sie konnte es kaum bewegen und es tat höllisch 
weh. Auf allen Vieren kroch sie in eine Ecke und blickte nach oben. 'Das 
sind gut und gerne 5 Meter.' dachte sie und plötzlich hörte sie Toshis 
lautes Lachen. 
"Ha,Ha,Ha. Na Katze, nun bist du in die Grube gefallen." schallte es 
höhnisch von oben in die Grube herunter. "Ich dachte Katzen fallen immer 
auf die Füße, oder ?" 
Hitomi reagierte nicht auf den Spott. Toshi war keine Gefahr für sie so 
lange seine Kollegen fort waren. Aber wenn sie zurückkämen, dann wäre sie 
in sehr sehr großen Schwierigkeiten.
Immer wieder versuchte sie aufzustehen, aber das Bein schmerzte bei der 
kleinsten Bewegung.- Aus eigener Kraft war keine Flucht möglich. 
Hoffentlich würden ihre Schwestern rechtzeitig zurückkehren.- Sie konnte 
nicht ahnen, daß Nami und Love immer noch von den Polizisten verfolgt 
wurden und im Augenblick meilenweit vom Museum entfernt waren...

Hitomi merkte auf. Eine Schattengestalt erschien oben am Rande der Grube. - 
Es mußte Toshi sein, der sich vorsichtig dorthin vorgetastet hatte.
Der Detektiv war zufrieden. Wegen des Tränengases sah er zwar kaum etwas, 
konnte es aber auch nicht erwarten noch ein paar verspottende Bemerkungen 
an die Diebin los zu werden.
"Na Katze, wie geht es dir da unten ? Ich hoffe du fühlst dich wohl. 
Vielleicht kann ich dich nicht sehen, aber - glaube mir,- ich spüre deine 
Angst." Toshi stockte. 'Komisch' - dachte er - Was er eigentlich wie eine 
Floskel gesagt hatte stimmte. Irgendwie war da ein Band zwischen ihm und 
einer der Diebinnen. Etwas, das sie Gefühle und Gedanken teilen ließ. "Ha, 
ich Toshi Utzumi habe dich endlich gefangen. Du bist schuld, daß mich 
keiner mehr ernst nimmt !" schrie er schließlich wütend und rutschte noch 
näher an den Rand heran. Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und stürzte 
schreiend hinunter...

Regungslos lag er schon einige Zeit am Boden. Hitomi befürchtete, daß er 
sich schwer verletzt hatte. Sie überlegte noch, ob es sicher wäre, ihm zu  
Hilfe zu kommen, da jedoch rappelte sich der Detektiv bereits aus eigener 
Kraft wieder hoch. Er verharrte noch einen Moment im Sitzen, doch dann, mit 
einem Mal, begann er wie ein Wilder auf allen Vieren durch die Grube zu 
kriechen in der Hoffnung Katzenauge zu fassen zu bekommen. Die Katze hatte 
große Mühe immer rechtzeitig ihrem Verlobten auszuweichen. Sie konnte ihn 
zwar die ganze Zeit über sehen, doch waren ihre Bewegungen wegen ihrer 
Verletzungen unbeholfen und langsam und zu allem Übel machte sie dabei auch 
Geräusche, die sie verrieten. Minuten vergingen. Wie lange würde sie das 
noch durchhalten. Die Schmerzen in ihrem Bein bescherten ihr immer öfter 
kurze Schwindelanfälle. Sie wußte diese Jagd würde nicht mehr lange gut 
gehen. Ein paar Mal hatte er sie schon berührt, doch nicht zu fassen 
bekommen. Wollte sie dieses Spiel gewinnen mußte es bald zu Ende sein - 
dachte sie und wie auf Kommando hielt Toshi plötzlich inne. 
Da war es wieder, dieses laute und triumphierende Lachen.
"Na Katze, hat dir unsere kleine Jagd gefallen ?" spottete der Detektiv und 
stand langsam vom Boden auf. Wie ein Blinder tastete er sich an der Wand 
entlang um nach einigen Schritten eine Ecke zu erreichen, wo er sich auf 
den Boden setzte. "Ich kann dich vielleicht nicht sehen, Katze,- noch 
nicht! Aber ich weiß, daß du verletzt bist. Und ICH habe Zeit." meinte er 
nach einer Weile des Schweigens und begann wieder von neuem höhnisch zu 
lachen. "Was ist das für ein Gefühl, Katze, wenn man in die Enge getrieben 
wird.- Wie ein wildes Tier, das vergeblich versucht seinem Schicksal zu 
entkommen."
Hitomi schwieg. Während ihr Verlobter weiterhin spottete und siegessicher 
lachte versuchte sie wieder mit analytischem Verstand Auswege zu finden, 
suchte nach Fluchtmöglichkeiten. In etwa drei Meter über dem Boden war 
etwas, das wie ein offener Schacht aussah. Doch sie würde in ihrer jetzigen 
Verfassung nicht einmal alleine aufstehen können,- geschweige denn mit 
einem Sprung den Schacht erreichen. Zum ersten Mal fühlte sie sich völlig 
hilflos. Toshi hatte alle Trümpfe in der Hand und es schien als genieße er 
diesen Sieg. Doch entgegen aller Logik verstummte Toshis Lachen mit einem 
Mal.
"Weißt du, Katze." begann er leise und blickte nachdenklich zu Boden. "Es 
bedeutet mir sehr viel, daß ich dich endlich gefangen habe. Keiner nahm 
mich mehr ernst und mein Chef wollte mich sogar feuern. Doch nun, werde ich 
vielleicht sogar befördert.- So eine Beförderung habe ich mir schon lange 
gewünscht.- Aber ehrlich gesagt ist sie mir gar nicht so wichtig.- Wichtig 
für mich ist nur Eines,- jetzt da ich Katzenauge gefangen habe, kann ich 
endlich meine Verlobte heiraten."
Hitomi stutzte in ihren Fluchtgedanken. Sie hatte Toshis Stimme nur 
unterbewußt wahrgenommen, doch reichte es aus, um ihre Gefühle wieder die 
Kontrolle über ihren Verstand gewinnen zu lassen. Etwas mit Toshi stimmte 
nicht. Wenn er so versessen darauf wäre sie zu heiraten - und weiß Gott, da 
war sie sich sicher - warum war er so niedergeschlagen? - Warum dann nur 
konnte sie an seinem Gesicht sehen, daß ein Gefühlskrieg in ihm tobte. Er 
hatte doch Katzenauge besiegt.- Was konnte seine Freude darüber mildern? - 
Konnte es sein.... Ein Gedanke beschlich sie. Eine böse Ahnung. Etwas, das 
sie immer verdrängt hatte und das Alles, woran sie glaubte auf den Kopf 
stellen würde. - Wußte Toshi etwa... - 'NEIN, NEIN, NEIN - Hitomi, das ist 
unwichtig.' schimpfte sie mit sich. Sie hatte andere Sorgen als Toshi. - 
Ihr Auftrag allein war es, was zählte und die Suche nach einem Ausweg aus 
ihrer mißlichen Lage war das einzige Problem, das es zu lösen galt. Und so 
zwang sie sich abermals Toshi zu ignorieren, als er fortfuhr zu reden...
"Ja, meine Verlobte zu heiraten, davon träume ich schon seit vielen Jahren. 
Zu schade, daß das für immer ein Traum bleiben muß."
Wieder hatten die Worte des Detektivs einen Weg in ihre Gedanken gefunden. 
'Heirat für immer ein Traum?' - Sprach Toshi in Rätseln, oder war sie im 
Moment einfach nur unfähig seinen Gedanken zu folgen? Der Sturz, die 
Schmerzen, die Wut über ihre eigene Unaufmerksamkeit, der grundlose Streit 
mit ihrem Liebsten Tage zuvor, die Angst um die Zukunft ihrer Liebe. 
Tausend Gedanken auf einmal stürzten auf sie ein und sie konnte keinen Sinn 
darin sehen. Ihr schwirrte der Kopf und sie schloß die Augen. 'Ruhig 
Hitomi, denk an Namis Worte!' sagte sie zu sich.- Die Katzen haben keine 
Zeit für Gefühle. Flucht - ja nur daran durfte sie jetzt denken. Ihr 
eiserner Wille - etwas worauf sie sich verlassen konnte - das war ihre 
einzige Hoffnung. Sie wollte um jeden Preis versuchen aufzustehen. Das 
Erreichen des rettenden Schachtes über ihr war ihr einziges Ziel. Die 
Schmerzen in ihrem Bein durfte sie einfach nicht spüren...
Sie konzentrierte sich. Alles um sie herum verschwand aus ihren Gedanken, 
doch vielleicht gerade deshalb trafen sie Toshis Worte unvorbereitet wie 
eine Kugel direkt ins Herz. 
"Sie müssen wissen, meine Freundin Hitomi ist Katzenauge und ich selbst 
habe sie gefangen."
Hitomi riß ihre Augen auf. Ihr Kopf war plötzlich wie leergefegt. Es war 
als ob ein schwarzes Loch in ihrem Kopf alle Gedanken, alle Gefühle, 
einfach Alles hatte verschwinden lassen . Und nun - einem Urknall gleich - 
drohte die einzige Wahrheit ihren Kopf zu sprengen: VORBEI. ES IST VORBEI. 
Alle Hoffnungen, Träume einer Zukunft mit Toshi und ihrem Vater - alles 
verloren. Trauer. Tiefe Trauer empfand sie in diesem Moment. Trauer um ihre 
verlorene Liebe. Ein Geräusch ließ sie zu Toshi hinüber sehen.
Er hatte seine Handschellen vom Hosenbund genommen und ließ sie durch seine 
Finger gleiten. Das Klappern des blanken Metalles wurde in unheimlichen 
Echos von den Wänden der Grube zurückgeworfen. 
Hitomi rührte sich nicht, nun, da sie sah, wie der Detektiv aufstand und zu 
ihr herüber kam. Sie wollte nicht fliehen, sie sah einfach keinen Sinn mehr 
darin. Sie versuchte ihre Tränen zurückzuhalten, doch als Toshi schließlich 
vor ihr stand und sie in seine treuen Augen sah, brach alles aus ihr 
heraus.
"Es tut mir leid." schluchzte sie und hielt ihm einer Aufforderung gleich 
ihre beiden Handgelenke hin. Sie scheute sich in sein Gesicht zu blicken. 
Hätte sie es getan so hätte sie darin das Spiegelbild ihrer eigenen Gefühle 
gesehen. Sie wandte ihren Kopf ab und ergab sich mit geschlossenen Augen in 
ihr vermeintliches Schicksal. Sie fühlte die Zärtlichkeit mit der Toshi 
ihre Hände nahm und wartete auf das Klacken der Handschellen. Doch an 
Stelle des kühlen Metalls auf ihren Handgelenken spürte sie einen sanften 
Kuß auf ihrer Stirn.
Fragend sah sie Toshi an, der vor ihr auf die Knie gefallen war und sich 
nun behutsam neben sie setzte. 
"Du mußt dich nicht entschuldigen Hitomi." sagte er leise und legte 
liebevoll einen Arm um die Schultern seiner Freundin. Hitomi fror und es 
tat gut seine Wärme zu spüren. Könnte das doch nur immer so bleiben.
"Was denkst du, wie lange haben wir noch ?"
"Du meinst, wie lange es noch dauern wird, bis meine Männer kommen ? - 
Stunden. Minuten vielleicht."
Hitomi seufzte traurig. Sie wollte nicht reden über das, was unvermeidlich 
war. Ganz eng kuschelte sie sich an ihren Freund und legte den Kopf an 
seine Schulter. Er bemerkte wie sie vor Angst zitterte und spürte ihre 
Tränen als seine Hände ihre Wangen berührten. Verliebt ließ er ihr langes 
schwarzes Haar durch seine Finger gleiten.
"Tut dein Bein sehr weh ?"
"Ich kann nicht laufen, wahrscheinlich ist es gebrochen." flüsterte sie 
leise und blickte ihn mit Tränen in ihren großen braunen Augen an. 
Toshi griff in sein Jackett und zog ein frisches Taschentuch heraus.
Vorsichtig trocknete er ihre Tränen ab.
"Sei froh, daß du keine echte Katze bist." sagte er lächelnd zu der 
hübschen Diebin.
"Weshalb das ?"
"Na ja, Tiere werden bei sowas eingeschläfert !"
"Du bist ein solcher Idiot." Hitomi begann zu lächeln und Toshi war 
sichtlich froh darüber. "Na also, jetzt lächelst du schon wieder. 
Übrigens,- herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Hitomi." Und zärtlich 
küßte er ein zweites Mal ihre Stirn. 
"Danke Toshi." flüsterte sie und schmiegte sich noch fester an ihren 
Verlobten. Es verging eine ganze Weile und keiner von beiden sagte ein 
Wort. Sie genossen die letzten Augenblicke die ihnen noch blieben.
Die letzen Minuten, bevor Toshis Kollegen kämen und sie für immer getrennt 
wären. Wenn es schon so enden mußte, dann hier und jetzt in den Armen ihres 
Geliebten.
Besser so als irgendwo in einer dunklen Gasse in mitten von Polizeisirenen. 
Doch plötzlich horchte Toshi auf. 
"Hör mal, da kommt wer." flüsterte er und auch Hitomi lauschte gespannt. 
Sie hörte Polizeisirenen in der Ferne, die schnell näher kamen und etwas 
später hallten auch schon die ersten Schritte durch den Gang. 
Hitomi war traurig aber gelassen. "So, das war es dann wohl. Es war eine 
schöne Zeit mit dir, Toshi."
Toshi nickte. "Ja, es war auch schön mit dir." flüsterte er leise und 
sprang auf.
Sein Blick wanderte die Wand hinauf.
Hitomi erwartete, daß er nun laut rufen würde, damit man sie schnell fände. 
Sie war sicher das es das Ende war. 
Unverhofft faßte der Polizist seine Freundin unter den Armen und zog sie 
auf die Beine.
"Was machst du da ? Was soll das ?"
Toshi sagte kein Wort. Mit einem festen Griff packte er seine Verlobte bei 
den Hüften und stemmte sie in die Luft.
"Los, rein da !" rief er und Hitomi begriff, was er im Sinn hatte. 
Mit der Hilfe ihres Freundes, war es für sie leicht in den rettenden 
Schacht zu kriechen. Ihr Bein schmerzte gehörig, doch das konnte sie 
aushalten. Sofort nachdem sie sich in der Öffnung Halt verschafft hatte, 
reichte sie in die Grube hinunter.
"Los komm, Toshi, ich zieh dich hoch!"
Der Detektiv winkte ab. "Nein, laß nur. Das hier muß ich alleine 
durchstehen." sagte er und begann sich mit seinen eigenen Handschellen zu 
fesseln. Ein leises Zischen ließ ihn jedoch kurz aufschauen. Er wollte noch 
zurückweichen, doch es war zu spät. Von oben herab setzte ihn eine geballte 
Ladung Schlafgas Schachmatt.
Er taumelte noch einen Moment und fiel dann rückwärts gegen die Wand. 
Hitomi faßte seine Arme und begann ihn hinauf zu ziehen.
"Mensch Toshi, du hast zugenommen... Ich muß dich wohl auf Diät setzen." 
meckerte sie leise vor sich hin. Immer wieder drohte sie selbst den Halt zu 
verlieren, doch sie ließ nicht locker. Die Polizeisirenen waren schon lange 
verstummt und im Gang über der Grube ging bereits das Licht an. 
"Nein, so einfach gebe ich dich nicht auf." murmelte die Diebin immer 
wieder und je näher sie die Polizisten wähnte, desto entschlossener wurde 
sie...
Es verging keine Minute mehr bis sie die nahen Stimmen von mehreren 
Polizisten hörte und Lichtkegel von Taschenlampen den Boden der Grube 
erhellten. Ihr stockte der Atem. Schutz suchend presste sie sich an Toshis 
Körper, der neben ihr in diesem kalten Betonschacht lag. Sie zwang sich 
ganz still dazuliegen. 
'Was, wenn sie den Gang entdecken ?' dachte sie und wagte es nicht 
hinzusehen. Ängstlich schloß sie die Augen und öffnete sie erst wieder, als 
sie nach einer ganzen Zeit des Wartens wieder dieses laute, zischende 
Geräusch hörte.- Es war inzwischen stockfinster in der Grube geworden. - 
Sie streckte vorsichtig den Kopf aus dem Schacht und als sie nach oben 
blickte hätte sie am liebsten laut aufgeschrien vor Glück: Die Polizei 
hatte die Falltüre wieder geschlossen und einstweilen waren sie in 
Sicherheit....
Sofort blickte die hübsche Diebin zu ihrem Freund.- Er war immer noch 
bewußtlos und so beschloß sie auf eigene Faust und ohne seine Hilfe durch 
den Schacht nach draußen zu kriechen um ihre Schwestern zu benachrichtigen.
Weit kam sie nicht. Nach kaum zwei Metern brach sie ohnmächtig vor 
Schmerzen zusammen.




6. Zukunftsängste

Als Toshi wieder aufwachte dröhnte ihm gehörig der Kopf.
"Oh Mann, wie ich den Kerl hasse der dieses blöde Schlafgas erfunden hat." 
meckerte er und versuchte sich in der Dunkelheit des engen 
Lüftungsschachtes zurecht zu finden.
"Hitomi, wo bist du ?" rief er leise. Doch es kam keine Antwort. 'Sie wird 
wohl schon längst weg sein.' dachte er und begann tiefer in den Schacht zu 
kriechen. Doch nach wenigen Schritten ertasteten seine Hände plötzlich ein 
Hindernis. Seine Augen waren in dieser Dunkelheit nicht so verläßlich wie 
die von Hitomi und so mußte er sich auf seine anderen Sinne verlassen. 
Seine Finger begannen das Objekt zu betasten und als er die Wärme 
menschlicher Haut spürte, war ihm schnell klar, auf was er da gestoßen war.
"Hitomi ! Hitomi ! Geht's dir gut ?" rief er leise und versuchte seine 
Verlobte aufzuwecken, aber so sehr er sich auch anstrengte, es gelang ihm 
nicht.
Er fühlte ihren Puls und schlagartig wurde ihm klar, daß er schnell handeln 
mußte...

Im Haus der Schwestern hielten Nami und Love inzwischen Kriegsrat.
"Hitomi ist immer noch nicht zurück. Da ist bestimmt etwas passiert !" 
mutmaßte Love.
"Sag sowas nicht ! Aber komisch ist es schon. Alle Streifenwagen sind 
inzwischen wieder ins Revier zurückgekehrt und ich habe genau gesehen, wie 
die Polizisten ausgestiegen sind, nur Toshi war nicht dabei."
"Na ja, vielleicht feiert er ja mit unserer Schwester Geburtstag und 
Entlassung zugleich." spottete die Jüngste frech , doch Nami winkte ab.
"Nein, selbst wenn, dann hätte sie uns bestimmt informiert. Aber wie auch 
immer, wir können ihr nicht helfen. Alles, was wir tun können ist warten."
"Ja, ja. Aber dieses Warten macht mich nervös."
Nami nickte zustimmend. Immer wieder blickte sie aus dem Fenster zum 
Polizeipräsidium hinüber. Auch sie sorgte sich, doch, im Gegensatz zum 
Küken der Familie wollte sie es nicht zeigen.
Bedrückende Stille machte sich breit. Da plötzlich flog die Zimmertüre auf 
und Toshi stürzte herein.
"Ihr müßt mir helfen. Schnell ruft einen Arzt."
"Was ist denn mit dir los?" fragte Nami noch entgeistert, doch Toshi war 
schon wieder aus dem Zimmer verschwunden.
Die beiden Schwestern folgten ihm den Flur hinunter zu Hitomis Zimmer, wo 
eine böse Überraschung auf sie wartete...
Hitomi lag auf dem Bett und sie war kreidebleich.
Nach einer kurzen Schrecksekunde lief Love sofort hinunter ins Lokal um den 
Hausarzt der Schwestern zu verständigen. 
"Wir sind in eine Fallgrube gefallen. Sie hat sich wahrscheinlich das Bein 
gebrochen und vielleicht hat sie auch noch innere Verletzungen." berichtete 
Toshi besorgt und rannte nervös im Zimmer umher.
"Jetzt beruhige dich erst einmal, Toshi." sagte Nami. "Love telefoniert 
gerade nach einem Arzt. Es wird alles wieder gut."
Toshi nickte. "Ja, du hast wohl recht Nami." murmelte er leise und sein 
Blick ging wieder hinüber zu Hitomi. Namis Worte hatten ihm ein wenig von 
seiner Sorge genommen. Dennoch spürte er, daß es nicht gut um seine 
Freundin stand.
"Ich gehe zur Hintertüre und erwarte den Doktor." sagte er nach einer 
Weile. "Aber ihr solltet ihr das Trikot ausziehen. Es wissen schon zu viele 
Leute von eurem Geheimnis." 
Nami nickte zustimmend und als Toshi daraufhin leise das Zimmer verließ 
begann sie vorsichtig Hitomi das verräterische Trikot auszuziehen. Es 
wunderte sie sehr, wie gefaßt und besorgt Toshi war, jetzt wo er alles 
wissen mußte.

In der Zwischenzeit lief der Detektiv die Garageneinfahrt hinter dem Haus 
auf und ab.
Immer wieder suchte er in den Taschen seines Jacketts nach Zigaretten. Und 
genau so regelmäßig fiel ihm wieder ein, daß er Hitomi zu Liebe das Rauchen 
aufgegeben hatte.
Toshi war total verwirrt. All seine Gedanken drehten sich um seine 
Freundin. Und hätte man ihn jetzt nach seinem Namen gefragt, dann hätte er 
wohl 'Hitomi' gesagt. Schreckliche Sorgen und Vorwürfe quälten ihn. 
Warum war er so versessen darauf gewesen die Diebe zu fangen ? Er wußte 
längst, wer die Katzen waren und er kannte auch die Gefahr, die von den 
Fallgruben ausging. Trotzdem hatte er Hitomi wie ein Verrückter durch die 
Gänge gejagt. Was wäre, wenn sie wegen ihm nie wieder gesund werden würde ? 
Könnte er sich das jemals verzeihen ? 
Fragen, Vorwürfe, Schuld, all das kreiste immer wieder durch seinen Kopf 
bis ihn nach einer Weile des sinnlosen Umherlaufens eine Stimme aus seinen 
Gedanken riß: 
"Nun mach mal halblang! Du läufst ja noch Furchen in die Auffahrt." 
Toshi fuhr herum. Es war Love und sie hatte ihm einen Kaffee gebracht. 
"Hier, trink das. Es wird dir gut tun." 
Toshi nahm dankend die Tasse entgegen. Er hätte nie gedacht, daß die 
jüngste der drei Schwestern so mitfühlend sein könnte. Bisher hatte er nur 
Spott und Häme von ihr geerntet.
"Danke, Love. ... Wie geht es ihr ?" fragte er und starrte die Straße 
hinunter in die Dunkelheit. 
Love senkte den Kopf. "Nicht gut.- Sie war eben einmal kurz bei Bewußtsein, 
aber dann sie ist sofort wieder ohnmächtig geworden."
Toshi ließ vor Schreck die Tasse fallen. Sie zerplatze und der Kaffee 
bildete eine kleine Pfütze auf dem Asphalt, die langsam begann zu zerlaufen 
um schließlich im Rinnstein zu verschwinden. Mit einem Mal wurde ihm 
schwindelig und er ließ sich mit letzter Kraft auf die kleine Steinmauer 
fallen, die die Auffahrt säumte.
"Oh, mein Gott ! Was ist wenn sie stirbt ? Und ich bin schuld !" rief er 
immer wieder und schlug die Hände vors Gesicht.
Love setzte sich neben Toshi auf die Mauer und versuchte ihn zu beruhigen. 
"Sie stirbt nicht." sagte sie zuversichtlich und es lag ein sanfter Klang 
in ihrer Stimme, den er bei ihr so noch nie gehört hatte. "Und außerdem 
trifft DICH keine Schuld. Hitomi wußte sehr gut, daß es gefährlich war. Und 
wenn einer Schuld hat dann wir, weil wir zugelassen haben, das sie es 
alleine durchzieht. Wir wußten, daß sie nicht voll bei der Sache war."
Toshi merkte auf. "Wie meinst du das, Love? Sie ist nicht voll bei der 
Sache gewesen ?"
Love setzte eines ihrer frechen Teenagergesichter auf und polterte los : 
"Sag' mal, wie blöd bist du eigentlich, Toshi ? Glaubst du etwa meine 
Schwester kann es so einfach wegstecken wenn sich ihr Verlobter von ihr 
trennt?"
Doch Toshi antwortete nicht und starrte wieder in die Dunkelheit. 
Nach einer Weile zog er ein Taschentuch aus seinem Jackett. 
Verstohlen wischte er sich Tränen aus den Augen und schneuzte seine Nase. 
"Wo bleibt bloß dieser verdammte Arzt ?" fluchte er schließlich und steckte 
das zerknüllte Taschentuch wieder ein.
Obwohl er sich mühte, den harten Mann zu spielen, hatte Love längst bemerkt 
das er wegen Hitomi Tränen vergossen hatte und sie verstand. Noch nie hatte 
sie solch tiefe Gefühle bei Toshi gesehen.
"Es tut mir leid. Ich habe es nicht so gemeint. Ich wollte dich nicht so 
anfahren." entschuldigte sie sich leise. 
Toshi nickte.
Die beiden saßen noch einige Minuten stumm auf der Mauer und warteten. 
Minuten, die ihnen wie Stunden vorkamen.
Endlich traf der Arzt ein und Love begleitete ihn hinauf zu Hitomis 
Zimmer.- Toshi blieb allein zurück.
Es verging wieder eine ganze Zeit, während der er ziellos in die Dunkelheit 
starrte.
Er blickte auf die Uhr,- eine halbe Stunde war inzwischen vergangen, seit 
dem der Arzt eingetroffen war. Wie gerne hätte er gewußt, wie es seiner 
Freundin ging, aber er konnte sich einfach nicht dazu durchringen ins Haus 
zu gehen.
Von Neuem kam ein Taxi die Straße hinunter gefahren. Es hielt an der 
Auffahrt und wartete. Wenige Augenblicke später trat der Arzt aus dem Haus 
der Schwestern.- Die Älteste der drei Schwestern begleitete den Doktor zu 
dem wartenden Taxi. 
Nami blickte dem abfahrenden Wagen noch einen Moment lang nach, bevor sie 
langsam die Auffahrt hinaufkam. Sie musterte den Detektiv gründlich bevor 
sie sich zu dem Häufchen Elend auf die Mauer setzte. "Sie ist außer 
Gefahr." sagte sie leise. "Sie hat eine schwere Gehirnerschütterung und 
einen Schock. Ihr rechtes Bein hat viele Prellungen und der Knöchel ist 
verstaucht, aber Gott sei Dank ist nichts gebrochen. Der Dokter hat ihr 
etwas zum Schlafen gegeben, aber er denkt, daß sie in drei bis vier Tagen 
wieder fit ist."
Toshi blickte die Dame neben ihm aus den Augenwinkeln heraus an und nickte. 
Zwar sagte er kein Wort, doch Nami spürte genau, wie erleichtert er war.
Lange starrten die Beiden wieder mit leerem Blick in die Dunkelheit.
"Und der Stein ?" fragte der Detektiv schließlich fast beiläufig.
"Wir haben ihn." 
"Wie viele Stücke fehlen denn noch ?"
Nami zögerte. Sie überlegte wie viel Toshi wußte. Kannte er das ganze 
Geheimnis? Was konnte sie ihm sagen, ohne das sie die Lage noch 
verschlimmern würde?
"Das war das letzte." antwortete sie schließlich. "Es hat ja auch lange 
genug gedauert"
Toshi nickte zustimmend. "Ja, über drei Jahre bin ich jetzt schon hinter 
Katzenauge her." ergänzte er leise und in seinem Kopf war plötzlich wieder 
die Erinnerung an die erste Karte, die die Katzen abgeschickt hatten.- 
Diesen Tag würde er wohl nie vergessen. Die Katzenkarte steckte auf seiner 
Geburtstagstorte, die er für die Feier im Präsidium gekauft hatte.
Wieder herrschte Schweigen.
"Heintz." sagte Toshi nach einer Weile und blickte Nami aus abgeklärten 
Augen an. "Heintz ist euer Vater, oder ?" 
Die Älteste der drei Schwestern versuchte ihre Verwunderung nicht zu 
zeigen. Erstaunlich wie viel Toshi wußte.
"Ja, du hast recht Toshi." gab sie zu. "Aber wir wissen nicht, ob er noch 
lebt oder wo er sich zur Zeit aufhält."
"Und jetzt soll euch seine Sammlung helfen."
"Wenn wir herausfinden können, wer die Werke unseres Vaters auf den Markt 
gebracht hat, dann erfahren wir vielleicht wo er ist."
"Und wie geht es jetzt weiter ?"
"Alle Hinweise zeigen nach Frankreich. Also werden wir dort anfangen zu 
suchen."
"Wann ?"
"Sobald Hitomi wieder auf dem Posten ist und wir eine Vertretung für das 
Café gefunden haben."
"Ich verstehe... Dann wünsche ich euch viel Glück."
"Danke Toshi." erwiderte Nami und überlegte kurz. Es war nur eine Idee.- 
Eine Eingebung, die sie aus der Tiefe ihrer Seele wie ein Blitz 
durchzuckte.- Es war ein Vorschlag, den Hitomi mit Sicherheit machen würde 
und den sie vor Sekunden noch als unmöglich abgetan hätte. - Aber 
vielleicht ging es ja doch... "Toshi, du kannst gerne mitkommen, wenn du 
möchtest."
"Vielen Dank Nami, das ist zwar gut gemeint, aber ich glaube, es ist 
besser, wenn ich hier bleibe. Ich würde euch nur Unglück bringen."
"Überleg' es dir noch mal, Toshi. Wir würden uns freuen, wenn du mit uns 
nach Frankreich kommen würdest. Du bist wirklich herzlich eingeladen."
"Nein, Nami. Ich denke nicht, daß ich mitkommen werde. Trotzdem vielen 
Dank."
Die Dame neben ihm nickte verständig. 
"Seit wann wußtest du es eigentlich, Toshi ?" 
"Schon länger.." Toshi lächelte selbstzufrieden. "Kleinigkeiten. 
Belanglosigkeiten zumeist. Aber als ich die Verbindung zwischen Heintz und 
den Katzen fand, begann Alles einen Sinn zu machen."
"Ich verstehe. Na ja, früher oder später mußte es ja Einer merken. Aber 
wenn du es wußtest, warum hast du nie auch nur versucht uns zu verhaften."
"Es hatte viele Gründe." Toshi stockte. Nein, den wahren Grund mußte sie 
nicht erfahren, fand er. Doch Nami war bereits im Bilde.
"Es war wegen Hitomi, nicht ??"
"Ja !"
"Dann liebst du sie ?"
"Liebe?" fragte Toshi und blickte Nami aus treuen Augen an. "Nein, Liebe 
beschreibt nicht im Geringsten die Gefühle, die ich für sie empfinde."
"Und weil du meine Schwester vergötterst willst du es einfach so enden 
lassen. Ja, das klingt verdammt logisch für mich, Toshi." entgegnete Nami 
zynisch und Toshi ließ seinen Kopf noch etwas tiefer sinken. 
"Ach Nami," seufzte er, "Erwarte bitte nicht von mir logisch zu sein. Ich 
weiß ja noch nicht einmal was ich im nächsten Augenblick machen soll."
"Heute Nacht bleibst du erst 'mal hier bei uns."
Toshi zögerte einen Moment.
"Ja, ich glaube, du hast recht." meinte er schließlich. "Ich kann ja in 
Loves Zimmer schlafen."
"Nichts da !" erwiderte Nami sehr energisch. "Du verbringst die Nacht bei 
Hitomi. Sie wird sich freuen, wenn sie aufwacht und dich sieht."
"Na gut, von mir aus. " meinte er und plötzlich erhellte ein Grinsen sein 
Gesicht. "Aber beschwer' dich nachher nicht, wenn du in einigen Monaten 
hier überall kleine Toshis herumlaufen hast."
Nami mußte kichern. "Ach weißt du, ich glaube, da hat Hitomi auch noch ein 
paar Worte mitzureden."
"Na ja, das war ja auch nur so ein Gedanke."
"Ja ja, das sagen sie alle. Komm jetzt, Toshi, es wird langsam kalt, laß 
uns 'rein gehen."
"Ja, du hast recht. " stimmte er zu und bot Nami seinen Arm an.
Sie akzeptierte und die beiden gingen Arm in Arm wie alte Freunde zurück 
ins Haus.

Der neue Morgen graute schon, als Toshi aufwachte. Er hatte die ganze Nacht 
am Bett seiner Verlobten gewacht. Er war immer wieder kurz eingenickt bis 
vor ein paar Stunden der Sandmann ganze Arbeit geleistet hatte. Noch etwas 
benommen blickte er sich um...
Hitomi schlief und ihr Atem war ruhig und regelmäßig.
Sein Blick ging zum Fenster. Er hörte das leise Zwitschern der ersten Vögel 
und die Turmuhr der nahen Kirche schlug halb acht.
Vorsichtig faßte er das Handgelenk seiner Verlobten.-  Ihre Haut war warm 
und trocken. 
Er spürte ihren Puls, kräftig und regelmäßig. 
Toshi seufzte zufrieden. Es schien seiner Freundin tatsächlich besser zu 
gehen.- Ihm fiel ein Stein vom Herzen.
Langsam stand er von seinem Stuhl auf und reckte sich.
Der Rücken und die Glieder schmerzten von der Nacht, die er auf dem 
unbequemen Holzstuhl verbracht hatte.
Er blickte zu Boden. Dort, neben Hitomis Bett, lag ein Kopfkissen mit zwei 
Decken,- genau das Richtige um gemütlich auf dem Boden zu schlafen. 
'Ach, wie bequem hätte ich diese Nacht verbringen können, aber nein, ich 
mußte ja unbedingt hier auf diesem harten Stuhl hocken bleiben' dachte 
Toshi bei sich und begann leise zu lachen. "Ich hoffe, du weißt das zu 
schätzen, Hitomi." sagte er sehr leise und kaum hörbar während er wieder 
seine Verlobte betrachtete.
Sie sah einfach wundervoll aus, wie sie so da lag. Ruhig und friedlich 
schlafend, als ob nichts in der Welt ihr etwas anhaben konnte. 
"Sie sieht aus, wie eine Prinzessin, die darauf wartet, daß ihr Prinz kommt 
und sie wach küßt." sagte plötzlich eine sanfte Frauenstimme und Toshi 
blickte kurz über seine Schulter: Nami war hereingekommen.
Sie trug ein Tablett in den Händen, das sie leise auf Hitomis großem 
Schreibtisch vor dem Fenster abstellte.
"Ich habe mir gedacht, daß wir beide einen Kaffee vertragen könnten." sagte 
sie mit gewohnt sanfter Stimme und begann das Tablett abzuräumen.
Toshis Blick war immer noch starr auf Hitomi gerichtet. Er konnte einfach 
nicht von ihrem Bett weichen. Zu sehr war er besorgt, daß seine Verlobte 
erwachen würde und er wäre nicht da.
"Komm her, und setz dich. Davon das du dich zu Tode sorgst hat keiner was." 
sagte Nami und deutete auf den leeren Stuhl am Schreibtisch.
Toshi zögerte, doch schließlich gehorchte er und nahm neben der hübschen 
Schwester am Tisch Platz. Stumm und in Gedanken versunken begann er in 
seinem Kaffee zu rühren.
"Und, wirst du nachher ins Revier gehen ?" wollte Nami wissen, doch Toshi 
schwieg. Sein leerer Blick ging zwischen dem Bett seiner Verlobten und dem 
Fenster hin und her. Dann schaute er tief in seinen Kaffee und schüttelte 
den Kopf.
"Dann hast du dich also entschieden : Du gehst nicht zurück ..."
Toshi rieb nachdenklich über seine Bartstoppeln. "Vielleicht irgendwann, 
aber so lange Hitomi krank ist, will ich bei ihr bleiben."
"Das ist ein guter Entschluß, Toshi."
"Ja ? Du findest also, daß ich das Richtige tue, Nami ?"
"Auf jeden Fall. Das ist das Beste, was du tun kannst." 
Toshi war zufrieden und zum ersten Mal seit Tagen war er ein wenig weniger 
verzweifelt. Es bedeutete ihm sehr viel, daß die Älteste der drei 
Schwestern ihn lobte. Sie war für ihn so etwas wie die Stimme der 
Vernunft.- Sie war die Außenstehende, die alles mit kühlem Verstand 
betrachten konnte und nicht befangen durch Gefühle, wie er und Hitomi.
"Eines würde ich zu gerne wissen, Nami. - Warum hattet ihr euch Katzenauge 
genannt ? Hatte es etwas mit diesem Edelstein zu tun ?"
Nami nickte. "Er ist ein Geschenk an uns."
Toshi blickte unverständig.
"Sieh- Vater wollte derjenigen von uns drei Schwestern, die zuerst heiraten 
würde, diesen Stein zum Geschenk machen. - Als Teil einer Mitgift 
sozusagen."
"Ach, darum habt ihr Hitomi also nicht davon abgehalten den Stein alleine 
zu stehlen."
"Richtig, es sollte eine ganz besondere Ehre für sie sein." antwortete Nami 
leise und es klang ein Ton des Bedauerns in ihrer Stimme. 
Toshi verstand Namis Stimmungslage und so versuchte er das Gespräch auf ein 
anderes Gleis zu lenken...
"Das klingt als wäre euer Vater sehr fürsorglich gewesen."
Nami nickte nachdenklich. "Das war er - ja das war er." murmelte sie und 
ohne das Toshi darum gebeten hatte begann die älteste der drei Kisugi-
Schwestern zu erzählen. 
Voller Leidenschaft und Hingabe erzählte sie von ihrem Vater und seinen 
Kunstwerken.- Sie erzählte von der Familie, die sie eigentlich nie waren 
und davon, wie sie ihre Schwestern aufgezogen hat... 
Es verging Stunde um Stunde und Nami erzählte immer neue Geschichten und 
Toshi,- er hörte so gespannt zu wie er wohl nie zuvor einem Menschen 
zugehört hatte.
Er war überwältigt von der Lebensgeschichte seiner Verlobten und ihrer 
Schwestern und einmal mehr bewunderte er ihren starken Willen.

Auf diese Weise verbrachten sie beinahe den ganzen Tag in Hitomis Zimmer. 
Und als endlich die letzte Geschichte erzählt und die letzte Seite im 
Familienalbum umgeblättert war, dämmerte es draußen schon wieder.
Was Toshi betraf, so war er nun um Einiges schlauer und irgendwie auch 
gestärkt für die Entscheidung, die er treffen mußte. 

Als die Nacht über die Stadt hereinbrach und Nami zu Bett ging, setzte 
Toshi sich wieder zu seiner Verlobten ans Bett.
Er machte sich Sorgen. Sie war immer noch nicht bei Bewußtsein. Zwar hatte 
der Arzt immer wieder gesagt, daß es an den Medikamenten lag und das kein 
Grund zur Sorge bestand. - Dennoch. - Es war schon komisch das sonst so 
quirlige Katzenauge regungslos im Bett liegen zu sehen. 
Er wachte noch eine die ganze Zeit lang aber gegen Mitternacht dann fühlte 
er wie seine Augen langsam immer schwerer wurden und er beschloß sich 
schlafen zu legen.
Toshi wälzte sich hin und her. Er konnte keinen Schlaf finden. Nicht, daß 
sein Schlafplatz auf dem Boden neben Hitomis Bett unbequem gewesen wäre, er 
konnte einfach nicht die nötige innere Ruhe finden. Immer wieder lauschte 
er ihrem Atem und wenn gerade kein Auto vorbei fuhr, glaubte er sogar ihren 
Herzschlag hören zu können.
In dieser Nacht, zum ersten Mal seit dem Zwischenfall in der Grube, dachte 
er an seine Zukunft. Wie würde es weitergehen ?
Sollte er zusammen mit den Schwestern nach Frankreich gehen oder in Tokio 
bleiben? Es gab wohl nur diese zwei Möglichkeiten, doch keine davon schien 
die Richtige zu sein.
Er war noch immer zu keiner Entscheidung gekommen, als ihn dann doch gegen 
Morgen die Anstrengung der vergangenen Tage einholte und er in einen tiefen 
Schlaf fiel.



7. Abschied

Die ersten Sonnenstrahlen fielen schon ins Zimmer als Hitomi die Augen 
öffnete. Sie war zunächst verwirrt und ein wenig orientierungslos. Nach 
einigen Augenblicken erinnerte sie sich dann aber an Alles: An die Grube.- 
An Toshi, der ihr zur Flucht verholfen hatte. Daran, wie sie ihn Schachmatt 
gesetzt hatte, um auch ihn zu retten. Und wie sie schließlich vor Schmerzen 
zusammengebrochen war.
Sie lauschte.- Ein leises Schnarchen drang an ihr Ohr und weckte ihre 
Neugier. 
Sie rutschte hinüber zur Bettkante. - Ihr Bein schmerzte kaum mehr und sie 
konnte es wieder bewegen. Nur war ihr immer noch ein wenig schwindelig, 
wenn sie sich bewegte.
Ihr Blick fiel auf den Boden und mit einem Mal mußte sie kichern.- Toshi 
lag zusammengekauert wie ein Baby neben ihrem Bett und schlief.
Eine ganze Weile betrachtete sie ihn. Bartstoppeln zierten sein Gesicht und 
sein Haar war völlig zerwühlt. 
"Ach, Toshi,- es war also wahr: Du warst die ganze Zeit hier bei mir ..." 
murmelte sie bewundernd und ihr Blick schweifte aus dem Fenster.
Sie fragte sich, wie lange sie eigentlich geschlafen hatte,- Tage? Stunden?  
Wochen ??? Während sie noch grübelte öffnete sich die Zimmertüre und ihre 
Schwester Nami steckte den Kopf herein. 
"Hitomi ? Du bist wach ? Geht's dir gut ?"
"Ja, ich bin ganz okay. - Glaube ich. Aber sei bitte leise. Toshi schläft 
und ich will ihn nicht aufwecken."
Nami nickte und trat wortlos an das Bett ihrer Schwester. 
"Wie lange habe ich eigentlich geschlafen ?"
"Fast eineinhalb Tage. Wir haben uns schon Sorgen gemacht. Der Doktor sagt, 
daß du sicher wieder gesund werden wirst."
Hitomi lächelte erleichtert aber im nächsten Moment war ihre Aufmerksamkeit 
auch schon wieder auf Toshi gerichtet.
"Und was ist mit ihm ? Weiß er schon, was er machen will ?"
Nami schüttelte den Kopf. "Nein, ich glaube, er hat noch keinen klaren 
Gedanken fassen können."
Hitomi seufzte kummervoll. In dem Moment als Toshi selbstlos Katzenauge vor 
der Polizei beschützt hatte, hatte er seine eigene Zukunft zerstört.
"Ich werde uns einen Kaffee holen. Das wird helfen die Wirkung all der 
Schlafmittel, die du bekommen hast, zu mindern." schlug Nami schließlich 
vor und auf Katzenpfoten verschwand sie leise aus dem Zimmer.
Sie kehrte mit zwei Tassen auf einem silbernen Tablett zurück und als der 
Duft des Kaffees das Zimmer erfüllte freute sich Hitomi schon auf den 
Genuß. Liebevoll stellte Nami das mit einer Blume dekorierte Tablett auf 
die Bettdecke. 
"Was denkst du gerade, Hitomi ?"
"Ich frage mich, ob ich das Richtige getan habe. Toshi hatte mich ja 
gebeten, ihn zurückzulassen, aber ich mußte ja meinen Kopf durchsetzen und 
ihn mitnehmen."
"Darin übertriffst du manchmal sogar unsere kleine Schwester." stellte Nami 
amüsiertfest. "Aber egal ob es richtig war oder nicht,- du hättest dich 
niemals anders entschieden. Du hast aus Liebe gehandelt und Liebe fragt nun 
mal nicht nach Logik oder Verstand."
"Ja, ich denke du hast recht." Hitomi fand, daß das was ihre Schwester 
gerade gesagt hatte, sehr weise klang.
Überhaupt wunderte es sie, weshalb Nami so viel von Liebe und Beziehungen 
verstand, wo sie doch noch nie einen festen Freund gehabt hatte.
Aber vielleicht war es halt die naturgewollte Aufgabe von älteren 
Schwestern, den Jüngeren in solchen Fragen zu helfen.
Nachdenklich ging ihr Blick zum Polizeirevier hinüber. Sie konnte 
beobachten, wie die ersten Polizisten ihren Dienst antraten. Doch egal, was 
dort drüben auch vor sich ging, eines war sicher: Die Zierde des Reviers, 
Detektiv Toshi Utzumi, würde heute fehlen. 
Hitomi lachte still in sich hinein. 'Die Zierde des Reviers', ja , so hatte 
Love ihn immer genannt. Drei Jahre lang schon verfolgte er erfolglos 
Katzenauge.- Seit zwei Jahren waren sie mittlerweile schon verlobt. 
Detektiv und Diebin.- Halt so wie in einem schlechten Film.
Doch nun, wo eigentlich ihrem Glück nichts mehr in Wege stand, war 
vielleicht alles vorbei. Ihr Verlobter konnte nicht zurück ins Revier 
gehen, ohne daß die Identität von Katzenauge aufflog, so viel war klar. 
Aber den Dienst quittieren um dann im Café zu arbeiten, das würde er nie 
tun. Hitomi zermarterte sich den Kopf. Es mußte einen Weg geben, Toshi aus 
seiner mißlichen Lage zu befreien... Sie überlegte hin und her. Und während 
sie so grübelte fiel ihr Blick auf einen alten Mann im Rollstuhl, der von 
einer Krankenschwester geschoben wurde. Mit einem Mal kam ihr eine 
Erleuchtung,- die rettende Idee.... - Gut, es war ein verwegener Plan, doch 
bei allem was die Katzen in den letzten Jahren geschafft hatten mußte es 
einfach klappen. Ein Grinsen erhellte Hitomis müdes Gesicht und ihre Augen 
funkelten als sie sich an ihre große Schwester wand.
"Sag mal Nami, was hältst du davon, wenn wir unseren Detektiv einfach 
mitnehmen ?" 
"Das habe ich ihm schon angeboten, aber er hat abgelehnt.- Es tut mir 
wirklich leid." Nami senkte ihren Blick. Irgendwie fürchtete sie sich in 
das Gesicht ihrer Schwester zu sehen. Sich dem Ausdruck der Enttäuschung in 
Hitomis Augen zu stellen.
"Du hast mich da falsch verstanden." kam die Antwort und Nami merkte auf.
"Wie?" 
"Manche Leute muß man eben zu ihrem Glück zwingen." sagte Hitomi und ihr 
Gesicht war erfüllt mit einem Ausdruck enormer Hinterhältigkeit.
"Du sprichst doch nicht etwa von einer Entführung?"
"Oh nein, wie könnte die Verlobte eines Detektivs kriminelle Pläne 
aushecken. Das überlassen wir besser Katzenauge." 
Nami blickte ihre jüngere Schwester vorwurfsvoll an.
"Wir hatten uns doch geeinigt, daß Katzenauge jetzt nie wieder in Aktion 
treten wird." 
"Ich weiß ja, aber können wir nicht..."
"Hör auf..." unterbrach Nami. "Du hast mich ja schon überredet. Wir werden 
Toshi mitnehmen. Aber wir müssen schnell handeln. Ich werde sofort mit 
Herrn Nageischi reden."
"Vielen Dank Nami."
"Schon gut. Aber jetzt ruh dich aus. Love und ich, wir schaffen das schon 
und wenn Herr Nageischi uns hilft, dann kann nichts schiefgehen. Du mußt 
nur dafür sorgen, daß Toshi nichts erfährt."
"Laß das nur meine Sorge sein." entgegnete Hitomi und ein wenig übermütig 
begann sie ihr Nachthemd etwas aufreizender herzurichten. "Wenn ich mit ihm 
fertig bin, dann frißt er mir aus den Hand."
"Übertreibe es nicht ! Ihr seid noch nicht verheiratet !" 
Hitomis lachendes Gesicht wurde mit einem Mal wieder etwas trauriger.
"Ja, leider." seufzte sie.
"Kopf hoch, vielleicht fällt uns ja etwas ein,- immerhin ist ja auch bald 
Weihnachten." scherzte Nami und verließ daraufhin leise das Zimmer.
Sofort wanderten Hitomis Augen wieder zu Toshi auf den Boden.
Sie fand, er sah richtig süß aus, wie er so da lag. Vorsichtig rutschte sie 
noch näher an die Bettkante und beugte sich zu ihm hinunter.
"Toshi, aufstehen." flüsterte sie in sein Ohr, doch der Detektiv wollte 
einfach nicht aufwachen. "Dann muß ich es wohl anders versuchen.."
"Utzumi ! Alaaaarm ! Die Katzen !!" rief sie plötzlich laut und Toshi 
sprang förmlich auf. Er war zunächst böse als er merke, das er veralbert 
worden war. Aber seine Verlobte so munter zu sehen änderte das sofort.
"Hitomi, wie geht es dir ?"
"Mir geht es gut, Toshi. Und ich danke dir, daß du mir geholfen hast." 
"Keine Ursache. Hauptsache es geht dir gut." 
Hitomi seufzte verzweifelt.
"Ach Toshi, du hilfst mir, bist die ganze Zeit über bei mir und als Dank 
verlierst du deinen Job."
Toshi schüttelte den Kopf und reckte sich. 
Langsamen Schrittes ging er zum Fenster und blickte hinüber zu seinem 
Polizeirevier.
"In dem Moment als ich dich habe laufen lassen, da war mir klar, daß ich 
meinen Dienst quittieren muß."
"Aber das ist nicht fair." schimpfte Hitomi. "Ich wünschte, ich könnte dir 
helfen."
Toshi drehte sich langsam vom Fenster weg.
"Du solltest jetzt nicht an mich denken." sagte er liebevoll und setzte 
sich zu seiner Freundin auf das Bett. "Du mußt jetzt an Europa und deinen 
Vater denken. Bald werdet ihr ihn endlich wiedersehen."
Der Detektiv bemühte sich, Hitomis Selbstvorwürfe zu zerstreuen - ein 
tapferes Gesicht zu machen.- Der Klang seiner Stimme jedoch verriet ihn.
"Du dummer Toshi. Was willst du hier in Tokio machen, ohne Job und ohne 
Freunde.- Sei ehrlich, du willst doch gar nicht hierbleiben."
Toshi blickte überrascht. War es so offensichtlich ?
"Warum kommst du dann nicht mit uns ?"
"Nein, Hitomi. Das geht nicht." warf Toshi ein. "Ich habe euch schon zu 
viel Unglück gebracht und durch mich könnte jemand hinter euer Geheimnis 
kommen. Ich bin eine Gefahr für euch."
Hitomi begann leise zu weinen. 
"Ich verstehe. " sagte sie leise und dicke Tränen rollten ihre Wangen 
hinab. Toshi drückte seine Freundin ganz fest an sich. Hitomi kuschelte 
sich an ihn. Sie wußte, daß ihr nicht mehr viel Zeit blieb ihr neues Leben 
zu ordnen. Im Moment aber war sie einfach nur glücklich in den Armen ihres 
Liebsten. Und sie würde ihn ganz fest halten und hoffen, daß alles gut 
würde.

Eine Etage tiefer, im Café, bediente Nami indes einen ganz besonderen 
Gast....
"Guten Morgen mein Herr und Willkommen im Café" hatte sie den Mann begrüßt, 
kaum daß er hereingekommen war.
Und nun, während er noch den Raum durchschritt und an die Bar trat, 
musterte sie ihn bereits mit fachmännischem Blick: Stattliche Erscheinung, 
schwarzes, leicht angegrautes Haar, schlichter grauer Anzug,- Ende 40 
schätzte sie.
"Guten Tag, Fräulein Nami." sagte der Gast und verbeugte sich höflich zur 
Begrüßung. "Ich bin der Dezernatsleiter des Iunari Raubdezernats. Ich 
vermute, sie erinnern sich an mich?" 
Natürlich kannte Nami diesen Mann. Sehr gut sogar, dennoch gab sie vor, 
zuerst noch einen Moment nachdenken zu müssen.
"Aber ja, sie sind doch der Vorgesetzte von Detektiv Utzumi. - Sagen sie 
mir, mein Herr, wie kann ich ihnen helfen ?"
"Wir haben eine Nachricht von Katzenauge erhalten"
Nami runzelte die Stirn.
"Und damit kommen sie zu uns?" fragte sie mit verwundert klingender Stimme 
und interessiert beobachtete sie, wie ihr Gegenüber eine weiss-rote 
Visitenkarte hervorzog. 
"In dieser Nachricht geht es um Detektiv Utzumi und daher hätte ich gerne 
Fräulein Hitomi gesprochen, wenn das möglich ist."
"Ich verstehe. Hitomi ist oben, auf ihrem Zimmer. Aber ich werde sie sofort 
rufen. Bitte setzten sie sich doch. Es dauert nur einen Moment." antwortete 
Nami freundlich und ging auch gleich zur Sprechanlage, die über dem 
entfernten Ende der Theke an der Wand hing. "Hitomi, Toshis Chef ist hier 
und er würde gerne mit dir reden."
Es dauerte nur wenige Sekunden bis Hitomis Antwort aus dem Gerät dröhnte,- 
so laut, daß es jeder im Lokal hören konnte: "Ich komme sofort."
Und tatsächlich - Minuten später trat Hitomi leibhaftig ins Café...
Der Gast an der Bar erkannte die Freundin seines Mitarbeiters sofort 
wieder. "Ahh, Fräulein Hitomi. Es freut mich sehr, sie zu sehen."
"Guten Tag. Ich habe gehört, sie wollen mich sprechen ? Womit kann ich 
ihnen helfen ?"
Der Gast setzte ein wichtiges Gesicht auf. "Es geht um ihren Verlobten. 
Sagen sie, haben sie Detektiv Utzumi in den letzten zwei Tagen gesehen oder 
mit ihm gesprochen."
Hitomi zögerte einen Augenblick. "Nein, - seit seinem letzten Einsatz gegen 
Katzenauge habe ich nichts mehr von ihm gehört. - Ich dachte er müßte 
Überstunden machen und hätte Nachtdienst." antwortete sie und fügte dann 
mit Angst in der Stimme hinzu. "Es ist ihm doch nichts passiert oder ? 
Bitte sagen sie mir die Wahrheit !"
"Ich fürchte, ich habe keine guten Nachrichten." berichtete der Chef und 
gab Hitomi die Katzenkarte in die Hand. "Diese Karte hier hat uns 
Katzenauge zukommen lassen. Sie haben Detektiv Utzumi entführt.- Aber 
bitte, lesen sie selbst."
Hitomi musterte die Karte genau bevor sie schließlich leise und bedächtig 
die Aufschrift vorlas:
"Detektiv Utzumi ist in unserer Gewalt. Wir möchten versichern, daß sein 
Leben nicht in Gefahr ist, aber ein Zwischenfall bei der letzten Aktion 
macht es unumgänglich, daß er uns einige Tage Gesellschaft leistet. Bitte 
teilen sie seiner Verlobten Fräulein Hitomi Kisugi mit, daß kein Grund zur 
Sorge besteht. Katzenauge."
Hitomis Gesicht war wie versteinert und sie ließ vor Schreck die Karte auf 
den Tresen fallen.
"Oh, mein Gott ! Diese Verbrecher ! Toshi !" rief sie und brach in Tränen 
aus. Tröstend legte Nami den Arm um sie.
Der Dezernatsleiter war sichtlich ergriffen und fühlte mit der jungen Frau. 
"Ich versichere ihnen, daß wir unser Bestes geben werden, um ihren 
Verlobten zu finden." versprach er und verließ nach einer kurzen 
Verabschiedung eiligst das Lokal. Interessiert beobachteten die zwei 
Schwestern wie er mit großen Schritten die Straße zum Polizeipräsidium 
überquerte. Ein großer Mann in einem weißen Anzug, der gerade das Lokal 
betreten hatte, blickte ihm ebenfalls neugierig hinterher.
"Ich glaube, die Nachricht ist angekommen." sagte er leise und ging langsam 
und erhabenen Schrittes auf die beiden Schwestern an der Bar zu.
"Guten Morgen, Herr Nageischi." begrüßte Nami den neuen Gast und der 
vornehme Herr verbeugte sich.
"Guten Morgen meine Damen. " antwortete er mit einer Stimme, die der eines 
Königs würdig gewesen wäre. "Darf ich fragen, wie es Fräulein Hitomi heute 
geht ?"
Hitomi kicherte. "Mir geht es sehr gut, das sehen sie doch !" erwiderte sie 
etwas vorlaut und plötzlich erhellte ein Lachen die strengen Gesichtszüge 
des geheimnisvollen Gastes. "AHH, das Fräulein Love. Frech, wie immer, wenn 
ich das sagen darf." 
"Schade,- sie haben mich erkannt. Aber sie lassen sich eben nicht so leicht 
täuschen, Herr Nageischi." antwortete Hitomis Doppel und der merkwürdig 
entrückte Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwand als Teil der Maske, die 
Love nun auszog. Das Nesthäkchen begann zu Kichern. 
"Ja, nur wo Love drauf steht ist auch Love drin." meinte sie selbstverliebt 
und sogar der Gast mit dem gestrengen Gesichtsausdruck ließ sich neuerlich 
zu einem flüchtigen Lächeln bewegen. Schnell kehrte der ernste Ausdruck auf 
seinem Gesicht wieder.
"Ich habe schlechte Nachrichten, meine Damen.." begann Nageischi. "Leider 
müssen sie bereits heute Nacht abreisen. Anderenfalls kann ich für ihre 
Sicherheit nicht mehr garantieren. Ich habe aus sicherer Quelle erfahren, 
daß der Chef des Iunari Reviers wegen des Verschwindens von Detektiv Utzumi 
sehr aufgebracht ist. Er hat sogar umgehend veranlaßt, daß Unterinspektor 
Asaja ihre Reise abbricht und mit einer Sondermaschine zurückkommt. Sie 
wird bereits morgen vormittag hier erwartet und wenn sie die Ermittlungen 
übernimmt, dann sind sie und der Detektiv hier nicht mehr sicher."
Nami nickte zustimmend. "Ja, sie haben recht, Herr Nageischi." sagte sie 
und zog die Stirn in Falten. "Unterinspektor Asaja hat uns schon immer 
mißtraut, und wenn sie zurückkommt, dann wird sie alle Hebel in Bewegung 
setzten um Toshi zu finden. Und früher oder später wird sie dann auch unser 
Haus durchsuchen lassen."
"Wie ich sehe, teilen sie meine Sorge, Fräulein Nami. Ich werde also die 
Vertretung für das Café heute nachmittag gegen Vier Uhr zum Hintereingang 
bringen. Es bliebt ihnen dann noch genug Zeit die Damen einzuweisen bevor 
gegen Acht Uhr das Fahrzeug eintrifft. Bei ihrem Eintreffen in Paris wird 
man sie dann am Flughafen wie besprochen erwarten."
Die beiden Schwestern nickten zustimmend. 
Nach einer kurzen Verabschiedung verließ der stattliche Herr das Lokal. 
Eine bedrückende Stille machte sich breit und Love war die erste, die ihre 
Gefühle in Worte zu fassen wagte. 
"So, dann geht es also los. - Nami, ich werde Tokio vermissen."
"Ja, ich werde das hier auch vermissen. Aber irgendwann werden wir 
zurückkommen. Wer weiß - vielleicht sogar zusammen mit unserem Vater." 
"Vater.", seufzte Love traurig, "Ich frage mich, ob wir ihn finden werden." 
Nami nickte und überlegte kurz. Die traurige Stimmung ihrer kleinen 
Schwester gefiel ihr gar nicht. Und in solchen Fällen gab es nur eines, was 
Love aufrichten konnte. "Love, meinst du, du hast noch Zeit zum Einkaufen."
"Aber klar doch, dafür habe ich immer Zeit." antwortete sie und ihre Augen 
leuchteten als sie den Zettel las, den Nami ihr reichte. 
"Das ist eine Liste der Dinge, die ich für die Reise holen wollte. Schau 
doch einmal bitte was du davon noch bekommst."
"Sicher, aber wie soll ich das alles transportieren? Das ist viel Zeugs und 
ich bin doch kein Lastesel."
"Und wenn du Toshi bittest dich zu begleiten ? "
"Klasse Idee Nami !" jubelte Love. "Mein eigener Chauffeur und Diener.- So 
macht Einkaufen noch mehr Spaß."

Als der junge Wildfang Sekunden später in Hitomis Zimmer stürzte, da 
blätterten die beiden Verlobten in alten Fotoalben aus ihrer gemeinsamen 
Schulzeit. Neugierig, wie sie war, setzte Love sich hinzu und hörte den 
Geschichten zu, die Toshi und Hitomi zu erzählen wußten. Immer besser 
begann sie zu verstehen, was ihre Schwester und diesen Detektiv verband : 
Es war ihre gemeinsame Vergangenheit. Die Erinnerung an Orte, die sie 
gemeinsam besucht hatten,- Freunde, die sie kannten. In jeder Erinnerung 
die ihre Schwester hatte, war irgendwo auch Toshi. Er war ein Teil von 
ihr.- Und sie ein Teil von ihm.
So sehr sie sich vielleicht auch wünschten diese Jahre hinter sich lassen 
zu können,- sie würden es nicht schaffen, es waren die Glücklichsten in 
ihren Leben.
Und egal was passieren würde,- solange die Beiden lebten, würde Keiner den 
Anderen gehen lassen.

Love blickte auf ihre Armbanduhr. Es war schon kurz nach Drei. In weniger 
als fünf Stunden würden sie Tokio verlassen,- den Ort an dem Alles begonnen 
hatte. Sie würden alles zurücklassen und das Schlimme war, keiner würde es 
bemerken,- nein, mehr noch, keiner durfte es bemerken. Und Alles was blieb 
war die Erinnerung.
"Mein Gott, ich muß ja noch einkaufen gehen." stellte Love plötzlich mit 
panischem Unterton in der Stimme fest, ganz so als ob ihr das gerade erst 
siedend heiß eingefallen wäre. Hilfe suchend wandte sie sich an Toshi: "Du, 
Toshi, würdest du wohl mitkommen und mir beim Tragen helfen ?"
"Ja, natürlich. Mir wird es gut tun, wenn ich an die frische Luft komme und 
Hitomi kann sich dann etwas ausruhen."
"Ja, du hast wohl recht, Toshi. Ich fühle mich wirklich noch ein wenig 
müde." gestand Hitomi. "Ich werde mich noch ein wenig ausruhen, und dann 
Nami im Café helfen."

Love war zufrieden und unternehmungslustig als sie mit Toshi in den 
Kleinwagen stieg, der im Hinterhof parkte.
Hitomi hingegen blieb erst noch eine Weile auf dem Zimmer, bevor sie 
gemächlich hinunter ins Lokal ging.
Es war kein Gast im Café und ein Schild mit der Aufschrift 'GESCHLOSSEN' 
hing an der Türe. Sie blieb im Türrahmen stehen und sah sich kurz um bevor 
sie letztlich zu ihrer Schwester hinter die Ladentheke trat.
Nami bereitete bereits das Abendessen vor und sofort begann Hitomi ihr 
dabei zu helfen.
"Bist du denn schon wieder in Ordnung ? "
"Ja, mein Bein tut kaum noch weh."
"Oh, das ist sehr gut. Wir müssen nämlich einmal ungestört miteinander 
reden." 
"Ja, und worum geht es ?"
"Wir müssen schon heute Abend abreisen."
Hitomi ließ traurig den Kopf sinken.
"Dann heißt es jetzt wohl Abschied nehmen.." seufzte sie leise.
"Ja, aber irgendwann werden wir sicher hierher zurückkehren." sagte Nami 
tröstend, doch auch ihr war klar, daß dies wohl für einige Zeit das letzte 
Mal sein würde, daß sie dort hinter diesem Tresen stand.
Ein Geräusch riß die beiden Schwestern plötzlich aus ihrer Melancholie.
"Ah, das wird Herr Nageischi sein. Pünktlich auf die Minute." sagte Nami 
nach einem kurzen Blick zur Uhr und eilte zum Hintereingang.
Es vergingen mehrere Minuten ohne das Nami zurückkehrte und Hitomi machte 
sich ein wenig Sorgen. Vorhin hatte sie noch Namis Stimme gehört, doch 
mittlerweile war alles still. Vielleicht war etwas passiert? - Sie wollte 
gerade nachsehen gehen, als Nami zurückkehrte.
"Da bist du ja wieder. Das hat aber lange gedauert. Was war denn da hinten 
los ?"
"Nichts Besonderes. Da war nur so ein Vertreter. Ich habe ihn wieder 
weggeschickt."
Hitomi nickte zufrieden und wandte sich wieder ganz ihrer Arbeit zu.
Wenige Augenblicke später kam auch Love zurück ins Café.
"Hallo, da bin ich wieder !" rief sie fröhlich und Hitomi schreckte 
regelrecht auf.
"Ach du bist es, Love." entfuhr es ihr. "Du hast mich vielleicht 
erschreckt!"
"Wieso ? Hast du wieder von deinem Toshi geträumt ?" entgegnete Love frech 
und diesem alten Spiel folgend reagierte Hitomi dann auch gewohnt 
ärgerlich: "Halt' mal lieber dein Plappermaul !" schimpfte sie. "Und 
übrigens wo ist denn Toshi ? Läßt du ihn die Einkäufe ganz alleine tragen?"
Love schwieg. Ihre Augen funkelten hinterhältig als sie sich an die Bar 
setzte und ihrer älteren Schwester geradewegs ins Gesicht starrte. - Hitomi 
fühlte sich von den Blicken paralysiert. Sie wollte etwas sagen, doch noch 
bevor sie die Worte parat hatte, hörte sie ihre eigene Stimme durch das 
Lokal schallen.
"Woher soll das Mädchen überhaupt wissen, was Love einkaufen sollte?".
Hitomi brachte kein Wort heraus. Und als sie schließlich sich selbst aus 
dem Dunkel des Korridors treten sah, war sie endgültig verwirrt. Diese 
Person dort sah ihr zum Verwechseln ähnlich. Hilfesuchend blickte sie zu 
ihren beiden Schwestern. Doch die zeigten keine Spur von Verwunderung. Im 
Gegenteil, es schien, als würden sie sich köstlich auf ihre Kosten 
amüsieren. Hitomi ging ein Licht auf.
"Moment mal, ihr seid gar nicht meine Schwestern !" rief sie. "Wer zum 
Teufel seid ihr ?" fragte sie, doch die Doppelgänger lachten nur.
Hitomis Ratlosigkeit begann in Angst umzuschlagen. Tausend Fragen schossen 
mit einem Mal durch ihren Kopf. Wer hatte diese Doppelgänger geschickt ? 
Was wollten sie ? Waren sie Freunde oder Feinde ? Fragen über Fragen. Keine 
Sekunde ließ sie dei Fremden aus den Augen. Sie begann zu überlegen, was 
wäre, wenn sie jetzt angreifen würden. Wie könnte sie sich verteidigen?
Etwas berührte ihre Schulter und mit einem Ruck fuhr sie herum. Sie hatte 
schon ihre Hände gehoben und war bereit abzuwehren oder auszuteilen, je 
nachdem was nötig wäre, dann erkannte sie Nami und Herrn Nageishi.
Die Anspannung wich aus ihrem Körper. Jetzt war die Lösung des Rätsels 
klar. - Sie steckten dahinter.
"Es tut mir leid, daß wir sie derart in die Irre geführt haben, Fräulein 
Hitomi." entschuldigte sich der feine Herr. "Aber ihre Schwester dachte, 
daß es ein guter Test für die Glaubwürdigkeit der Damen wäre, wenn sie 
ihnen unvorbereitet gegenüber treten würden."
Hitomis Zorn und Mißtrauen legte sich augenblicklich und ein Lächeln 
huschte über ihr Gesicht.
"Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, Herr Nageischi. Ich muß sagen, 
daß die Damen ihre Aufgabe sehr gut gemacht haben.- Ich bin wirklich 
beeindruckt."
Und das war sie wirklich. Ihr Alter Ego war ein nahezu perfektes Ebenbild 
von ihr. Ihrer beider Stimmen waren fast identisch und das Aussehen war so 
ähnlich, daß Hitomi immer noch zögerte zu Entscheiden, ob Dies vielleicht 
sogar sie Selbst war.
Aber auch die Älteste der drei Schwestern, die in solchen Sachen eine 
Perfektionistin war, war sichtlich zufrieden: "Ja, Herr Nageischi, ich muß 
meiner Schwester beipflichten. Das war sehr gute Arbeit." 
"Vielen Dank, Fräulein Nami. Es freut mich, das alles zu ihrer 
Zufriedenheit ist." erwiderte Herr Nageischi und mit einer Handbewegung 
deutete er den Doppelgängern der Schwestern wieder im dunklen Korridor des 
Hauses zu verschwinden. "Da sie uns ja bereits eingewiesen haben, werden 
wir uns jetzt verabschieden. Die Damen werden, wie besprochen, morgen früh 
ihre Vertretung aufnehmen. Auf Wiedersehen, meine Damen."
Nami geleitete die Besucher noch zur Hintertüre des Cafés, wo sie 
unbeobachtet in der einbrechenden Dunkelheit verschwinden konnten. Als sie 
zurück ins Lokal kam war Hitomi bereits wieder in ihre Arbeit vertieft... 
"Tut mir leid, Hitomi."
"Ach macht nichts. - Aber weißt du eigentlich, wer sie sind?"
Nami schüttelte den Kopf,- "Herr Nageischi meinte, es wäre besser, wenn 
beide Seiten nicht all zu viel von einander wissen."
"Ja, da hat er wohl recht." antwortete Hitomi. Doch überzeugt klang das 
nicht. "Irgendwie mache ich mir Sorgen um unser Café."
Auch Nami teilte diese Sorge, dennoch antwortete sie nicht und blickte nur 
stumm und traurig umher.

Früher hatte Love Einkaufstouren als Strafe empfunden, aber dieses Mal lag 
die Sache anders. An Läden, an denen sie sonst unbeachtet vorbei gehastet 
war, blieb sie stehen und betrachtete die Auslagen.-
Souvenirs, die sie sonst immer als Kitsch abgetan hatte, weckten genau so 
ihre Aufmerksamkeit wie Schmuckläden und Boutiquen.
Für lange Zeit war dies der letzte Gang durch ihre Heimatstadt. Es war ein 
Streifzug durch Erinnerungen, ein Abschied von der Vergangenheit.
Für Toshi jedoch, war es eine Tortur. Seine Füße brannten wie Feuer und 
sein Rücken schmerzte gewaltig. Aber nun, da das rettende Haus der 
Schwestern nur noch wenige Meter entfernt war, war er sicher, daß er es 
überleben würde.
Mit letzter Kraft wuchtete er die schweren Einkaufstüten und 
Geschenkkartons aus dem Kofferraum und wankte den letzten Teil der Auffahrt 
hinter dem Café hinauf, während Love mit nur einer kleinen Tüte in der Hand 
munter wie ein Rehkitz um ihn herum tänzelte und ihn immer wieder antrieb. 
"Nun mach schon, Toshi. Du bist einfach nicht in Form."
"Frechheit." murmelte der Detektiv als er müde an ihr vorbei schlich 
während sie ihm die Hintertür des Cafés offen hielt. Sie grinste.
"Setz' die Sachen einfach in die Kammer. Ich bin im Lokal, wenn du mich 
brauchst." meinte sie und noch bevor Toshi etwas sagen konnte war sie auch 
schon fröhlich pfeifend verschwunden. 
Der Detektiv schnaufte. Teils vor Erschöpfung teils vor Wut.- Schon vor 
Stunden hatte er die Hoffnung aufgegeben, daß Love ihm beim Tragen der 
Einkäufe helfen würde. "Was soll's. Ich habe es ja bis hierhin geschafft, 
dann werde ich das restliche Stück auch noch schaffen." murmelte er leise 
vor sich hin und schleppte die schweren Lasten wie befohlen in den 
Lagerraum. 

Als Toshi müde ins Lokal stolperte erwartete ihn der Lohn für seine Mühen 
in Form eines üppig gedeckten Tisches. Love legte noch die letzten Gedecke 
auf und Nami servierte bereits das Abendessen.
Ausgelaugt ließ Toshi sich auf den freien Stuhl neben seiner Verlobten 
fallen. Er war kaputt von den letzten Nächten ohne Schlaf und wäre 
sicherlich auch sofort eingeschlafen, hätte ihn der Duft der Mahlzeit nicht 
wach gehalten. Aus schläfrigen Augen betrachtete er den gedeckten Tisch. 
Das Essen sah wirklich köstlich aus, und weil keiner so gut kochen konnte 
wie Nami und Hitomi, war er sicher, daß es auch köstlich schmecken würde.

Während des Essens wurde kaum gesprochen. Die Schwestern waren bedrückt, 
weil dies das letzte Abendessen in ihrem Heimatland war. 
Und Toshi,- nun ja, entweder hatte er gerade den Mund voll oder er kämpfte 
tapfer gegen seine Müdigkeit an.
Nach dem Essen servierte Nami einen Kaffee - den letzten Kaffee in Japan.
'Der wird mich wieder ein wenig aufwecken.' dachte Toshi bei sich und 
führte die Tasse zum Mund.
Er nahm einen kräftigen Schluck und stutze. 
"Weißt du, Nami, das Essen war wirklich köstlich." lobte er und verzog das 
Gesicht. "Aber der Kaffee schmeckt irgendwie komisch."
Love kicherte und begann zu zählen "10 , 9 , 8 ,7 ..."
"Was machst du da ?" fragte Toshi verwundert.
"Ich zähle." antwortete Love. "6 , 5 , 4 ..."
"Und wozu soll das gut sein ?"
" 3 , 2 , 1.. " Love hielt einen Augenblick inne und blickte dem Detektiv 
lachend ins Gesicht. "Gute Nacht Toshi !" meinte sie und wie auf Kommando 
schlossen sich dann auch die Augen des Detektivs und sein Kopf sank auf den 
Tisch.
"Armer Toshi."
"Du weißt ganz genau, das es nicht anders geht, Hitomi!" erklärte Nami und 
begann das Geschirr abzuräumen. "Kommt jetzt, Kinder ! Love, wir wollen 
noch aufräumen. Und du Hitomi kümmerst dich um Toshi. Er muß fertig sein, 
wenn euer Wagen kommt."
"Ja, Schwester..."

Die junge Frau genoß den Trubel in der Abfertigungshalle. Die Hektik dieser 
Stadt würde sie sicher vermissen. Langsam schob sie den Rollstuhl zum 
Abfertigungsschalter. Sie mußte kichern bei dem Anblick des alten Greises 
dort vor ihr. Er war wirklich gut gelungen. Das weiße Haar, der lange Bart, 
die Krähenfüße sogar die faltige Haut auf seinem Handrücken hatten sie 
hinbekommen. Es gab nur wenige Indizien, die verrieten, das dieser Mann 
nicht der war, der er vorgab zu sein. 

Love stöhnte übertrieben, als sie den letzten Koffer zum wartenden Taxi 
schleppte. Nami folgte ihr mit einer Reisetasche in den Händen. Stumm 
drückte sie ihrer Schwester die Schlüssel zum Café in die Hände. Love 
nickte verstehend und ging die Auffahrt hinauf. Es war an ihr den Abschied 
von Tokio zu besiegeln. Sie verriegelte ein letztes Mal die Hintertüre des 
Cafés und blickte sich um. Ein letztes Mal betrachtete sie ihr Heim.
"Auf Wiedersehen." murmelte sie leise und ihre Stimme klang bei weitem 
nicht so fröhlich und jugendlich wie gewohnt.
Es war deutlich zu spüren wie schwer der Abschied von Tokio fiel.

Inzwischen war Hitomi unbehelligt im Flugzeug angekommen. Zwar hatte man 
den Greis im Rollstuhl des öfteren beäugt, doch kaum, daß sie mit einer 
herzzerreissenden Geschichte sein Schicksal beschrieben hatte, war jeder 
noch so mißtrauische Blick wie weggefegt. Und nun saß er neben ihr am 
Fenster und schnarchte leise vor sich hin. Vielleicht würde Toshi in vielen 
Jahren wirklich einmal so aussehen, doch in ihren Augen wäre er dann immer 
der junge Detektiv, der er heute war. Zärtlich griff sie die Hand ihres 
Verlobten.
"Ach Toshi," seufzte sie traurig. "Ich weiß zwar, daß du mich jetzt nicht 
hören kannst, aber ich möchte, daß du weißt, das es mir leid tut, was wir 
getan haben.- Und vor allem tut es mir leid, daß du jetzt nicht miterleben 
kannst, wie wir alle unser Heimatland verlassen.- Aber was sollte ich denn 
machen ? - Du hast mir doch gar keine andere Wahl gelassen,- du mit deinem 
Dickkopf."
Hitomi kicherte. "Ja, deshalb habe ich dich wohl auch so gern" flüsterte 
sie zärtlich in sein Ohr und hielt die Hand ihres Verlobten noch fester als 
zuvor. Sie war glücklich. Wenigstens für eine Weile brauchte sie nicht zu 
fürchten von Toshi getrennt zu werden.

Love und Nami kamen mit dem letzten Schwung Passagiere in die Maschine.
Stumm verstauten sie ihr Handgepäck und setzten sich neben ihre Schwester.
Die Stimmung war gedrückt und als dann letztlich das Dröhnen der Triebwerke 
in ihren Ohren klang, da wußten sie, daß es soweit war: Nun würden sie ihre 
Heimat für eine lange Zeit hinter sich lassen.
Hitomi blickte aus dem Fenster. Die Lichter der Rollbahn zogen immer 
schneller vorbei um dann mit einem Ruck immer kleiner zu werden.
Es dauerte nicht lange und ihre Heimatstadt war nichts, als ein See von 
Lichtern, der immer kleiner wurde, um dann schließlich ganz in der 
Dunkelheit der Dezembernacht zu verschwinden. In diesem Augenblick hatte 
Hitomi das Gefühl, jetzt schon krank vor Heimweh zu sein.
"Sag auf Wiedersehen Tokio, Toshi." flüsterte sie leise.
"Auf Wiedersehen Tokio, Toshi." antwortete Nami leise.
Die beiden Schwestern sahen sich an und lachten....





                        
                          Cat 's  Eye

II.   Die neue Welt
       1.  Neue Perspektiven
       2.  Das Versprechen
       3.  Hochzeitsgefühle
       4.  Eine merkwürdige Weihnachtstradition
       5.  Eine schöne Bescherung
       6.  Die zwei Seiten der Wahrheit
       7.  Unerwartete Hilfe
       8.  Geänderte Pläne
       9.  Reise ins Ungewisse
      10.  Fehltritte
      11.  Ein Akt der Nächstenliebe
      12.  Finale


1. Neue Perspektiven

Hitomi öffnete langsam ihre Augen.
Sie befand sich in einem Zimmer, das sie noch nie zuvor gesehen hatte. Mehr 
noch, sie hatte absolut keine Ahnung wie sie dorthin gekommen war. 
Neugierig streiften ihre Augen umher während sie selbst - aus Vorsicht wohl 
- zunächst bewegungslos auf dem Bett liegen blieb. Am einzigen Fenster, das 
der Raum besaß, waren die Vorhänge zugezogen und so konnte das Tageslicht 
den Raum nur schwach erhellen. Nahe dem Fenster stand ein Tisch mit zwei 
Stühlen daran und etwas rechts davon war ein offener Kamin in die Wand 
eingelassen. Holzscheite brannten darin ruhig vor sich hin und die Menge an 
Holz die aufgelegt war, ließ sie vermuten, daß der Kamin erst vor kurzem 
entzündet worden war. Kleiderschrank, Wäschekommode - Hitomi konnte nichts 
Ungewöhnliches entdecken. Sie drehte den Kopf und sah den kleinen 
Nachttisch am Kopfende ihres Bettes. Der Radiowecker darauf zeigte 9 Uhr 
26. Das Radio hatte sich eingeschaltet - zweifellos der Grund warum sie 
aufgewacht war. Die Musik verstummte und eine fremdartige Sprache drang an 
ihr Ohr.- Sie überlegte. Französisch,- ja, das war es. Sie hatte in der 
Schule einmal Französisch gelernt, aber das war schon Jahre her.... Sie 
konzentrierte sich und konnte Bruchstücke verstehen. Nach einer Weile des 
Zuhörens fand sie heraus, daß der 23. Dezember war. Ein Tag vor Weihnachten 
und sie war irgendwo in Frankreich. Aber wo um alles in der Welt war sie ? 
Frankreich war groß und vor allem, wie war sie hierher gekommen. Hitomi 
fragte sich, was geschehen war und langsam ließ sie die Erinnerungen an die 
vergangenen Tage Revue passieren... 
Sie hatte in ihrer Rolle als Katzenauge gerade das letzte Stück aus der 
Sammlung ihres Vaters gestohlen, als ihr Verlobter Detektiv Toshi Utzumi 
sie stellte. Auf der Flucht vor ihm war sie in eine Grube gefallen und 
hatte sich schwer verletzt. Toshi hatte ihr selbstlos zur Flucht verholfen. 
Und Sie hatte ihn gegen seinen Willen mitgenommen. Zwei Tage war es also 
jetzt her, daß sie und ihre beiden Schwestern Nami und Love beschlossen 
hatten die Suche nach ihrem Vater in Frankreich zu beginnen. Sie grinste, 
als sie sich erinnerte, wie sie Toshi betäubt und als Greis verkleidet 
einfach mitgenommen hatten. Es war eine verwegene Aktion gewesen - würdig 
der Katzen.
Sie erinnerte sich an die Landung in Paris. Aeroport Charles-de-Gaulle - 
Love hatte noch gefragt was dieser Name bedeutete. Sie hatten den Flughafen 
verlassen, doch von da an war alles ein Nebel. Irgendwann auf dem Weg zum 
Hotel mußte sie abgetreten sein....

Hitomi schaltete den Radiowecker aus und lauschte.- Um sie herum war alles 
ruhig und sie beschloß aufzustehen um das Zimmer zu erkunden. Als sie aus 
dem Bett stieg und den ersten Schritt machte spürte sie einen leichten 
Schmerz.- Ihr verletztes Bein.
Sie ging hinüber zum Fenster und schob vorsichtig die bestickten Vorhänge 
bei Seite. Sie war sie überwältigt von dem Anblick der schneebedeckten 
Berge rings umher. Diese Aussicht und die Natur da draußen,- sie war in 
einer kleinen Berghütte irgendwo in den französischen Bergen.
"Weihnachten im Schnee." sagte sie zu sich selbst und irgendwie war sie 
glücklich. - Weiße Weihnachten in den Bergen,- davon hatte sie schon immer 
geträumt. - Sie war fröhlich und all das Mißtrauen, das sie in solch einer 
unklaren Situation hätte haben sollten, machte nur dem einen Gedanken 
Platz. 'Wenn jetzt bloß Toshi hier wäre.'
Es klopfte und sofort war sie wieder auf dem Boden der Realität. Sollte sie 
antworten ?
"Hitomi ? Bist du da drin ?"
Hitomi lächelte. Toshis Stimme klang dumpf du leise hinter der 
geschlossenen Zimmertüre, doch sie würde sie immer erkennen. - Er war 
hier.- Ihr Verlobter war auch in dieser Hütte gestrandet.
"Ja, ich bin hier. Komm rein Toshi." antwortete sie und ihre Augen 
leuchteten als ihr Verlobter hereinkam.
Hitomi zuckte ein wenig zusammen als sie bemerkte, wie ihr Freund sie 
merkwürdig gebannt ansah. Jetzt erst fiel es ihr ein.- Sie hatte ganz 
vergessen, einen Morgenmantel umzulegen und nun stand sie ihrem Verlobten 
mit nur einem dünnen Nachthemd bekleidet gegenüber. Früher wäre ihr eine 
derartige Unaufmerksamkeit nicht passiert. Und selbst die wenigen Male, wo 
eine solche Situation unvorhergesehen eingetroffen war, da war ihre erste 
Reaktion ein hysterisches 'TOSHI DREH DICH UM' gewesen. Doch heute war 
alles anders. Sie stand da und machte nicht einmal den Versuch etwas zum 
Überziehen zu finden. Irgendwie gefiel es ihr zu sehen, wie ihr Verlobter 
jeden Zentimeter ihres Körpers mit seinen Blicken erkundete.
Toshi bemerkte natürlich auch wie seine Augen unkontrolliert ihren 
wunderschönen Körper anstarrten. Verschämt drehte er sich ab. 
"Entschuldige, Hitomi. Du siehst einfach wundervoll aus." meinte er 
schüchtern und irgendwie spürte er schon jetzt die Ohrfeige, die ihm seine 
Freundin immer gab, wenn er sie derart anstarrte.
Hitomi aber lächelte nur. 
"Ist schon gut, Toshi. Ich finde, daß der Schlafanzug dir mindestens genau 
so gut steht." stellte sie belustigt fest und Toshi lachte erleichtert.
'Das muß wohl an Weihnachten liegen.' dachte er.
"Sag mal, Hitomi, wo sind wir hier ? Das letzte, woran ich mich erinnere 
ist, daß der Kaffee beim Abendessen irgendwie bitter schmeckte und Love 
sagte plötzlich 'Gute Nacht, Toshi' und dann war ich weg. Was zum Teufel 
geht hier vor ?" 
"Es tut mir leid, Toshi." begann Hitomi leise. "Es ist alles meine Schuld. 
Ich habe meine Schwestern dazu überredet dich nach Frankreich mitzunehmen. 
Und da dein Chef denkt, daß Katzenauge dich entführt hat, mußten wir dich 
heimlich aus Japan herausschaffen." Sie zögerte und sah aus dem Fenster. 
"Aber warum wir jetzt in einer Hütte in den Bergen sind und nicht in einem 
Hotel in Paris, daß weiß ich beim besten Willen auch nicht."
Toshi war ganz ruhig. Was sollte er tun ? Er war hier und wenn das stimmte, 
was Hitomi gesagt hatte - und weiß Gott, er glaubte ihr - dann mußte er 
sich bis auf Weiteres in das Schicksal fügen, das man für ihn bestimmt 
hatte. Der Detektiv ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, während 
seine Verlobte weiterhin gebannt aus dem Fenster starrte. Ein Briefumschlag 
auf dem Tisch weckte seine Aufmerksamkeit. Er war ungeöffnet und in 
handgeschriebenen japanischen Schriftzeichen stand 'Für Hitomi' darauf. Er 
hob ihn auf und trat zu Hitomi ans Fenster.
"Hier, vielleicht hilft uns das weiter."
Hitomi sah ihn verblüfft an.
"Er lag dort auf dem Tisch." beantwortete Toshi die stumme Frage, die er 
glaubte in ihren Augen lesen zu können.
"Danke, ich hatte ihn gar nicht gesehen." erwiderte Hitomi und öffnete den 
Umschlag. Sie erkannte die Handschrift auf dem Briefpapier. Es war die 
Schrift ihrer älteren Schwester Nami. Ihre Augen flogen über die Zeilen. Es 
stand nichts Geheimes darin und so fand sie, daß es nur fair wäre, wenn sie 
den Brief laut vorlesen würde...
"Liebe Schwester." las sie. "Wenn du diesen Brief findest sind Love und ich 
schon wieder in Paris. Es tut mir leid, daß wir dich und Toshi etwas hinter 
das Licht geführt haben. Aber wie oft hast du mir erzählt, wie gern du 
einmal Weihnachten im Schnee verbringen würdest ? - Wir dachten du hast es 
dir verdient. Was unsere Suche nach Vater betrifft, so stehen uns die 
Freunde von Herrn Nageischi mit Rat und Tat zur Seite. Sei also versichert, 
daß wir auch ohne deine Hilfe klar kommen werden. Wenn es sich einrichten 
lässt, werden Love und ich euch über Weihnachten besuchen. Bis dahin alles 
Gute und tue nichts, was ich nicht auch tun würde. Liebe, Nami."
Hitomi lächelte zufrieden und steckte den Brief zurück in den Umschlag.
"Wie es aussieht, ist die Katze von den Katzen reingelegt worden." grinste 
Toshi. "Na, ich glaub' ich werd' mich jetzt mal anziehen und sehen, was die 
Küche so zu bieten hat."
"Ja, eine gute Idee." meinte Hitomi. "Mach' schon mal Frühstück. Ich komm' 
dann nach."
Toshi nickte und verließ wortlos das Zimmer. 
Hitomi freute sich wie ein kleines Kind und ging hinüber zum 
Kleiderschrank. Sie nahm ihren ungeöffneten Reisekoffer heraus und warf ihn 
mit Schwung auf ihr Bett. Leider jedoch lag er falsch herum mit der 
Unterseite nach oben. Normalerweise hätte sie es sofort gesehen. Selbst die 
kleinsten Dinge, Nebensächlichkeiten, waren ihren Augen nie entgangen. In 
ihrer Rolle als Katze hätte sie sich Unaufmerksamkeit auch nie leisten 
können. Heute aber merkte sie gar nichts und so, als sie schließlich den 
Deckel öffnete fielen ihr natürlich alle Sachen in umgekehrter Reihenfolge 
entgegen. 
'Murphy's Law. Was auch immer schiefgehen kann, geht schief.' dachte Hitomi 
und kicherte. Ja, was Mißgeschicke und Unfälle betraf, da war ihr Toshi ja 
ein Meister. - Aber vielleicht war es ja ansteckend und von jetzt an würde 
ihr so etwas öfter passieren.- Ein schrecklicher Gedanke, fand sie und sie 
mußte plötzlich herzlich lachen. "Was für einen Schwachsinn rede ich denn 
da ?" schimpfte sie dann auch leise mit sich als sie ihre Sachen ordnete. 
In Mitten all ihrer Kleidungsstücke fand sie plötzlich ein verschnürtes 
Paket und einen weiteren Brief . Etwas hektisch riß sie den Umschlag auf.
Zwei geheimnisvolle Nachrichten an einem Tag und dazu noch ein weitaus 
geheimnisvolleres Paket waren doch etwas zu viel für ihren Geschmack. 
Ungeduldig faltete sie das Briefpapier auseinander und begann zu lesen:
"Liebes Schwesterlein, in diesem Jahr haben wir beschlossen, dir ein ganz 
besonderes Weihnachtsgeschenk zu machen. Morgen nachmittag wird euch ein 
Pferdeschlitten abholen und zu einer kleinen verträumten Bergkapelle 
bringen, wo du deinen Toshi heiraten wirst. - So wie du es dir immer 
erträumt hast. Was das Drum und Dran betrifft, so haben Love und ich uns 
erlaubt etwas für euch auszusuchen. Ihr findet Alles in der Abstellkammer 
im Keller.- Ich weiß, daß das alles ein wenig überraschend für euch kommen 
mag, aber wie du selbst schon sagtest: 'Manche Leute muß man eben zu ihrem 
Glück zwingen.' - In dem verschnürten Paket, in deinem Koffer, ist übrigens 
Katzenauge. Ich habe unseren Glücksbringer in eine Brosche setzen lassen.- 
Möge er euch Glück und ewige Liebe schenken.- Wenn ihr hinunter in den Ort 
geht, besucht doch bitte das Bistro im Ort.- Man erwartet euch schon. Wir 
sehen uns dann morgen. Gruß Nami und Love. PS: Vergiß nicht Toshi zu 
überreden !"
Hitomi ließ sich froh gelaunt auf das Bett fallen.
"Ach Nami,-" seufzte sie glücklich. "Das ist das schönste Geschenk von 
allen." meinte sie freudestrahlend, doch dann zog sie mit einem Mal ihre 
Stirn in Falten. "Jetzt muß ich nur noch Toshi überreden.- Und das wird 
nicht einfach."

Toshi hatte in der Küche der Berghütte ein wahres Chaos angerichtet. 
Eierschalen, Mehl und verschüttete Milch bildeten einen undurchdringlichen 
Schmierfilm auf dem Arbeitstisch und in der Spüle stapelten sich Meter hohe 
Berge von benutztem Geschirr und Töpfen.
Als Hitomi hereinkam schlug sie die Arme über dem Kopf zusammen: "Mein 
Gott!  Was ist denn hier passiert ? Toshi, was zum Teufel hast du schon 
wieder gemacht ! Dich kann man auch wirklich keine zwei Minuten aus den 
Augen lassen." polterte sie los und der Detektiv verdrehte beschämt die 
Augen. "Es tut mir leid." entschuldigte er sich, "Aber dafür habe ich uns 
auch etwas ganz besonderes zum Frühstück gezaubert."
"Ach ja, wirklich ?" fragte Hitomi neugierig und erwartungsvoll. Toshi 
nickte selbstbewußt und stolz zeigte er auf den gedeckten Eßtisch, der von 
der Küche aus zu sehen war. - Hitomi mußte lachen. "Sechs Pfannkuchen, 
Filterkaffee, etwas Toast, Butter und Marmelade ? - Ist das etwas ganz 
Besonderes für dich ?" fragte sie zynisch. "Da hast du aber bei uns im Café 
ein üppigeres Frühstück bekommen und das ohne daß ich dafür die Küche in 
Schutt und Asche gelegt habe." 
Toshi grinste peinlich berührt. "Du hast noch den Honig vergessen." meinte 
er mit rechtfertigendem Ton und hob ein völlig verklebtes Glas in die Luft. 
Wiederum konnte sich Hitomi ein Lächeln nicht verkneifen. "Toll.." bemerkte 
sie ironisch. "Aber paß' auf, daß nachher nicht noch der Tisch an deinem 

Honig kleben bleibt."
Toshi grinste verlegen. "Ja, ich glaube, wir sollten auf den Honig 
verzichten." pflichtete er bei und wusch seine verklebten Finger ab.
Seine Verlobte jedoch schüttelte nur bemitleidend den Kopf. 'Ach, Toshi. 
Ich muß dir aber noch viel beibringen.' dachte sie, doch sie war sicher, 
daß sie - erst einmal verheiratet - über solche Kleinigkeiten nur noch müde 
lächeln würde. Egal wie viele Probleme auch immer auf sie zu kamen, sie 
beide würden sie zusammen meistern.
"Komm' Toshi. Lass' und erst 'mal aufräumen." schlug sie vor und ihr Freund 
stimmte zu. 
An diesem Morgen ließ sich Hitomi besonders viel Zeit beim Frühstücken. 
Toshis Kaffee schmeckte fade, der Toast war kalt und die Pfannkuchen halb 
durch,- aber all das kümmerte sie nicht. Sie war in Gedanken schon bei 
ihrer Hochzeit. 
Toshi indes langte kräftig zu. Und als er zu guter Letzt seinen fünften 
Pfannkuchen verputzt hatte streichelte er genüßlich über seinen Bauch.
"So, jetzt bin ich zu allen Untaten bereit." sagte er selbstzufrieden und 
stand auf. "Ich werde 'mal etwas Holz hacken gehen. Du kommst ja hier ohne 
mich viel besser klar." meinte er, doch seine Verlobte reagierte nicht und 
blickte mit abwesendem Gesichtsausdruck aus dem Fenster.
"Hast du was, Hitomi ?" 
Hitomi schreckte auf. "Was ? Äh, nein.- Äh, was hast du gesagt ?" stammelte 
sie sichtlich verwirrt und sah ihren Verlobten mit verträumten Augen an.
"Ich sagte, ich gehe Holz hacken. "
Hitomi nickte beiläufig. "Ja, mach das. Ich räume hier inzwischen auf und 
dann können wir ja zusammen in den Ort gehen."
Toshi stutzte. Was war nur mit Hitomi los? So verträumt hatte er sie noch 
nie gesehen. Kopfschüttelnd zog er seinen dicken Wintermantel an und 
verließ das Haus.

Während er durch den knöcheltiefen Schnee zum Holzstapel hinter der Hütte 
stapfte dachte er nach. Vor wenigen Minuten war etwas vorgefallen, das 
haufenweise zweiflerische Gedanken in ihm aufgekommen ließ. Fragen, die er 
sich vor ein paar Tagen noch nicht gestellt hatte. Und das lag nicht nur 
daran, daß sie ihn unfreiwillig aus seinem Heimatland geschafft hatten. Er 
hatte etwas von dem blinden Vertrauen gegenüber den Schwestern verloren. 
Vielleicht war das die Vorsicht und Distanz, die ein guter Polizist immer 
sein Eigen nennen sollte. Hätte er bereits früher so gehandelt, wäre das 
hier vielleicht gar nicht erst passiert. Er fragte sich wie die Schwestern 
trotz ihrer scheinbar überstürzten Abreise aus Tokio in der Lage gewesen 
waren alles so gut zu planen. War wirklich jede Aktion im voraus festgelegt 
worden- so wie in einem Drehbuch. Wenn ja, wer schrieb es und welche Rolle 
hatte man ihm dabei zugedacht. Denn er war auch er hier. An diesem Ort, zu 
dieser Zeit und vor allem allein mit Hitomi.- Nur damit er etwas Zeit mit 
seiner Verlobten verbringen konnte ? - Nein, irgendwas war faul. Irgend 
etwas Besonderes sollte hier passieren.- Und mit einem Mal hatte er diese 
Ahnung und wenn er sich nicht sehr irrte, dann würde es sein ganzes Leben 
verändern.- Aber solange es das war, was er vermutete, dann war er sich 
sicher, daß er es nicht verhindern wollte.
"Also von alleine hackt sich das Holz nicht. Du mußt schon die Axt 
benutzen." sagte plötzlich eine sanfte Frauenstimme und Toshi fuhr herum.
"Ach, du bist es, Hitomi.- entschuldige, aber ich war ganz in Gedanken." 
antwortete er und grinste verlegen. Doch Hitomi hatte ihm seine 
Pflichtvergessenheit längst verziehen. "Ist schon gut, Toshi.- Komm jetzt. 
Lass' uns gehen. Es ist ein langer Weg ins Dorf und hier oben wird es 
verflucht schnell dunkel."
"Ja, du hast recht. Machen wir uns auf den Weg." stimmte Toshi zu und so 
verließen die beiden schließlich Arm in Arm ihr neues Heim und machten sich 
auf den Weg ins Tal.
Das Dorf, das am Fuße des Berges lag, hatten sie schon von ihrer Hütte aus 
sehen können. Es schien nicht weit entfernt zu sein, ein paar Kilometer 
vielleicht, aber der Schnee, lichte Tannenwäldchen und ein äußerst steiler 
Abhang machten es unmöglich einen direkten Weg zu nehmen. Also blieb dem 
Paar nichts übrig als einen Umweg zu machen und die Straße zu benutzen die 
hinunter führte. 
Wie eine riesige Schlange wand sich der unbefestigte und schneebedeckte Weg 
in Serpentinen den Hang hinunter. Und Toshi dachte mit Grauen daran, daß er 
den ganzen Weg in ein paar Stunden wieder hinauflaufen mußte. - Konnte man 
nicht einen Aufzug einbauen oder zumindest einen Golfwagen mieten?
Hitomi machten lange Spaziergänge nichts aus. Sie genoß die Landschaft und 
die Nähe ihres Freundes. Immer wieder erzählte sie, wie glücklich sie war,- 
allein mit ihrem Verlobten in einem Winterwunderland.
Toshi glaubte ihr. Er freute sich für sie, doch teilen konnte er ihre 
Freude nicht so recht. Schnee, Winter, Berge.- Nein zu viele Erinnerungen 
waren damit verknüpft. Zu oft hatte sich sein Leben an verschneiten 
Wintertagen entscheidend verändert. Vielleicht war das auch der Grund, 
warum er sich nicht so ungezwungen und arglos all diesem hingeben konnte.

Als die beiden Verliebten schließlich nach einer Stunde Fußmarsch im Dorf 
ankamen führte ihr erster Weg in das Bistro Robert, so wie ihre Schwester 
es geschrieben hatte.
Es war ein kleiner Laden und irgendwie erinnerte er Hitomi an ihr eigenes 
Café zu Hause in Tokio, was dann auch ihr Interesse weckte. Einige wenige 
Gäste saßen verstreut an den Tischen. Touristen zumeist, wie Hitomi an dem 
Gewirr verschiedenster Sprachen feststellte. Wortlos zeigte sie auf einen 
freien Tisch neben der Bar und kaum daß sich die Beiden müden Wanderer 
niedergesetzt hatten, kam auch schon eine Bedienung herbei.
Hitomi musterte die Frau genau. Sie war eine ältere Dame um die 50 und 
einige dezente graue Haare verliehen ihrem mütterlichen Gesicht eine 
gewisse Reife.
"Vous desirez ?" fragte die Dame höflich und Hitomi blickte ihren Verlobten 
an. Toshi hatte kein Wort von dem verstanden, was die Kellnerin gesagt 
hatte, und so mußte sie für ihn übersetzen.
"Möchtest du einen Kaffee, Toshi ?"  
Er nickte wortlos.
Hitomi wandte sich wieder der Bedienung zu. "Alors deux cafés noires, s'il 
vous plait." bestellte sie in nahezu perfektem Schulfranzösisch.
Die alte Dame nickte und musterte die beiden mit prüfenden Blicken. 
"Also zweimal Katzenauge schwarz, so sagen sie doch in ihrem Café." 
wiederholte sie plötzlich in fast akzentfreiem Japanisch und Hitomi 
erschrak. Ihr Blick war starr auf die Dame vor ihr gerichtet und so entging 
ihr wie Toshi mißtrauisch die Augenbrauen hob.
"Sie sprechen Japanisch ?" fragte Hitomi verwundert und die Kellerin 
lachte. 
"Wenn sie erlauben, daß ich mich vorstelle, ich bin Yakko Robert, ich bin 
eine Schwester ihres Freundes Herr Nageishi." stellte sie sich den Beiden 
vor und verbeugte sich stilvoll. "Und wenn ich mich nicht irre, dann sind 
sie Fräulein Hitomi Kisugi und das ist ihr Verlobter Herr Toshi Utzumi."
Hitomi war verwundert. "Ja, das stimmt. Aber sagen sie, woher kennen sie 
uns, Madame Robert ?"
"Ihre Schwestern haben uns viel von Ihnen erzählt."
Toshi unterbrach. "Die Kisugi-Schwestern waren hier ? Wann ?"
"Gestern Abend." antwortete Madame Robert. "Schließlich war ja noch viel zu 
besprechen wo morgen ja..." Plötzlich hielt sie inne. Sie hatte bemerkt, 
daß Hitomi sie mit einem Mal aus weit aufgerissenen Augen anstarrte und 
leicht den Kopf schüttelte. Sie erinnerte sich, was die Schwestern gesagt 
hatten und sie ahnte, daß Hitomi ihrem Verlobten immer noch nichts von der 
überraschenden Hochzeit gesagt hatte. Also beschloß sie Stillschweigen zu 
bewahren. 
Toshi hingegen ließ nicht locker.
"Was ist morgen ?" fragte er unnachgiebig.
Die Dame jedoch schwieg.
"Weihnachten." warf Hitomi ein. "Morgen ist Weihnachten, schon vergessen." 
Sie hoffte auf Toshis Leichtgläubigkeit. Sie hoffte, daß er diese Lüge 
nicht durchschaute. Denn wenn einmal etwas seine Neugier geweckt hatte, 
dann konnte er sehr hartnäckig sein. 
Toshi lachte verlegen "Ach so. Ja Weihnachten. Ja, sicher. Natürlich, 
morgen ist Weihnachten und da gibt es noch eine Menge vorzubereiten. Warum 
bin ich denn nicht selbst darauf gekommen."
Hitomi atmete erleichtert auf. Scheinbar hatte er ihr die Ausrede 
abgekauft. - Sie ahnte nicht, das Toshi sich so seine Gedanken machte.
Sie saßen noch eine ganze Weile im Café und redeten mit Madame Robert und 
ihrem Ehemann. - Das heißt - meist redete Hitomi, denn Toshi war ungewohnt 
schweigsam. Als sie sich verabschiedeten und den Heimweg antraten, stand 
die Sonne nur noch knapp über den Bergen. Schnee lag in der Luft und Hitomi 
kämpfte mit sich selbst. 'Irgendwann mußt du es ihm sagen. Tu es jetzt, 
dann hast du es hinter dir.' sagte ihr die Stimme der Vernunft immer 
wieder, doch ihr Gefühl antwortete genau so regelmäßig 'Das ist etwas 
Romantisches. Warte bis zum richtigen Zeitpunkt.' Was sollte sie tun ? 
Natürlich mußte sie Toshi von der Hochzeit erzählen - sie konnte ihn 
schließlich nicht bewußtlos zur Zeremonie schleppen - aber hier und jetzt 
war ihr das einfach nicht stilvoll genug. 'Heute Abend am Kaminfeuer werde 
ich ihn dazu bringen mir einen Antrag zu machen.' träumte sie und schmiegte 
sich enger an ihren Mann. Es war merklich kälter geworden und nun, da sie 
ungefähr die Hälfte des Weges hinter sich hatten begann es auch noch zu 
schneien.
"Ich hasse den Winter." schimpfte Toshi leise als ihm die ersten 
Schneeflocken ins Gesicht stiebten. "Es scheint, als ob alle wirklich 
wichtigen Dinge in meinem Leben im Winter passieren." fügte er nachdenklich 
hinzu. 
"Ich mag den Schnee." meinte Hitomi gedankenversunken. "Denk' ich an 
Winter, denk' ich an Schnee, warme Mäntel und Geborgenheit."
"Und das erinnert dich an etwas sehr sehr Schönes ?" 
"Ja. Acht Jahre ist es nun schon her. Es schneite damals. Und es war sehr 
kalt, so wie heute... Doch damals, in dieser Winternacht da fühlte ich mich 
zum ersten Mal so richtig geborgen. Ich war schrecklich verliebt in dich 
und du, - du hattest mir gerade eröffnet, daß du zur Polizeischule gehen 
würdest. Also was sollte ich tun ? Ich ahnte nur zu gut, wie viele Probleme 
es bringen würde in einen Polizisten verliebt zu sein. Aber dennoch,- in 
dieser Nacht, als du deinen Mantel um meine Schultern legtest und mich in 
den Arm nahmst, da habe ich mich entschieden. Ich habe geschworen allen 
Hindernissen zu trotzen, die uns im Weg stehen würden." Hitomi hielt inne 
und seufzte. "Ach Toshi, ich fühlte mich so warm und geborgen bei dir. Du 
warst für mich der größte und stärkte Mann auf der ganzen Welt."
"Ja, der größte und stärkste Verlierer, den man sich vorstellen kann." 
erwiderte Toshi ironisch. "Was wäre gewesen, wenn ich damals nicht meinen 
Traum Fotograf zu werden aufgegeben hätte ? Wo wären wir dann heute ? Ich 
hätte bestimmt schon längst eine eigene kleine Agentur und wir wären 
glücklich verheiratet. Aber nein, ich mußte ja den Ritter des Rechtes 
spielen. Den Schrecken aller Bösewichte."
"Weißt du, es ist völlig unwichtig was wäre wenn wir dies oder das nicht 
getan hätten. Was zählt, ist wo wir sind und was in Zukunft sein wird. Wir 
müssen Entscheidungen treffen, unser ganzes Leben lang, und wir müssen 
lernen mit diesen Entscheidungen zu leben. Wir können nicht zurück, niemand 
kann das. Was zählt sind die Freunde, die uns begleiten. Leute, die man 
liebt. Die Person, mit der man sein ganzes Leben verbringen möchte hat es 
verdient die Wahrheit zu erfahren ohne Wenn und Aber und falschen Stolz."
"Ach ja, findest du ?" bemerkte Toshi sarkastisch. "Weißt du, wenn man das 
Gefühl hat, jahrelang benutzt, ausgehorcht und manipuliert worden zu sein, 
dann fragt man sich, was es mit der Wahrheit auf sich hat. Selbst jetzt, 
tausend Kilometer von Japan entfernt scheint es mir als ob ich immer noch 
Teil eines eurer verdammten Spiele bin."
"Was meinst du damit."
"Heute Morgen auf der Suche nach einer Axt zum Holz hacken habe ich ein 
Hochzeitskleid und einen weißen Anzug gefunden. NEU."
Hitomi erschrak innerlich. Er hatte es gewußt. Den ganzen Tag über hatte er 
es gewußt. Natürlich - jetzt machte sein Verhalten Sinn. Er mußte sich 
verschaukelt, in die Enge getrieben vorkommen.
Sie schwieg. Was hätte sie sagen sollen ? Das es stimmte ? Das sie Toshi 
all die Jahre benutzt hatten um ihre Fischzüge zu planen ? Es war egal wie 
oft sie ihm das Leben gerettet hatte oder die Katzen der Polizei geholfen 
hatten.- Das sie seine Liebe ausgenutzt hatte war nicht zu entschuldigen. 
Und was hatte ihr das Recht gegeben Toshis Leben völlig umzukrempeln? - Ihn 
zu entführen und eine Hochzeit hinter seinem Rücken zu planen? Warum hatte 
Nami überhaupt zugestimmt Toshi mitzunehmen? - Die Gefahr einzugehen durch 
Toshis Entführung entdeckt zu werden, das war nicht die Art der Frau, die 
der Kopf der Katzen war. Die Frau, die zusammen mit Nageishi die Aktionen 
geplant hatte, zu denen Love die technischen Geräte beisteuerte und die 
sie, Hitomi, letzlich ausführte. Hatte Toshi recht und Nami hatte auch das 
hier von langer Hand geplant? War ihre Enttarnung vielleicht auch gar kein 
unglücklicher Zufall gewesen, sondern....? Nein daran wollte sie nicht 
einmal im Traum glauben.

Den Rest des Weges über sagte keiner mehr ein Wort und auch beim Abendessen 
in der Berghütte sassen sie sich stumm gegenüber.
Später am Abend dann ging Toshi hinter dem Haus Holz hacken.- So wie er es 
schon am Morgen machen wollte. Es hatte inzwischen wieder aufgehört zu 
schneien und durch ein kleines Fenster konnte er beobachten, wie Hitomi den 
Abwasch erledigte. Es tat ihm mittlerweile leid, was er zu seiner Verlobten 
gesagt hatte. Eigentlich hatten die Schwestern nur das Beste für ihn 
gewollt. Sie hatten ihm auf ihre Art geholfen Entscheidungen zu treffen, zu 
einer Zeit als er selbst nicht in der Lage dazu gewesen war. -  Ein jedes 
Mal wenn seine Axt durch ein Stück Holz fuhr und es zerteilte stellten sich 
neue Fragen. Warum eigentlich stellte er immerzu die Liebe zwischen Hitomi 
und ihm in Frage? Wie sehr hatte er sich gewünscht Hitomi zu heiraten und 
war es nicht deshalb, weil sie den gleichen Traum hegte, das er hier war? 
Um ihre Hand anhalten ? - Nein, das traute er sich nicht. Doch was wäre, 
wenn Hitomi genau so schüchtern und reserviert war wie er ? Sie würden 
beide noch Jahrzehnte lang Seite an Seite leben ohne sich jemals ihre Liebe 
zu gestehen. Er wußte, Hitomi war in solchen Dingen sehr traditionell. Und 
das Brautkleid im Keller, die merkwürdige Unterhaltung im Bistro - es 
machte einen Sinn. Es war kein Zwang, der dahinter steckte.- Kein Plan der 
Katzen.- Es war einfach nur, das man ihm den Weg ebenete und ihm ein 
Werkzeug an die Hand gab, seinen Traum zu erfüllen. Die Arbeit jedoch 
musste er selbst tun.
Von Neuem sah Toshi ins Innere der Bergütte. Eine große Durchreiche, die 
Küche und Wohnzimmer verband erlaubte ihm einen Blick direkt auf den 
Kachelofen zu werfen. Holzscheite brannten darin und auf dem Boden davor 
saß Hitomi. Sie drehte ihm zwar den Rücken zu und er konnte nicht in ihr 
Gesicht sehen, doch allein schon die Art, wie sie dort saß - 
zusammengekauert wie ein Häufchen Elend - sie sprach Bände.
Angst, Ratlosigkeit und Wut über seine eigene Schüchternheit kämpften in 
ihm. Aber so wie er es sah, ging es Hitomi genau so. Er bearbeitete wieder 
die Holzscheite. Doch sie würden ihm sicher keine Antwort geben. Von totem 
Holz war nun einmal keine Hilfe zu erwarten.
Toshi erkannte, daß er nun ganz allein und auf sich selbst gestellt war. 
Seit Jahren war Hitomi immer für ihn dagewesen. Entscheidungen hatte er mit 
ihr geteilt,- ihren Rat eingeholt. Und obwohl die Person, für die er sein 
Leben gegeben hätte, nur Meter von ihm entfernt war schien sie ihm 
meilenweit entrückt und er fühlte, daß sie sich wegen ihm die Augen 
ausweinte.
Es begann wieder heftig zu schneien und der Schnee hüllte die frisch 
zerteilten Holzstücke in ein reines weisses Kleid. Alles sah mit einem Mal 
so friedlich und unschuldig aus. Und da plötzlich wusste Toshi, was er zu 
tun hatte. Es war so, einfach.- Wie er schon gesagt hatte, alle wichtigen 
Entscheidungen in seinem Leben traf er an verschneiten Wintertagen.



2.  Das Versprechen


Als Toshi hereinkam, sass Hitomi immer noch auf dem Boden vor dem offenen 
Kamin. Sie hatte sich nicht gerührt. Sie saß einfach nur da und starrte in 
das prasselnde Feuer,- klein, unschuldig und hilflos wie ein Baby. Sie 
hielt ihre Beine angewinkelt und ihre Arme umschlossen ihre Knie. Sie 
schaukelte langsam vor und zurück und obwohl er es bisher nicht sehen 
konnte.- Er wußte, dass sie weinte.
Es war schrecklich, Hitomi so zu sehen. Egal, was ihm die Schwestern auch 
angetan hatten,- er hatte kein Recht Hitomi dafür so zu bestrafen.
Ja, er war richtig, der Entschluss, den er eben draussen vor dem Haus 
gefasst hatte und jetzt musste es sein. Jetzt musste er all seinen Mut 
zusammen nehmen und ihr seine Entscheidung mitteilen.
Toshi schritt langsam durch das Zimmer und war schrecklich nervös. Immerhin 
war er dabei, den wohl wichtigsten Schritt in seinem Leben zu machen. Aber 
so gerne er sich auch noch länger davor gedrückt hätte, er durfte Hitomi 
nun nicht mehr im Unklaren lassen.
Leise trat er zu seiner Verlobten an den Kamin und setzte sich dicht hinter 
ihr auf den Boden. Natürlich hatte Hitomi ihn schon längst bemerkt, dennoch 
bewegte sie sich nicht. Sie würdigte ihn keines Blickes und starrte nur 
weiter auf die Flammen im Kamin. 
Und selbst als Toshi schliesslich seinen weichen Wintermantel auszog und um 
ihre Schultern legte, sagte sie immer noch kein Wort.
Alle Gefühle in ihr waren die ganze Zeit über wie erstarrt gewesen. Doch 
jetzt wo sie die Wärme des Mantels und die Nähe ihres Freundes zu spüren 
begann, war es mit einem Mal wieder da,- dieses Gefühl der Geborgenheit. 
Empfindungen voller Wärme und Liebe, die sie bei ihrem Streit mit Toshi 
verloren hatte, kehrten langsam in ihr Herz zurück. 
Und als sie sich vertrauensvoll zurücklehnte um in Toshis Armen zu liegen, 
da war sie glücklicher denn je.

Minuten vergingen, während der keiner von Beiden ein Wort spach.
Sie sassen da, eng aneinander geschmiegt und lauschten dem leisen Prasseln 
des Kaminfeuers.
"Du, Toshi, was war für dich das schönste Weihnachtsfest, an das du dich 
erinnerst ?"
Toshi überlegte. "Ich weiss nicht, ich glaube wenn man älter wird, dann 
wird Weihnachten immer unwichtiger. Am liebsten erinnere ich mich an die 
Weihnachten, die ich bei meinen Eltern verbracht habe, als ich noch klein 
war." sagte er und lachte. "Aber am ausgefallensten waren wohl die 
Weihnachten zusammen mit euch."
"Ja, wir hatten viel Spass."
"Hm, hm. Auf meine Kosten." erwiderte Toshi, doch seine Stimme verriet 
sofort, daß er nicht böse war. "Weißt du noch, wie ich an der Theke 
eingeschlafen bin und ihr habt einen Christbaum aus mir gemacht. Mit 
Christbaumkugeln und Lichterketten. Ihr habt Lieder zu meinen Füßen 
gesungen. Meine Kollegen haben mich monatelang damit aufgezogen."
Hitomi lachte."Oh Toshibaum. Das war Loves Idee, ich schwöre."
"Ja, ja. Das sagen sie alle." erwiderte er und machte ein beleidigtes 
Gesicht. Doch sofort lachte er wieder und Hitomi mit ihm.
"Erinnerst du dich auch noch an letztes Jahr?" fragte sie.
"Klar. Weihnachten mit Katzenauge. Zuerst begräbt mich Love am Morgen im 
Café unter eurem Weihnachtsbaum und am Abend lädt Katzenauge dann Geschenke 
über der Stadt ab.- Ich glaube, der Chef wird euch nie verzeihen, dass ihr 
ihm sein Fest vermasselt habt."
"Ja, das mag wohl sein, aber es war meine Schuld. Ich habe nicht aufgepasst 
und darum mussten wir in Aktion treten."
"Das verstehe ich nicht. Warum seid ihr damals in ein Radiostudio 
eingebrochen und habt am Ende nur eine Platte abgegeben."
"Das stimmt nicht ganz. Vater ist in die USA gegegangen, noch bevor Love 
geboren wurde. Sie hat ihn bis heute nicht gesehen. Doch dann letztes Jahr 
- ein paar Tage vor Weihnachten - hatten wir eine Schallplatte in die Hände 
bekommen. 'Weihnachtsgrüsse aus Amerika'. Vater hatte sie für Love zu ihrer 
Geburt besprochen und wir fanden, daß es das Richtige Weihnachtsgeschenk 
für sie war. Aber dummerweise ist die Platte dann bei dem Unfall mit dem 
Baum dieser Radiotussi in die Finger gefallen."
"Ach, ich verstehe, dann habt ihr euch damals also die Platte 
zurückgeholt."
"Ja. Aber da es kein Kunstwerk war, hat es wohl keiner bemerkt."
"Love tut mir leid." meinte Toshi nach einer Weile. "Es muss schlimm sein, 
seinen Vater nur aus Erzählungen zu kennen."
"Ja, das sehe ich auch so." sagte Hitomi nachdenklich. "Und ich wünsche mir 
nichts mehr, als dass wir Vater finden, damit er endlich sieht, was für ein 
hübsches Mädchen Love geworden ist."
Toshi lachte. "Nicht nur Love. Die Heintz-Tochter, die ich gerade im Arm 
halte ist ist auch nicht schlecht gelungen." schmeichelte er seiner 
Verlobten. 
Hitomi lächelte verlegen, doch plötzlich machte sie wieder ein sehr ernstes 
Gesicht. "Du, Toshi, wir müssen uns unterhalten..." begann sie schliesslich 
leise, doch Toshi legte sofort zärtlich seine Finger auf ihre Lippen. 
"Psst. Sag' nichts. Ich möchte, dass du dir zuerst anhörst, was ich zu 
sagen habe." 
"Na gut, was hast du mir denn so wichtiges zu sagen ?"
Toshi zögerte. So entschlossen er noch vor Sekunden gewesen war, so 
unsicher war er jetzt. Seine Hände waren ganz schwitzig, so nervös war er. 
Doch zu guter Letzt nahm er noch einmal all seine Willenskraft zusammen und 
rückte nach einem tiefen Atemzug mit der Wahrheit heraus. 
"Hitomi, ich habe lange über unsere Beziehung nachgedacht." sagte er und 
seine Verlobte seufzte traurig. Seine Stimme hatte leise und bedrückt 
geklungen und das konnte nur Eines bedeuten... 
"Ich glaube, es ist das Beste," begann Toshi und machte eine 
gedankenschwere Pause. "Es wäre das Beste, wenn wir heiraten."
Hitomis Kopf fuhr herum und sie sah ihn aus grossen und weit aufgerissenen 
Augen an. "Heiraten ?" fragte sie verdutzt.
"Ja, du hast richtig gehört. Wir sollten heiraten." wiederholte er 
entschlossen. Doch immer noch zweifelte Hitomi.
"Wirklich ? Du willst mich heiraten ?" fragte sie von Neuem, doch Toshis 
zustimmendes Kopfnicken wurde immer entschlossener. 
Er beugte sich vor und dann flüsterte er ihr die Worte ins Ohr, auf die sie 
schon seit Jahren wartete. 
"Hitomi, willst du meine Frau werden ?"
Tränen der Freude schossen in Hitomis Augen, so schnell, das sie es gar 
nicht hätte verhindern können. Und ihre Antwort kam wie aus der Pistole 
geschossen. "Ja, Toshi. Ich will. Und ob ich das will ! Ich bin dein,- für 
immer !" säuselte sie überglücklich. Und im nächsten Moment fiel sie Toshi 
um den Hals und küsste ihn so temperamentvoll und leidenschaftlich, dass 
sie beide das Gleichgewicht verloren und nach hinten überkippten. Der Boden 
war hart und kalt, doch das machte jetzt nichts mehr aus. Sie hatten 
einander gefunden. 
Und in dieser Nacht, aneinander gekuschelt vor dem lodernden Kaminfeuer, 
wurde Hitomi Kisugi Toshis Frau. In einer kleinen Berghütte tausende Meilen 
von zu Hause entfernt haben der Detektiv und die Diebin einander 
versprochen, dass, egal was kommen mochte, sie immer zusammen bleiben 
würden. Es war ein Versprechen voller Leidenschaft, Aufrichtigkeit und 
Weisheit. Ein Versprechen, dass nur aus tiefstem Herzen junger Menschen 
kommen konnte.
Nach acht Jahren der Freundschaft hatten sie endlich gewagt, einander ihre 
Liebe zu gestehen. 
Und als Hitomi schliesslich kurz vor dem Morgengrauen zärtlich von ihrem 
Verlobten wachgeküsst wurde, da kam ihr alles wie ein wunderbarer Traum 
vor.- Wie ein Märchen. Sie war die Prinzessin und Toshi der edele Prinz, 
der sie beschützte.
Das Kaminfeuer war inzwischen erloschen und im Zimmer war es kühl geworden.
Hitomi fröstelte und suchte die Wärme ihres Freundes. 
Die letzte Nacht mit ihm hatte ihr sehr viel bedeutet, mehr als sie sich je 
erträumt hatte. 
Es war das erste Mal gewesen. Das erste Mal, dass sie die Nacht in den 
Armen eines Mannes verbracht hatte. Das erste Mal, dass sie sich hatte 
gehen lassen.- Dass sie ihre Gefühle offen gezeigt hatte. - In dieser Nacht 
hatte Toshis Liebe sie alles um sich herum vergessen lassen. Mit Leib und 
Seele hatte sie sich ihm hingegeben.- Sich mitreissen lassen von seinen 
heißen Küssen, die das Verlangen schürten, das schon so lange in ihr 
brannte.
Letzte Nacht, da sie und Toshi endlich Eins waren, zum ersten Mal in ihrem 
Leben, da war sie der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt gewesen. Und 
an diesem Morgen, wo sie aufgewacht war in den Armen des Mannes, den sie 
von ganzem Herzen liebte, dem sie bedingungslos vertraute und der alle ihre 
Geheimnisse teilte, da war dieses Gefühl noch viel stärker. - Und sie 
wünschte sich, dass es nie enden würde.
Leider, kaum dass die ersten Sonnenstrahlen den neuen Tag begrüssten, holte 
das schrille Läuten des Telefons die beiden Verliebten wieder auf die Erde 
zurück.
In Windeseile raffte Hitomi einige ihrer Kleidungsstücke zusammen, die 
verstreut auf dem Boden lagen. Und als sie begann sich anzuziehen blickte 
Toshi sie begehrend an. Hitomi kicherte. "Komm jetzt,- anziehen Romeo !" 
meinte sie kokett und hastete dürftig bekleidet zum Telefon. Sie hob den 
Hörer des Telefons ab und endlich verstummte das penetrante Klingeln.
"Utzumi hier." meldete sie sich noch in Gedanken versunken, doch da 
bemerkte sie auch schon ihren Fehler. "Entschuldigung, ich meine hier ist 
Kisugi. Wer ist da ?"
Ein schrilles Lachen drang aus dem Hörer und eine Teenagerstimme sagte "Wie 
ich sehe hast du Toshi überredet, Schwesterlein."
"Love, du bist wirklich unmöglich !"
"Wieso,- habe ich euch etwa bei etwas besonderem gestört ? - Denk dran,- 
ihr seid noch nicht verheiratet."
"Ach, sei ruhig. Davon verstehst du nichts."
"Aber du hast ja voll die Ahnung !"
"Ja, vielleicht hast du ja gar nicht so unrecht."
"Wow, Schwester ! Sag schon Hitomi, wie war's ? War Toshi gut ? Los, sag 
schon."
"Nichts da, Love.- Keine Chance."
"Oh, du bist blöd..." drang Loves kindlich naiver Tonfall aus dem Hörer und 
Hitomi konnte sogar ihr schmollendes Teenagergesicht vor ihrem geistigen 
Auge sehen. Sie musste lachen. "Ach und deshalb rufst du mich an ? Um mir 
zu sagen, dass ich blöd bin ?"
"Nein, Nami lässt ausrichten, dass wir in einer Stunde da sind." antwortete 
Love und fügte mit ihrer frechen Stimme hinzu "Ihr habt also genügend Zeit, 
euch voneinander loszueisen und etwas anzuziehen. Ein kaltes Bad könnte 
auch helfen. Tschau Schwesterlein !"
"Love ! Du bist ein Biest !" rief Hitomi empört ins Telefon, doch da hatte 
ihre Schwester schon längst aufgelegt.
Hitomi knallte wütend den Hörer auf die Gabel. "Womit habe ich nur so eine 
Schwester verdient !" sagte sie, doch schon in der nächsten Sekunde war 
alles vergessen. Schliesslich war sie auch einmal jung gewesen und damals 
war sie bei Gott genau so ein Frechdachs wie Love gewesen. 
Hitomi blickte durchs Zimmer. Toshi war gegenagen und ein paar Sachen lagen 
noch auf dem Boden verstreut. "Typisch Männer. Zuerst heben sie dich in den 
Himmel und dann lassen sie dich mit der ganzen Arbeit sitzen." nörgelte 
sie. Doch als sie die warme Wolldecke aufhob, unter der sie die Nacht 
verbracht hatten, da musste sie auch schon wieder glücklich kichern. 
"Danke für die wunderbare Nacht, Toshi." flüsterte sie leise und legte sich 
verliebt die Decke um. In Gedanken versunken verschwand sie auf ihrem 
Zimmer.

Kurze Zeit später in der Küche als sie das Frühstück bereitete, da war sie 
aber wieder ganz die Alte. Aus der leidenschaftlichen Frau von vorhin war 
wieder die Hitomi geworden, die es liebte ihren Toshi zu verwöhnen und ihn 
zu bemuttern. 
Sie dachte an die Worte ihrer Schwester. 'Das Leben verläuft nie so wie man 
es plant.' hatte sie gesagt und das sie eines Tages als Hausmütterchen 
hinter dem Herd enden würde, oder so.- Und vielleicht hatte sie ja auch 
recht. - Aber selbst wenn es so wäre, dann wäre es ganz okay, so lange 
Toshi bei ihr wäre. - Und je öfter sie darüber nachdachte, desto mehr 
begann sie davon zu träumen zu Hause in Japan eine grosse glückliche 
Familie zu sein.
Plötzlich riss sie ein lautes Scharren aus ihren Träumen. "Toshi, was 
machst du denn schon wieder ?" polterte sie los ohne auch nur nachgesehen 
zu haben, denn sie war sicher, dass ihr Verlobter in seiner unendlichen 
Tolpatschigkeit wieder irgend etwas zerschlagen oder umgestossen hatte.
Aber als keine Antwort kam, wurde sie dann doch etwas mißtrauisch. 
Neugierig lief sie ins Wohnzimmer und was sie da sah, verschlug ihr schier 
die Sprache. Toshi hatte einen riesigen Tannenbaum hereingeschleppt, der 
bis unter die Zimmerdecke reichte.
"Wo hast du denn den her ?" fragte sie und bewunderte das edele Gewächs. 
Toshi grinste überlegen. "Wußtest du nicht das ich der perfekte Holzfäller 
bin?" 
"Prahl hier nicht so herum, zukünftiger Schwager. Den haben wir gekauft und 
du hast ihn nur reingetragen." hallte plötzlich eine Teenagerstimme durch 
den Raum.
Hitomi fuhr herum und blickte die beiden Damen in Türrahmen verwundert an. 
"Ihr seid schon hier ?"
Nami lachte. "Ja, wir dachten, dass ihr etwas Hilfe gut gebrauchen 
könntet."
"Ist ja alles schön und gut, grosse Schwester." warf Love ein und stellte 
schnaufend ein großes Paket ab. "Ich helfe Hitomi und unserem zukünftigen 
Schwager ja auch gerne, aber wie wär's Herr Superdetektiv, würdest du 
erwägen auch noch weiter beim Ausladen zu helfen."
Toshi lachte und verbeugte sich demutvoll wie ein englischer Diener.
"Stets zu ihren Diensten. Ich werde mich sofort daran begeben." erwiderte 
er theatralisch und voller Tatendrang ging er hinaus. Love schüttelte den 
Kopf als sie ihm folgte.
Nami blickte den beiden verwundert hinterher. "Was hast du denn mit Toshi 
gemacht ? So habe ich ihn ja noch nie gesehen."
Hitomi lächelte zufrieden. "Ja, da kannst du mal sehen, was ein wenig 
Luftveränderung ausmachen kann." meinte sie. Doch ihr verschmitzes Grinsen 
ließ Nami sofort begreifen. Toshis Sinneswandel hatte weniger mit der Luft 
als mit dem Körper ihrer Schwester zu tun. Sie hatte es nur nicht offen 
gesagt, da sie wohl befürchtete, das ihre ältere Schwester sie schelten 
würde. Doch von diesen Gedanken war Nami weit entfernt. Sie fand, daß 
Hitomi alt genug war um zu wissen, was sie tat. Und so ging sie nicht 
weiter darauf ein.
Inzwischen hatten Toshi und Love gemeinsam den Kleinbus ausgeladen, den 
sich die Schwestern gemietet hatten. All die vielen Pakete und Koffer 
daraus stapelten sich nun überall in der engen Berghütte.
Es dauerte einige Zeit bis sie alles ausgepackt und sortiert hatten. Und 
als sie schließlich noch den großen Baum fertig geschmückt hatten läuteten 
die Glocken der Kirche unten im Dorf schon die Mittagszeit ein.
Sie hatten in ihrer Hütte abseits des Grosstadttrubels garnicht bemerkt, 
wie die Zeit verflogen war. Und nun wurde es langsam Zeit, sich auf die 
Hochzeit vorzubereiten.

Als Love ins Zimmer trat, war Toshi schon beinahe fertig. Er trug den 
feinen weissen Hochzeitsanzug, den sie ausgesucht hatten und mühte sich 
gerade seine Fliege zu binden. Love sah ihn bewundernd an. Noch nie hatte 
der Detektiv derart elegant ausgesehen. 
"Komm her, lass mich dir helfen !" bot Love an. "Nachher strangulierst du 
dich noch !"
"Danke Love." erwiderte Toshi dankbar für die Hilfe.
"Du, Toshi. Sag' mal was ist eigentlich mit dir los ? Du bist heute so 
anders als sonst.- Hast du 'was ?"
"Wie meinst du das ?  Mir geht es gut. Immerhin heirate ich gleich."
"Ja, das ist es eben." entgegnete Love. "Früher hat dich doch schon der 
Gedanke an eine Verabredung mit Hitomi völlig aus der Fassung gebracht. Und 
jetzt heiratest du und bist kühler als ein Kühlschrank. Da stimmt doch 
etwas nicht !"
Toshi schmunzelte. "Ach das meinst du. Weisst du, früher habe ich immer 
versucht alles richtig zu machen, erfolgreich zu sein, den coolen Mann zu 
spielen. Um alles in der Welt wollte ich Hitomi beeindrucken. Doch je mehr 
ich versuchte der perfekte Mann sein um so mehr ging schief." Er seufzte 
glücklich. "Aber seit gestern da bin ich sicher, das Hitomi mich so will 
wie ich bin. Sie will den Toshi, der ich einmal war - damals als wir uns 
kennenlernten. Sie will den Toshi der Träume hat und sich nicht sein Leben 
von seinem Chef oder seiner Arbeit diktieren lässt."
"Und was hat dich zu dieser weltbewegenden Erkenntnis gebracht ?"
Toshi schaute aus dem Fenster. "Der Schnee. " meinte er gedankenversunken. 
"Ja, der Schnee hat mich darauf gebracht."
"Wie der Schnee ? - Was ist denn mit dem Schnee ? - Ist dir zu viel davon 
auf den Kopf gefallen und hat dein wenig Gehirn unterkühlt, oder was ?"
"Ach Love." lachte Toshi. "Das verstehst du nicht. Schnee, Winter, warme 
Mäntel, Geborgenheit, all das ist Teil einer wunderschönen Erinnerung, die 
Hitomi und ich teilen."
"Ja, du hast recht. Solchen Schmunzens verstehe ich wirklich nicht." 
erwiderte Love genervt von Toshis gefühlsbetontem Gesülze, wie sie es zu 
nennen pflegte. "Ich glaube, ich will auch garnicht wissen, was da letzte 
Nacht zwischen euch abgegangen ist. Aber eines lass dir gesagt sein, 
Bruder.- " begann sie schließlich und zog Toshis Binder so fest zu, dass 
er nach Luft rang. "Wenn du meine Schwester nicht glücklich machst, dann 
kannst du dich auf etwas gefasst machen."
Toshi schnappte nach Luft. "Ja, ja, ist schon klar." keuchte er. "Aber 
jetzt lass mich los, sonst machst du deine Schwester schon vor der Hochzeit 
zur Witwe."
Love lockerte den Knoten. Sie hatte es übertrieben. Sie hatte es eigentlich 
gar nicht tun wollen, doch etwas hatte sie dazu gezwungen. Beschämt zupfte 
sie wieder Toshis Querbinder zurecht. "Es tut mir leid, Toshi, aber Hitomi ist 
meine Lieblingsschwester und wenn man ihr wehtut, dann kann ich mich nicht 
beherrschen."
"Ist schon gut." erwiderte Toshi immer noch ein wenig atemlos. "Ich 
verstehe dich nur zu gut. Hitomi hat mir erzählt, wie sehr du an deinen 
Schwestern hängst. Und auch wie sehr du dich danach sehnst deinen Vater 
kennenzulernen. Und ich wünsche dir, dass du ihn so bald wie möglich finden 
wirst."
"Danke Toshi." sagte Love traurig. "Aber ich habe langsam schon aufgegeben 
daran zu glauben."
"Ach, sag' sowas nicht, Kleines." erwiderte Toshi tröstend und schaute auf 
die Weckuhr die an seinem Bett stand. "Es ist noch früh, und die Kutsche 
kommt auch noch nicht, was hälst du von einem kleinen Spaziergang im 
Schnee? Vielleicht kannst du mir dabei etwas über deine Mutter erzählen." 
schlug Toshi vor. Er wusste von Hitomi, wie gerne Love von ihrer Mutter 
erzählte. Denn sie war der einzige Elternteil, den sie kennengelernt hatte. 
Und in ihren Erzählungen, da lebte sie weiter.
"Ja, Mama... Sie war eine wunderbare Frau. Ich glaube sie wäre glücklich zu 
sehen, wie Hitomi heute heiratet." meinte Love und seufzte traurig. Aber 
Minuten später, als sie zusammen mit Toshi durch den Schnee vor dem Haus 
stapfte, da war sie wieder bester Laune. Von ihrer Mutter zu erzählen, war 
für sie die beste Medizin.
"Sieh mal da !" meinte Hitomi plötzlich als sie aus dem Fenster ihres 
Zimmers blickte und die beiden Spaziergänger im Schnee sah. "Sie sehen aus 
wie Bruder und Schwester." 
Nami folgte den Blicken ihrer Schwester. "Ja, du hast recht." stimmte sie 
zu. "Machmal habe ich tatsächlich das Gefühl, dass Toshi für sie so etwas 
wie ein Bruder ist."
"Er sieht wirklich klasse aus in seinem Anzug." stellte Hitomi bewundernd 
fest. "Findest du nicht ?"
"Ja, er sollte öfter heiraten." scherzte Nami.
"HA, HA. Wirklich witzig." entgegnete Hitomi wenig belustigt. "Wart' 
erstmal ab, wenn du heiratest."
"Mensch Hitomi, das war doch nur ein Scherz. Warum bist du denn so 
gereizt?"
"Entschuldige, aber ich bin schrecklich nervös. Was wenn mein Kleid nicht 
sauber ist. Was wenn ich vor lauter Angst kein Wort mehr herauskriege ? 
Hoffentlich geht alles gut. Was ist wenn Toshi auf meine Schleppe tritt ?" 
sorgte sich die Braut.
"Dann fällt er hin." antwortete ihre Schwester schlagfertig. "Jetzt 
beruhige dich. Schau dich doch einmal an. In deinem Kleid siehst du aus wie 
eine Königin, aber du benimmst dich wie ein Kind. Und was Toshi betrifft.- 
Sieh' doch nur 'mal aus dem Fenster.- Findest du, dass so ein Tolpatsch 
aussieht ?"
"Du hast ja recht, aber es ist ..."
"Schluss jetzt, Hitomi. Es reicht. Gleich, wenn die Kutsche kommt, dann 
steigst du ein, fährst zur Kapelle, gehst zum Altar, hörst dir die Predigt 
an und wenn der Priester dich was fragt dann sagst du 'ja' und damit hat 
sich's und jetzt will ich kein Wort mehr hören." 
Hitomi nickte gehorsam. Sie war dankbar für den Beistand ihrer Schwester 
auch wenn sie gerade vielleicht etwas kühl und genervt geklungen haben 
sollte. Aber das war ihre Art sie dazu zu drängen, dass zu tun, was sie sch 
mehr als alles Andere wünschte - zu heiraten.
Dennoch quälten sie Fragen und Zweifel. Warum, das wusste sie nicht. Sie 
hatte einfach das Gefühl, dass sie noch nicht bereit war. So sehr sie sich 
gestern Abend noch eine schnelle Hochzeit gewünscht hatte, so sehr wünschte 
sie sich jetzt noch ein wenig Zeit, bevor sie den entscheidenden Schritt 
wagen würde. 

Doch als sie eine Weile später zusammen mit ihrem Bräutigam und ihren 
Schwestern im Schlitten sass, da fielen die Sorgen langsam von ihr ab.






3. Hochzeitgefühle

Es dämmerte schon leicht, als die beiden Pferde den Schlitten mit dem 
Hochzeitspaar über schneebedeckte Wege hinauf zu der kleinen Bergkapelle 
zogen. Das Geläut der Schlittenglocken, das Knarzen des Schnees unter den 
Kufen und die Nähe ihrer Freunde, all das liess Hitomi ihre Bedenken 
vergessen.
Als sie an der kleinen Kapelle hoch oben auf dem Berg ankamen wartete Herr 
Nageischi bereits auf sie. Bei ihm war Monsieur Robert, der sich bereit 
erklärt hatte Toshis Trauzeuge zu sein.
Nachdem man einander förmlich begrüsst hatte betrat Toshi zusammen mit dem 
Bistrobesitzer als Erster die Kirche.
Der Gang, der durch die Bankreihen hindurch führte schien kilometerlang zu 
sein und auf seinem Weg zum Traualtar liess Toshi seinen Blick 
umherstreifen. Die Bänke waren nur spärlich gefüllt mit Personen, deren 
Gesichter er bei dem Bummel durch das Dorf gesehen hatte. Am Ende des 
Mittelganges angelangt fiel sein Blick auf den Pfarrer. Er war ein nicht 
sehr großer Mann mit Bart und gütigen Gesichtszügen. Seine Statur, sein 
Gesicht und die schmalen Augen verrieten seine Herkunft und Toshi konnte 
sich vorstellen, daß die Schwestern ihn vielleicht sogar extra aus Japan 
hatten einfliegen lassen.
Die Türen der Kapelle öffneten sich und Nami und Love traten ein. Der Pater 
gab ein Zeichen zum Organisten auf der Empore und zu den Klängen des 
Hochzeitsmarsches schritten die Schwestern den Gang zum Altar hinunter und 
streuten einen Teppich von Rosenblättern.
Erst nachdem sie schon ein Stück des Weges hinter sich hatten erschien dann 
auch endlich die Braut, geführt von Herrn Nageischi.
Hitomi lächelte. Darum hatten ihre Schwestern sie so eindringlich nach 
ihrem Traum befragt. Sie hatten alles kopieren wollen. Das Marienkreutz auf 
dem Altar, die Blumengebinde, die Art wie Nami ihr das Haar hochgesteckt 
hatte,- Ein Knoten, der den Schleier trug. Ihr wundervoll gefertigtetes 
Brautkleid mit weitem Rock und langer Schleppe in einem Weiß, das heller 
strahlte als die Kerzenleuchter in der Kapelle...
Doch in diesem Moment wurde all das übertroffen von dem Lächeln auf ihrem 
Gesicht. Hitomi war überglücklich aber auch zugleich schrecklich nervös.
Der Priester begann mit der Trauungszeremonie und obwohl wahrscheinlich 
kaum einer der einheimischen Gäste japanisch verstand, war wohl einem jeden 
bewusst,wovon er predigte.- Und dann, zu guter Letzt, stellte er sie,- die 
Frage, die wohl in jedem Land auf der Welt die Gleiche war. Die Frage, 
deren Antwort Hitomi in den vergangenen Stunden schon so oft heimlich geübt 
hatte: 
"..Willst du, Hitomi Kisugi, diesen Mann Toshi Utzumi zu deinem rechtmäßig 
angetrauten Mann nehmen ?"
Doch jetzt wo sie nur noch drei Worte von der Erfüllung ihres Traumes 
entfernt war, da zögerte sie. Sie spürte die erwartungsvollen Blicke der 
Besucher in ihrem Rücken,- sah in die fragenden Gesichter ihrer Schwestern. 
Ihr Mund war wirklich so trocken wie die Sahara und sie wünschte sich 
tatsächlich, dass sie dieser Entscheidung entfliehen könne. Verängstigt 
blickte sie ihren Verlobten an und da war es,- das Zeichen, auf das sie 
vielleicht die ganze Zeit über gewartet hatte.- Der zuversichtliche Blick 
auf Toshis Gesicht,- die Art wie er verstohlen ihre Hand ergriff und 
festhielt bestärkten sie in dem Gefühl, dass alles gut werden würde.- Sie 
war sicher, dass sie das Richtige tat. Und mit einem Mal waren alle Zweifel 
und Nervosität verschwunden und ihre Stimme klang klar und hell wie eine 
Glocke als sie antwortete..
"JA, ICH WILL."
Hitomi war erleichtert und überglücklich. Sie hatte ihr Heiratsversprechen 
erfüllt und nun war es an ihrem Verlobten das Seinige einzulösen. 
Als Toshi schließlich die Frage gestellt bekam, die wohl sein ganzes Leben 
ändern würde, da war er gefasster denn je.. Er wollte, dass die ganze Welt 
erfahren möge, wie sehr er diese Frau liebte..
"JA, ICH WILL." An diesem Tag und an diesem Ort, so hatte er sich 
geschworen, würde für ihn ein neues Leben beginnen.
Das frisch vermählte Paar tauschte die Ringe tauschte und der Pfarrer 
sprach die Worte, die die Liebenden für immer binden würden.- Die Worte, 
die selbst nach Jahren noch Bestand haben sollten.... "Und hiermit erkläre 
ich euch zu Frau und Mann. - Sie dürfen die Braut jetzt küssen." 
Die Gäste applaudierten und wünschten dem Paar von herzen Glück, doch Toshi 
hatte nur einen Gedanken. Er wollte Hitomi einen Kuss geben, von dem sie 
beide noch ihr Leben lang träumen würden. Vorsichtig lüftete er den 
Schleier seiner Frau und sie pressten zärtlich ihre Lippen aufeinander. Und 
mit einem Mal, da war es ihnen, als ob sie ganz allein wären.- Nur sie 
allein und die Welt lag ihnen zu Füssen.

Nach dem Ende der Zeremonie fuhr die Hochzeitsgesellschaft mit 
Pferdeschlitten hinunter ins Dorf. Das Geläut der vielen Schlittenglocken, 
das sanfte Geräusch des Schnees unter den Kufen, das die Stille des Waldes 
durchschnitt und das Meer von leuchtenden Winterfackeln, die sie 
begleiteten, all das machte diese Fahrt zu einem einmaligen und 
unvergeßlichen Erlebnis.
Im Bistro der Familie Robert hatten die Schwestern eine kleine Feier im 
engsten Kreise arrangiert. Doch wegen des nahen Weihnachtsfestes wollte 
keiner allzu lange bleiben. Herr Nageishi war bereits nach dem Empfang 
abgereist, um die Weihnachtstage in Japan bei seiner Familie zu 
verbringen,- das sagte er jedenfalls den Schwestern, als er sich 
verabschiedete.
Und so kam es dann, dass die drei Schwestern und der Detektiv schon lange 
vor Mitternacht wieder zurück in ihrer Berghütte waren. Bei Kaffee und 
Punsch saßen sie zusammen vor dem Kamin und ließen den letzten Tag Revue 
passieren. Hitomi blickte immer wieder auf den Ehering an ihrem Finger um 
sich dann wortlos noch etwas enger an ihren Mann zu kuscheln.
"Sag' mal, Hitomi, hast du etwas ? " fragte Nami ihre Schwester, nachdem 
sie sie eine Weile lang beobachtet hatte.
"Äh, nein, nein, was soll ich denn haben ?" wich Hitomi verlegen aus.
"Na ja, also du sitzt schon den ganzen Abend da und starrst auf deinen 
Ring.- Gefällt er dir nicht ?" 
"Nein, nein. Es ist nur - ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich 
verheiratet bin."
Love kicherte. "Warte 'mal bis Toshi dich seinen Verwandten mit 'Ach ja, 
und das ist meine Frau' vorstellt."
"Ja, und spätestens wenn du die erste Windel wechselst, wirst du es 
begreifen." fügte Nami grinsend hinzu.
Hitomi nickte. "Ja, das kann verdammt schnell gehen."
"Es ist schon komisch." begann Toshi nach einer Weile nachdenklich. "Ich 
habe mich immer gefragt, was sich ändern würde, wenn ich einmal verheiratet 
bin."
"Ich weiß es.. Jetzt darfst du Hitomi begrapschen, ohne daß sie dir eine 
klebt.- Das ist doch schon was." lästerte Love, doch Toshi schüttelte nur 
den Kopf.
"Nein, das meine ich nicht." erwiderte er und nahm bedächtig einen Schluck 
aus seinem Becher Punsch. "Seit ich nach Tokio gekommen bin und Hitomi 
kennengelernt habe, habe ich fast jede Minute meiner Freizeit bei euch 
verbracht." Toshi stockte einen Augenblick und starrte in das Kaminfeuer. 
"Aber welche Wahl hat man schon, wenn man keine Familie hat." meinte er 
schliesslich und Hitomi spürte wie traurig er war. Vorsichtig und tröstend 
legte sie ihren Kopf auf seine Schulter. "Du Toshi," begann sie leise. "So 
lange ich dich kenne hast du noch nie richtig von deinen Eltern erzählt. 
Hast du sie eigentlich jemals kennen gelernt ?" 
Toshi küsste seine Frau zärtlich auf die Stirn. "Weisst du, was meine 
Eltern betrifft, da geht es mir genau so wie euch. Aber dass ist eine lange 
Geschichte." erwiderte er etwas ausweichend. 
"Ich möchte sie hören, Toshi."
"Also gut." begann Toshi leise. "Wir wohnten in Tachikawa und ich war 
gerade zehn, als Vater Mutter und mich bei Nacht und Nebel verlassen hat. 
Mutter hat das nie verwunden und sie wurde schwer krank. Als sie gestorben 
ist, war ich gerade zwölf Jahre alt. Ich zog zu meinem Onkel. Er hatte nur 
eine kleine Wohnung. Platz war Mangelware, doch irgendwie haben wir es 
immer geschafft. Ich glaube, abgesehen von den beiden Jahren allein mit 
meiner Mutter, waren das wohl die glücklichsten Jahre meiner Kindheit. Aber 
dann wurde meine Nichte geboren und der Platz in der Wohnung langte vorne 
und hinten nicht mehr. Auch mit dem Geld wurde es knapp und so habe ich in  
einem kleinen Fotolabor gearbeitet. Der Job hat mir richtig Spass gemacht 
und da habe ich mich entschieden, Fotograf zu werden. Und da ich ohnehin 
irgendwann auf die Universität gehen wollte, bin ich im Sommer vor der 
Highschool nach Tokio zu meinen Großeltern gezogen. Na ja, den Rest kennt 
ihr ja."
"Aber eines verstehe ich nicht, Schwager." meinte Nami. "Warum um alles in 
der Welt hast du dich dann entschieden zur Polizei zu gehen ?"
"Der Grund war mein Vater. Er war auch Polizist, bis er wegen persönlichen 
Verfehlungen den Dienst quittieren mußte.- Kein leuchtendes Vorbild also."
Toshi lachte verlegen . "Wie der Vater so der Sohn, denke ich." meinte er. 
"Aber, was ist eigentlich mit eurem Vater ?"
"Na ja," sagte Nami leise. "Es gibt da viele Dinge, die wir nicht wissen. 
Wir haben zwar viele Informationen, aber auch viel Widersprüchliches."
"Wann ist euer Vater eigentlich verschwunden ?" wollte Toshi wissen.
"Na ja, so genau wissen wir das auch nicht. Im Frühsommer 1968 reiste Vater 
mit all seinen Kunstwerken im Gepäck in die USA. Seitdem ist er 
verschwunden. Achtzehn Jahre ist das jetzt her. Ich war zehn, Hitomi sieben 
und Mutter war im neunten Monat mit Love schwanger."
"Kennt ihr die Hintergründe ? Habt ihr eine Ahnung was ihn dazu brachte ?"
"Na ja, es ist bisher nur eine Vermutung." erklärte Nami. "Wie du weißt ist 
Vater deutscher Abstammung. Vor dem zweiten Weltkrieg lebte er als junger 
angesehener Künstler in Deutschland. Zu Beginn des Krieges floh er unter 
dem Druck des Nazi-Regimes hier nach Frankreich. Wir wissen, dass er 
zusammen mit Freunden eine Untergrundbewegung gründete, die es sich zum 
Ziel machte Kunstwerke vor den Nazi-Deutschen in Sicherheit zu bringen."
Toshi nickte. Er hatte sich während seine Arbeit am Fall Katzenauge ein 
nicht unerhebliches Kunstwissen angeeignet.
"Soweit ich weiß hatten die Deutschen bei Ende des Krieges Unmengen 
gestohlener Kunstwerke angehäuft. Vieles davon fiel in die Hände der 
Siegermächte und verschwand. Einige der geheimen Lagerorte wurden bis heute 
nicht entdeckt. Kunstexperten schätzen den Wert der verschwundenen 
Kunstwerke auf mehrere Billonen Yen."
Nami nickte.
"Du weißt sehr gut Bescheid, Toshi." lobte sie. "Es gibt Hinweise, daß 
Vaters Gruppe später sogar Beutekunst von den Nazis zurück gestohlen hat. 
Aber der wohl entscheidende Punkt ist, das Vater dem größten Kunstraub 
beigewohnt haben soll.- Dem Raub des Bernsteinzimmers."
"Aber es ist doch während des Krieges bei einem Brand vernichtet worden." 
warf Toshi ein und wieder blickte Nami ihn lobend an.
"Ja, so ist die offizielle Version. Aber es gibt keine Beweise, das es 
vernichtet wurde oder nicht. Bei unserem letzten Besuch in Frankreich haben 
wir jedoch mit einem Mann geredet, der bezeugen kann, daß Vater eine 
Untergrundgruppe angeführt hat, die den Güterzug mit dem gestohlenen 
Bernsteinzimmer auf dem Weg von Königsberg nach Berlin umgeleitet hat. 
Sollte dieses Zimmer wirklich noch existieren und irgendwo lagern, dann 
wäre Vater einer der wenigen, die wüßten wo."
Toshi hatte verstanden. "Und damit würde das euren Vater zum meistgesuchten 
Mann machen. Kunstsammler, Neonazistische Organisationen."
"Ja, genau. Nach dem Krieg mußte Vater ständig auf der Flucht gewesen sein 
- von Land zu Land. Frankreich, Schweiz, Österreich. Dann 1957, lernte er 
in Japan unsere Mutter kennen. Sie heirateten und ich wurde geboren. Lange 
Zeit lebten wir unerkannt zurückgezogen in einem kleinen Fischerdorf bei 
Itzu. Vielleicht wußte nicht einmal Mutter die Wahrheit über Vaters 
Vergangenheit. Ihr hatte er nämlich gesagt, er würde wegen einer 
Ausstellung in die USA reisen. Wir denken, daß er zu diesem Zeitpunkt aber 
schon wieder vor seinen Verfolgern floh. Jedenfalls lernte er Herrn 
Nageischi kennen, der zu dieser Zeit Botschafter in Chicago war. Um uns 
Kinder zu schützen wies Vater unsere Mutter an nach Tokio zu gehen und 
wieder ihren Mädchennamen Kisugi anzunehmen. Sie stellte keine Fragen."
"Und ihr habt seit dem nichts mehr von ihm gehört ?"
"Vaters Nachrichten, die er uns über Herr Nageishi übermittelte, wurden 
immer spärlicher. Ob es deshalb war, weil seine Feinde ihm immer näher auf 
den Fersen waren, wissen wir nicht. Doch dann plötzlich tauchten überall 
Kunstwerke von Vater auf. Wir nehmen an, man hat ihn gefunden, verschleppt 
und seiner Kunstwerke beraubt."
"Habt ihr denn schon Hinweise wohin er entführt wurde ?"
"Wir wissen, daß er nicht nach Japan zurückgekehrt ist, so wie man es uns 
glauben machen wollte. Aber wo genau er jetzt ist hoffen wir durch seine 
Gemälde zu erfahren."
"Aber warum um alles in der Welt beginnt ihr in Frankreich mit der Suche ?"
"Dies war das erste Land, das Vater Unterschlupf bot. Und wir glauben zu 
wissen, das der grösste Teil der gestohlenen Sammlung von Frankreich aus 
nach Japan verschachert wurde. Warum fast ausschließlich nach Japan ist 
wiederum ein großes Rätsel." antwortete Nami.
"Glaubt ihr, dass euer Vater in Frankreich ist ?"
"Nein, das wäre zu leicht nachzuverfolgen." erwiderte Nami. "Aber wenn wir 
erst einmal eine Spur haben oder die Hehler ausfindig machen, dann werden 
wir weitersehen. Nötigenfalls reisen wir in all die Länder, in die er 
geflohen ist."
"Und wie weit seid ihr mit der Spurensuche ?"
"Nicht sehr weit. Alle Spuren, die wir bisher verfolgt haben endeten im 
Nichts." gab Nami ernüchtert zu. "Aber Herr Nageishi hat einige Freunde in 
Botschafterkreisen und er will sehen, ob sie etwas für uns tun können."
"Das klingt aber nicht gerade sehr vielversprechend." meinte Toshi.
Love, die bisher geschwiegen hatte seufzte. Tränen standen in ihren Augen. 
"Ja, ich glaube schon nicht mehr daran, dass wir Vater finden weren."
Nami, die neben ihr saß, nahm sie zärtlich in den Arm. "Komm schon Kleines, 
so schlimm sieht es nicht aus." flüsterte sie und Hitomi sah ihren Mann mit 
einem etwas bösen Blick an. Warum hatte er das nur gesagt. Natürlich waren 
die Hinweise, die sie hatten dürftig. Aber es in Loves Gegenwart so offen 
zu sagen, wo er doch wußte wie sehr sie ihren Vater vermißte - das war 
taktlos. Wortlos schrieb sie einige Japanische Kanjii-Schriftzeichen in 
Toshis offene Handfläche. Ihr Mann nickte verständig und verschwand aus dem 
Zimmer.
Nach einer Weile kehrte er mit einer Schallplatte und einem kleinen 
tragbaren Plattenspieler zurück.
Die jüngste der drei Schwestern wischte sich die Tränen aus den Augen und 
strahlte als sie sah, was ihr Schwager einer Aufforderung gleich vor sie 
hingelegt hatte. 
"Weihnachtsgrüße von Vater. Danke Toshi" sagte sie leise und als sie die 
Vinylscheibe schließlich auspackte, da tat sie das betont vorsichtig, 
zärtlich beinahe, so als wäre es eine Kostbarkeit, was es ja für sie auch 
war. 
Die drei Schwestern waren glücklich die Stimme ihres Vaters zu hören. Es 
war eine sonore und ausgesprochen männliche Stimme, deren Klang auf einen 
besonnenen und gütigen aber dennoch entschlossen Charakter schließen ließ. 
Selbst Toshi, der den Vater der drei Töchter noch nie gesehen hatte, machte 
sich plötzlich ein Bild von ihm und es schien ihm, als ob er diesen Mann 
schon seit Ewigkeiten kannte.
Etwas jedoch machte ihn stutzig. Zuerst hatte er gedacht, es läge daran, 
daß die Platte so oft abgespielt worden war, doch je länger er es hörte, 
desto mehr hatte er das Gefühl das dieses Knacken, Rauschen und Rumpeln, 
das er hörte, nicht daher kam. Aber an diesem Abend wollte er sich nicht 
weiter damit beschäftigen.


4. Eine merkwürdige Weihnachtstradition

Der neue Morgen dämmerte und die kleine Familie saß gerade beim Frühstück, 
als mit einem Mal das Telefon klingelte.
"Ich geh' schon." rief Love und hastete in das Wohnzimmer der Hütte. 
Neugierig nahm sie den Hörer ab.
"Hier bei Utzumi." meldete sie sich. "Ach, sie sind's Herr Nageischi... Ja, 
danke. Frohe Weihnachten auch für sie... Ja, die ist hier. Moment bitte.." 
Love nahm den Hörer vom Ohr und deckte die Sprechmuschel mit der Hand ab. 
"Nami, Herr Nageischi möchte dich sprechen." rief sie und Nami eilte 
herbei. Love zuckte unwissend mit den Schultern, als sie ihrer großen 
Schwester das Telefon übergab.
"Ja, Nami Kisugi hier... Ja, Herr Nageischi.. Ja, ich verstehe.. Ja, wir 
machen uns sofort auf den Weg.. Ja, wir treffen sie beide dann im Hotel.. 
Ja, bis dann."
Die älteste der drei Schwestern legte auf und sie machte ein nachdenkliches 
und ernstes Gesicht als sie wieder zu den Anderen an den Tisch 
zurückkehrte.
"Es tut mir leid, Hitomi. Aber wir können nicht länger bleiben. Herr 
Nageishi hat Hinweise gefunden. Und er möchte, daß wir sofort wieder nach 
Paris zurückkehren."
"Gut, wann fahren wir ?" fragte Hitomi, doch Nami winkte sofort ab. 
"Nein, nein. Love und ich, wir fahren allein zurück. Ihr bleibt schön 
hier." entgegnete sie bestimmt. "Geniesst die paar Tage, die ihr noch hier 
seid. Immerhin sind das so etwas wie eure Flitterwochen und wer weiß, 
wieviel Zeit ihr noch für einander habt, wenn die Jagd nach Vater mal 
richtig beginnt."
"Wenn du meinst..." Hitomis Gesicht verriet Enttäuschung, doch innerlich 
war sie glücklich. Zum ersten Mal hatte sie keine Bedenken ihre Schwestern 
alleine ziehen zu lassen. Schließlich mußte sie sich ja auch noch um Toshi 
kümmern und da gab es, wie sie fand, noch einige Kußtechniken, die er zu 
lernen hatte. Sie war einfach verrückt nach diesem Mann. Ein Blick von ihm 
und sie warf alle Vorsätze über Bord.
"Mach dir keine Sorgen um uns." beruhigte Nami. "Wir kommen schon klar.

Die Zeitung des gestrigen Abends war für Toshi mehr ein Bilderbuch. Er 
fragte sich, wie jemand um alles in der Welt nur solche eine Sprache 
verstehen konnte? 
"Kommst du?" 
Toshi blickte auf. Hitomi hatte ihren Wintermantel angezogen und stand 
ungedulig vor dem Tisch. Nami und Love waren sofort nach dem Frühstück 
losgefahren. Er hatte noch einmal etwas Holz geschlagen und nun erholte er 
sich gerade ein wenig von der Kälte.
"Jetzt schon?"
"Weißt du nicht mehr, was du mir versprochen hast?" 
Toshi seufzte. "JA, ja, das Hundeschlittenrennen.- Was hälst du davon wenn 
wir statt dessen hier in der warmen ...."
"Toshi!" unterbrach Hitomi ihre Augen wurden noch schmaler und grimmiger. 
"Ich habe solch ein Rennen noch nie gesehen, und wenn du nicht mitkommst, 
dann gehe ich alleine."
Er nickte niedergeschlagen. "Ja, ja, ich komme ja mit."
Seine Frau war ein Tiernarr. Tierlieb konnte man das nicht mehr nennen und 
hätten sie den Platz gehabt, dann wäre das Café Katzenauge wohl das erste 
Café mit eigenem Zoo geworden. Es war also völlig aussichtslos sie von 
ihrem Vorhaben abzubringen.- Er mußte hinaus in die Kälte, wollte er sie 
nicht alleine gehen lassen und so seine Flitterwochen ruinieren.

Die Morgenluft war kühl und die Sonne kroch erst hinter den Berggipfeln 
hervor. Er fröstelte, doch er versuchte nicht daran zu denken. So würde es 
vielleicht etwas erträglicher werden. Er dachte an die merkwürdigen 
Geräusche auf der Schallplatte mit den Weihnachtsgrüßen, die er am Abend 
zuvor gehört hatte.- Er hatte da diese Ahnung...
Hundegebell schallte aus dem Dorf hinauf. Warum ausgerechnet ein 
Hundeschlittenrennen ? - Meerschweinchenweitwurf, Flohdressur, egal,- aber 
Hundeschlitten..- Er haßte diesen Sport.
Toshi merkte auf. Ein großer dunkler und nobler Wagen mit fremdem 
Kennzeichen kam ihnen auf der engen unbefestigten Straße entgegen. Zwei 
Männer in dunklen Trenchcoats saßen darin und Toshi konnte genau ihre 
asiatisch angehauchten Gesichter sehen, als er auf dem unbefestigten 
Straßenrand stehen blieb, um den Wagen passieren zu lassen.
Er blickte dem Wagen hinterher und fragte sich wo die Männer hinwollten. 
Dort wo diese Straße hinauf führte gab es außer solch kleinen Berghütten, 
wie sie eine bewohnten, keinerlei andere Gebäude. Und wie Urlauber hatten 
die Männer nicht gerade ausgesehen.

Das Rennen, das ein jedes Jahr am Morgen des ersten Weihnachtstages vom 
Marktplatz des Dorfes aus gestartet wurde, war eine Tradition. Aus der 
ganzen Umgebung kamen die Einwohner und Urlauber herbei um die Starter und 
ihre Gespanne zu bewundern.
Am Startplatz herrschte reges Treiben und wie bei einem Volksfest üblich 
gab es natürlich auch Marktstände, wo Kaffee und heiße Getränke verkauft 
wurden.
Der Duft von heißem Punsch lag in der Luft und sofort bekam Toshi Durst. 
"Ich hätte Lust auf einen Becher heißen Punsch, möchtest du auch etwas?"
Hitomi schüttelte angewidert den Kopf. "IGITT.- Nein Danke. Du weißt doch, 
daß ich Punsch hasse." antwortete sie. "Du kannst dir aber gerne etwas 
holen. Ich werde mich in der Zwischenzeit etwas umsehen. Wir treffen uns 
dann nachher wieder hier."
Toshi stimmte zu und nach einem liebevollen Kuß trennten sich ihre Wege. 
Hitomi verschwand in der Menge und ihr Mann suchte sich einen Getränkestand 
abseits des Trubels.
Zufrieden lehnte er sich mit einem Becher seines liebsten Wintergetränkes 
an den Tresen. Er haßte Menschenmassen. Das Gedränge. Das Gefühl erdrückt 
zu werden. Früher war es ganz schlimm für ihn gewesen, doch mittlerweile 
hatte er sich etwas daran gewöhnt. Das war wohl auch nötig wenn man in 
einer Großstadt wie Tokio wohnte. Ruhig ging sein Blick über die Besucher. 
Es waren vielleicht 300 Personen, die in Trauben um die wenigen weiträumig 
verteilten Teilnehmer des Rennens standen. Toshis Augen suchten seine Frau 
zu finden. Sie stand abseits des Trubels bei einem Teilnehmer, dem die 
übrigen Besucher kaum Beachtung schenkten. - Er lachte in sich hinein: Sie 
hatte wohl ein Faible für Verlierer und Außenseiter.- Darum hatte sie sich 
wohl auch in ihn verliebt. - Ihre Blicke trafen sich und sie lächelte ihm 
zu. Toshi erwiderte den Blick und ließ seine Augen weiter umherschweifen. 
Er fühlte die Aufregung der Tiere, wußte die Anspannung in den Gesichtern 
der Hundeführer zu deuten. Monatelanges Training, egal ob Sommer oder 
Winter, ja auch er hatte es einmal...
"Toshi !"
Er fuhr herum. Funkelnde Augen umrandet von tiefen Krähenfüßen sahen ihn 
aus einem gegerbten Gesicht an. Ein schwarzer Bart verdeckte den Rest und 
machte es schwer, das Alter dieser Person zu schätzen. Aber an die 70 mußte 
er schon sein.
"Kennen wir uns?"
Der kleine Mann hob seine Brauen und legte den Kopf zur Seite. Verachtend 
sah er sein viel größeres Gegenüber aus den Augenwinkeln an.
Toshi merkte auf: Er kannte diesen Blick. Es war der Blick einer Person, 
die ihm einst sehr viel bedeutet hatte. 
"Mitamura? - Was machst du denn hier?"
Das Gesicht des Alten verzog sich zu einem Grinsen. "Ah, hat dir der 
Großstadttrubel doch nicht das Gehirn vernebelt."
Toshi lachte herzlich. Der Mann vor ihm war etwas ganz besonderes, auch 
wenn er nur der Freund seines Onkels war. "Hey, es kann ja nicht jeder wie 
ein Einsiedler leben!"
"Das hat dich aber früher nicht gestört, Junge.- Jede freie Minute 
hast du bei uns verbracht, jedes Wochenende, die Ferien.- Wir haben dich 
wirklich gerne bei uns gehabt."
Toshi nickte. "Ja, aber ich bereue nicht, nach Tokio gegangen zu sein."
"Das wundert mich nicht, bei dem süßen Käfer, den du dir geangelt hast."
Toshi sah den alten Mann verwundert an, doch der antwortete nicht und zog 
seine Mundwinkel noch höher.
"Sag mal steht steht mir das ins Gesicht geschrieben, das ich geheiratet 
habe, oder was, du alter Bär du?"
"Alter Bär, wie lange hat das schon keiner mehr zu mir gesagt." seufzte der 
Alte und zeigte in die Richtung in der Hitomi stand. "Der Junge da hinten 
bei deiner Frau ist mein neuer Schüler. Nicht so ein Talent, wie mein 
Letzter, aber der hat mich ja verlassen, um in die Großstadt zu gehen."
"Fang bitte nicht wieder damit an." sagte Toshi. "Ich habe dir doch oft 
genug erklärt warum ich gegangen bin."
"Aber ich verstehe es nicht. Du warst gut, verdammt gut."
"Es gab keinen Weg, alles unter einen Hut zu bringen.- Ich habe es doch 
versucht."
Der alte Mann nickte wortlos. "Er hat lange gebraucht, dich zu vergessen." 
sagte er und sah zu dem Rudel Huskies, die angespannt waren.
"Du hast ihn noch? - Ich dachte du hättest ihn schon längst verkauft."
"Ja, nach deinem Sieg im Neujahrsrennen 1982 gab es Angebote zu Hauf.- Aber 
so lange ich noch die Hoffung hege, das mein Champion eines Tages 
zurückkehrt, werde ich deinen Joe doch nicht verkaufen."
Toshi strafte den Alten mit bösen Blicken.
"Sag mal, was machst du eigentlich hier? - Du bist doch noch nie außerhalb 
von Japan gestartet."
Der Alte sah seinen Schüler mit funkelnden Augen an. "Es ist viel passiert, 
seit dem du gegangen bist.- Ich habe mittlerweile einen Ruf als Züchter und 
da kann ich es mir nicht leisten bei so einem Rennen zu fehlen."
"Auch den Yukon-Quest?" fragte Toshi.
Der alte Mann nickte. "Ja, das Rennen der Rennen werden wir auch 
bestreiten. Obwohl ich glaube, das wir noch keine Chance haben. Dem Jungen 
fehlt einfach die Erfahrung, die ein gewisser Detektiv hätte."
Toshi lachte. "Du gibst es auch nicht auf, oder ? Aber du kannst mich 
schlagen, treten, an den Ohren ziehen oder sonstwas, ich werde nicht mehr 
fahren."
"Ach, Toshi. Laß doch einem alten Mann seine Träume."
"Träume sind ..." Toshi stockte. Zwei Männer hatten begonnen systematisch 
den Marktplatz zu durchkämmen. Sie waren ihm aufgefallen, weil sie den 
gleichen weißen Schneeanzug und die gleiche dunkle Sonnenbrille trugen. 
Sofort rief sich Toshi die Bilder vom Morgen wieder ins Gedächtnis.- Ja, er 
war sicher.- Das waren die selben Männer, die ihnen am Morgen mit dem Wagen 
auf der Bergstraße entgegen gekommen waren. - Und irgendwie glaubte er zu 
ahnen, wen sie suchten...
"Was ist Champ?" fragte der Alte.
"Bleib hier. " gab der Detektiv einem Befehl gleich zurück und nahm den 
frisch eingegossenen Becher Punsch, den er sich sein Freund gerade bestellt 
hatte.

Hitomi war verwirrt. Der alte Kauz, dem dieser Schlitten hier scheinbar 
gehörte, hatte sie mit weit aufgerissenen Augen angestarrt, als sie sich 
vorgestellt hatte. Sein Blick war hektisch umhergegangen und sein alter 
ausgemergelter Körper war zu neuem Leben erwacht, als er Toshi schließlich 
erblickt hatte. Nun standen die beiden dort schon eine ganze Weile an 
diesem Stand und redeten, als ob sie sich schon seit Jahren kannten. Der 
junge Schlittenführer neben ihr begann nun sein Gefährt für den Start 
vorzubereiten und sie verabschiedete sich von ihm um langsam zu ihrem Mann 
hinüber zu gehen. Sie machte einige Schritte, doch dann blieb sie stehen. 
Sie spürte den Lauf einer Pistole in ihrem Rücken und ahnte, daß sie in 
großen Schwierigkeiten war.
"Ganz ruhig, Fräulein Hitomi. Oder sollte ich Katzenauge sagen." flüsterte 
ihr eine rauhe Männerstimme ins Ohr. "Es gibt da einige Leute, die sie 
gerne sprechen würden. Folgen sie mir jetzt bitte."
Hitomi zögerte der unmißverständlichen Aufforderung nachzukommen.
"Machen sie keine Schwierigkeiten." drohte der Mann. "Kommen sie einfach 
mit." fügte er hinzu und um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, bohrte 
er seine Pistole noch fester in ihren Rücken.
Hitomi schätzte ihre Lage hoffnungslos ein und sie wollte sich schon 
geschlagen geben, als ihr Mann plötzlich vor ihr stand. Wie ein Geist war 
er aus der Menge aufgetaucht und hielt einen Becher in der Hand.
"Hier ist dein heißer Punsch."
Ein Gedanke durchzuckte Hitomi- hoffentlich war es der Richtige. 
Blitzschnell nahm sie den Kopf zur Seite und der heiße Inhalt des Bechers 
landete im Gesicht des Fremden. Der Angreifer schlug die Hände vor das 
Gesicht und schrie kurz auf, doch noch bevor er sich erholt hatte, schickte 
Hitomi ihn mit einem kurzen Schlag in den Magen und einer gekonnten 
Handkante in den Schnee. Die junge Frau pustete erleichtert. 'So weit- so 
gut' dachte sie. Dennoch hatte das Ganze auch einen Haken. Der Trubel und 
das Raunen der umhersteheden Passanten hatte natürlich auch die 
Aufmerksamkeit des anderen Verfolgers geweckt. Und der bahnte sich nun 
unaufhaltsam seinen Weg durch die gaffende Menge. Noch einmal würde solch 
ein plumper Trick nicht funktionieren. Das wußte auch Toshi und so 
entschied er sich für die Flucht nach vorn. Der Hundeschlitten um den herum 
sie standen schien der einzige Weg... 
Toshi stieß einen merkwürdigen Pfiff aus und ein Paar verschiedenfarbiger 
Hundeaugen sah ihn fragend an. Das grau-weiß gescheckte Tier am Kopf des 
Gespannes zögerte und grummelte leise, doch dann schien es sich irgendwie 
zu erinnern. Hitomi sah ihren Mann an. Ihr Ausdruck war eine Mischung aus 
Liebe, Unverständnis und Furcht.- 'Mein Gott, sie sieht so süß aus.- 
Entschuldigung.' dachte Toshi und stieß seine Frau rüde in den Schlitten.
"Festhalten" herrschte er und schob das Gespann an.
Ein Blick über seine Schulter ließ ihn das breite Lachen auf dem Gesicht 
seines alten Lehrers sehen.
"Zeig's ihnen Champ!" rief er ihnen laut hinterher und hob siegessicher die 
Faust. Toshi nickte. 
Immer schneller liefen die Hunde durch den Ort und Besucher sprangen 
kreischend bei Seite. Es brauchte nicht viele Worte um ein Gespann zu 
lenken, besonders dann nicht wenn es sein Hund war, der führte.- Der Hund, 
den er schon als Welpen kannte. Es war, als wäre ein Teil von ihm 
gestorben, als er dieses Tier zurücklassen mußte. Aber er war sicher, das 
die Großstadt nicht der richtige Ort für solch einen Hund war.
"Ich nehme an, du kannst mit diesem Teil hier umgehen ?" fragte Hitomi und 
schmiegte sich ein wenig ängstlich in den Sitz. 
Toshi lächelte. "Bist du als Kind früher nie Schlitten gefahren?"
"Toll, dann bist du ja ein Profi.- Das ist eine dämliche Idee, weißt du 
das!" schimpfte Hitomi.
"Das stört mich nicht." meinte Toshi gelassen und das Grinsen auf seinem 
Gesicht wurde noch etwas breiter.- Er war nicht solch ein Multitalent wie 
seine Frau, doch wenn es etwas gab, wo er ganz gut war, dann dies hier. Es 
war wie Fahrrad fahren.- Man verlernte es nicht,- zumindest so lange das 
Fahhrad einen noch erkannte..
Inzwischen hatten sie das Dorf hinter sich gelassen und sie fuhren entlang 
des Parcours, der für das Rennen ausgeschildert war.
Toshi blickte sich um. Zunächst schien ihnen noch keiner zu folgen.
Dennoch nahm er die Hunde nicht zurück. Immer tiefer führte der Weg in den 
Wald und immer steiler ging es hinauf. Die Tiere mühten sich und immer 
wieder stieg Toshi ab und schob mit an.
"Die geben bestimmt nicht so leicht auf !" prophezeite er gerade noch, da 
waren bereits Motorengeräusche zu hören.
Hitomi lehnte sich aus dem Sitz und sah zurück. Ein bewaffneter Mann auf 
einem Schneemobil verfolgte sie und es war nur noch eine Frage von Minuten, 
bis er soweit herangekommen wäre, daß er das Feuer eröffnen würde. 
"Und was nun, Superdetektiv ? Der ist bewaffnet und wir haben noch nicht 
mal eine Steinschleuder." meckerte Hitomi. "Willst du ihn mit Schneebällen 
bewerfen?"
"Weisst du, Hitomi." entgegnete Toshi gelassen. "Wenn du dich mit jemandem 
anlegst, dann sorge dafür, daß du einen entscheidenden Vorteil hast. Er hat 
vielleicht ein Gewehr und seine Maschine mag etwas schneller sein, als 
unser Schlitten, aber wir sind wendiger und wir haben die Hunde."
"Schön. Laß es dir von den Hunden auf unseren Grabstein ritzen. 'Sie wurden 
erschoßen, aber sie waren wendiger. WUFF'"
"Sieh mal nicht so schwarz, Schatz." 
Immer wieder blickte Hitomi ängstlich zurück. Toshi war inzwischen in 
zerklüftetes Gelände vorgestoßen. Felsbrocken, unbedeckt von Schnee, lagen 
verstreut umher und sie bewunderte ihren Mann, wie er gekonnt zwischen 
ihnen hindurch manövrierte. Sie waren weit abseits der Pisten und überall 
lauerten Klippen und Abbruchkanten, wo es Meter tief hinunter ging. Hitomi 
erschrak. Der Klang von Gewehrschüssen gesellte sich zu dem vertraut 
gewordenen Grollen des Schneemobils. Toshi duckte sich instinktiv und sah 
nach hinten.
"Er kommt schnell näher." meinte er und als ob die Hunde ihn verstanden 
hätten gaben sie ihr Äußertes im hohen Pulverschnee noch schneller voran zu 
kommen. Immer teifer sanken ihre Pfoten und die Kufen des Schlittens ein.
"Zeit für die Jagd am Abgrund." murmelte Toshi und seine Frau sah ihn 
überrascht an.
"Du willst doch nicht...." fragte sie, doch der Ausdruck auf dem Gesicht 
ihres Mannes war Antwort genug. Die Art, wie seine Augen starr den Weg vor 
ihnen fixierten,- Das konnte nur Eines bedeuten.- Und tatsächlich...
Links und rechts begrenzt von Geröll riß weniger als 500m vor ihnen die 
Schneedecke des Weges auf. Es war eine Klippe. Ein Abhang, der vielleicht 
hunderte Meter steil in die Tiefe führte. Und sie fuhren genau darauf zu.
"TOSHI, TOSHI ! PASS AUF ! DA IST EINE KLIPPE ! TOOSHIII !" schrie Hitomi 
hysterisch, doch in diesem Moment war ihr Mann die Ruhe in Person. 
"Ich weiß." antwortete er gelassen.
"Was hast du vor ?" 
"Siehst du den Felsbrocken vor uns ? Dahinter springst du ab. Den Rest 
mache ich."
Hitomi nickte und Toshi lenkte das Gefährt nahe an das Hindernis heran.
"Jetzt !" rief er und seine Frau rollte sich aus dem Sitz. Sie hob den Kopf 
und sah die Scheinwerfer des Schneemobils genau auf sich zu rasen. Ein 
gewagter Hechtsprung brachte sie gerade noch rechtzeitig in Sicherheit.
Der Angreifer blickte ihr nach. Vielleicht bewunderte er ihren Mut. Wie 
auch immer es war ein Fehler gewesen. Denn im knietiefen Schnee hatte Toshi 
den Schlitten quer zum Hang umkippen lassen. Und auf das, was nun wie eine 
Sprungschanze vor ihm lag, raste der Verfolger ungebremst zu. In hohem 
Bogen schoß der Fremde samt Fahrzeug über den Rand der Klippe hinaus um 
schließlich schreiend in den Abgrund zu stürzen, wo er beim Aufprall 
zusammen mit seinem Motorschlitten in einem Feuerball unterging.
Noch ein wenig benommen rappelte Hitomi sich hoch und trat vorsichtig zu 
ihrem Mann an die Abbruchkante. 
"Mal was anderes: Schneemobilspringen... " meinte Toshi leise zu seiner 
Frau und Erleichterung machte sich auf seinem Gesicht breit, als er 
beobachtete wie dutzende Meter tiefer das Wrack des Schneemobils langsam 
ausbrannte.
Hitomi jedoch wandte erschrocken den Kopf ab. 
"Es tut mir leid, Hitomi. Ich hatte keine Wahl." sagte Toshi leise und 
herzte seine Frau, die auch sofort ihr trauriges Gesicht in seinem dicken 
Mantel vergrub. 
"Ich weiß. Es ist nicht deine Schuld. Wenn er uns erwischt hätte, dann 
hätte er uns auch getötet. Es ist nur... Es ist Weihnachten."
Toshi fuhr ihr zärtlich durchs Haar. "Wenn ich Eines gelernt habe dann, das 
Verbrechen davor auch nicht Halt macht." sagte er weise. "Komm jetzt, 
Kätzchen. Wir müssen weg hier. Der Andere der Beiden sucht bestimmt schon 
nach uns. "
"Ich wußte gar nicht, daß du dich mit Hundeschlitten auskennst!"
"Du mußt ja auch nicht alles wissen."
"Du warst nicht schlecht! Danke, Detektiv." lobte Hitomi und küßte ihrem 
Mann auf die Wange.
"Ex - Detektiv, bitte." grinste er verlegen und stapfte hinüber zu den 
Schlittenhunden, die sich inzwischen in den Schnee gelegt hatten.

Auf dem Weg zurück ins Dorf waren beide glücklich, daß dieses Abenteuer so 
gut zu Ende gegangen war. Dennoch ging ihnen das Geschehene nicht aus dem 
Kopf. 
"Du, sag' mal Toshi. Woher wußtest du eigentlich, daß dieser Mann auf dem 
Marktplatz mich bedrohte ?"
"Ich habe die beiden wiedererkannt. Es waren die gleichen Männer, die uns 
heute morgen entgegen kamen, als wir hinunter ins Dorf gingen." Er machte 
eine gedankenschwere Pause.- "Aber ich frage mich, warum sie uns nicht 
schon heute morgen kassiert haben. Einsame Bergstraße, keine Zeugen,- das 
wäre der perfekte Zeitpunkt gewesen."
"Ich denke, ich weiß, warum: Er kannte mein Geheimnis."
Toshi blickte fragend.
"Ja, als der Typ mich bedrohte, da nannte er mich Fräulein Hitomi und 
Katzenauge. Ich bin sicher, daß es ihnen nicht um unsere Entführung ging. 
Sie suchten etwas, das mit Vaters Sammlung zu tun hat und erst als sie es 
nicht gefunden haben, da wollten sie uns."
"Wenn das stimmt, und sie tatsächlich nach dem Suchen, wovon ich denke, daß 
sie danach suchen, dann ..."
"Ja, du hast recht, Toshi. Wir müssen die Weihnachtsplatte unbedingt in 
Sicherheit bringen und ihr Geheimnis lüften."
"Also dann, auf zur Hütte !" .....



5. Eine schöne Bescherung

Der Rückweg zur Hütte dauerte etwas länger, denn Toshi nahm bewußt Umwege 
in Kauf, die durch Wälder führten und abseits großer Pisten verliefen. Er 
war sich nämlich nicht sicher, ob man nicht vielleicht noch immer nach 
ihnen suchte.
Und das war auch der Grund, warum sie den Hundeschlitten im Schutz des 
kleinen Tannenwäldchens anhielten, das ungefähr hundert Meter von ihrer 
Berghütte entfernt war. Von dort aus beobachteten sie zunächst eine ganze 
Zeit lang ihre Hütte. Es schien, als ob in allen Zimmern das Licht brannte, 
aber sie waren sicher, daß sie am Morgen alle Lampen gelöscht hatten, bevor 
sie hinunter ins Dorf gegangen waren. Nach einer Weile schlichen sie 
schließlich vorsichtig im Schutze der einbrechenden Dunkelheit näher heran.
"Das ist bestimmt keine Einladung zur Weihnachtsfeier." murmelte Hitomi und 
zeigte auf offene Eingangstüre. Toshi nickte zustimmend und sah durch eines 
der Fenster hinein. Doch das, was er da sah machte ihm klar, das sie keine 
Angst zu haben brauchten den Tätern in die Finger zu laufen. Sie waren zu 
spät. Es war bereits alles geschehen.
Als sie die Hütte betraten bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. 
Schränke, Schubladen, Geschenkpakete, Koffer, einfach alles war durchwühlt 
worden und der Inhalt lag verstreut auf dem Boden. Sogar den Weihnachtsbaum 
hatte man zerstückelt. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Beiden ein 
wenig Ordnung in das Chaos gebracht hatten, doch zu guter letzt fand Hitomi 
sie: Die Platte mit den Weihnachtsgrüssen ihres Vaters.
"Toshi, hier ist sie! Sie haben sie übersehen!" rief sie ihrem Mann zu, der 
auch sofort zu ihr in das Wohnzimmer stürzte. Doch da klingelte das 
Telefon. Hitomi hob den Hörer ab. "Utzumi hier."
"Guten Tag Frau Hitomi." antwortete eine distinguierte tiefe Männerstimme 
am anderen Ende der Leitung. "Hier ist Herr Nageischi, könnte ich bitte 
Fräulein Nami sprechen."
Hitomi stutzte. "Aber Herr Nageischi,- Nami und Love sind doch auf dem Weg 
zu ihnen nach Paris. Sie haben doch heute morgen angerufen und um ein 
Treffen mit meinen Schwestern gebeten."
Der Anrufer schien verwirrt, denn einen Augenblick lang war kein Wort zu 
hören. "Dann ist es schlimmer als ich dachte." antwortete er schließlich 
und seine Stimme klang sehr beunruhigt. "Es ist etwas Schreckliches 
passiert. Die Sammlung ihres Vaters ist aus dem Lagerhaus gestohlen worden 
und ihre Doppelgänger, die das Lokal in ihrer Abwesenheit führen sollten 
sind auch verschwunden."
"Wir haben auch Besuch bekommen." antwortete Hitomi mit Sorgenfalten auf 
dem Gesicht.- "Sie haben die Hütte durchsucht und heute nachmittag hat man 
versucht mich zu entführen. "
"Bitte passen sie auf sich auf. Ich bin zur Zeit noch in Japan, aber ich 
werde sofort zu ihnen kommen. Wir treffen uns in Paris, aber bis dahin 
vermeiden sie möglichst jeglichen Kontakt mit Menschen. Wir können keinem 
mehr trauen."
"Ja, vielen Dank. Und bitte passen sie auch auf sich auf."
Mit einem verstörten Blick legte die junge Frau den Hörer auf.
Toshi sah sie aus großen Augen an.
"Was war denn ?" fragte er neugierig.
"Die Sammlung unseres Vaters ist aus dem Lagerhaus gestohlen worden und 
unsere Doppelgänger aus dem Café haben sich aus dem Staub gemacht." 
berichtete Hitomi. "Aber das Merkwürdigste ist, Herr Nageischi wußte 
scheinbar nichts davon, daß er heute morgen hier angerufen und um ein 
Treffen gebeten hat. Er erwartet uns in Paris."
"Aber wenn er es nicht war, dann..." doch Toshi wollte diesen Gedanken gar 
nicht zu Ende denken. "Eines steht fest." meinte er schließlich. "Deine 
Schwestern sind in Gefahr."
Hitomi stimmte zu und starrte traurig hinaus in die hereinbrechende 
Dunkelheit. "Hoffentlich geht es ihnen gut..." seufzte sie sorgenvoll.
"Sie sind kluge Frauen. Sie schaffen das schon." beruhigte Toshi seine Frau 
und er wollte sie gerade in den Arm nehmen und kuscheln, als es plötzlich 
heftig an der Haustüre klopfte.
Eine Frauenstimme drang an ihre Ohren.
"Madame Hitomi, Madame Hitomi. Machen Sie bitte auf! Es ist dringend ! Es 
geht um ihre Schwestern ! Es ist etwas Schreckliches passiert !"
Hitomi erschrak - Schwestern ? Etwas Schreckliches passiert? Gedankenlos 
wollte sie sofort zur Türe eilen, doch Toshi hielt sie zurück.
"Falle." sagte er und bedeutete er seiner Frau zurück zu bleiben. 
Er öffnete die Türe zuerst nur einen Spalt weit. Doch dann, als er zu guter 
Letzt im Dämmerlicht die Silhouette einer rundlichen alten Dame sah, da bat 
er sie hinein. "Ah, Madame Robert. So spät noch hierher unterwegs?"
"Ich habe ihnen etwas Wichtiges zu zeigen." antwortete die Frau des 
Bistrobesitzers und reichte Hitomi die Seite einer Zeitung. "Das ist die 
heutige Abendzeitung. Da steht etwas von ihren Schwestern."
Hitomis Augen flogen über das graue Papier und mit einem Mal schrie sie 
auf. Starr vor Entsetzen sah sie ihren Mann mir leeren Augen an. Das Papier 
in ihren Händen fiel wie ein Blatt im Herbst zu Boden.
"Sie sind tot."....

Als sie die Augen aufschlug blickte sie in eine Hundefratze. Doch auch das 
Tier schien so erschrocken, das es sofort von der Sitzcouch heruntersprang 
und in die Küche lief. 
"Was ist los Junge? Ist Frauchen wach?" hörte sie Toshis Stimme und sie 
rang sich ein Lächeln ab.
'Ach, Toshi, als könne der Hund antworten.' dachte sie noch, doch als sie 
das Zeitungsblatt auf dem Tisch sah, stiegen ihr sofort wieder Tränen in 
die Augen. "Warum nur, Schwestern!" rief sie mit tränenerstickter Stimme.
Toshi kam herein und setzte sich zu ihr. Wortlos strich er ihr eine 
verirrte Strähne uas dem Gesicht.
"Was ist passiert? Warum liege ich hier?"
Toshi blickte tief in die verweinten Augen seiner Frau. "Du bist ohnmächtig 
geworden." sagte er und griff ihre Hand. "Ich weiß, daß es schrecklich für 
dich sein muß. Aber ich denke, das Nami und Love noch leben. Ich werde mit 
dem Hundeschlitten hinfahren und mir die Toten ansehen."
Hitomi blickte ihn aus leeren Augen an. "Ich komme mit."
"Du mußt nicht mitkommen, wenn du nicht willst. Ich verstehe das."
Hitomi winkte ab.
"Ich will mit dabei sein. Und außerdem, wenn deine Vermutung stimmt, dann 
ist es eine Falle und du wirst du mich brauchen. Ich komme mit." sagte sie 
bestimmt.
Toshi küßte sie auf die Stirn. "Danke, Schatz."

Es schneite, doch die Hunde waren nicht vom Weg abzubringen. Die ganze Zeit 
über war Hitomi schrecklich bedrückt. Die Fotos in der Zeitung und der 
Bericht, den sie inzwischen schon hunderte Male gelesen hatte, waren so 
endgültig aber dennoch hoffte sie immer wieder, daß ihr Toshi recht hatte. 
Vielleicht waren das wirklich nicht ihre Schwestern. Warum hätte Nami eine 
solche vereiste Nebenstrasse nehmen sollen, wenn der schneefreie Bergpaß 
nur wenige Kilometer entfernt verlief.
Bereits eine Stunde waren sie unterwegs, als die Lichter einer Stadt vor 
ihnen auftauchten. Das Kreiskrankenhaus war ein riesiger Betonklotz etwas 
abgelegen von der Stadt und schon von Weitem sichtbar. Direkt vor dem 
Krankenhaus war ein großer Parkplatz, an dessen eine Seite ein Nadelwald 
grenzte. Toshi fand, daß der Wald genau der richtige Ort war, um den 
Schlitten zu parken und sich ungesehen dem Krankenhaus zu nähern.
Die Nacht war kalt und dunkel. Hitomi hörte eine Turmuhr Acht schlagen und 
die Gegend schien wie ausgestorben. 
Unauffällig traten die Beiden aus dem Schutze der Bäume hinaus auf den 
Parkplatz und langsam aber dennoch entschlossenen Schrittes gingen sie auf 
das Hauptportal zu.- Ja, sie waren hier - die Männer, denen sie noch vor 
Stunden nur mit äußerster Not entkommen waren - denn dort stand ihr Wagen. 
Der Wagen, in dem Toshi sie am Morgen zum ersten Mal gesehen hatte. Dennoch 
blieb immer noch die Ungewißheit, ob die beiden toten Frauen nicht 
vielleicht doch ihre Schwestern waren.

Ein Gang, lang und breit, erstreckte sich vor ihnen. Der Arzt, dem sie 
folgten, hatte sie in der Eingangshalle abgeholt, nachdem sie den Grund 
ihres Kommens erklärt hatten. Toshi hatte kein Wort von der Unterhaltung 
zwischen seiner Frau und dem Mediziner verstanden. Aber Hitomi hatte 
mehrmals die Stirn kraus gezogen und das allein reichte, ihn stutzig zu 
machen. Sie mußten immer noch im Erdgeschoß sein. Toshi überlegte. Er 
stellte sich den Weg, den sie eingeschlagen hatten bildlich vor. Hitomi war 
in solchen Dingen sehr viel besser als er, doch auf sie konnte er sich in 
ihrer jetzigen Verfassung nicht verlassen. Am Ende des Ganges war eine 
Türe. Die Schrift auf dem Schild darüber konnte Toshi nicht lesen, doch das 
Piktogramm bedeutete Fluchtweg. Dort mußte es hinaus auf den Parkplatz 
gehen. - Vielleicht der einzige Weg zu entkommen.
Sie verließen den Flur und betraten die Leichenalle. Es war kühl und 
Totenbahren standen aufgereiht herum, die meisten davon leer. Nur auf 
Zweien befanden sich Körper, die mit einem Laken abgedeckt waren. 
Mit unbewegter Miene deckte der Arzt die beiden Leichen auf. Hitomi blickte 
in die Gesichter der Toten und brach ohnmächtig zusammen. Toshi konnte sie 
gerade noch auffangen und legte sie nun vorsichtig auf den Boden. Er wollte 
den Arzt noch bitten ihm zu helfen, doch der war bereits klammheimlich aus 
dem Raum verschwunden. 
"Hitomi, Hitomi. Aufwachen !"
Die junge Frau setzte sich auf und schüttelte benommen den Kopf.
"Der Arzt ist weg. Das ist eine Falle." rief Toshi und rannte zur Türe. Ein 
kurzer Blick durch die kleine eingelassene Scheibe zeigte ihm, daß 
mittlerweile ein Mann im Gang Stellung bezogen hatte. Die unauffällige 
Ausbuchtung seines noch unauffälligeren beigen Trenchcoats konnte nur Eines 
bedeuten. "Grossartig, hier kommen wir nicht raus."
Aufgeregt begann er nach Fluchtwegen zu suchen.
Auch Hitomi sah sich um. "Laß uns Doktor spielen." sagte sie kühl und 
begann die Säcke mit benutzter Wäsche zu durchsuchen, die überall 
herumstanden....

Sie schob noch ihren Mundschutz zurecht, als ein Geräusch die Person im 
blauen OP-Kittel aufmerken ließ. Von wo sie stand konnte sie durch die 
kleine Glasscheibe in der Türe genau in die angrenzende Leichenhalle sehen. 
Dort drüben waren drei Männer mit automatischen Gewehren hereingestürmt. 
Hektisch schauten sie umher, um schließlich wütend den Arzt anzuschreien, 
der ihnen in das Zimmer folgte. Einer der bewaffneten Männer blickte 
herüber. Ihre Blicke trafen sich, doch sofort wandte sie sich wieder ihrer 
Arbeit zu. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, wie er näher an die 
Türe herantrat und mißtrauisch durch das eingelassene Fenster 
hereinblickte. Sie blickte auf die blutverschmierte Männerleiche vor sich.
"Das wäre die Gelegenheit.- Wie wär's ? Einmal kastrieren?" flüsterte sie 
unter ihrer Maske und die Leiche auf dem Tisch mußte sich gewaltig 
zusammenreißen nicht zu lachen.
"Bring' dich nicht um deine Freude." zischte der Tote schließlich durch die 
zusammengebissen Zähne ohne merklich auch nur einen Muskel zu bewegen.
Das Gesicht des Pathologen erhellte sich. "Keine Angst. In unserer Familie 
durfte ich auch immer den Truthahn tranchieren." sagte er und griff zum 
Skalpell. Er deutete den Schnitt nur an und drückte zugleich mit der 
anderen Hand eine blutgetränkte Kompresse aus, so daß es aussah als hätte 
er gerade das empfindlichste Köperteil dieser Leiche entfernt. Mit 
spitzbübischem Lächeln auf dem Gesicht sah er, wie sich der bewaffnete 
Zuschauer vor der Türe entsetzt abwendete. 
"Gut so ?" 
Die Leiche auf dem Tisch hob erleichtert die Mundwinkel. "Hunh.." brachte 
sie hervor.
Hitomi atmete auf und nahm die Maske vom Gesicht. Die Fremden waren aus der 
Leichenhalle verschwunden. Zunächst waren sie in Sicherheit. "Na habe ich 
dich enttäuscht?" fragte sie ihren Mann, der etwas unbeholfen vom 
Siziertisch herunter kletterte.
"Niemals." lachte er und begann sich anzuziehen.
Die beiden beeilten sich gehörig, wieder ihre Straßenkleidung anzulegen. 
Sie wußten, daß ihr Schauspiel irgendwann auffliegen würde und es wäre 
sicherlich besser, wenn sie dann bereits das Krankenhaus verlassen hätten.
Dennoch gab es vorher noch eine Sache zu klären.
Hitomi wollte nicht gehen, ohne noch einmal ihre toten Schwestern 
anzusehen.
Gefaßter als zuvor trat sie wieder an die Bahren mit den leblosen Körpern 
ihrer Schwestern darauf. Doch plötzlich weckte eine Kleinigkeit ihre 
Aufmerksamkeit.
"Komm laß uns gehen, Toshi. Das sind nicht meine Schwestern. Das sind die 
Doppelgänger." sagte sie und ging zur Türe.
Toshi nickte einverständig. "Dann hast du es also auch bemerkt."
Die Beiden traten auf den Gang hinaus. Sofort hörten sie auch schon Rufe, 
die sie zum Stehenbleiben aufforderten. Ungeachtet dessen rannten sie zum 
Ende des Ganges. Durch den Notausgang gelangten sie auf den Parkplatz, doch 
sicher waren sie noch lange nicht. Von allen Seiten näherten sich bereits 
bewaffnete Männer. Sie hatten wohl den Befehl sie lebend zu fassen, doch 
darauf wollte Toshi sich jetzt nicht verlassen.
Immer wieder pfiff er laut und schrill durch seine zusammengepreßten 
Lippen, während er mit seiner Frau an der Hand auf das Tannenwäldchen neben 
dem Parkplatz zu rannte. 
Hundegebell erschallte und ihr Hundegespann samt Schlitten erschien am 
Waldrand. Mit letzter Kraft erreichte Hitomi den Schlitten und warf sich 
hinein. Toshi sprang auf und schob mit an.- Zurück in den Schutz der Bäume. 
Schüsse hallten durch die Nacht, doch sie hatten die Verfolger bereits zu 
weit hinter sich gelassen, als daß Kugeln ihnen hätten etwas antun können.

Sie fuhren nun schon ein ganze Weile und langsam wurde es unwahrscheinlich, 
daß man ihnen in dieser Dunkelheit folgen würde.
"Sag' mal, woran hast du es bemerkt, Hitomi ?" 
"Das es nicht meine Schwestern sind?- Namis Fingernägel. Sie waren 
angeklebt und viel zu lang. Und was Love betrifft, so trug diese dort 
gefärbte Kontaktlinsen um ihre wahre Augenfarbe zu verdecken." erklärte 
Hitomi und man hörte an ihrer Stimme wie überglücklich sie war. "Woran hast 
du es denn bemerkt, Toshilein ?"
Toshi grinste verlegen. "Bei Nami war ich mir nicht ganz sicher. Immerhin 
kenne ich deine ältere Schwester nicht so gut. Aber was Love betrifft, da 
war ich schon stutzig, als ich das Foto in der Zeitung sah.- Als ich dich 
kennenlernte trug Love ein Zahnspange."
Hitomi nickte. "Daran erinnerst du dich ?"
"Ja.- Aber die Love auf dem Foto hatte krumme Zähne. Und als ich die 
Leiche sah, fiel mir sofort der fehlende Bluterguss unter dem Fingernagel 
des Ringfingers ihrer linken Hand auf. Ich war selbst dabei, als sie sich 
bei unserem letzten Einkaufsbummel durch Tokio den Finger in der Türe eures 
Wagens geklemmt hat."
"Du erstaunst mich immer wieder, Toshi." lobte Hitomi. "Das war mir gar 
nicht aufgefallen. Ich glaube, aus dir wird wirklich noch 'mal ein guter 
Detektiv."
Toshi lachte.- "Ja ein arbeitsloser Detektiv, der Diebinnen im 
Hundeschlitten umher kutschiert." meinte er und klopfte Hitomi vorsichtig 
und unwahrscheinlich liebevoll mit der Faust auf den Kopf, worauf sie ihm 
neckisch ihre Zunge herausstreckte.
Die Angespanntheit auf ihren Gesichtern war einem zuversichtlichen, 
glücklichen Lächeln gewichen. Sie wußten, daß Nami und Love noch lebten. 
Aber die Sorge um den Verbleib und das Wohlergehen der Beiden blieb 
bestehen und irgendwie war die Ungewißheit jetzt stärker als zuvor.
"Jetzt, wo sicher ist, daß unsere Doppelgänger ihre Finger im Spiel haben, 
ist auch Herr Nageischi in Gefahr." meinte Hitomi schließlich sorgenvoll.
"Ja, ich fürchte wir können und nur noch auf uns selbst verlassen." 
pflichtete Toshi bei. 
"Und was willst du jetzt tun, Toshi."
"Wir müssen sofort zurück ins Bistro und die Platte entschlüsseln. Und dann 
sollten wir versuchen Herrn Nageischi zu warnen."
"Dann brauchen wir aber auch ein Auto. Mit dem Hundeschlitten werden wir 
wohl kaum bis nach Paris kommen."
"Ja, vielleicht können wir uns im Dorf Eines leihen. Aber wir müssen 
äußerst vorsichtig sein. Diese Typen sind scheinbar mit allen Wassern 
gewaschen und schrecken sogar vor Mord nicht zurück."



6. Die zwei Seiten der Wahrheit

Als Toshi den Schlitten über die Hänge und durch die Wäldchen lenkte, die 
zwischen der Kreisstadt und ihrer beschaulichen Berghütte lagen, da fragte 
sich Hitomi immer wieder, wer diese Männer waren, die ihnen hinterher 
jagten. Es mußte eine große Organisation sein.

Es war kurz vor Zehn Uhr als der Hundeschlitten an der Berghütte hielt. 
Hitomi war klar, daß sie sich nun von ihrer Winteridylle verabschieden 
mußte. Sie konnten nicht mehr in der Hütte bleiben, denn dort würde man als 
Erstes nach ihnen suchen. In aller Eile packten sie die wichtigsten Sachen 
und fuhren hinunter ins Dorf. Ihnen beiden war klar, daß wohl nun der 
wichtigste Teil ihrer Reise begann. Sie waren ganz allein gegen den Rest 
der Welt unterwegs in Ländern die ihnen fremd und feindselig anmuteten.

Lautlos zogen die Hunde den Schlitten durch den malerischen Ort am Fuße des 
Berges. Alles war wie ausgestorben. Die Straßen waren von neuem Schnee 
bedeckt und alles schien so friedlich. Kaum zu glauben, daß hier vor 
wenigen Stunden eine Jagd begonnen hatte, die etwas in Gang gebracht hatte, 
das im Begriff war ihr ganzes Leben zu verändern.
Toshi stoppte den Hundeschliten hinter dem Bistro der Familie Robert. Das 
Lokal war Dunkel und nur im Wohnbereich auf der ersten Etage waren noch 
Zimmer erleuchtet. Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Ein Garagentor 
einige Meter weiter öffnete sich wie von Geisterhand und heraus trat Madame 
Yakko Robert. Aufgeregt winkte sie ihnen zu. 
"Schnell, hier rein." rief sie mit gedämpfter Stimme und ohne Zögern lenkte 
Toshi den Schlitten mitsamt Hunden in die geräumige und leere Garage.
Mit leisem Surren eines Elektromotors schloß sich das Tor langsam hinter 
ihnen und bot Schutz vor neugierigen Blicken.
"Gott sei Dank. Sie leben noch." sagte die alte Dame erleichtert. "Wir 
haben sie schon erwartet. Fremde suchen immer noch die ganze Gegend nach 
ihnen ab."
Toshi grinste wissend. "Das haben wir bemerkt---"

Hitomi genoß die Nähe ihres Mannes. Die ganze Zeit über hatte sie die Kälte 
nicht bemerkt. Wahrscheinlich weil sie so damit beschäftigt gewesen war 
ihre Haut zu retten. Doch jetzt, wo sie zusammen im warmen Wohnzimmer der 
Familie Robert saßen, begannen die Strapazen ihren Tribut zu fordern. Immer 
wieder war sie für einige Sekunden eingenickt, während Toshi ihren Freunden 
von den Erlebnissen der letzten Stunden erzählte.
"Und der Unfall war gestellt?"
Toshi nickte und schlürfte genüßlich seinen heißen Kaffee "Ja, so war es, 
Monsieur Robert.- Sie haben uns im Krankenhaus aufgelauert." erklärte er. 
"Und das auf den Fotos waren Doppelgänger"
Das Ehepaar Robert sah sich verwundert an. "Warum ?"
"Die Schwestern haben eine Schallplatte ihres Vaters. Wir nehmen an, das 
dort geheime Botschaften aufgezeichnet sind."
"Was für Botschaften ?"
Toshi senkte bedächtig den Kopf. "Das wissen wir leider noch nicht.- Wir 
dachten sie würden uns helfen."
"Aber sicher doch." erwiderte Monsieur Robert. "Sagen sie mir nur womit ich 
ihnen helfen kann."
Toshi grinste und hielt auffordernd die Kaffeetasse hin. "Ein weiterer 
Kaffee würde schon helfen. Ich denke es wird eine lange Nacht."

Eine sanfte Stimme weckte Hitomi. "Kätzchen, aufstehen." wiederholte die 
Stimme immer wieder, so lange bis sie ihre Augen öffnete. Es war Toshi und 
er sah sehr müde aus. "Wir haben etwas." sagte er. "Wir haben etwas 
gefunden. Aber wir machen keinen Sinn daraus." 
Eben noch ein wenig verschlafen, war Hitomi sofort hellwach. "Zeig her!" 
befahl sie und setzte sich auf. Wie zufällig fiel ihr Blick auf die große 
Standuhr. Fast zwei Stunden hatte sie geschlafen. Zwei Stunden in denen ihr 
Angetrauter wohl unablässig an dem gearbeitet hatte, was er ihr nun auf ein 
Blatt Papier gekritzelt vorlegte. Es waren einige dutzend Zeichen in Kanji 
- der Japanischen Lautschrift.
"Es ergibt keinen Sinn." erklärte Toshi geknickt. "Ich hatte das Gefühl es 
so klar zu hören, doch es kommt kein vernünftiges Wort heraus."
Hitomi blickte über die Zeichen. Ihr Mann schien recht zu haben. Egal ob 
vorwärts oder rückwärts gelesen, es schien nur eine sinnlose 
Aneinanderreihung von Lauten zu sein. "Keine Ahnung." murmelte Hitomi leise 
und ließ sich enttäuscht in die Sitzcouch zurückfallen. "Trotzdem vielen 
Dank für deine Mühe, Schatz."
"Keine Ursache." erwiderte Toshi und seufzte nachdenklich
"Was wollen sie jetzt machen, Herr Utzumi." fragte Monsieur Robert.
Toshi rieb sein Kinn. "Wir sollten mit Herrn Nageishi Kontakt aufnehmen." 
sagte er und seine Frau stimmte zu. 
"Ja, vielleicht hat er Neuigkeiten über Nami und Love in Erfahrung 
gebracht.- Bitte Toshi, laß uns heute noch nach Paris fahren." 
Toshi blickte seine Frau liebevoll und verständig an. Er verstand ihre 
Eile. Er verstand, daß sie bereit war die Gefahr einzugehen des Nachts über 
dunkle Paßstraßen zu fahren nur um Neuigkeiten über ihre verschwundenen 
Schwestern zu erfahren.
"Ich bin einverstanden, Hitomi." meinte er schließlich. "Aber wir haben 
keinen Wagen. Wir müssen also den Bus nehmen und der geht nicht vor morgen 
früh."
Madame Robert räusperte sich. "Entschuldigen Sie, aber ich hätte da eine 
Idee." sagte sie. "Nun ja, ein Bekannter von uns handelt mit 
Gebrauchtwagen. Bei ihm können wir sicher etwas finden."
Toshi überlegte. Er hatte geplant einen Wagen zu mieten und wenn es ein 
merkwürdiger Zufall so wollte, daß die Roberts einen Gebrauchtwagenhändler 
im Bekanntenkreis hatten, dann wäre das nur zu ihrem Vorteil. Dankend 
nickte er: "Also dann, wollen wir keine Zeit verlieren."

Die Lichter der entgegen kommenden Fahrzeuge blendeten ihn und es war 
ungewohnt auf der rechten Straßenseite fahren zu müssen. Abgesehen davon 
kam er jedoch mit den Witterungsverhältnissen gut zurecht und auf der 
geräumten Bergstrasse Richtung Lyon kamen sie zügig voran. "Es ist schon 
komisch wie selbstlos und hilfsbereit die Leute sind.- Muß wohl an 
Weihnachten liegen." murmelte er immer wieder vor sich hin. 
Der Gebrauchtwagenhändler, ein Bekannter der Familie Robert, war 
ausgesprochen hilfsbereit gewesen. Ohne Zögern hatte er ihnen einen 
bequemen Geländewagen geliehen, mit dem sie auch in unwegsamem und 
schneebedecktem Gelände gut voran kommen würden.
Und genau das beunruhigte Toshi. Er wußte nicht warum er in letzter Zeit 
ständig mißtrauisch war. War es, weil er Hitomi als Katze enttarnt hatte ? 
War es, weil er sich eingestehen mußte, daß sein blindes Vertrauen Schuld 
war, daß es soweit gekommen war? Nicht erst seit der Hochzeit hatte er die 
Verantwortung für seine Frau übernommen und er würde sein Leben einsetzen 
um zu verhindern das ihr und ihren Schwestern etwas zustößt.
Hitomi saß wortlos auf dem Beifahrersitz und sah aus dem Fenster. Auch sie 
machte sich so ihre Gedanken. Es freute sie ungemein das Toshi so 
aufblühte. Er war witzig, gerissen, einfallsreich - alle die Eigenschaften, 
die er als Detektiv so oft hatte vermissen lassen traten nun hervor. Sie 
selbst hingegen spürte wie ihr langsam alles entglitt. Sie, die immer alles 
unter Kontrolle hatte, war seit Tagen unaufmerksam und unvorsichtig. Die 
Katze mußte scheinbar einem erfolglosen Detektiv Lehrgeld zahlen. Doch egal 
wie hoch es wäre, er war es wert und sie hoffte, das Toshi immer da wäre 
sie zu beschützen, wenn sie wieder einmal in der Klemme steckte. 

Es war kurz nach Mitternacht als das Ehepaar Robert wieder zu ihrem Haus 
zurückkehrte. Sie hatten noch einige Zeit mit Monsieur Rembault, dem 
Gebrauchtwagenhändler geredet. 
Madame Robert trat in das abgedunkelte Wohnzimmer ihres Hauses. "Rembault 
hat sich seinen Freundschaftsdienst fürstlich entlohnen lassen" sagte sie 
halblaut, so als spräche sie zu sich selbst.
"Das war zu erwarten, liebe Schwester." kam die Antwort aus dem Zimmer. 
Doch was anderen einen Schauer über den Rücken gejagt hätte, veranlaßte 
Madame Yakko Robert nur dazu, das Licht einzuschalten.
Zwei Personen saßen dort. Eine junge Frau und ein älterer Mann.
"Und wie ist es gelaufen ?" fragte die junge Dame. 
"Mein Mann erzählt dem alten Hundeschlitten-Opa gerade eine möglichst 
glaubwürdige Geschichte und die Beiden sind auf dem Weg nach Paris, über 
Lyon, so wie wir es vorgeschlagen haben." antwortete Madame Robert während 
sie sich einen der flauschigen Ohrensessel fallen ließ. Die junge Frau auf 
der Couch nickte zufrieden. Sie sah Hitomi nicht unähnlich. Nur waren ihre 
Haare nicht ganz so lang wie die der Kisugi-Schwester und sie trug eine 
große Brille, die ihr hübsches Gesicht ein wenig verzerrte und ihr ein 
ungemein gebildetes Aussehen verlieh.
Der Mann neben ihr betrachtete die Papiere auf dem Tisch. Es war 
Schmierpapier, das Toshi zurück gelassen hatte. "Es scheint, daß sie eine 
Spur gefunden haben."
Auch die Augen der jungen Frau überflogen die Kanji-Zeichen, die mit 
schlampiger Schrift aufgezeichnet waren.
"Utzumi sollte lernen deutlicher zu schreiben." bemerkte sie lehrerhaft und 
um ihre Mundpartie herum blitzte ein kurzes Lächeln auf. "Aber man kann es 
lesen.- Es steht ja alles deutlich da."
"Wenn man es zu deuten weiß." erwiderte der Herr. "Wenn man es zu deuten 
weiß, Fräulein Unterinspektor."
Die junge Dame nickte zustimmend. "Ja, da haben sie Recht, Herr 
Botschafter. - Dennoch glaube ich, ist es für den Erfolg der Aktion 
unumgänglich, daß Katzenauge wieder komplettiert wird. Die Vorstellung die 
Detektiv Utzumi und seine Frau heute Nachmittag abgeliefert haben, hat mich 
sehr beeindruckt. Ich habe Utzumi immer unterschätzt, aber gegen die 
Elitetruppen der Roten Armee wären selbst er und die Katze ohne die Hilfe 
der beiden anderen Schwestern hilflos. Oder sehen sie das anders, Herr 
Nageishi ?"
Der vornehm gekleidete Herr nickte. "Ja, sie haben recht, Fräulein Asaja. 
Die Kunstwerke aus der Sammlung konnten wir ja noch rechtzeitig durch 
Kopien ersetzten, aber es scheint, daß die Operation >Heimweh< durch das 
Auftauchen der anderen Agenten behindert wird."
"Nun, dann werden wir vielleicht ein wenig nachhelfen müssen." bemerkte 
Mitzuku Asaja. "Wie ich sie einschätze, haben sie da bereits einen Plan. "
Ein selbstgerechtes Lächeln flog über das Gesicht des fein gekleideten 
Herrn. "Selbstverständlich, Kollegin Unterinspektor."
"Darf ich annehmen, daß sie dann auch alle Vorbereitungen für die 
Rückführung unserer Rettungstruppe treffen werden, sobald der Auftrag 
erfolgreich beendet wurde?"
"Keine Sorge. Wir werden jeden Schritt verfolgen und sie werden uns direkt 
zu ihm führen. Und was Detektiv Utzumi und die Katzen betrifft, so wird uns 
sicher eine Lösung einfallen sie nach Japan zurück zu bringen. Es wird 
nicht mehr bleiben als ein weiterer ungelöster Fall, den man mit der Zeit 
vergißt."




7. Unerwartete Hilfe


Seit sie das kleine französische Bergdorf verlassen hatten war Hitomi 
merkwürdig still. Toshi kannte dieses Schweigen nur zu genau. Irgendetwas 
nagte an seiner Frau, doch solange sie nicht von sich aus erzählte, was sie 
bedrückte, würde er auch nicht nachbohren.
Ausserdem quälten ihn im Moment auch andere Gedanken. Er wurde das Gefühl 
einfach nicht los, daß der mittlerweile schon vergangene Tag zuviele 
Zufälle gesehen hatte. Nein,- es war sicher auch kein Zufall, daß sie in 
diesem Wagen zu dieser Zeit auf dieser Straße unterwegs waren. Und das sie 
gerade jetzt, wo das Benzin knapp wurde, an einer Tankstelle mit Motel 
vorbeikamen, war doch mehr als Glück.....
Doch es sollte noch mysteriöser werden...
"Ach schau da, als ob ich es nicht geahnt hätte." murmelte Toshi leise, als 
er an der Tankstelle vorfuhr. Hitomi blickte ihren Mann verwundert an. Doch 
der deutete nur auf das angrenzende Motel. Hitomis Blicke streiften über 
die eingeschossigen Gebäude. Nur in wenigen Zimmern brannte Licht. Der 
kleine Parkplatz vor dem Motel war hell erleuchtet und beinahe leer. Ein 
dor abgestellter Wagen fiel besonders ins Auge, denn er war groß, dunkel, 
mit fremdem Kennzeichen und genau unter einer Laterne geparkt.
"Du meinst den Nobelschlitten dort, nicht wahr." fragte Hitomi und Toshi 
nickte beifällig. "Das ist doch der Wagen, den wir auch schon vor dem 
Krankenhaus gesehen haben, oder Toshi ?"
"Ja genau." gab Toshi zurück und zog die Stirn kraus. Hitomi verstand 
genau, was dieser Ausdruck sagen wollte...
"Der steht da, wie auf dem Präsentierteller.- Das meint du doch."
"Genau das habe ich gerade gedacht." stimmte Toshi zu. "Was hältst du denn 
davon, wenn wir uns das einmal aus der Nähe ansehen?" ...

Toshi tankte und setzte den Wagen ein Stück zurück, so daß er im Schatten 
der Tankstelle verschwand. Er und seine Frau stiegen aus und schlenderten 
wie zwei Spaziergänger, scheinbar gleichgültig und ziellos über das 
Gelände. Ein leichter Windzug ließ die Nacht kühler erscheinen, als sie 
eigentlich war und das kam den beiden gerade recht. Denn so war es nicht 
weiter bemerkenswert, daß sie ihre Mantelkrägen hochgeschlagen hatten und 
ihre Gesichter unter Mütze und Schal verbargen. Sie vermieden es dennoch in 
das helle Licht der Parkplatzbeleuchtung zu treten. Es fiel ihnen auf, das 
einige Stellplätze um den so auffällig geparkten Wagen herum nicht derart 
schneebedeckt waren, wie der Rest des Geländes und die unterschiedlich 
alten Reifenspuren im Schnee ließen vermuten, daß der fremde Wagen zu einem 
Zeitpunkt abgestellt worden war, wo der Parkplatz weitaus besser besucht 
gewesen war. Aber wo waren mit einem Mal all die Fahrzeuge hin, die, so 
schien es, dem fremden Wagen einst als Sichtschutz dienten? 
Ihr Spaziergang führte Toshi und Hitomi schließlich an den ebenerdig 
gelegenen Appartements vorbei, die das eigentlich Motel bildeten. In L-Form 
angeordnet lagen die Zimmer an zwei Seiten des Parkplatzes, verbunden durch 
einen offenen, überdachten Gang. Ein Jedes von ihnen hatte ein großes 
Fenster zum Parkplatz hin und die Eingangstür sprang etwas zurück, wodurch 
sich ein kleiner zusätzlicher Windfang bildete.
Es war die Nacht zum zweiten Weihnachtstag, und daher war es wohl nicht 
ungewöhnlich, daß die Zimmer fast alle unbelegt waren. Nur aus einem 
Appartement, das etwas versteckt am Ende der Gebäudezeile lag, fiel Licht 
in den Korridor.
Hitomi und Toshi waren nur noch wenige Meter von diesem Raum entfernt, als 
sich plötzlich dessen Eingangstüre öffnete. Eine Dame trat auf den Gang. Im 
spärlichen Licht, das aus dem erleuchteten Zimmer auf den Gang hinaus fiel 
sah man zunächst nur ihre Umrisse. Erst als sie sich wieder ihrem Zimmer 
zuwand vermochte Hitomi einen kurzen Blick auf das Gesicht der Frau zu 
erhaschen. Sie erschrak für einen Moment, doch dann faßte sie Toshis Arm 
und suchte mit ihm den Schutz eines dunklen Zimmereinganges. Neugierig 
beobachteten sie die fremde Dame. Sie schien aufgeregt zu sein, denn sie 
sprach sehr laut mit einem Mann, der ebenfalls aus dem Zimmer auf den Gang 
hinaus kam: "Seid ihr eigentlich zu blöd, den Wagen so zu parken, daß ihn 
keiner sieht. Dann können wir ja sofort ein Schild an der Straße 
aufstellen." 
Der Mann antwortete mit entschuldigenden und unterwürfigen Handbewegungen, 
jedoch sprach er zu leise, als daß man seine Worte verstehen konnte. 
"Ach halt den Rand. Gib' den Schlüssel, du Idiot. Ich mach das lieber 
selbst." hörten sie schließlich die Frau sagen und sie sahen, wie sie in 
Richtung des Parkplatzes ging.
"Hast du ihr Gesicht sehen können ?" wisperte Toshi zu seiner Frau.
"Ja. Es war meine Doppelgängerin." erklärte Hitomi leise während sie 
beobachteten, wie die fremde Frau in den auffällig geparkten Wagen 
einstieg. Nachdenklich ging Hitomis Blick zurück zu dem Zimmer. Der Mann, 
den die Frau so rüde angefahren hatte, stand mit einer Zigarette in der 
Hand in der Eingangstüre. "Was meinst du, sind Nami und Love da drin ?"
Toshi hob nachdenklich die Augenbrauen. Er wollte gerade antworten, da 
erschütterte eine gewaltige Explosion die Gebäude und liess den Boden 
erzittern. Auf dem Parkplatz, dort wo eben noch der Wagen gestanden hatte, 
erhob sich nun ein Feuerball in den Himmel und zurück blieb nur ein 
brennendes Autowrack. Erschrocken drehte Hitomi ihren Kopf ab und suchte 
den Schutz ihres Mannes. Von überall eilten Leute herbei und gafften. Toshi 
sah, daß sogar aus dem erleuchteten Zimmer zwei Männer zu dem brennenden 
Wagen hinüber rannten. Und er war sicher, daß der Moment nicht besser sein 
konnte. 
"Komm jetzt, Hitomi. Keine Zeit für Tränen." rief er und rannte bereits den 
Gang hinunter. Hitomi folgte ihm zu dem erleuchteten Zimmer.
Der Raum war tatsächlich verlassen, bis auf Nami und Love, die gefesselt 
und mit verbundenen Augen Rücken an Rücken auf dem Boden saßen.
Hitomi machte sich daran ihre Schwestern zu befreien und Toshi rannte so 
schnell er konnte zum Wagen. Es vergingen nur wenige Sekunden, bis er mit 
quietschenden Reifen und weit aufgerissenen Türen vor dem beleuchteten 
Appartement stoppte und noch bevor die beiden Gangster erkannt hatten, was 
geschah, waren die drei Schwestern auch schon eingestiegen.
Schüsse hallten durch die Nacht als Toshi mit hoher Geschwindigkeit den 
Parkplatz verließ und schleudernd auf die Landstraße einbog.

Eine ganze Weile lang sagte keiner ein Wort. Zu tief saß der Schock der 
Explosion und die Überraschung über die geglückte Befreiung. Die beiden 
strahlenden Gesichter, die Toshi im Innenspiegel sah, waren jedoch viel 
wertvoller als alle Worte der Welt. 
"Vielen Dank, ihr Zwei." sagte Nami schließlich leise.
"Ja, danke Schwesterlein." pflichtete Love bei und plötzlich war wieder 
dieses hinterhältige Lächeln auf ihrem Gesicht. Unverhofft lehnte sie sich 
nach vorn und gab Toshi einen dicken Kuß auf die Wange.
"Auch dir Dank, oh bester aller Schwager." meinte sie mehr ironisch als 
charmant, aber dennoch wurde Toshi ein wenig rot vor Verlegenheit. Zuerst 
grinste er nur zufrieden und geschmeichelt und sagte kein Wort. Doch dann, 
als er bemerkte wie seine Frau ihm bitterböse und eifersüchtige Blicke 
zuwarf, da sagte er nur "Ach, kein Problem." 
Der ganze Wagen lachte und auch Hitomi konnte nicht böse sein. - Sie war 
mit ihm verheiratet - warum sollte sie jetzt noch eifersüchtig sein.
Toshi hingegen war mit seinen Gedanken schon woanders "Sagt mal ihr Zwei, 
was ist euch eigentlich passiert ?" 
Nami senkte bedächtig den Kopf. "Wisst ihr, um ehrlich zu sein, hatte ich 
schon eine böse Vorahnung als der Anruf von Herr Nageischi kam. Aber dann, 
als wir unterwegs waren und uns plötzlich ein großer Wagen verfolgte, da 
wußte ich was auf uns zukam." 
"Die Affen haben uns einfach von der Straße gedrängelt." warf Love erbost 
ein. 
"Habt ihr ihre Gesichter gesehen ?" wollte Hitomi wissen.
"Ja, es waren drei Männer und eine Frau, die genau so aussah wie du, 
Hitomi." antwortete die Jüngste der Schwestern. 
"Ja so war es. " stimmte Nami zu. "Dann haben sie uns die Augen verbunden. 
Die ganze Zeit über. Und sie haben uns immer gefragt, wo sich Vater aufhält 
und wo wir die geheime Nachricht versteckt haben."
Nami hielt inne. Sorgenvoll musterte sie ihre jüngere Schwester, die 
traurig den Kopf gesenkt hatte. "Was hast du Hitomi."
"Sie sind zwar Mörder, aber trotzdem haben sie ein solches Ende nicht 
verdient." sagte sie mehrdeutig und Love stutze. 
"Könntest du das einmal übersetzten ?" meinte sie, doch Hitomi antwortete 
nicht.
"Das ist eine lange Geschichte." erwiderte Toshi. Und er begann zu 
berichten, was sich zugetragen hatte...

Als er fertig war machte Nami ein nachdenkliches Gesicht. "Aber wenn alle 
unsere Doppelgänger hier sind, wer ist denn dann im Café in Tokio."
"Keiner." antwortete Toshi. "Herr Nageischi hat uns mitgeteilt, daß sie 
euer Lagerhaus leer geräumt haben und dann mitsamt der Sammlung spurlos aus 
Tokio verschwunden sind."
Love seufzte traurig. "Dann werden wir Vater wohl nie finden." sagte sie.
"Ja leider, nocheinmal werden wir die Sammlung nicht zusammenbringen." 
pflichtete Nami bei. "Zu Schade, das wir noch keine konkreten Hinweise 
haben."
Wortlos reichte Hitomi ein Blatt an ihre ältere Schwester.
"Was ist das denn?" 
"Wir haben eine Botschaft auf Vaters Schallplatte gefunden.- Leider macht 
es keinen Sinn." 
Nami überfolg die Zeichen und kicherte laut los. Ihre traurige Stimmung 
schien mit einem Mal verflogen. "Das hat Toshi entschlüsselt, nicht?"
Hitomi blickte ihre Schwester verblüfft an. "Wieso?"
"Weil er es nicht wissen konnte."
"Was konnte ich nicht wissen?" warf Toshi ein und blickte böse in den 
Rückspiegel.
Nami erschrak ein wenig, als sie Toshis stechende Augen bemerkte. "So war 
das nicht gemeint. Du hast sehr gute Arbeit geleistet, Toshi. Nur wäre es 
einfacher gewesen wäre, deutsche Worte auch in romanischer Schrift zu 
schreiben, nicht in japanischer Lautschrift."
"Danke, Professor Nami." meinte Toshi etwas beleidigt. "Wenn du so schlau 
bist, dann übersetze doch einmal."
Die älteste der drei Schwestern überlegte. Es war nicht leicht dieses Chaos 
japanischer Lautschrift zu Worten einer Sprache zusammen zu setzten, die 
sie selbst nicht perfekt beherrschte. 
Toshi hörte, wie die drei Schwestern immer wieder Worte in einer Sprache 
wechselten, die er nicht verstand.
"Und ?"
"Es ist ein Reisebericht." antwortete Hitomi und begann vorzulesen. "Vom 
Land unter Hammer und Zirkel in das Land des schlafenden Bären, durch das 
Gebirge, welches Kontinente teilt, ins Land des ewigen Frostes, wo vom 
reichen See her, die fliessenden Schönheit dem Angelpunkt der Welt 
entgegenstrebt."
"Wir denken es muß ein Fluß in Rußland sein.- Die Lena vielleicht" fügte 
Nami hinzu. 
Toshis Blick verfinsterte sich. "Mein Gott, Sibirien." murmelte er.
Er spürte die fragenden Blicke der Schwestern, die ihn förmlich zu einer 
Antwort zwangen.
"Die Lena fließt vom Baikal-See hinauf in das Eismeer.- Quer durch 
Sibirien,- das Land der geheimen Straflager und der verschollenen Menschen. 
Ein Land in dem ganze Völker verschwunden sind." erklärte er und sah seine 
Frau an. "Mitamura, der alte Mann, dem der Hundeschlitten gehört - 
erinnerst du dich? - Er war dort in Kriegsgefangenschaft. Zu Viele hat er 
dort sterben sehen. Das hat ihn zu dem Einsiedler gemacht, der er heute 
ist."
Hitomi nickte verständig. "Es tut mir leid."
"Schon gut.- Das ist ja auch nicht wichtig." sagte er und wandte den Kopf 
ab. Keiner sollte sehen, wie er gegen die Tränen ankämpfte.
"Das heißt, wir werden also nach Sibirien reisen."
Nami nickte. "Ja, denn eines steht ja nun fest. Vater war schon verschleppt 
worden, als er uns diese Platte zugeschickt hat." 
"Das stellt so ziemlich alles auf den Kopf, was wir bisher herausgefunden 
haben." warf Hitomi ein und legte ihre hübsche Stirn in unansehnlich 
Falten." Das ist alles so mysteriös. So mysteriös, wie die Explosion auf 
dem Parkplatz vorhin."
Nami stutzte sichtlich. "Wie? Ihr habt den Wagen nicht gesprengt?"
Hitomi schüttelte den Kopf. "Nein wirklich, wir waren es nicht.- Wir waren 
- na ja - ZUFÄLLIG da." sagte sie und die Art wie sie das Wort 'zufällig' 
betonte ermunterte auch Toshi zu einem Kommentar: "Vielleicht wollten sie 
ja auch, dass ihr ZUFÄLLIG entkommt."
"Nein, das glaube ich nicht." sagte Nami überzeugt. "Wer immer es war, der 
uns entführt hat, sie waren nur Kunstdiebe. Ich habe ein Paar Worte 
mitgehört, als Hitomis Doppelgängerin telefonierte. Sie waren hinter Vaters 
Sammlung her und hinter dem Bernsteinzimmer.- Daher wollten sie von uns 
wissen, wo er ist." Nachdenklich blickte sie auf die dunkle, nur vom 
Mondlicht erleuchtete Landschaft, die vor dem Autofenster vorbeiflog. "Ich 
frage mich, wer uns helfen will. Warum zeigt er sich uns nicht ? Welche 
Ziele verfolgt er ?"

Als die vier Freunde nach langer Fahrt eine Pause einlegten und in einem 
Autobahnrestaurant bei Kaffee und Automatensandwiches bei einander saßen, 
da hatten sie fast schon vergessen das Weihnachten war. Jetzt, während 
überall um sie herum die Leute dieses größte aller Feste in Ruhe und 
Frieden begingen, da waren sie inmitten ihres wohl größten Kampfes. Doch 
das machte nichts aus, solange sie endlich den Maler Heintz wiederfinden 
würden. Die Schwestern waren wie besessen von dem Gedanken nun endlich den 
Aufenthaltsort ihres Vaters zu kennen und selbst Toshi war so sehr damit 
beschäftigt Pläne für das weitere Vorgehen zu machen, daß keiner von ihnen 
bemerkte, wie sich eine gut aussehende junge Dame auf Hörweite näherte, um 
dann am Nebentisch Platz zu nehmen.
Sie saß Toshi direkt gegenüber und er konnte die ganze Zeit über geradewegs 
in ihr Gesicht blicken, doch so oft er auch verstohlen hinsah, er bemerkte 
bei bestem Willen nichts Außergewöhnliches. Und als sich ihre Augen einmal 
wie zufällig trafen, lächelte er charmant und ein wenig verlegen, 
Nach einigen Minuten verließen die Schwestern und der Detektiv das Lokal 
und stiegen in ihren Wagen.
Die junge Dame die am Nebentisch gesessen hatte stand auf, kaum, daß der 
Geländewagen den Parkplatz verlassen hatte. Zielstrebig ging sie zu einem 
der Münztelefone an der Wand. Sie hob den Hörer ab und wählte eine lange 
Nummer. Eine Stimme ertönte aus dem Hörer und sie warf Münzen nach. Dann, 
als sich nach einer Weile des Wartens der andere Teilnehmer meldete, da 
sagte sie lapidar "Operation Heimweh hat begonnen." und legte auf. 

"Ihr könnt froh sein, daß ich Herrn Nageischi gebeten habe, zumindest einen 
Teil unserer Ausrüstung herschicken zu lassen." bemerkte Love stolz wie 
Oskar als sie die grossen Pakete bei Seite schob, die sich in ihrer 
Hotelsuite stapelten.
"Ja, ich glaube, die werden wir gut gebrauchen können." stimmte Hitomi zu 
und etwas mühsam stieg sie über die Kisten und Schachteln hinweg, die den 
Weg zum Fenster versperrten. Als sie die Vorhänge zurückzog durchflutete 
die helle Mittagssonne den Vorraum. Dahinter lag ein geräumiges Zimmer mit 
offenem Kamin und vornehmer Einrichtung. Eine große Glastüre führte auf 
einen Balkon, von dem aus man direkt auf den Eiffelturm blickte. Neugierig 
begann Toshi durch die anderen Zimmer der Suite zu streifen. Es gab zwei 
riesige Schlafzimmer. Beide mit der gleichen, stilvollen Einrichtung und 
zwei Betten, die allein für sich genommen schon beinahe ein Doppelbett 
waren.
Doch als der Detektiv schließlich das Badezimmer sah, da gingen ihm die 
Augen über. Am liebsten wäre er sofort darin verschwunden. Es war mehr Saal 
als Raum mit Luxus-Dusche und einer Badewanne in der eine ganze 
Fußballmannschaft Platz gehabt hätte. So etwas Komfortables hatte er 
zuletzt in einem Badehaus gesehen und eines war klar: Billig war die Miete 
für dieses Hotelzimmer nicht. Von seinem Monatsgehalt hätte er sich wohl 
noch nicht einmal eine Übernachtung in diesem Nobelhotel leisten können, 
aber für die Schwestern hatte Geld ja noch nie eine große Rolle gespielt. 
Nami fuhr einen Porsche, Hitomi hatte einen nagelneuen Kleinwagen und Love 
gleich mehrere Motorräder. Die Schwestern waren angagiert in allen 
möglichen exklusiven Klubs. Und Toshi fand, daß besonders Nami oftmals 
einen kostspieligen Lebensstil zu führen pflegte. Und allein wenn er an den 
technischen Schnick-Schnak dachte, den die Schwestern bei ihren Beutezügen 
benutzt hatten, dann wurde ihm bei seinem kleinen Gehalt als Detektiv ganz 
anders. Irgendwie fragte er sich, wie ein kleines Café so viel Geld 
abwerfen konnte. Aber vielleicht waren da ja auch noch andere 
Geldquellen...
"Menschenskinder, da habt ihr euch aber tierisch ins Zeug gelegt." bemerkte 
Toshi bewundernd, als er zu seinen Schwestern in das große Wohnzimmer 
zurückkehrte.
"Man gönnt sich ja sonst nichts." grinste Nami und Toshi erwiderte das 
Lächeln, dennoch machte er sich so seine Gedanken...
"Kommt jetzt, laßt uns die Ausrüstung prüfen und dann packen wir. Wir 
sollten sehen, daß wir so schnell wie möglich aufbrechen." drängelte Love 
aufgeregt.
"Nur nichts überstürzen, Schwesterchen." bremste Nami die Ungeduld des 
Wildfangs. "Ich habe eine Mitteilung für Herrn Nageischi hinterlassen. Bei 
seinem Eintreffen wird uns der Portier benachrichtigen. Bei seinen 
Beziehungen zu den Botschaftern in aller Welt wird er uns sicher helfen 
können. Ihr wißt schon.. Wir brauchen Einreisevisa, Fahrkarten und so.."
"Ja, Geld, Agenten, Geheimdienst... ich weiß." murmelte Toshi leise in sich 
hinein.
"Hast du was gesagt, Toshi?" fragte Nami, doch Toshi schüttelte sofort den 
Kopf.
"War nicht wichtig, Nami." beschwichtigte er, doch er traute diesem Herrn 
Nageishi nicht. Zumindest war er, was dessen Rolle betraf immer unsicherer. 
Warum sollte ein Ex-Botschafter solche Mühen und Kosten auf sich nehmen? 
Einfach nur um den Schwestern zu helfen oder einen Freund wiederzusehen?
Sicher nicht...
Die drei Schwestern hingegen schienen ihrem väterlichen Freund immer noch 
bedingungslos zu vertrauen. Ein Vertrauen, daß bald auf eine große Probe 
gestellt werden sollte....


8. Geänderte Pläne

Während Toshi und die Schwestern in ihrem Hotelzimmer die Vorbereitungen 
zur Abreise nach Sibirien trafen, saß zur gleichen Zeit in einem nahe 
gelegenen Pariser Nobelrestaurant ein gutsituierter Mann in weißem Anzug 
mit einer jungen Dame bei einem typisch französischen Frühstück.
Ein angemessen gekleideter Ober trat an den Tisch und reichte dem Herrn ein 
tragbares Telefon auf einem silbernen Tablett. 
Emotionslos nahm der Gast den Hörer entgegen. "JA.?.. - Guten Morgen 
Leonin. - Ja, dir auch mein Freund. - Und du bist sicher das Heintz nicht 
mehr da ist? - Na ja, die sollten es ja wissen. - Ja, ich verstehe. - Ja, 
das werde ich. Vielen Dank Botschafter. Und wenn du mal wieder nach Tokio 
kommst, dann besuch' mich doch. - Du weißt doch, für dich halte ich immer 
ein gutes Tröpfchen aus der Heimat bereit."
Bedachtsam legte er den Hörer zurück auf das Tablett und bedankte sich mit 
einem Kopfnicken bei dem Ober. Mit nachdenklicher Miene blickte er seine 
Begleitung an.
"Schlechte Nachrichten, Herr Nageischi ?" fragte die Dame. 
"Ja. Das war mein Freund, der sowjetische Botschafter Leonin Antonowitsch. 
Er sagt, daß Michael Heintz nicht mehr in der Sowjetunion ist. Er ist 
letztes Jahr an Ostdeutschland ausgeliefert worden."
"Ist dieser Mann vertrauenswürdig ?" fragte die Dame woraufhin der Herr 
herablassend lächelte. "Liebes Fräulein Asaja. Sie müssen noch Vieles 
lernen. Dieser Mann ist vertrauenswürdiger als jedes Staatsoberhaupt. Wir 
beide haben mehr Informationen zum Wohle unser beider Länder ausgetauscht, 
als alle Minister oder Staatsdiener zusammen."
"Seine Quellen ?" fragte Asaja zweifelnd, doch wieder lachte Nageishi 
überlegen. "Geheimdienst. Top Secret. Er sagt auch, daß der KGB in seinen 
Akten vermerkt hat, daß Heintz zur Zeit in einem Militärgefängnis in Ost-
Berlin einsitzt. Wie es scheint soll ihm dort der Prozeß gemacht werden."
"Dann müssen wir wohl darauf drängen, daß unsere Truppe ihre Pläne ändert."
"Ja, aber ich denke, für eine subtile Nachricht ist es bereits zu spät." 
warf der Botschafter ein. "Sie wissen, was zu tun ist, Fräulein Asaja?"
Die Dame nickte.

Einige hundert Meter entfernt, in der Hotelsuite der Schwestern, hatte es 
sich Toshi inzwischen im Bad bequem gemacht. Er empfand es ungemein 
entspannend, faul im warmen Wasser liegen zu dürfen. Etwas, daß er schon 
seit Tagen vermißt hatte. Aber selbst jetzt ließen ihn die Gedanken an die 
vergangenen Tage nicht ruhen. Es war alles so schnell gegangen. Innerhalb 
von noch nicht einmal einer Woche hatte sich sein Leben total verändert. In 
den letzten Tagen hatte er mehr erreicht als in Jahren zuvor.
Erst hatte er Katzenauge gefaßt und enttarnt,- dann aus Liebe seinen Job 
aufgegeben und seine Heimat verlassen - und schließlich seine Verlobte 
geheiratet. Und gerade war er in Mitten der Jagd nach einem mysteriösen 
Maler unterwegs in Ländern, die viele seiner Landsleute nur aus Büchern 
kannten.
Das alles war wie ein Traum. Schön aber gefährlich zugleich. Dennoch wollte 
er nicht, das der Traum endet. Er würde die Schwestern begleiten, was auch 
immer die Zukunft bringen mochte. Und das nicht nur weil er Hitomi 
geheiratet hatte,- nein, diese drei Damen waren mehr für ihn. Sie waren die 
Familie, die er nie hatte...
Doch da riß ihn plötzlich ein zaghaftes Klopfen aus seinen melancholischen 
Gedanken...
"JA, JA, JA ! Ich bin ja gleich fertig ! Nur noch eine Minute !" rief er, 
denn er nahm an, daß eine der Schwestern ungeduldig darauf wartete, daß er 
das Bad frei machen würde.
Doch gerade als er sich aus dem Wasser erhoben hatte, da öffnete sich die 
Türe einen Spalt weit... Sofort ließ sich der Detektiv panisch wieder in 
die Wanne fallen.. "Verdammt nochmal ! Ich hab' doch gesagt, daß ich gleich 
fertig bin !" schrie er böse, doch dann, als er sah, wer der Störenfried 
war, da errötete er.
"H-H-Hitomi, du bist es !" stammelte er verlegen.
Hitomi lachte kokett als sie die Türe zum Bad von Innen abschloß. "Wen hast 
du denn erwartet ?" fragte sie listig grinsend, doch ihr Mann antwortete 
nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt seine Augen unter Kontrolle zu 
halten. Doch da Hitomi nichts außer einem umgebundenen Badetuch trug, hatte 
er kaum eine Chance zu verhindern, daß er sie wollüstig anstarrte. 
Und nun, wo sie auch noch begann selbst diese letzte dürftige Bedeckung 
abzulegen, da konnte er seine Gefühle endgültig nicht mehr zügeln.
Seine Augen betrachteten begehrlich Hitomis makellosen Körper während sie 
verführerisch langsam zu ihm in die Wanne stieg. 
"Ich dachte, wir könnten da weitermachen, wo wir gestern Abend aufgehört 
haben." flüsterte sie sinnlich in Toshis Ohr während sie sich lustvoll an 
seinen feuchten, warmen Körper schmiegte und begann ihn zu liebkosen...

Im Nebenzimmer saß Love auf heißen Kohlen. Ungeduldig wartete sie, daß 
Toshi endlich das Bad verließ. Sie freute sich bereits auf ihr Wannenbad. 
Immerhin hatte Toshi ihr versprochen, daß sie die Nächste wäre, die in den 
Genuß des warmen Wasser käme. Aber mittlerweile war ihr Schwager schon eine 
geschlagene halbe Stunde im Bad. Ungehalten pendelte sie immer wieder 
zwischen Badezimmertür, schwesterlichem Schlafzimmer und Wohnzimmer hin und 
her. 
"Jetzt reicht es ! Ich hol' ihn da raus !" meinte sie schließlich wütend zu 
ihrer Schwester, die am Tisch saß und bei einer Tasse Kaffee in der 
Tageszeitung blätterte.
"Das lässt du schön bleiben !" befahl Nami mit absoluter Bestimmtheit in 
der Stimme während sie gelassen eine Zeitungsseite umschlug.
"Aber Hitomi möchte auch noch baden."
Nami lächelte als sie von ihrer Lektüre aufblickte. "Sie nimmt bereits ein 
Bad." antwortete sie und sofort begann Love zu kichern. 
"Ach so ist das. Die machen aus unserem Badezimmer eine Lasterhöhle." 
meinte sie vorlaut und die beiden Schwester lachten. 
"Weisst du, große Schwester." meinte Love nach einer Weile, "Ich kann gar 
nicht verstehen, was die Zwei aneinander finden. Ich meine, die beiden 
fahren ja richtig auf Familienglück ab. Hitomi ist wie ausgewechselt." Sie 
stockte und schüttelte den Kopf. "Ich werde bestimmt nicht heiraten."
Nami grinste weise. "Warte einmal ab, bis du den Richtigen gefunden hast."
"Niemals !!" fauchte Love trotzig, "Männer sind doch absolut blöd !"
"Ach, Kleines. - Du bist noch zu jung um das zu verstehen. Irgendwann kommt 
auch für dich der Tag, an dem du einen netten Mann kennenlernst. Und dann 
mit einem Mal, bevor du dich versiehst, da träumst du jede Nacht von ihm. 
Jede Minute des Tages möchtest du mit ihm verbringen und des Abends liegst 
du wach und wünschst dir nichts sehnlicher, als am nächsten Morgen in 
seinen Armen aufzuwachen.- Dieser Tag wird auch für dich kommen.- 
Bestimmt.- Glaube mir."
Love zog eine Schnute und wiegte genervt den Kopf. "Ach ja, und was ist mit 
dir ?" erwiderte sie mit dem ihr eigenen frechen Lächeln, "Ich meine, du 
bist doch älter als Hitomi. Warst du krank, als dein Tag kam oder hast du 
ihn verschlafen ? - Warum bist du nicht schon verheiratet ?"
Nami legte nachdenklich die Zeitung zusammen und blickte aus dem Fenster. 
"Weißt du, Love," begann sie leise und schwermütig, "ich habe noch keinen 
Schatz wie Toshi gefunden. Jemanden der so ehrlich und offen ist."
"Und das soll ich glauben, bei all den Männern, die dich begehren. Es gibt 
bestimmt hunderte Männer, die sich um jemanden wie dich reißen würden. Und 
da soll der Richtige nicht dabei sein ? Das glaub' ich nicht."
"Doch, es ist so. Sieh' mal, ich bin nicht wie Hitomi. Sie hat die Gabe 
sich so zu zeigen, wie sie ist. Sie trägt Jeans und schlabberige Pullis. 
Sie haßt teure Designer-Kleider. Sie haßt es, sich zu schminken und sich 
zurecht zu machen. Ihr macht es nichts aus mit Toshi durch Kneipen, Bars, 
Tanzschuppen und Bowlinghallen zu ziehen. - Aber jetzt schau mich an.- Was 
du siehst ist eine immer korrekt geschminkte und zu recht gemachte Frau die 
teure Kleider trägt und auf fast jeder erlesenen Party zu finden ist. Ja, 
in all dem Glitzer und Glamour umschwärmen mich die Männer vielleicht.- 
Aber das sind die falschen Männer.- Was sie begehren ist die sexy Nami, die 
keine Hemmungen hat sich freizügig zur Schau zu stellen. Aber das bin nicht 
wirklich ich. -" Nami hielt inne und seufzte traurig. Sie sah wie ihre 
kleine Schwester sie verwundert ansah. "Glaub' mir Love. Was meinst du, wie 
gerne ich auch einmal im Arm gehalten werden würde, wenn meine Haare 
zerzaust, das Make-Up verschmiert und meine Kleider zerlumpt sind. Aber so 
eine Nami wollen die Schicki-Micki-Typen nicht. Wann immer hinter dieser 
Maske die einsame Frau von 29 hervorkommt - die wirkliche Nami, die Hummer 
und Kaviar haßt,- die Frau, die es haßt immer im Mittelpunkt zu stehen und 
die alles andere als eine Sexbombe ist,- ja wenn diese Frau hervorkommt, 
dann ist man für diese Typen nur noch eine von Vielen."
"Aber du bist doch alles andere als eine graue Maus. Und außerdem, wenn dir 
dein angeblich so verruchtes Leben nicht gefällt, warum änderst du es dann 
nicht ?"
"Ach Love, liebe kleine unschuldige Love." seufzte Nami mitleidsvoll. "Auch 
du wirst eines Tages erfahren, daß auch wir Frauen Bedürfnisse haben. Der 
Wunsch nach erfüllter Liebe ist nicht nur den Männern vorbehalten." 
erklärte sie ein wenig geheimnisvoll.
"Aber Schwester. Wenn es einem all zu sehr pressiert kann man doch sowas 
wie Liebe auch .. na, ja du weißt schon..." druckste Love.
"Kaufen, meinst du ?" ergänzte Nami grinsend über die Scheu ihrer kleinen 
Schwester. "Ja, Love, körperliche Liebe kann man kaufen. Aber Gefühle, die 
kann man nicht kaufen. Gekaufte Liebe ist wie ein schlechter Wein. Es 
bereitet dir zwar Freude und es macht dich glücklich, aber nur für ein paar 
Stunden. Und am Morgen, wenn du aufwachst, dann hast du einen Kater, der 
dich wünschen läßt, daß du es nie getan hättest. Aber genau dann, wenn du 
die Liebe und die Wärme eines Menschen besonders brauchst, dann ist keiner 
da und du bist wieder allein. Nein - tief drinnen, da fühlst du dich sogar 
einsamer als je zu vor.- Was glaubst du wohl, was für ein mieses Gefühl es 
ist, wenn du dich von einem Mann verabschiedest und weißt, daß dem 
gelungenen und unbeschwerten Abend keine unvergeßliche Nacht folgen wird.- 
Wie würdest du dich fühlen, wenn du dich einem Mann ganz und gar hingibst, 
ihm all deine Liebe und Zuneigung schenkst und er dich im Moment der 
höchsten Ekstase um seinen Lohn bittet um sich danach angewidert 
abzudrehen???? - Nein Love. Das ist keine Liebe.- Das ist Gier.- Und das 
ist abartig."
"Es scheint, als ob du aus Erfahrung sprichst." lästerte Love ohne 
nachzudenken, halt so wie sie es immer tat.
Nami senkte bedächtig den Kopf. "Nein, ich habe es nur zu oft gesehen, in 
dem Lokal, wo Mutter gearbeitet hat." sagte sie verschämt. Doch Love kannte 
ihre ältere Schwester zu gut um zu wissen, daß dies nicht die ganze 
Wahrheit war. Und sie schämte sich für ihre taktlose Bemerkung.
"Es tut mir leid. Es geht mich ja auch nichts an." erwiderte Love, doch 
ihre Schwester war nicht böse mit ihr. 
"Ach, ist schon gut." meinte sie und wandte ihren Kopf ab, damit Love nicht 
sehen sollte, wie sie verstohlen die Tränen aus ihren Augen wischte.
"Die Liebe die Toshi und Hitomi für einander empfinden ist etwas 
Besonderes." sagte sie nach einer Weile und blickte etwas neidisch zum Bad. 
"Es ist nicht nur Sex, es ist Zuhören, für einander da sein, selbst wenn es 
um Leben und Tod geht."
Love nickte bedächtig, doch im nächsten Moment hatte sie auch schon wieder 
ihr freches Grinsen aufgesetzt. "Ich glaube, sie sollten jetzt fertig 
sein." meinte sie und noch bevor Nami etwas sagen konnte, rannte sie zur 
Badezimmertüre. 
"LOS ! RAUS DA IHR ZWEI, SONST HOLE ICH DEN WASSERSCHLAUCH !" rief sie laut 
und klopfte wie wild an die Türe. 
"Love du Biest !" schallte Hitomis wütende Stimme durch die Tür und das 
Küken grinste hämisch. 
Aber auch Nami war sehr belustigt. "Ist das die neue Methode zur Verhütung? 
- Mal' ganz was anderes."
"Ja, man nennt mich auch das Love-Kondom." erwiderte Love frech und kehrte 
zu ihrer Schwester ins Wohnzimmer zurück.
"Wohl eher eine Love-Pille. Und eine Bittere dazu." antwortete Nami 
schlagfertig und beide kicherten um die Wette, doch dann verstummte Loves 
kindliches Lachen mit einem Mal. "Sag' mal, Nami. Hast du eigentlich noch 
nie einen festen Freund gehabt ?" fragte sie nach einer Weile.
Ihre grosse Schwester nickte ein wenig traurig.
"Doch, das habe ich." antwortete sie kaum hörbar. "Es ist schon lange her. 
Ich war gerade 14 und du Küken lagst noch in den Windeln, da habe ich in 
den Sommerferien einen Jungen kennengelernt. Er kam aus Frankreich und war 
gerade nach Tokio gezogen. Er verstand kaum ein Wort japanisch, aber ich 
hatte mich sofort in ihn verliebt."
"Warum habt ihr euch getrennt?"
"Es gab damals keine Zukunft für uns." antwortete Nami traurig. "Vaters 
Verschwinden war immer noch gegenwärtig. Es gab keinen Moment, wo ich nicht 
an ihn dachte. Aber immer wenn Robert mich fragte, warum ich traurig war, 
durfte ich die Wahrheit nicht sagen. Mutter hat zwar nie etwas gesagt, doch 
ich spürte die Angst in ihren Blicken, wenn ich Robert mit in unser Haus 
brachte. Ich verstand, daß Mutter fürchtete, daß durch ihn die Leute, die 
Vater entführt hatten, auch uns finden würden.- Daher habe ich mich von 
Robert getrennt. - Um unser Geheimnis zu wahren. Monatelang habe ich mich 
abends in den Schlaf geweint. Und selbst heute, nach fast 15 Jahren, träume 
ich noch regelmäßig von ihm."
"Du warst wirklich bereit ein solches Opfer zu bringen, nur um Vater zu 
finden ?"
"Ich war damals jung und mir ging es nicht anders als dir.- Ich hätte alles 
gegeben um Vater wiederzusehen. Die Suche und die Sorge um Vater war mein 
einziger Lebensinhalt, hinter dem alles zurückstehen mußte. Ich wußte es 
nicht besser. Aber dann, als ich bemerkte wie sich Hitomi in Toshi 
verliebte, da habe ich mir geschworen, daß ich sie nicht zwingen würde sich 
zu trennen. Egal welche Probleme es mit sich bringen würde, es sollten 
nicht noch zwei Menschen wegen unserem Vater einen Entschluß treffen, den 
sie ihr ganzes Leben lang bedauern würden."
"Und was ist aus deinem Freund geworden, Nami ?"
"Wir haben uns aus den Augen verloren. In unserem letzten Junior-High-
School-Jahr hat er nicht einmal mehr mit mir gesprochen.- Und ich kann es 
ihm nicht einmal verdenken." sagte Nami und seufzte traurig. "Das letzte, 
was ich weiß, ist, daß er Japan verlassen hat." Nami hielt inne.
"Es ist schon komisch wie solche Gedanken immer wieder zu Weihnachten hoch 
kommen." meinte sie nach einem Augenblick der Stille. "Selbst hier - 
tausend Kilometer von zu Hause entfernt - gejagt von irgendwelchen Dieben - 
denke ich an sowas Banales."
Doch noch bevor Nami ihren Gedanken weiterführen konnte wurde sie von dem 
lauten Zuschlagen der Badezimmertüre und Hitomis wütendem Geschrei 
unterbrochen.
"LOVE ! DU BIST EKELHAFT ! WENN DU SOWAS NOCH EINMAL MACHST, DANN REISSE 
ICH DIR JEDES DEINER HAARE EINZELN AUS ! AUCH DIE, DIE DU NICHT AUF DEM 
KOPF HAST !" schrie sie ihre jüngere Schwester an, während sie dürftig 
bekleidet hereinstürmte. Toshi folgte ihr auf dem Fuß, doch im Gegensatz zu 
seiner Frau grinste er nur verlegen und amüsierte sich insgeheim über den 
Scherz, den sich Love erlaubt hatte.
"Hab' ich euch etwa bei irgendwas gestört ?" fragte das Küken der Familie 
scheinheilig grinsend und Hitomi schnaubte vor Wut. Toshi beschwichtige sie 
mit einem Kuß auf die Wange.
"Beruhige dich Hitomi. Das war wieder einer von Loves blöden Streichen." 
meinte er mit sanfter Stimme. 
"Aber lass dir eines gesagt sein, Schwägerin." sagte er anschließend mit 
böser Miene zu Love. "Wenn du sowas nochmal abziehst, dann wirst du eines 
morgens nackt in eurem Café aufwachen."
Love nickte erheitert. Auch Nami war belustigt aber auch etwas verwundert. 
Früher wäre es Toshi gewesen, der ausgerastet wäre und Hitomi hätte nur 
gelacht. Aber heute war es genau umgekehrt.- Vielleicht würde zu guter 
Letzt Toshi auch noch zum Dieb und Hitomi zur Polizistin werden... 
Namis Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als Toshi wohl zufällig das 
weiße Blatt Papier sah, das unter der Zimmertüre hervor lugte.
"Seht mal da." platzte er heraus und hob das gefaltete Papier auf. Er 
öffnete die Türe und blickte in den Korridor, doch vom Überbringer der 
Nachricht war keine Spur mehr zu sehen. Kopfschüttelnd verriegelte er die 
Zimmertüre wieder und begann die Nachricht zu lesen. 
"'Ich erwarte sie vier im Restaurant Chez Septime.' steht hier und 
unterzeichnet ist sie mit einem Grossen N." stellte er fest, als er die 
Nachricht weitergab.
"Das ist von Herrn Nageischi, Kinder." sagte Nami als sie die Handschrift 
erkannte.

Die Damen genossen die Fahrt im Taxi, doch Toshi war ein wenig verwundert. 
Es schien, daß sich der Fahrer immer weiter vom Eiffelturm und all den 
Nobelrestaurants entfernte. Und je länger die Fahrt dauerte, desto 
unfreundlicher und bedrohlicher schien ihm die Gegend, so untypisch für 
einen feinen Herrn wie Nageischi hier ein Treffen anzuberaumen. Auch Hitomi 
schien etwas stutzig zu sein, denn immerzu blickte sie ihren Mann 
verwundert und fragend an.
Aber erst als der Fahrer in einer kleinen Seitenstraße stoppte wurden auch 
Nami und Love aufmerksam.
"Bitte sie bleiben ganz ruhig." sagte der Fahrer in schlechtem Japanisch. 
"Wir Freund seien."
"Was haben sie mit uns vor ?" fragte Nami ein wenig besorgt, doch der Mann 
antwortete nicht. Statt dessen traten zwei große und stattliche Herren an 
den Wagen und öffneten die Türen. "Bitte stiegen sie aus." sagten sie fast 
akzentfrei und verliehen ihrer Forderung mit vorgehaltener Waffe Nachdruck.
Um Unauffälligkeit bemüht trieben die beiden Männer das Quartett in den 
Eingang eines schäbigen Hauses hinein. Sie stiegen einige Treppen hoch und 
wurden in ein abgedunkeltes Zimmer geführt. Vier einfache Stühle standen in 
der Mitte des Raumes und die bewaffneten Männer signalisierten den Vieren 
wortlos darauf Platz zu nehmen. Toshi war der erste, der gehorchte und sich 
setzte. Hitomi, Love und zuletzt Nami taten es ihm gleich. Hitomis Augen 
bemühten sich etwas zu erkennen. Ihnen gegenüber schien eine Art 
Schreibtisch zu sein, an dem zwei Personen saßen. Im spärlichen Licht, daß 
durch die geschlossenen aber scheinbar teilweise zerbrochenen Fensterläden 
eindrang, konnte Hitomi ihre Umrisse erkennen. Die eine Person schien gross 
und breitschultrig zu sein. Die zweite Person war eher schmächtiger Statur 
und ihren Umrissen nach zu Urteilen mußte sie langes Haar haben. Sicherlich 
hätte Hitomi noch mehr Details erkannt, doch mit einem Mal wurden sie alle 
von hellen Scheinwerfern geblendet, die so hell waren, daß sie ihre Augen 
abwenden mußten. 
"Es tut uns leid, daß wir zu diesen Mitteln greifen mußten." sagte eine 
roboterähnliche verzerrte Stimme.
"Wer sind sie ? Und was wollen sie von uns ?" fragte Love empört.
"Bitte beruhigen sie sich, Fräulein Love Kisugi." antwortete die Stimme. 

"Wir wären liebend gerne im Hintergrund geblieben, aber wir haben wichtige 
Informationen, von denen ihr Leben abhängen könnte."
"Welche Informationen ?" fragte Nami.
"Wir wissen, daß sie und ihre Schwestern Katzenauge sind, Fräulein Nami. 
Und als Katzen haben sie die Heintz-Sammlung wieder zusammengebracht. Nun 
sind sie auf der Suche nach Michael Heintz, ihrem Vater, den sie in 
Sibirien vermuten."
"Sie sind sehr gut informiert." erwiderte Hitomi. "Aber welches Interesse 
verfolgen sie ?"
"Nun, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu ihrer Hochzeit, Frau Hitomi 
Utzumi. Aber um ihre Frage zu beantworten, auch wir sind an der Rückführung 
von Heintz nach Japan interessiert. Wir wären gerne weiterhin dezent im 
Hintergrund geblieben, da sie bisher wirklich großartige Arbeit geleistet 
haben. Aber es haben sich neue Fakten ergeben, die es um ihres Vaters 
Willen, notwendig machten dieses Treffen zu arrangieren."
"Dann waren sie es, die uns geholfen haben, Nami und Love zu befreien ?" 
wollte Toshi wissen.
"Ja, Utzumi, das stimmt. Wir waren jederzeit über jeden ihrer Schritte 
informiert."
"Aber als die beiden Schwestern gekidnappt wurden und als man uns nach dem 
Leben trachtete, da haben sie wohl geschlafen oder ?" erwiderte Toshi 
erbost angesichts solcher Überheblichkeit. 
"Ja, sie haben recht Utzumi. Wir waren etwas unvorsichtig, die Gegner zu 
unterschätzen. Aber nun sind wir gewarnt."
"Welches Interesse verfolgen die denn ?"
"Kunstraub. Genau die gleichen Interessen wie die Ost-Deutschen."
"Was hat denn Ostdeutschland damit zu tun ?" fragte Love verwundert.
"Wir wissen aus absolut sicherer Quelle, daß sich ihr Vater in der DDR 
befindet, Fräulein Love. Das ist das kommunistisch geführte Ost-
Deutschland. Er wurde aus Sibirien herausgeschafft und soll offiziell dort 
wegen seiner Vergangenheit verurteilt werden."
Die vier Freunde staunten und brachten kein Wort heraus.
"Wir danken für ihre Hilfe." antwortete Nami nach einer Weile. "Werden wir 
auf ihre Hilfe zählen können ?"
"Wir haben keinerlei Befugnis in dem Land, wo sich ihr Vater aufhält und es 
wäre verhängnisvoll für alle, wenn wir enttarnt würden. Aber sobald sie in 
die Bundesrepublik Deutschland zurückkehren, können sie sich unserer Hilfe 
sicher sein."
"Das ist nicht sehr viel." erwiderte Nami ein wenig enttäuscht. "Aber 
vielleicht haben wir sie schon zu sehr in Gefahr gebracht."
"Danke für ihr Verständnis. An einem anderen Ort zu einer anderen Zeit 
werden wir hoffentlich einen Weg finden unser Geheimnis zu lüften. Aber bis 
dahin wird sie ihr Taxi wieder zurück ins Hotel bringen. Dort werden sie 
ein Dossier finden, in dem alle unsere Informationen aufgeschrieben sind.- 
Viel Erfolg."
Toshi wollte noch etwas sagen, doch da verlosch das blendende Licht 
plötzlich und Schritte hallten durch den Raum. Immer noch geblendet von den 
gleissenden Scheinwerfern konnte keiner der vier Freunde etwas erkennen. 
Erst nach einer Weile hatten sich ihre Augen wieder an die Dunkelheit 
gewöhnt.
Die Zimmertüre stand einen Spalt weit offen und das hereinfallende Licht 
ermöglichte es Hitomi den Lichtschalter zu finden. Als sie die 
Zimmerbeleuchtung einschaltete war der Raum wie erwartet leer. Dort wo sie 
die schemenhaften Gestalten gesehen hatte, waren nun nur noch zwei leere 
Stühle. Ein kaum wahrnehmbarer süßlicher Geruch lag im Raum, und als die 
Schwestern schließlich an den verlassenen Tisch herantraten, da war Hitomi 
sicher diesen Geruch zu kennen. Toshi hingegen interessierten mehr die 
Reste im Aschenbecher. Es lag ein Papierfetzen darin, in dem ein Kaugummi 
eingewickelt war. Vorsichtig öffnete er das Knäuel und roch daran.
Mit einem kaum sichtbaren Grinsen wandte er sich zu den Schwestern. "Kommt, 
laßt uns gehen. Wir wollen unser Taxi nicht warten lassen." sagte der 
schließlich und führte die Gruppe hinaus. 

Bei ihrer Rückkehr fanden sie auf dem Wohnzimmertisch ihrer Hotelsuite 
einen großen braunen Umschlag. Es war das Dossier, von dem die Fremden 
gesprochen hatten.
Es dauerte eine Weile bis sie den Umschlag ausgeräumt hatten und der Inhalt 
auf dem Tisch ausgebreitet lag. Alle waren zur Lagebesprechung zusammen 
gekommen.
"Also, rekapitulieren wir, was wir haben..." begann Nami schließlich. "Wir 
haben vier Tickets für den Abendzug Paris - Berlin. Unsere Ausrüstung 
werden wir heute nachmittag aufgeben,- sie wird als Lehrmaterial für die 
Berliner Universität deklariert mit dem Frachtzug vorausgeschickt."
"Können wir sie nicht ins Abteil mitnehmen ?" warf Love ein.
"Das geht nicht." erwiderte Hitomi. "Die Ostdeutschen Grenzbeamten werden 
uns beim Transit nach West-Berlin durchsuchen. Wir müssen da vorsichtig 
sein.".
"Ja, sie hat recht." stimmte Nami zu als sie das traurige Gesicht ihrer 
jüngeren Schwester sah. "Ich weiß, wie viel dir deine Geräte bedeuten und 
wir werden sie sicher auch gut gebrauchen können, doch wenn man sie bei uns 
findet, dann sind wir nicht nur die Sachen los, man wird uns obendrein auch 
noch die Einreise verweigern." 
Love nickte gehorsam aber dennoch schmollte sie ein wenig. Hatten andere 
Mädchen mit Puppen gespielt, so hatte Love mit Lötkolben und 
Schraubendreher gebastelt.
Toshi dachte angestrengt nach. "Es scheint, als ob wir keine andere Wahl 
haben, als eure Ausrüstung in die Hände der französischen Post zu legen." 
sagte er letztlich und legte tröstend seine Hand auf Loves Schulter. "Komm' 
wir wollen die Sachen wenigstens gut verpacken." schlug er vor und 
zwinkerte der jüngsten der drei Schwestern listig grinsend zu.
Love verstand den Wink und ohne Widerspruch half sie Toshi ihre Geräte 
wieder in den großen Versandkarton zu packen, in dem sie auch aus Japan 
angekommen waren.
Nami und Hitomi waren vollauf damit beschäftigt nochmals die Dokumente 
durchzusehen und alles so weit möglich durchzuplanen.
Sie bemrkten nicht, wie Toshi die jüngste der drei Schwestern plötzlich bei 
Seite nahm.
"Du, Love." sagte er leise. "Kannst du ein kleines Geheimnis wahren ?"
"Aber klar doch." antwortete sie etwas laut.
"Psst. Leise. Deine beiden Schwestern müssen nichts davon wissen." 
flüsterte Toshi geheimnisvoll.
"Was zum Teufel hast du vor, Toshi ?" gab Love ebenso leise zurück. 
"Weißt du, nichts gegen deine Schwestern und ihre Planungswut. Aber ich 
traue dem Ganzen nicht. Wieso nehmen wir also nicht ein paar kleine Dinge 
aus deiner Sammlung und verstauen sie anderswo."
"Und an was hast du da gedacht ?"
"Nichts besonderes. Nur simple Dinge. Falls etwas schiefgeht müssen wir 
improvisieren können."
"Ich sehe, du denkst mit, Toshi." erwiderte Love grinsend. "Aber da bin ich 
dir schon etwas voraus. Meinen Notfallkoffer habe ich immer dabei." sagte 
sie leise und legte die Hand auf ihren Busen.
Toshi grinste. "Ach so ist das. Mann bin ich froh, das die Dinger von 
Hitomi echt sind. Aber wie steht das eigentlich bei Nami ?"
"Na hör' mal, du bist verheiratet." lachte Love und Toshi kicherte 
verlegen.
"Ach noch Eines, Love. - Würde es dir etwas ausmachen, wenn Hitomi und ich 
die Sachen zum Frachtbahnhof bringen ? - Alleine ?"
"Nein, aber was hast du denn gegen meine Begleitung ?"
"Weißt du, Hitomi und ich, wir wollen einmal ein wenig allein sein."
"Ach, ich verstehe. Ihr wollt da weitermachen, wo ich euch gestört habe."
"Quatsch. Sagen wir mal, ich habe etwas gegen Zufälle. Und in letzter Zeit 
scheint es, daß alles, was Herrn Nageischi angeht irgendwie schief geht." 
"Du hast einen Plan, oder ?"
"Nein, sagen wir eine Art Vermutung, was unsere neuen Freunde betrifft. Und 
Hitomi kann mir vielleicht helfen."
"Na gut, Ex-Detektiv. Hoffentlich klappt dein Plan. Ich belüge Nami nicht 
gerne."
"Wenn du wissen willst, ob Nami Opfer oder Täter ist, dann mußt du mir 
vertrauen."
"Wie meinst du das ? Nami ein Opfer oder Täter ?" fragte Love erbost.
"LEISE !" zischte Toshi. "Ich kann dir noch nichts genaues sagen.- Vertrau' 
mir bitte."
"Gut, aber wenn Hitomi etwas geschieht, dann mach' ich dich einen Kopf 
kürzer."
"Das brauchst du nicht. Wenn ihr etwas passiert, dann nehm ich dir diese 
Arbeit ab."

Eine halbe Stunde war vergangen und das Ehepaar Utzumi war wie geplant mit 
Loves technischer Ausrüstung zum Güterbahnhof unterwegs. 
Sie benutzten den Geländewagen, so wie die geheimnisvollen Freunde es in 
ihrem Dokument gefordert hatten.
Ohne ein Wort zu sagen verließ Hitomi plötzlich die Hauptstraße und parkte 
den Wagen in einer Gasse. Mahnend blickte ihr Mann sie an.
"Erinnerst du dich noch an dein Versprechen ?" fragte sie.
"Welches Versprechen ?" 
"Das Versprechen, das wir uns am Abend vor der Hochzeit gegeben haben.- 
Erinnerst du dich schon nicht mehr ? - Wir haben uns Treue geschworen und 
das wir uns nie belügen würden."
"Doch, daran erinnere ich mich."
"Gut, dann wirst du mir wohl auch erzählen, was dir heute morgen 
aufgefallen ist, als du an dem Kaugummi gerochen hast."
Toshi stutze. Er hatte gedacht es wäre verborgen geblieben, wie er still in 
sich hinein gelächelt hatte. Aber so war Hitomi halt.- Immer wieder 
verblüffend. "Ich werde es dir sagen. Aber bitte verstehe das jetzt nicht 
falsch. Es ist nur eine Vermutung, weiter nichts."
"Los, sag schon !" drängte Hitomi.
"Also gut. Weißt du noch wie ich damals aufgehört habe zu rauchen ? Ich 
habe eine ganze Zeit lang nikotinhaltige Kaugummis gekaut."
"Ja und ?"
"Herr Nageischi hat bei unserer Hochzeitsfeier im Bistro der Roberts genau 
die gleiche Marke gekaut, wie ich damals. Und heute in dem Zimmer, da lag 
wieder die gleiche Kaugummimarke im Aschenbecher."
"Aber wie kannst du dir da sicher sein ?"
"Diesen Kaugummi gibt es nur in Japan, und die zugesetzte Baldrianmixtur 
verleiht ihm einen komischen Geruch."
Hitomi machte ein nachdenkliches Gesicht. "Hast du noch etwas anderes 
gerochen ?" fragte sie nach einer Weile.
"Ja, es roch etwas nach deinem Parfüm."
"Genau. - Nur habe ich seit der Hochzeit kein Parfüm mehr benutzt. - Aber 
weißt du, wer die gleiche Marke trägt ?"
"Bin ich Jesus ?"
"Deine Kollegin Mitzuku Asaja."
"Asaja.." murmelte Toshi. "Und wieder ein Puzzlestein, der sich hinein 
fügt."
"Was meinst du damit, Toshi?"
Toshi grinste verlegen. "Als mein Chef mir Asaja vor die Nase gesetzt hat 
und sie gegen meinen Willen mit der Planung einer Anti-Katzen-Aktion 
betraut hat, da war ich richtig sauer auf sie. Ich wollte wissen, was sie 
so besonders machte, das er sie mir vorzog. Und da habe ich ihren Namen 
durch den Computer geschickt, und siehe da, sie hat absolut keine 
Vergangenheit."
Hitomi sah ihren Mann verwirrt an. "Keine Vergangenheit? - Das kann nicht 
sein. Wir haben doch ihre Akte eingesehen."
Toshi lachte. "Woher hattet ihr sie denn.. - Laß mich raten - Herr 
Nageishi. - Erinnerst du dich an den Schönheitswettbewerb Miss Leotard '85 
wo sie gegen euch drei antrat und gewann? Sie hatte damals ihre Brille 
abgesetzt und konnte absolut nichts mehr sehen ! Ohne Brille ist sie blind 
wie ein Maulwurf."
Hitomi nickte nachdenklich. "Ja, ich verstehe was du meinst. Wenn sie eine 
Feld- Wald- und Wiesenpolizistin wie du wäre, dann.."
"Richtig." warf Toshi ein. "Dann hätte sie noch nicht einmal die 
Aufnahmeprüfung bestanden. Und das Beste ist, die offensichtliche Schwere 
ihrer Sehschwäche steht noch nicht einmal in ihren Akten. - Wie gesagt, sie 
hat keine Vergangenheit."
Hitomi grübelte. "Utzumi!" meinte sie plötzlich.
"Ist dir das also auch aufgefallen.." stellte Toshi lächelnd fest. "Die 
Stimme hat euch mit Frau und Fräulein angeredet. Mich hat sie einfach 
Utzumi genannt, genau so, wie Asaja es immer machte."
"Wenn das stimmt, dann ist sie vielleicht eine Spionin."
"Von einem anderen Land ? Asaja ? Niemals. Die hat doch die japanische 
Flagge auf ihren Schlüpfer gestickt." erklärte Toshi und grinste. "Nein, 
wenn, dann ist sie vom japanischen Geheimdienst."
Hitomi legte nachdenklich den Kopf zur Seite. "Nun gut, Asaja mag ein 
doppeltes Spiel spielen. Aber Herr Nageischi ? - Nein, das glaube ich 
nicht, Er war immer wie ein Vater zu uns. Wir konnten uns immer auf ihn 
verlassen."
"Eben." erwiderte Toshi. "Genau das ist es doch. Warum würde ein Fremder 
euch derart unterstützen, aber dennoch immer dezent im Hintergrund bleiben. 
Meiner Meinung nach steckt er da genau so drin wie Asaja. Und ich will 
nicht wissen, wer noch dazugehört.- Jemand vielleicht, von dem du es am 
aller wenigsten erwartest."
"Jetzt übertreibst du aber, Toshi." entfuhr es Hitomi. Sie hatte die 
Bemerkung ihres Mannes nur zu gut verstanden.
Doch Toshi ließ nicht locker. Immerhin hatte seine Frau ihn ja gefragt, und 
da war es nur richtig, wenn er seine Vermutungen äußerte. "Gut, es ist 
vielleicht weit hergeholt. Aber hat es dich nie gewundert, wo all das Geld 
herkommt, das ihr für eure Einsätze gebraucht habt ?"
"Wir hatten ein eigenes Konto für diese Ausgaben bei einer Schweizer Bank. 
Nami sagte, es wäre Geld, das Mutter gespart hätte. Und wir haben auch 
einen Teil des Geldes aus dem Café eingebracht und Herr Nageischi hat uns 
auch hin und wieder geholfen..." Hitomi stockte ein wenig.
"Na dämmert's ?" fragte Toshi zufrieden. "Nami hat gesagt, Herr Nageischi 
hat gesagt... Was ist mit dir und Love. Habt ihr jemals einen Kontoauszug 
gesehen ? Habt ihr jemals auch nur einen Yen von dem ominösen Konto 
abgehoben oder darauf eingezahlt ?"
"Nein, nein. Es stimmt schon. Du hast recht. Was die Finanzen unserer 
Aktionen angeht haben Nami und Herr Nageischi alle Fäden in der Hand 
gehabt. Wenn du das so siehst", Hitomi dachte nach "Tja, wenn du das so 
siehst, dann müßte sie ja auch mit drin stecken."
Toshi zögerte und rieb sein Kinn. "Es ist nur eine Vermutung." sagte er. 
"Ich habe keine Beweise. Nicht einmal Indizien. Und selbst wenn es wahr 
wäre, dann würde sie ja für die richtige Seite arbeiten."
Hitomi stimmte zu und legte ihre wunderhübsche Stirn in Falten. "Das ist 
zwar richtig, Toshi, aber weißt du, was du da sagst ?" Sie hielt kurz inne 
und seuftze, "Das würde ja bedeuten, daß Katzenauge im Dienste des 
Japanischen Geheimdienstes gearbeitet hätte. Marionetten der Regierung."
Toshi nahm seine Frau zärtlich in den Arm. "Weißt du woran ich glaube ?" 
fragte er. "Ich glaube, daß Nami weiß, was sie tut. Und sie ist immer um 
euch besorgt."
Hitomi verstand und gab ihrem Mann einen langen zärtlichen Kuß. "Danke für 
deine Ansprache." sagte sie und Toshi nickte zufrieden. 

Das Gelände des Güterbahnhofes war ein schier unendliches Gewirr von 
Schienen, Güterwagen und Lagerhäusern.
Und selbst an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag herrschte, was ein- und 
auslaufende Güterzüge betraf ein reger Verkehr.
Es dauerte eine ganze Weile, bis die Beiden das in den Dokumenten 
vorbezeichnete Lagerhaus fanden. Hitomi setzte den Wagen rückwärts an die 
Laderampe heran und Toshi wuchtete das schwere Paket auf den 
bereitstehenden Handkarren. 
Langsam schoben sie den Karren die Laderampe entlang ins Gebäude hinein. 
Sie waren am Anfang eines langen Ganges, der durch Reihen von Stellagen und 
aufgetürmten Kisten hindurch führte. Vorsichtig drangen sie tiefer in die 
Halle vor, bis mit einem Mal wieder diese künstlich verfremdete Stimme 
erschallte. "Stehenbleiben." herrschte sie die Beiden an. "Wir übernehmen 
die Ware jetzt. Sie können gehen. Viel Glück."
Hitomi blickte umher. An der Wand erkannte sie den mehrere Meter großen 
Schatten einer Frauengestalt. Wortlos zeigte sie darauf und Toshi verstand. 
Sofort begann er nach der Quelle dieser Erscheinung zu suchen. 
"Bitte bleiben sie stehen, Utzumi." forderte ihn die Stimme mit einem Mal 
auf und der Detektiv tat wie befohlen.
"Schon gut." rief er und blickte hinüber zu seiner Frau. Sie ahnte seinen 
Plan und stimmte mit einem Kopfnicken zu. Er erwiderte diese Geste und 
holte tief Luft. "Ich weiß ja, wie lichtscheu sie sind. Aber beim nächsten 
Mal reden sie mich bitte mit Herr Utzumi an, Asaja." sagte er kühl. "Sie 
sollten ihr Versteckspiel jetzt aber beenden." 
Zunächst kam keine Antwort. Keine Reaktion seitens der geheimnisvollen 
Person. Doch dann, als der Schatten auf der Wand begann kleiner zu werden 
und zur gleichen Zeit auch Schritte zu hören waren, da wurde Toshi klar, 
das er mit seinen Vermutungen recht gehabt hatte. 
Aber dennoch staunten Hitomi und ihr Mann nicht schlecht, als einige 
Augenblicke später tatsächlich das junge Fräulein Unterinspektor vor sie 
trat. 
"Anerkennung." meinte Unterinspektor Asaja gefaßt. "Aber wie haben sie es 
erkannt ?"
"Sie sollten ein weniger auffälliges Parfüm tragen, Asaja." erklärte Toshi 
ein wenig hämisch.
Asajas strenger Blick formte sich zu einem flüchtigen Grinsen. "Ach, ich 
verstehe, sie profitieren von der vorzüglichen Nase ihrer Frau."
"Das mag sein." gab Toshi zu. "Aber nun zum Kernpunkt. Gehe ich recht in 
der Annahme, daß sie für den Geheimdienst arbeiten, genau so wie dieser 
Herr Nageischi ?" fragte er, entschlossen die Wahrheit ans Licht zu zerren.
Asaja jedoch senkte bedächtig den Kopf. "Leider kann ich ihnen zu Zeit 
nichts weiter dazu sagen, als daß wir auf ihrer Seite stehen." antwortete 
sie scheinbar unbewegt, doch Toshi entging nicht ihr leichtes, fast 
unmerkliches Kopfnicken und auch das kurze Zwinkern mit beiden Augen sprach 
Bände. Ohne ein Wort zu sagen, hatte sie gerade, wohl entgegen allen 
Befehlen, seine Frage beantwortet. Und es genügte dieser verwegenen Tat um 
das Eis zu brechen, das sich seit Jahren zwischen ihnen aufgetürmt hatte. 
Toshi nickte dankbar.
"Nun gut, Asaja. Ich sehe, sie wollen mir nicht antworten." meinte Toshi 
nach einer Weile. "Aber lassen sie sich gesagt sein, daß wir Vorbereitungen 
getroffen haben, für den Fall, daß uns oder Heintz etwas passiert. Sie 
sollten uns also pfleglich behandeln, wenn sie nicht eine Lawine lostreten 
wollen, die selbst den Fujiyama begräbt."
"Wir werden sie nach Kräften unterstützen. Ich bürge dafür." erwiderte 
Asaja vertrauensvoll.
"Gut.- Das wollte ich hören." meinte Toshi zufrieden und wandte sich zum 
Gehen. Hitomi jedoch musterte Fräulein Asaja noch einmal mit eindrücklichen 
Blicken bevor sie ihrem Mann folgte. Auf halbem Weg hinaus drehte sich der 
Detektiv plötzlich noch einmal um und warf Unterinspektor Asaja einen 
bedeutungsvollen und mahnenden Blick zu. "Wissen sie Mitzuku, ich habe sie 
trotz all unserer Differenzen immer als aufrichtige und korrekte Polizistin 
geschätzt.- Bitte enttäuschen sie mich nicht."
Asaja blickte verlegen zu Boden. "Sie haben mein Wort, Toshi." sagte sie 
leise und ein wenig Schamesröte stieg in ihr Gesicht.

Selbst als Hitomi und Toshi schon eine Weile verschwunden waren, stand 
Unterinspektor Asaja immer noch in der Halle und sah ihnen nach.
"Das war sehr unklug." hallte plötzlich eine sonore Männerstimme durch den 
Raum und ein etwas untersetzter, gut gekleideter Herr trat mit majestätisch 
anmutenden Schritten aus dem Schatten der vielen Regale heraus.
"Herr Nageischi, sie hier ?"
"Ja, entschuldigen sie, aber ich ahnte, daß so etwas passieren würde. Sie 
sind eben nicht für diesen Job geschaffen, Fräulein Unterinspektor."
"Natürlich nicht. Ich bin Polizistin." antwortete Asaja zornig. "Und ich 
hasse es Kollegen hinters Licht zu führen."
"Dieser Utzumi wird langsam zur Plage." murmelte der Herr sorgenvoll. "Mit 
dieser abgetakelten Fregatte und ihren blöden Schwestern wären wir ohne 
Probleme klar gekommen. Aber dieser dämliche Detektiv mußte ja seine Nase 
überall hineinstecken."
"Ja, wie es aussieht haben wir ihn unterschätzt."
"UND DAS IST GÄNZLICH IHR FEHLER." erwiderte Nageischi böse. "Sie haben 
behauptet, daß er absolut unfähig ist, aber ich muß feststellen, daß er SIE 
jedenfalls spielend übertölpelt hat. Ich hoffe, sie wissen, daß wir durch 
diesen Zwischenfall hier unsere Pläne gänzlich ändern müssen."
Die Dame nickte verständnisvoll und senkte den Kopf. "Ist es das wirklich 
wert ?" murmelte sie leise in sich hinein.

Auf der Rückfahrt zum Hotel quälten Hitomi tausend Gedanken. Das Vertrauen, 
das sie bisher immer in ihre große Schwester und den väterlichen Freund 
gehabt hatte, war erschüttert worden. Und was die Vermutung einer 
Verbindung von Herrn Nageischi zum Geheimdienst betraf, da schienen ihr mit 
einem Mal Toshis pessimistische Phantasien garnicht mehr so unwirklich zu 
sein.
"Toshi, es tut mir leid." flüsterte sie leise und legte ihren Kopf auf 
Toshis Schulter. Er küßte flüchtig ihr Haar und konzentrierte sich dann 
wieder auf das Steuern des Fahrzeuges. 
"Ich glaube, wir müssen sehr vorsichtig sein." meinte er schließlich. "Nami 
können wir trauen, aber was unsere angeblichen Freunde betrifft, da ist 
sicher Vorsicht geboten."
"Ja, du hast recht Schatz. Wir werden das schon schaffen." säuselte Hitomi 
und begann an ihren Mann gelehnt einzuschlafen.


9. Reise ins Ungewisse

Als die vierköpfige Reisegruppe den Abendzug bestieg, der den Pariser 
Zentralbahnhof in Richtung Westdeutschland verließ, da war die Stimmung 
alles andere als gelöst. Toshi und Hitomi grübelten immer noch über die 
Ereignisse des Nachmittages nach, während Nami nachdenklich und abwesend 
aus dem Fenster starrte. Nur Love war froh gelaunt, in der Erwartung bald 
ihren Vater kennenzulernen.
"Na hört mal, was macht ihr denn für ein Gesicht ? Freut euch, es ist doch 
Weihnachten !" sagte sie und lachte über das ganze Gesicht, als sie begann 
in ihrer Reisetasche zu kramen. Sie zog ein Transistorradio heraus und 
schaltete es ein. Eine wundervolle Rockballade ertönte und alle lauschten 
verzaubert von der wunderschönen Melodie. Nur Nami stand mit einem Mal auf 
und streifte ihr aufreizendes Kleid zurecht.
"Wo gehst du hin, Nami ?" fragte Hitomi ihre ältere Schwester. 
"Ach, ich weiß nicht. Mal sehen, was der Speisewagen zu bieten hat." 
erwiderte Nami unschlüssig.
"Speisewagen ?" rief Love erfreut. "Gute Idee ! Warte, ich komme mit !" 
Love war, wenn es ums Essen ging, genau so wie Toshi, immer in vorderster 
Front. Dieses Mal jedoch wartete sie vergeblich auf Namis Einladung. 
Fragend blickte sie zu Hitomi und die antwortete mit einem leichten 
Kopfschütteln und gesenktem Blick.- Love verstand. "Na ja. Andererseits 
kann es auch nicht schlimm sein, wenn ich einmal eine Mahlzeit auslasse. 
Nachher werde ich noch zu fett."
Ein flüchtiges Lächeln zog über Namis Gesicht.- Es verriet Dankbarkeit für 
das Verständnis, das die Freunde ihr entgegen brachten. - Sie wollte allein 
sein und sich in ihre Gedanken flüchten.
Wortlos und bedächtig verließ sie das Abteil und die Zurückgebliebenen 
blickten ihr noch einen Moment lang nach.
"Was hat sie denn ?" fragte Toshi verwundert.
"Keine Ahnung." erwiderte Love. "Sie ist schon den ganzen Nachmittag so 
komisch."
"Was hast du denn schon wieder angestellt ?" fragte Hitomi vorwurfsvoll. 
"Nichts. Absolut gar nichts. Außerdem stelle ich doch nie etwas an." 
verteidigte sich die jüngste Schwester.
"Na, da kenn' ich dich aber anders." gab Hitomi ironisch grinsend zurück. 
"Aber wenn du es nicht warst, warum ist sie dann so komisch?"
"Ich weiß es beim besten Willen nicht. Als wir heute Nachmittag im Kaufhaus 
waren und ein paar Klamotten anprobiert haben, da war sie noch bester 
Laune. Sie hat so einen hautengen Fummel anprobiert,- du weißt schon, sowas 
mit supertiefem Ausschnitt und hochgeschlitzem Rock. Und sie hat sich 
tierisch amüsiert als die Kerle reihenweise in Ohnmacht gefallen sind."
"Ja, das ist unsere Nami. " stimmte Hitomi zu. "Und was ist dann passiert?"
"Nichts ! Wir haben einen Kaffee getrunken und sind dann noch kurz in den 
Musikladen gegangen, weil Nami nach einer Schallplatte für das Café suchen 
wollte. Doch dann, mit einem Mal, ist sie einfach aus dem Laden gestürmt 
und hat mich ohne Geld stehen lassen."
"Hoffentlich hat das nichts mit unseren Plänen zu tun." meinte Toshi 
schließlich nach einem Moment des Grübelns. "Aber wenn es Probleme gäbe, 
dann hätte sie es uns bestimmt gesagt."
"Welche Probleme erwartest du denn, Schwager ?" wollte Love wissen, doch 
Toshi antwortete nicht und blickte nur stumm aus dem Fenster.
"Hitomi, was ist da heute nachmittag passiert ?" 
Hitomi blickte ihren Mann fragend an. Sie wollte wissen, ob er 
einverstanden war, wenn sie es dem Küken der Familie sagen würde. Toshi 
nickte zustimmend und seine Frau begann zu erzählen.
"Wir haben heute nachmittag erfahren, daß unsere geheimnisvollen 
Verbündeten Herr Nageischi und Fräulein Asaja sind." erklärte sie und sie 
war sicher das ihre kleine Schwester sehr überrascht auf diese Neuigkeit 
reagieren würde. - Doch Love kicherte nur. 
"Ach so. Wenn es nur das ist ." meinte sie weise grinsend.
"Sag' bloß, du hast davon gewußt ?" warf Toshi verwundert ein.
"Klar doch. Und ich weiß noch mehr." bemerkte Love ein wenig stolz. "Herr 
Nageischi arbeitet für die Regierung und er und Nami haben eine Art Vertrag 
geschlossen, nach dem die japanische Regierung uns bei der Suche nach Vater 
hilft, wenn wir seine Sammlung dem Nationalmuseum stiften."
"Seit wann weißt du das denn schon ?" wollte Hitomi wissen.
"Seit ich den Computer repariert habe und dabei auf einige von Nami 
geschützte Dokumente gestoßen bin. Um sie zu retten mußte ich Nami bitten 
mir zu helfen, und da hat sie es mir erzählt."
Hitomi stutzte und macht ein bitterböses Gesicht.
"Und warum habe ich nichts davon erfahren ?" fragte sie wütend.
"Sie wollte dich und Toshi nicht da mit hineinziehen." erklärte Love 
entschuldigend. "Nach allem, was ich weiß ist die ganze Sache Top Secret.- 
Obwohl ich zugeben muß, daß die Tatsache, daß diese Asaja auch zu dem 
Haufen gehört mich schon ein wenig überrascht."
"Asaja ist das kleinere Problem." warf Toshi ein. "Aber sag 'mal Love, hast 
du eine Ahnung, warum die Regierung so scharf darauf ist euren Vater zurück 
nach Japan zu schaffen ?"
Love schüttelte ihren Wuschelkopf. "Nein, das ist eines der großen 
Geheimnisse. Herr Nageischi hat sich nie dazu geäußert. So oft wie wir auch 
nachgefragt haben, er ist immer ausgewichen und hat etwas von Freundschaft 
und Respekt erzählt." Sie hielt einen Moment inne. "Eigentlich wollte Nami 
es ja keinem von uns sagen, aber sie vermutet, daß Vater mehr als nur ein 
verfolgter Maler ist."
Toshi merkte auf. "Das würde Einiges erklären." murmelte er.
Die beiden Schwestern sahen sich fragend an und Love war es letztlich, die 
aussprach, was sie beide dachten:
"Können wir an deinen Ideen teilhaben ?"
Toshi zögerte. Er überlegte, ob es der richtige Zeitpunkt war um seine 
Theorien zu äußern. Er wußte nicht genau wann es gewesen war, als er 
plötzlich den roten Faden gefunden hatte, der alles zusammen hielt. Einmal 
ziehen und alle Teile des Puzzles waren von selbst an ihren Platz 
gerutscht.- Doch, die Schwestern mußten es wissen. Es konnte nicht falsch 
sein, wenn sie ihren Freunden etwas kritischer gegenüber ständen.
Toshi räusperte sich. "Stellt euch Folgendes vor." begann er. "Euer Vater, 
deutscher Staatsbürger, flieht vor dem 2. Weltkrieg aus Deutschland ins 
benachbarte Frankreich und wird dort später Mitglied der 
Untergrundorganisation, der Resistance.- Das stimmt soweit, ihr habt es ja 
selbst herausgefunden.- Nehmen wir an, die Deutschen finden etwas oder 
jemanden um euren Vater zu erpressen. Denn selbst wenn ER geflohen war, 
seine Wurzeln liegen in Deutschland und es mußte dort noch jemanden geben, 
dessen Leben ihm wichtig war. Wichtig genug, um ihn damit zu erpressen. - 
Jedenfalls, die Nazi-Deutschen drohen ihm.- Stellen ihn vor die Wahl: Tod 
oder Mitarbeit.- Er entscheidet sich für die Deutschen zu arbeiten, was 
verständlich ist, niemand ist gerne tot." 
Toshi hielt inne. Die beiden Schwestern, die seinen Ausführungen bisher 
aufmerksam gefolgt waren, nickten verstehend. 
"So weit, so gut.- Mittlerweile ist der Krieg in vollem Gange und es läuft 
für die Deutschen nicht gut. Der französische Untergrund ist ein nicht zu 
unterschätzender Feind geworden.- Das ist geschichtlich belegt und in 
Büchern nachzulesen.- Euer Vater beginnt ein riskantes Spiel. Auf der einen 
Seite versorgt er Deutschland mit Informationen über den Untergrund um sein 
Leben und das seiner Lieben zu retten. Er gibt aber nur soviel preis, daß 
er ungehindert sein eigentliches Ziel weiter verfolgen kann: Die Vereitlung 
der Kunstdiebstähle der Deutschen.- Die Lage spitzt sich zu.- Das 
Bernsteinzimmer, der größte Coup.- Das es existierte ist Fakt.- Ob es 
rechtzeitig bei Seite geschafft wurde oder nicht, lassen wir dahin 
gestellt.- Jedenfalls weiß Heintz etwas darüber. - Der Krieg ist aus.- Das 
Ende seiner Arbeit für die Nazis.- Die Siegermächte plündern das besetzte 
Deutschland.- Geschichtlicher Fakt.- Auch das Interesse an der 
verschollenen Beutekunst erwacht. Der Eine erzählt dies, der andere das. 
Lügen und Legenden werden geboren. Vieles ist in geheimen Lagerstätten für 
immer verschollen.- Euer Vater wird zum gesuchten Mann.- Er flieht von Land 
zu Land.- Das wißt ihr. Also Fakt.- Das eine oder andere Land verspricht 
ihm wahrscheinlich Schutz vor seinen Verfolgern, aber nur im Austausch 
gegen Informationen.- Nun hat er aber vielleicht gar keine wertvollen 
Informationen, oder will sie nicht preisgeben.- Also gibt es keinen Deal.- 
Dann kommt er in unser Heimatland- oh wunderbares selbstloses Japan.- Wir 
nehmen ihn auf ohne Bedingungen zu stellen.- Jedenfalls nicht 
ausdrücklich.- Aber vielleicht würde er ja irgendwann von selbst sagen, was 
er wußte.- Der Plan gelingt.- Nahezu unerkannt läßt er sich nieder, gründet 
eine Familie.- Schaut euch an: FAKT.- Doch etwas geht schief. Irgendwo gab 
es eine undichte Stelle und sie sind ihm auf den Fersen.- Schnell muß er 
aus Japan heraus.- Fakt.- Aber wie? - Als Tourist wäre zu gefährlich.- Mit 
Botschafterpapieren - na, ja, jedenfalls durch irgendwelche 
Regierungspapiere geschützt und beschleunigt - reist euer Vater 68 
unbehelligt mit seiner Sammlung nach Amerika.- Die Reise: FAKT.- Nun kommt 
Nageishi ins Spiel. Er sollte ihn wahrscheinlich überwachen. Sicherstellen, 
daß - wenn er redete - die richtigen Ohren zuhörten.- Warum und wie weiß 
ich nicht, aber man könnte Einiges vermuten.- Jedenfalls gerät er in die 
Hände der Russen.- Sie kerkern ihn ein, quetschen ihn aus, doch bekommen 
nichts heraus.- Nutzlos wird er an Ostdeutschland ausgeliefert.- Zunächst 
Ende."
Love staunte Bauklötze. Das mußte es sein. Es klang alles so logisch, fand 
sie. 
Hitomi hingegen zweifelte. "Das ist war zwar eine tolle Geschichte, aber wo 
kommt die Platte mit den Weihnachtsgrüßen ins Spiel. Und der Trubel um 
Vaters Bilder. Wenn es doch nur Bilder waren, dann verstehe ich nicht, 
warum unsere Regierung uns unterstützt hat bei dem Versuch sie wieder zu 
beschaffen."
Toshi legte die Stirn in Falten. "Ich hätte da schon eine Erklärung nur 
leider paßt sie nicht zu den Tatsachen."
"Laß trotzdem hören." meinte Hitomi.
"Nun gut. Nehmen wir an, euer Vater kannte geheime Lagerorte deutscher 
Beutekunst. Sei es durch den Untergrund oder durch Arbeit für die 
Deutschen. Offiziell hat es wohl kaum detaillierte Aufzeichnungen über die 
genauen Lagerorte gegeben.- Wenn ja, haben die meisten die Kriegswirren 
nicht überstanden.- Euer Vater glaubte wohl, das die von den Nazis 
entwendeten Kunstwerke unbedingt wieder in die Hände derer zurück gelangen 
mußten, denen sie gestohlen worden waren. Er wollte um jeden Preis 
verhindern, daß sich die Siegermächte den Inhalt der unentdeckt gebliebenen 
Lagerstätten auch noch einverleibten. Da er verfolgt wurde, konnte er 
natürlich nicht sicher sein, daß er noch leben würde, wenn es dann dereinst 
an der Zeit wäre sein Wissen Preis zu geben. Wie auch immer findet er einen 
Weg die Lagerplätze der ihm bekannten Beutekunst in seinen Bildern zu 
verschlüsseln.- Als Gedächtnisstütze, als Hinweis für seine Freunde aus der 
Resistance, Vermächtnis an euch.- Vieles ist denkbar.- Logisch, das auch 
Japan da mitmischen wollte.- Was die Platte betrifft, so bin ich mir nicht 
sicher. Entweder war sie einfach nur ein Hilferuf, weniger an euch als an 
die Regierung. Oder sie war ein Trick um euch in die Finger zu bekommen, 
als Druckmittel."
Hitomi lachte. "Ein wahnwitzige Agentengeschichte James Utzumi 000. Ein 
Haken - leider war nichts in den Bildern verschlüsselt."
Toshi nickte. "Womit meine Theorie wie ein Kartenhaus zusammenfällt." 
ergänzte er betrübt. "Du hast doch nichts gefunden, oder Love ?"
"Wenn du damit versteckte Botschaften meinst, Agent Toshi, dann muss ich 
dich enttäuschen." antwortete Love mit einem Kopfschütteln. "Nichts, Nada, 
Niente, Nothing - Ich habe alles versucht, aber ausser ein paar 
Gitterlinien die machen Bildern unterlegt sind war nichts zu finden. Aber 
das ist ja nichts ungewöhnliches. Viele Künstler arbeiten mit 
Rastergittern, wenn sie von Vorlagen abmalen."
Toshi hob nachdenklich die Augenbrauen. "Ich würde das doch gerne einmal 
sehen. Hast du die Unterlagen da ?" erwiderte er neugierig.
"Nein, leider nicht. Die ganzen Unterlagen sind in dem Paket mit unserer 
Ausrüstung." gab Love zurück. Und mit einem Mal machte Toshi ein 
ausgesprochen sorgenvolles Gesicht.
"Dann sind die Aufzeichnungen also in ihren Händen." bemerkte er und seine 
innere Unruhe war deutlich in seiner Stimme zu spüren. 
Love hingegen verstand die ganze Aufregung nicht. "Ja und ? Was solls ! Da 
ist doch nichts dabei." meinte sie. "Es ist doch nichts brauchbares 
herausgekommen, ausser ein paar Gittern mit Tintenflecken darin. Und die 
neusten Tic-Tac-Toe-Regeln sind sicher kein Agentengeheimnis mehr." 
frotzelte sie noch, doch da merkte auch Hitomi plötzlich auf. 
"Tintenkleckse ? " warf sie verwirrt ein. "Du hast Gitterlinien mit 
Tintenklecksen gesehen ?"
"Ja, aber vielleicht waren es auch nur Einschlüsse in der Leinwand. Sowas 
kommt häufig vor." erklärte Love gelassen, hatte sie die Wichtigkeit ihrer 
Entdeckung noch immer nicht erkannt. Hitomi jedoch stockte der Atem. 
"Koordinatengitter mit Punkten. " murmelte sie und blickte ratsuchend zu 
ihrem Mann. "Ich habe da einen bösen Verdacht."
Toshi grübelte noch verzweifelt. Diesmal fehlte ihm der Impuls,- der 
zündende Gedanke um alles in eine Reihe zu bringen. Seine Frau hingegen 
hatte den neuen Stein schon in das Puzzle eingebaut. Und so sehr sie sich 
auch sträubte es zuzugeben, es paßte in das Bild, das ihr Mann vorhin 
gerade gezeichnet hatte.
"Denk nach, Toshilein." meinte sie liebevoll. "Militärkarten sind in 
Quadrate aufgeteilt und soweit ich weiß, gibt es meist keinerlei 
Beschriftung. Ausgewählte Städte dienen als Orientierungspunkte, damit der 
Feind sie nicht so leicht entschlüsseln kann."
Love schreckte auf. "Wenn das so ist, dann braucht man sie ja nur auf eine 
komplette Karte zu projezieren um sie zu entschlüsseln." schlußfolgerte sie 
kühn und Hitomi nickte.
"Ja, genau das habe ich befürchtet." gab sie nachdenklich zu. "Aber auf 
diese Weise kann man nicht nur Karten übermitteln. Mit den richtigen 
Originalen kann man auch Botschaften und anderes geheimes Material 
verschlüsseln."
"Das bedeutet also, daß unsere ach so hilfsbereiten und loyalen Freunde 
dank uns alles zusammen haben, um die Botschaften eures Vaters zu 
entziffern." stellte Toshi fest und blickte in die Runde. Die beiden Damen 
machten betroffene Gesichter. Und der Detektiv wußte auch, daß das, was er 
jetzt prophezeien würde, nicht gerade die Stimmung heben würde. "So ungern 
ich es auch sage,- " begann er schließlich leise. "Aber wenn die Regierung 
jetzt alles hat, was sie suchte, dann..."
"Bitte sag's nicht, Toshi." unterbrach ihn Hitomi und legte zärtlich ihre 
Finger auf seinen Mund. Zwar war es so offensichtlich, was ihr Mann sagen 
wollte, doch sie wollte es in diesem Moment einfach nicht akzeptieren. 
Nicht nur um ihrer Willen,- sie wollte auch ihrer Schwester Love nicht die 
Hoffnung nehmen, jemals ihren Vater wiederzusehen.
Doch die jüngste der drei Schwestern hatte die bittere Wahrheit längst 
erkannt, die hinter Toshis Worten steckte.
"Lass nur, Hitomi." sagte sie schließlich leise und senkte traurig den 
Kopf. "Toshi hat recht. Wenn sie jetzt bereits ihr Ziel erreicht haben, 
dann sind wir für den Geheimdienst nur noch ein Klotz am Bein.- Und ich 
habe genügend kitschige Agentenfilme gesehen, um zu wissen, wie die mit 
Leuten umgehen, die zu viel wissen."
Eine bedrückende Stille machte sich unter den Freunden breit. Jeder der 
Drei hatte genau gewußt, daß ihr Leben auf dem Spiel stand. Aber erst 
jetzt, wo Love es offen ausgesprochen hatte, da wurde ihnen die volle 
Tragweite ihrer Lage bewußt.
Minutenlang sagte keiner ein Wort. Love begann in einem Buch zu lesen, 
Hitomi kuschelte sich an ihren Mann und blickte gedankenversunken im 
Zugabteil umher während Toshi aus dem Fenster starrte. Die Sonne war schon 
lange untergegangen und die ganze Welt, die vor dem Zugfenster vorbei flog, 
war reduziert auf wenige leuchtende Flecken am Horizont. Doch in diese 
bedächtige Stille mischte sich plötzlich ein leises Klopfen. Erschrocken 
blickten die drei Freunde zur Türe, die ihr Zugabteil vom Gang trennte. 
Durch die Glasscheibe erblickten sie ein freundliches Männergesicht, das 
scheinbar auf eine Reaktion von ihnen wartete. Nach einem kurzen Zögern und 
auf eine einladende Handbewegung von Love hin öffnete sich dann jedoch die 
Türe und ein großer schlanker Mann, gut gekleidet und mit blonden Haaren 
trat ein. Sein Gesicht war nicht untypisch für einen Europäer, aber dennoch 
hatte Hitomi das fast unmerkliche Gefühl, daß sie dieses Gesicht schon 
einmal gesehen hatte.
"Excusez moi, mademoiselles, monsieur. Cette place est occupee ?" fragte 
der Herr in perfektem Französisch und Hitomis Augen blieben förmlich an den 
Lippen des Fremden kleben. Er hatte mit solch einer unbeschreiblich sanften 
und wohlklingenden Stimme gesprochen. 
Toshis Räuspern unterbrach ihre Gedanken und sie sah die vorwurfsvollen 
Blicke ihres Mannes.
"Äh, ja," stotterte sie. "Er hat gefragt, ob er sich zu uns setzen kann." 
übersetzte sie.
Toshi und Love blickten einander stumm an und nickten einhellig.
Hitomi wollte dem Herren noch angemessen antworten, doch da war der schon 
mit seinem Gepäck eingetreten und hatte die Tür des Abteils hinter sich 
geschlossen.
"Vielen Dank, meine Damen, mein Herr." sagte der Fremde in fast 
akzentfreiem Japanisch und Hitomi sah ihn verblüfft an: "Sie sprechen 
unsere Sprache?"
"Ja, ein wenig." gab der Herr verlegen zurück. "Aber ich hoffe, daß sie mir 
die Möglichkeit geben werden, meine Kenntnisse etwas aufzufrischen."
"Es wäre uns eine Ehre." bemerkte Love gestelzt und sichtlich beeindruckt.
"Vielen Dank." sagte der Herr und verbeugte sich höflich. Neugierige Blicke 
lasteten auf dem Fremden während er seine Reisetasche ins Gepäcknetz legte 
und neben Love Platz nahm.
"Erlauben sie, daß ich mich vorstelle? Mein Name ist Robert Rossinier."
Hitomi brach in schallendes Gelächter aus. "Es gibt doch noch Wunder."
"Entschuldigung, aber das verstehe ich nicht !" entgegnete der Fremde.
"Meine Schwester heißt Nami Kisugi" erklärte Hitomi. "Ich habe zwar Toshi 
hier geheiratet und heiße jetzt Utzumi, doch mein Mädchenname ist auch Kisugi,- 
Hitomi Kisugi und die junge Frau neben Ihnen ist Love, sie war damals noch ein 
Baby."
"Sie sind Hitomi ?"
Hitomi antwortete mit einem Kopfnicken und ein ungläubiges Lächeln huschte 
über das Gesicht des Fremden "Entschuldigen Sie, daß ich Sie nicht sofort 
erkannt habe, aber als Nami und ich uns getrennt haben, da waren Sie noch 
ein kleines Mädchen.- Sagen Sie, geht es Nami gut ?"
"Fragen Sie sie doch selbst..." lachte Hitomi...

Der Speisewagen war beinahe leer. Nami saß allein und gedankenverloren an 
einem Tisch und blickte in das halb leere Whiskyglas, das vor ihr stand. Es 
schien sie nicht zu interessieren, daß alle im Raum sie wegen ihres 
freizügigen Kleides gierig anstarrten. Sie beobachtete einen großen blonden 
Mann an der Bar. Er hatte zwei Tassen Kaffee bestellt und nun lächelte er 
ihr zu. Sie schenkte ihm einen abschätzigen Blick und sah mit 
Gleichgültigkeit wie er herüberkam.
"Hier, trink das." sagte der Fremde vertraut und leise zu Nami, als er ihr 
unaufgefordert Kaffee servierte.
Die älteste der drei Schwestern schreckte auf. "Kennen wir uns ?" fragte 
sie verwundert und sah ihn verwirrt aus glasigen Augen an.
"Ja, wir kennen uns, Nami." erwiderte der Mann grinsend. "Es ist zwar schon 
lange her, aber wir kennen uns. Sehr gut sogar. Und damals hast du noch 
keinen Alkohol getrunken."
Nami schob empört die Tasse bei Seite.
"Was erlauben sie sich eigentlich ?" gab sie erbost zurück, während sich 
der Mann grinsend auf den freien Stuhl neben ihr setzte. "Was zum Teufel 
geht es sie an, was und wieviel ich trinke. Sie sind nicht mein Mann." 
fügte sie wütend hinzu. Doch irgendwie war ihr Zorn gespielt, denn obwohl 
sie es als eine Frechheit empfand, gefiel ihr die Art, wie dieser Mann sich 
an sie heranmachte. Und nicht nur die Art, die Person gefiel ihr auch.
Ein süffisantes Lächeln huschte über das Gesicht von Robert Rossinier.
"Na, na, na. Darf eine so schöne Dame derart fluchen ?" spottete er. "Aber 
du bist schon immer ein Dickkopf gewesen." sagte er zu Nami und musterte 
sie liebevoll. "Aber was dein Haar angeht.- Ich hab dir ja schon damals 
gesagt, daß du damit aussiehst wie ein Staubwedel."
"Staubwedel ?" wiederholte Nami ein wenig beleidigt, doch dann blickte sie 
den Fremden traurig an. "So hat mich nur einer genannt." meinte sie nach 
einer Weile. "Staubwedel hat mein Freund mich immer genannt."
"So - Und was ist aus ihnen geworden ?" wollte der Mann wissen, doch als er 
Namis empörte Blicke bemerkte, meinte er nur verlegen "War ja auch nur 
so'ne Frage." und er tat so, als ob er sich insgeheim für seine Neugier und 
Taktlosigkeit schämte. 
Nami zögerte. Was war es, das diesen Mann so attraktiv machte? Seit Jahren 
fühlte sie sich wieder in der Gegenwart eines Mannes geborgen. Die Art, wie 
er in ihre Augen sah und keinen einzigen Blick an ihr gewagtes Abendkleid 
verschenkte. Vielleicht war er die Art Mann, auf die sie immer gewartet 
hatte.. 
"Ich habe Schluß gemacht. Ich war so dumm zu denken das es etwas noch 
Wichtigeres gäbe." sagte sie leise und sie verstand selbst nicht, warum sie 
davon begann. "Es war falsch, aber ich habe wohl keine Möglichkeit ihm zu 
sagen, wieviel er mir noch immer bedeutet. An Tagen wie heute frage ich 
mich immer wieder, wo er ist, was er macht." Nami seufzte und schwenkte 
betrübt ihr Whiskyglas. Die Eiswürfel im Glas begannen mit klingenden 
Geräuschen der Flüssigkeit zu folgen und erst als die Bewegung zum Erliegen 
gekommen war, fuhr sie fort. "Ich hoffe inständigst, das er ein glückliches 
Leben führt."
Der Fremde blickte mitleidsvoll, doch dann begann er herzlich zu lachen. 
"Weißt du, Nami, es ist nie zu spät. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, daß 
dein Freund gerade in diesem Moment in einem Zug an einem Tisch sitzt und 
in Begleitung einer wunderhübschen Frau seinen Kaffee trinkt."
"Sie scherzen, oder ?" fragte Nami verwirrt. "Aber dann sind sie ja ..." 
"Robert Rossinier." erwiderte der Mann.
"Der Robert ?" meinte Nami verwundert. 
Der Fremde nickte. "Ja, der."
"Sag, was machst du hier?"
"Ich bin bei der Kriminalpolizei von Berlin beschäftigt." erklärte Robert 
und er sah mit Freude, wie Nami das Whiskyglas zur Seite schob und statt 
dessen einen Schluck Kaffee nahm. Die Augen dieser jungen Frau, die eben so 
müde und hoffnungslos ausgesehen hatten begann wie Sterne zu funkeln als 
sie den verlorenen Freund musterte.
"Du erinnerst mich irgendwie an den Mann meiner Schwester Hitomi."
"Detektiv Toshi Utzumi"
"Dann hast du sie also schon getroffen."
"Ja, sie haben mich in ihr Abteil gebeten." erklärte der Mann. "Hitomi ist 
eine wunderhübsche Frau geworden. Sie beide geben ein schönes Paar ab."
Nami nickte. "Ja, es war ihr Traum, Toshi zu heiraten."
"Dann haben sie das geschafft, was uns verwehrt war." stellte der Mann 
bedrückt fest. 
"Ja, sie erinnern mich sehr an uns beide." ergänzte Nami. "Hast du auch 
Love kennengelernt." fragte sie.
Der Mann lachte. "Frech wie Oskar, aber ein liebes Mädchen. - Sie erinnert 
mich sehr an dich, wie du früher warst. - Sie hat mir erzählt, das du den 
Traum von einem eigenen Geschäft verwirklicht hast?"
Nami nickte und senkte bedächtig den Kopf. "Ja. Nachdem Mutter gestorben 
ist, haben Hitomi und ich uns ein kleines Café mit einem Wohnhaus dabei 
gekauft."
"Und jetzt arbeitet ihr alle im Café und seid euer eigener Boß? " 
"Na ja, was Love betrifft, du weißt ja wie das ist, wenn man jung ist."
"Jetzt tu aber nicht so, als ob du steinalt wärst." warf Robert ein. "Wenn 
ich dich so ansehe, dann gehst du immer noch glatt für 20 durch."
Nami lachte verlegen. "Danke. Aber selbst wenn wir uns äußerlich nicht sehr 
verändert haben, innerlich sind wir erwachsen geworden." meinte sie nach 
einer Weile und der Mann nickte zustimmend.
"Ja, da hast du recht." meinte er nachdenklich und blickte tief in seine 
Kaffeetasse. 
Nami lachte. "Sag' mal, ist das typisch für euch Polizisten, daß ihr euren 
Kaffee immer erst hypnotisiert, bevor ihr ihn trinkt." spottete sie und zu 
guter Letzt begann auch ihr Freund erheitert zu grinsen. 
"Weißt du, Nami. Ich denke oft an uns zurück." meinte er nach einer Weile 
und senkte verschämt den Kopf. "Wie steht's mit dir ? Bist du denn schon in 
festen Händen?"
"Nein, ich warte immer noch auf den Richtigen." erwiderte Nami 
kopfschüttelnd.
"Meinst du, daß wir noch einmal von vorne beginnen könnten ?" fragte Robert 
zögerlich nach Momenten des Nachdenkens.
"Ich weiß nicht." gab Nami zurück. "Ich denke ich würde gerne zu der Art 
und Weise zurückkehren, wie wir damals zueinander standen. Vielleicht 
können wir ja auch da beginnen, wo alles aufgehört hat.." meinte sie 
geheimnisvoll, dennoch wollte sie nicht die Hoffnungen wecken, die sie auf 
Roberts Gesicht zu sehen glaubte. "Ich weiß, was du denkst.- Bitte erwarte 
jetzt keine Entscheidung von mir. Jetzt noch nicht. Laß mir noch ein wenig 
Zeit. Es gibt da einige Dinge, die ich noch ins Reine bringen muß."
"Als da wären ?" fragte der Robert und griff Namis Hand.
Sie erwiderte die Geste doch schüttelte den Kopf. "Das kann ich dir leider 
nicht sagen. Ich kann und darf dich da nicht mit hineinziehen. Bitte 
versteh' mich." bat sie. "Ich empfinde immer noch etwas für dich. Ich habe 
dich immer geliebt. Und eines verspreche ich dir, wenn ich mit mir selbst 
im Reinen bin, dann werde ich dir alles erklären."
"Ich denke, es ist es wert, so lange zu warten." gab der Mann zurück und 
Nami küßte ihn zärtlich auf die Wange.
"Ich wußte, du würdest mich verstehen." flüsterte sie leise.

In einer Nobelsuite des Pariser Hotels, welches die Schwestern vor Stunden 
verlassen hatten klingelte das Telefon.
Ein Mann im weißen Anzug hob den Hörer ab. "Ja ? Ja... Ich verstehe... 
Wertlose Informationen also. Und sie sind sich ganz sicher... Ja... Und die 
Hinweise auf das Bernsteinzimmer ?... Gut, dem sollten wir nachgehen. 
Vernichten sie die Dokumente, sobald sie sie verschlüsselt haben... Ja, ich 
werde sie persönlich abliefern... Ja, ihnen auch Genosse."
Der Mann legte den Hörer auf und dachte einen Moment lang nach.
"Es tut mir leid, Katzenauge, aber ich habe keine andere Wahl." sagte er 
leise und verließ den Raum.





10. Fehltritte

In der Morgendämmerung des 27. Dezember rollte der Zug, der Paris am Abend 
des vergangenen Tages verlassen hatte langsam in den Bahnhof von West 
Berlin ein.
Robert beschloß seine Jugendliebe und ihre Familie noch bis zu ihrem Hotel 
zu begleiten. Es wunderte ihn warum Nami und ihre Schwestern in den 
vergangenen Stunden immer ausgewichen waren, wenn das Gespräch auf ihre 
Familie kam. Irgend etwas Geheimnisvolles umgab dieses Quartett.

Er konnte nicht wissen, daß sich jedoch schon in diesem Moment in einem 
Hotel in West-Berlin das Schicksal seiner neu gefundenen Freunde 
entschied...
"Die Unterlagen für die Operation Heimweh habe ich an der Rezeption des 
Hotels hinterlegt." berichtete Asaja.
"Gute Arbeit. Kollegin. Aber es gibt leider eine Änderung." wandte Herr 
Nageischi ein und überreichte dem Unterinspektor einen Umschlag. "Das sind 
die neuen Befehle. Lesen sie."
Asaja öffnete den Umschlag und nahm das Blatt heraus.
Hastig flogen ihre Augen über die japanischen Schriftzeichen.
"Nein, das ist doch nicht möglich." sagte sie fassungslos, als sie am Ende 
der Mitteilung angelangt war. "Das können die doch nicht machen. Es sind 
doch Menschen."
"Es tut mir leid, aber diese Befehle zu ändern liegt nicht in meiner 
Macht." entgegnete Herr Nageischi. "Manchmal müssen eben Opfer gebracht 
werden, auch wenn wir es jetzt nicht verstehen."
"Ich weigere mich diesen Befehlen zu gehorchen." antwortete Asaja 
entschlossen.
"Sie werden gehorchen müssen." befahl der Botschafter. "Sie haben sich für 
diese Aufgabe gemeldet und sie wissen wie Befehlsverweigerung bestraft 
wird."
Asaja nickte gehorsam. "Dann habe ich wohl keine andere Wahl." meinte sie 
schließlich resigniert.
"Gut. Ich habe auch nichts anderes von Ihnen erwartet und ich war so frei 
und habe ihre Männer bereits instruiert." sagte Herr Nageischi im Gehen 
begriffen. "Leider muß ich jetzt nach Ost-Berlin abreisen, um die dortige 
Aktion zu überwachen. Ich verlasse mich auf sie, Asaja." fügte er hinzu und 
sah Asaja noch einmal mahnend an. "Und denken sie daran, auf 
Befehlsverweigerung steht die Todesstrafe."

Das Hotel Nippon, in dem sie residierten war ein Nobelhotel, welches von 
Asiatischen Reisenden rege besucht wurde. Schon als die kleine Reisegruppe 
die riesige Eingangshalle betreten hatte, spürten sie die vertraute 
Atmosphäre und es kam ihnen vor, als ob sie wieder zu Hause wären. 
Toshi ließ sich mitreißen und neugierig wanderten seine Augen umher. 
Überall fielen ihm Schilder und Beschriftungen ins Auge, die neben den in 
Europa üblichen Zeichen auch die asiatischen Schriften zeigten. Sauna, 
Karaoke-Bar, Bad, Whirlpool... Es schien, daß dieses Hotel all den Komfort 
zu bieten hatte, den ein Besucher aus dem Land der aufgehenden Sonne 
ansonsten in Europa vermissen würde.
Man hatte sie in ihrer Muttersprache und mit typisch japanischer 
Herzlichkeit empfangen. Und nun saßen sie auf Kosten des Hauses im 
Hotelrestaurant und warteten darauf ihre Zimmer zu beziehen.
Toshi ließ den Schlüssel mit dem goldfarbenen Anhänger durch die Finger 
gleiten. 'Suite' - hatte der Empfangschef gesagt und er war neugierig zu 
erfahren, ob es noch eine Steigerung zu dem Hotelzimmer gab, das sie in 
Paris bewohnt hatten. Sein Blick fiel auf Robert, der immer noch an Namis 
Seite klebte.- War es zwischen ihm und Hitomi genau so gewesen ? - Er 
konnte sich nicht mehr erinnern.- Eines jedoch war ihm vertraut. Die Art 
und Weise wie die Schwestern immer sorgfältig ihr Geheimnis zu verschleiern 
suchten. In jahrelanger Übung hatten Nami und Hitomi dieses Spiel zur 
Perfektion getrieben. Love hingegen stolperte hin und wieder über die 
kleinen versteckten Fragen, die Robert wie zufällig einstreute. Doch ihr 
jugendlich-frecher Charme ließ sie immer schnell genug ihre Unsicherheit 
kaschieren. Er selbst hingegen hatte in den letzten Stunden kaum geredet 
und sich darin geübt das Treiben um ihn herum mit analytischem Verstand zu 
beobachten. Auf Roberts Fragen hin hatte er mit seinen Worten von sich das 
Bild eines mittelmäßigen gelangweilten Polizisten gezeichnet. Kein Wort von 
der Jagd nach den Katzen oder seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst. 
Toshi merkte auf. Ein Kellner kam und nahm ihre Bestellung auf. Dieses 
Restaurant brauchte wahrlich nicht den Vergleich mit einem Nobelrestaurant 
im vornehmen Tokioter Bezirk Shinagawa zu scheuen. Dank der Großzügigkeit 
der Schwestern und mit eisernem Sparen hatte er schon in den vornehmsten 
Restaurants Tokios speisen können. Dennoch würde er sich an die erlesenen 
Speisen und die piekfeinen Umgangsformen nie gewöhnen können.
Er nahm die Speisekarte vom Tisch und blätterte darin. Es war eine in Leder 
gebundene Kladde mit edlem dicken handgeferigtem Papier darin. Mehrsprachig 
listete sie die edelsten Speisen und Getränke auf.- Er suchte nach etwas 
Banalem.- Etwas, dessen Preis er vergleichen konnte.- Er schluckte.- Nein, 
ein Essen hier hätte beinahe sein Jahresgehalt verschlungen.
Der Kaffee wurde serviert und er hoffte inständig ihn nicht bezahlen zu 
müssen.- Er nahm einen Schluck.- Kein Vergleich zu dem was die Schwestern 
zauberten.- Seine Augen suchten Nami und er mußte schelmisch grinsen.- Sie 
war gut, sehr gut.- Wie ein Illusionist hatte sie gerade Roberts Blicke mit 
ihrem Minenspiel gebannt, während ihre Hände schnell und beinahe unmerklich 
das Päckchen Streuzucker von ihrer Untertasse verschwinden ließen.- 
Sicherlich war ihr etwas aufgefallen, etwas, das diese Beilage als 
Nachricht auswies. Der Empfangschef trat an den Tisch und berichtete, das 
die Zimmer nun bereit stünden. Nami bedankte sich höflich und sagte, sie 
wolle zuerst noch den Kaffee genießen. Ihr Gespräch mit Robert wurde 
zunehmend belangloser. Schließlich gähnte sie dezent hinter vorgehaltener 
Hand.- Wieder ging ein flüchtiges verhaltenes Grinsen über Toshis Gesicht.- 
Das Gähnen war ein Zeichen gewesen . - Ein Zeichen, das seine Frau Hitomi 
zu deuten verstand. Sie sah auf ihre Armbanduhr und stand auf.
"Entschuldigt mich. Aber ich muß eben mal telefonieren.- Mal sehen ob unser 
Café noch steht." sagte sie und sah ihren Mann an. "Wolltest du nicht auch 
noch im Revier anrufen, Toshi?"
Der Ex-Detektiv nickte nach kurzem Zögern. "Ja, du hast recht. Vielleicht 
hat man mich ja schon entlassen."
Auf den Weg hinaus in die Empfangshalle stieß Toshi seine Frau unbemerkt 
an. "Was sollte das?" flüsterte er.
"Sie hat eine Nachricht erhalten."
"Der Zucker?"
"Ja!- Und jetzt müssen wir Robert loswerden."
"Stimmt, der hängt an ihr wie eine Klette!"

Nami beobachtete erwartungsvoll, wie Hitomi an die Rezeption trat und sich 
ein Telefon reichen ließ.
"Also wenn ihr auf eigen Faust durch die Stadt ziehen wollt, dann würde ich 
mich gerne als Reiseführer anbieten." 
Namis Aufmerksamkeit wanderte wieder zu ihrem Freund, dessen Stimme sie 
unterbewußt wahrgenommen hatte. Sie hob ihre Augenbrauen und rang sich ein 
Lächeln ab. 'Warum muß es nur so kompliziert sein! Und warum ist er nur so 
verdammt nett und liebenswürdig!' fluchte sie innerlich. Sie war mehr als 
glücklich Robert getroffen zu haben und zu jeder anderen Zeit hätte sie 
alles getan ihn nicht von ihrer Seite zu lassen, doch in diesem Augenblick 
hatten sie nur ein Ziel.- Das Ziel, dem sie einen Großteil ihres Lebens 
geopfert hatten. "Das wäre sehr nett." sagte sie schließlich. "Ich denke 
wenn wir uns erst mal von den Strapazen der Reise erholt haben werden wir 
sicher darauf zurückkommen." - 'Diese ewige Lügerei!' - Wie sollte eine 
Beziehung bestand haben, die auf Lügen aufbaute? Wie hatte Hitomi das nur 
geschafft? Wie dumm mußte ein Mensch sein, das Alles nicht zu durchschauen? 
Machte Liebe vielleicht dumm? 
Ein durchdringender Piepston riß sie aus ihren Gedanken. Sie mußte sich das 
zufriedene Lächeln verkneifen, als sie Robert nach seinem Pieper suchen 
sah. Ein Blick auf das kleine Kästchen ließ das zufriedene und verliebte 
Lächeln in Roberts Gesicht verschwinden. "Verdammt, ich muß gehen."

Hitomi beobachtete mit ausdruckslosen Augen wie sich der groß gewachsene 
blonde Polizist von ihren Schwestern verabschiedete. "Er tut mir leid!" 
meinte sie zu ihrem Mann. Er nickte. "Ja, ich denke er hätte etwas 
Subtileres verdient gehabt." kritisierte er.
Robert verließ das Restaurant und kam schweren Schrittes herüber zur 
Rezeption. Seine eben noch funkelnden Augen zeigten nun die Auswirkungen 
der schlaflosen Nacht. Etwas ließ ihn stoppen und umher sehen. Seine 
Aufmerksamkeit galt den Aufzügen am entfernten Ende der Empfangshalle, wo 
ein leerer Fahrstuhl begleitet von einem hellen Glockenschlag seine Türen 
geöffnet hatte. Niedergeschlagen winkte er Nami und Love noch einmal zu.
Hitomi hörte noch Roberts langen tiefen Seufzer nachklingen, da plötzlich 
eine aufgeregte Frauenstimme durch die Empfangshalle schallte: "UTZUMI! 
UTZUMI!"
Eine junge Dame mit lockigen rotblonden Haaren in Lederjacke und Jeans 
stürzte auf sie zu. "Utzumi! Halten Sie sie auf."
Alle Blicke waren sofort auf die störende Person gerichtet, die nun 
schnaufend vor Toshi Halt machte.
"Utzumi!" keuchte sie und schnappte nach Luft. "Die.. die Schwestern sind.. 
sind in großer Gefahr."
Der Ex-Detektiv zuckte zusammen. Er kannte die großen und entschlossenen 
Augen mit denen die Fremde ihn ansah. 
"Asaja ! Was machen sie denn hier. Und wie zum Teufel sehen sie aus !"
"Keine Fragen." antwortete Asaja hektisch, "Sie müssen die Schwestern 
warnen." 
"Aber sie sind auf dem Weg zu ihrem Zimmer." entgegnete Toshi.
"Sie dürfen das Zimmer nicht betreten." mahnte Asaja äußerst energisch und 
der Detektiv nickte verständig.
"Robert! Schnell!" rief er seinem verwirrt dreinblickenden Kollgen zu und 
rannte zum Treppenhaus. Er stürzte die Stufen hinauf, gefolgt von Robert. 
Auch Hitomi lief nach einer kurzen Schrecksekunde los, doch trotz ihres 
sportlichen und durchtrainierten Körpers fiel sie immer weiter hinter den 
beiden Polizisten zurück, die Raketen gleich die Treppen zur zweiten Etage 
hinauf flogen.
Es war sicher, daß der Aufzug mit den Schwestern darin schon längst vor 
ihnen angekommen war. Doch Toshi hatte noch die Hoffnung, daß Nami und Love 
ihr Zimmer nicht auf Anhieb finden würden.
Kopf an Kopf mit Robert stürmte er den Gang hinunter und sah nur noch Nami, 
wie sie gerade im Begriff war das Zimmer zu betreten.
Mit allerletzter Kraft hechtete Robert Rossinier auf seine Freundin zu und 
riß sie aus dem Eingangsbereich des Zimmers heraus zu sich auf den Flur.
Love hingegen war schon einige Schritte weit ins Zimmer hinein gegangen, 
als der plötzliche Tumult sie aufmerken ließ. Neugierig drehte sie um und 
kehrte zur Zimmertüre zurück..
Toshi wollte ihr noch warnende Worte zurufen.- Sie auffordern stehen zu 
bleiben, doch da hörte er auch schon dieses leise merkwürdig klickende 
Geräusch. "Stolperdrahtfalle" schrie er und faßte eine folgenschwere 
Entscheidung. Verzweifelt nahm er allen Mut zusammen und stürmte hinein. Im 
Stile eines Football-Spielers tackelte er Love und riß sie zu Boden. Aber 
noch während des Fluges,- noch bevor ihre Körper einige Meter weiter auf 
dem Boden aufprallten,- erschütterte bereits die Explosion das Gebäude. 
Metallsplitter und Bruchstücke der Einrichtung flogen wie Geschosse durch 
das Zimmer und vermischten sich mit dem ohrenbetäubendem Lärm zerberstenden 
Glases.
Doch dann, mit einem Mal, wurde es ganz still. Rauchschwaden verhüllten den 
Raum als Love noch benommen die Augen aufschlug. Ihr Kopf schmerzte ein 
wenig und als sie an ihre Stirn reichte, da klebte ein wenig Blut an ihren 
Fingern. Dennoch fühlte sie sich den Umständen entsprechend ganz gut, doch 
aufstehen konnte sie nicht. Etwas Schweres lag auf ihr und hinderte sie 
daran. Noch ein wenig schwindlig hob sie ihren Kopf und erblickte Toshi, 
der mit dem Gesicht nach unten auf ihren Beinen lag. Sie wollte schon ein 
paar witzige Bemerkungen an ihn loswerden, da sie erst bemerkte, das er 
sich nicht bewegte. Sie sah die vielen Löcher in seinem Sakko und erschrak 
zu Tode als langsam Blut aus ihnen hervorquoll.
Die jüngste der drei Schwestern begann hysterisch zu kreischen und nach 
Hilfe zu schreien. Hitomi war herbei geeilt und ihr genügte ein Blick um zu 
wissen, was passiert war...
Sofort kniete sie sich neben ihren Mann und rollte ihn vorsichtig von ihrer 
Schwester herunter.
Love zitterte vor Angst aber Toshi lag nur regungslos da. Hitomi ergriff 
sein Handgelenk und tastete nach seinem Puls. Er war schwach, kaum spürbar 
und seine Atmung war flach und unregelmäßig. Zärtlich bettete sie seinen 
Kopf in ihren Schoß und sie betete zu Gott, daß der Arzt bald eintreffen 
würde, doch insgeheim rechnete sie bereits mit dem Schlimmsten. 
Liebevoll strich sie eine Haarsträhne aus seinem Gesicht, als er unerwartet 
die Augen aufschlug. 
"Hitomi... bist... du... es..." flüsterte er leise und seine Frau merkte 
sofort, daß ihm das Sprechen sehr schwer fiel. 
"Psst. Sei ruhig. Du mußt dich ausruhen. Alles wird gut." beruhigte sie ihn 
und ergriff die zitternde Hand, die er ihr entgegen streckte. Tränen liefen 
über ihre Wangen und tropften von ihrem Kinn auf sein Haar. 
"Du.. mußt.. nicht.. um.. mich.. weinen.. Es.. war.. schön.. mit.. dir.. 
Danke.. für.. die.. letzten.. Tage.. Hitomi.." sagte er schließlich mit 
schmerzverzerrtem Gesicht. Hitomi küßte zärtlich seine Stirn und wollte 
noch etwas erwidern, doch da schloß Toshi seine Augen und sein Kopf kippte 
zur Seite. Panisch ergriff Hitomi sein Handgelenk,- Doch es war kein Puls 
mehr zu spüren. "TOSHI, NEIN ! BLEIB BEI MIR ! DU DARFST MICH JETZT NICHT 
ALLEIN LASSEN !" rief sie verzweifelt und blickte Hilfe suchend zu ihrer 
jüngeren Schwester. "Bitte Love, so hilf mir doch." flehte sie, doch Love 
saß nur stumm da - zusammengekauert auf dem Boden und sie wimmerte leise 
vor sich hin.
Angelockt von Hitomis verzweifelten Hilferufen war Nami hereingekommen. 
Auch sie war noch Benommen von dem Schreck. Sie kniete neben Toshi nieder 
und faßte seinen Hals: "Er lebt noch. Der Notarzt ist bestimmt gleich hier. 
Es wird alles wieder gut."
"Ich habe Angst um ihn." flüsterte Hitomi leise und von neuem rollten 
Tränen über ihre roten Wangen.
"Keine Sorge, ihr habt noch sehr viele Jahre vor euch."
Kriminaloberinspektor Robert Rossinier trat ins Zimmer und nahm seine 
Freundin Nami bei Seite.
"Der Notarzt ist unterwegs und meine Männer sind auch gleich da." 
berichtete er, doch dann fiel sein Blick auf den schwerverletzten Detektiv, 
der von seiner Frau liebevoll umsorgt wurde. "Was ist mit ihm ?" fragte er 
sichtlich besorgt.
"Es sieht nicht gut aus." erwiderte Nami sichtlich um Fassung bemüht. "Er 
ist bewußtlos. Er hat wahrscheinlich viele Splitter abbekommen. Wenn nicht 
bald der Arzt kommt, sehe ich schwarz."
Roberts Blick wanderte durch das Zimmer und blieb bei Love hängen, die 
immer noch teilnahmslos auf dem Boden saß.
"Was ist mit Love ?"
"Sie ist völlig daneben. Aber sie hat nur eine Schramme am Kopf.- Nichts 
ernstes."
"Das freut mich. Sie hat ihr Leben wohl deinem Schwager zu verdanken."
"Ja, da hast du recht." murmelte Nami traurig. "Robert, kannst du dich um 
Love kümmern, während Hitomi und ich mit Toshi ins Krankenhaus fahren." bat 
sie ihren Freund.
"Kein Problem. Verlaß dich auf mich." antwortete Robert wie 
selbstverständlich. "Bleib du nur bei Hitomi. Sie kann jetzt sicher deine 
Hilfe gebrauchen.- Wir kommen dann so schnell wie möglich nach."
"Danke, ich wußte, daß ich mich auf dich verlassen kann." gab Nami zurück.
"Dafür sind doch Freunde da." meinte Robert noch, als auch schon von 
draußen Rufe ins Zimmer drangen. 
"Platz, macht Platz. Der Notarzt kommt...."


11. Ein Akt der Nächstenliebe

Loves Augen waren leer und ausdruckslos. Starr geradeaus gerichtet blickten 
sie den langen Krankenhausflur hinunter. Das Blut.- Toshis Blut. - Das war 
das Letzte woran sie sich erinnerte. Und erst jetzt begann sie langsam 
wieder Alles um sich herum wahrzunehmen. In ihren Augenwinkeln sah sie 
Robert. Er ging neben ihr diesen Gang entlang. Unaufdringlich aber nur eine 
Armlänge entfernt,- in Reichweite für den Fall... - Tränen schossen in ihre 
Augen. Ihr Schwager, den sie immer so verspottet hatte, hatte sein Leben 
riskiert um sie zu retten.
Sie waren da: Die Intensivstation, in die man Toshi gebracht hatte.
Nami saß niedergeschlagen auf der leeren Stuhlreihe vor dem Eingang. Erst 
jetzt, da sie ihre jüngere Schwester bemerkte stand sie langsam auf.
Love begann zu laufen. Wie ein kleines Kind rannte sie die letzten Meter 
und warf sich in die offenen Arme ihrer großen Schwester. Sie begann zu 
weinen und Nami drückte sie tröstend an sich.
"Wie geht es ihm ?" fragte Love leise. 
"Er ist immer noch bewußtlos und er hat viel Blut verloren. Er schläft 
jetzt." erklärte Nami und strich Love über ihr Haar. "Wenn du möchtest, 
dann darfst du einen Moment hineingehen, aber nur wenn du Hitomi nicht 
störst."
"Danke Nami." erwiderte Love und wischte ihre Tränen aus den Augen.

Als Love in Begleitung einer Schwester in der Intensivsation verschwunden 
war, fiel Nami unerwartet ihrem Freund in die Arme.
"Du hast ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt." vermutete er, als Nami 
ihren Kopf hob und er ihr verzweifeltes Gesicht sah.
Nami nickte und Tränen stiegen in ihre Augen.
"Weiß Hitomi die Wahrheit ?" wollte Robert wissen.
"Ja, aber sie möchte nicht, daß Love es erfährt." erwiderte Nami und 
wischte verstohlen über ihr Gesicht. "Er hat sehr viele Splitter in seinem 
Körper, die meisten sind nicht bedrohlich, aber einer liegt sehr nahe am 
Herzen. Aber da er so viel Blut verloren hat, können sie ihn noch nicht 
operieren. Die Ärzte sagen, daß die kommende Nacht sehr kritisch wird."
"Hoffentlich schafft er es."
Nami nickte. "Ja, ich hoffe es.- Haben deine Männer schon etwas 
herausgefunden ?"
"Wir haben in Hitomis Zimmer auch eine Sprengladung gefunden."
"Oh Gott!" entfuhr es Nami.
"Ja, so kann man es auch ausdrücken. - Ich habe geklärt, das wir die beiden 
Zimmer neben dem Schwesternzimmer nutzen können. Ich werde bis auf Weiteres 
auch hier bleiben.- Wer immer versucht hat euch umzubringen, weiß, daß er 
versagt hat und er wird es wieder versuchen." Robert stutzte und hob 
nachdenklich die Augenbrauen. "Was habt ihr nur angestellt, das euch einer 
derart den Krieg erklärt?"
"Keine Ahnung!" log Nami und blickte ihren Freund aus großen unschuldigen 
Augen an. Doch in ihrem Kopf, verborgen vor den Blicken des Polizisten, 
begann die ganze Sache langsam Sinn zu machen.

Der Nachmittag verging ohne das etwas geschah. Aber mit jeder Stunde die 
verrann rückte die entscheidende Nacht näher. 
Nami hatte begonnen eines der beschlagnahmten Zimmer für sich und ihre 
Schwestern herzurichten. Sie wußte, daß dies eigentlich unsinnig war, doch 
es war das Einzige, das sie davon abhielt, ständig zwischen der 
Intensivstation, dem Gang und den Zimmern umherzuirren. 
Inspektor Rossinier hingegen hatte im zweiten Zimmer ein provisorisches 
Büro eingerichtet, um von dort aus die Ermittlungen in diesem Fall 
persönlich überwachen zu können. Er wußte, daß es nicht das Klügste war 
einen Fall zu übernehmen, der ihm persönlich derart zusetzte, aber 
andererseits wollte er auch die Sicherheit seiner neuen Freunde, nicht 
zuletzt Nami wegen, keinem Anderen anvertrauen. 
Und so kam es, daß er noch am Tisch saß und hektisch die Untersuchungen 
koordinierte als der Abend bereits dämmerte.
Jede Spur hatte er bereits verfolgen lassen, doch immer wieder führte es 
ihn in eine Sackgasse. Selbst Informationen über diese Asaja, die er ja 
selbst gesehen hatte, waren nirgends auf der Welt aufzutreiben. 
Er telefonierte gerade wieder aufgeregt mit einem seiner Kollegen im 
Präsidium, als Nami beinahe lautlos hereinkam und sich wortlos vor das 
große Fenster stellte.
"Jetzt keine weiteren Anrufe mehr. Ich rufe zurück." herrschte er mit einem 
Mal seinen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung an, als er Namis 
versteinertes Gesicht sah auf dem dicke Tränen herunter liefen.
Leise stand er auf und trat von hinten an seine Freundin. 
"Wie geht es ihm." fragte er mit sanfter Stimme.
"Unverändert." murmelte Nami leise und starrte dabei weiter aus dem 
Fenster. 
"Und deine Schwestern ?"
"Hitomi ist noch immer bei ihm. Sie ist so schrecklich tapfer. Ich wüßte 
nicht, was ich an ihrer Stelle machen würde."
"Und wie geht es Love ?"
"Sie schläft jetzt. Die Ärzte haben ihr ein Beruhigungsmittel gegeben."
"Es ist schon komisch, wie sehr sie sich verstellen kann." meinte Robert 
nachdenklich. "Nach dem, wie ich sie im Zug erlebt habe, habe ich gedacht, 
daß sie Toshi nicht leiden könnte."
"Das ist typisch für sie." meinte Nami und begann zaghaft zu lächeln. "Das 
ist halt die Art wie sie ihre Liebe zeigt."
"Sie mag Toshi sehr, oder ?"
"Ja. Manches Mal kommen sie mir vor wie Vater und Tochter. Er hat ihr das 
gegeben, was wir ihr nie geben konnten."
"Was ist eigentlich mit eurem Vater ? Du hast nie von ihm erzählt." wollte 
Robert wissen, doch Nami schwieg.
Vorsichtig machte sie einen Schritt zurück und ließ sich rückwärts in die 
Arme ihres Freundes fallen.
"Das ist eine lange Geschichte." murmelte sie leise und griff nach den 
Händen ihres Freundes. Wie einen Gürtel legte sie sich die kräftigen Arme 
um ihre Taille.
"Du mußt es mir nicht erzählen." flüsterte Robert leise
Nami nickte dankbar und suchte nach der Wärme dieser vertrauten Person. 
"Weißt du, ich habe noch nie einen so schönen Sonnenuntergang gesehen." 
meinte sie schließlich, als sie gemeinsam beobachteten, wie das Rot der 
Abendsonne langsam hinter den Häusern verschwand und sich die Nacht über 
die Stadt legte. 
Robert roch das atemberaubende Parfüm, das Nami trug und die Art, wie sie 
sich an ihn schmiegte ermutigte ihn, vorsichtig das Haar aus ihrem Nacken 
zu streichen und sie zu küssen. 

Als Nami aus dem Zimmer trat, war sie schrecklich glücklich. Sie hatte an 
der Seite von Robert eine wundervoll romantische Nacht verbracht und erst 
vor Stunden waren sie Arm in Arm eingeschlafen. Sie spürte ganz tief in 
ihrem Herzen, daß sie die letzte Nacht bei dem Mann verbracht hatte, den 
sie abgrundtief liebte. 

Als sie etwas später in die Intensivstation trat, hatte sich nichts 
verändert. Hitomi saß am Krankenbett ihres Mannes, dort, wo sie auch 
gestern Abend gesessen hatte. Der leere und von Tränen bestimmte Ausdruck 
in ihren Augen war der Gleiche und es war unschwer zu erraten, daß es Toshi 
keinen Deut besser ging. Alles um sie herum sprach eine nur all zu 
deutliche Sprache: Hoffnungslosigkeit.
Nami schwieg und stellte sich stumm ans Fenster der Intensivstation.
"Es geht ihm noch nicht besser, stimmt's ?" stellte sie leise fest und 
betrachtete nachdenklich den Horizont.
Hitomi stand vom Krankenbett auf und ging hinüber zu ihrer Schwester. Sie 
nickte zustimmend. "Nein, es sieht sehr schlecht aus." antwortete sie leise 
und wischte über ihr Gesicht. Nami ahnte, daß ihre Schwester die ganze 
Nacht über geweint hatte.
Die ersten Sonnenstrahlen erhoben sich über die Häuser und die Lichter 
einiger weit entfernter Autos zogen wie Leuchtkäfer an einer Schnur durch 
die Morgendämmerung. 
"Hast du schon einmal einen so schönen Sonnenaufgang gesehen ?"
Hitomis Augen folgten den Blicken ihrer Schwester. "Ja, du hast recht." 
antwortete sie und für einen Moment begannen ihr traurigen Augen wieder zu 
glänzen.
"Woran denkst du ?" fragte Nami neugierig, als sie den plötzlichen Wandel 
im Gesichtsausdruck ihrer Schwester bemerkte. 
"Das erinnert mich an meinen ersten Urlaub mit Toshi auf Saipan. Wir haben 
jeden Morgen am Strand gelegen und den Sonnenaufgang betrachtet." erzählte 
sie und die aufkommenden Erinnerungen ließen sie einen Moment lang Abstand 
gewinnen. 
Nami legte tröstend den Arm um die Schulter ihrer Schwester. "Du hast die 
ganze Nacht hier verbracht.- Ruh' dich einen Moment aus.- Nimm eine Dusche. 
Ich bleibe bei ihm." schlug sie vor, doch Hitomi zögerte.
"Nun geh schon." drängte Nami. "Was meinst du welchen Schrecken Toshi 
bekommt, wenn er die Augen aufschlägt und dich so sieht !"
Ein flüchtiges Lächeln huschte über Hitomis Gesicht. "Ja, ist gut."

Nami stand noch lange am Fenster, selbst nachdem Hitomi endlich gegangen 
war. In der letzten Nacht, zusammen mit Robert, hatte sie alle Gedanken 
verdrängt.- Gedanken, die Fragen aufwarfen. Fragen, die jetzt, im Licht des 
des Morgens laut nach Antworten schrien.
Ein Geräusch ließ sie herumfahren: Eine Krankenschwester war 
hereingekommen. Nichts Ungewöhnliches für eine Intensivstation, in der das 
Leben der Patienten in den Händen von Geräten lag. Doch etwas an dieser 
Frau stimmte Nami nachdenklich. Sie schien sich überhaupt nicht um all die 
piepsenden und schnaufenden Apparate zu kümmern, die Toshis Lebenszeichen 
kontrollierten. Unbeholfen war die Art, wie sie durch die mitgebrachte 
Krankenakte blätterte und es war nicht verwunderlich schließlich einen Teil 
des Inhaltes fallen zu sehen.
Zuvorkommend machte Nami einige Schritte auf den großen Umschlag zu, der 
unter Toshis Bett gefallen war. Sie hob ihn auf und stutzte. 'KISUGI' stand 
in japanischen Lettern darauf und sofort ließ Nami den Umschlag in ihrer 
Rocktasche verschwinden. 
Als sie wieder vom Boden aufstand sah sie die Krankenschwester prüfend an. 
Sie hatte schulterlanges blondes Haar und ihr Gesicht erinnerte im 
Entferntesten an Hitomi.
"Asaja ?"
"Ja." flüsterte die Dame neben ihr leise und ohne sichtlich den Mund zu 
bewegen. "Im Umschlag sind wichtige Informationen für sie."
"Danke, Asaja." murmelte Nami. "Warum helfen sie uns ?"
"Gerechtigkeitssinn." gab der Unterinspektor kurz zurück. "Ich wünschte ich 
könnte ihnen helfen, aber sie sind auch hinter mir her. Ich glaube, sie 
wissen, was zu tun ist." 

Als die rätselhafte Krankenschwester gegangen war, setzte sich Nami an das 
Bett ihres Schwagers. Sie wartete noch eine ganze Weile bevor sie den 
Umschlag wieder hervorholte und öffnete...
Was sie fand waren Fotokopien. Befehle, Pläne,- allesamt Dinge, die ihr bei 
näherer Betrachtung einen Schauer über den Rücken jagten. Diese Dokumente 
bestätigten genau das, was sie bereits geahnt hatte. Nicht nur die Katzen 
auch ihr Vater war ein Spielball der Regierung gewesen und ihr Freund 
Nageishi war ein doppelzüngiger Mann, der nur Eines im Sinn hatte: Seinen 
Profit. Doch erst als sie schließlich noch die handgeschriebene Mitteilung 
von Asaja überflogen hatte, da wurde ihr endlich das ganze Ausmaß der 
Verschwörung klar, der sie zum Opfer gefallen waren. Sie wußte jetzt, wer 
den Befehl gegeben hatte, sie zu töten. Und was dem Mann passiert war, dem 
sie ihr ganzes bisheriges Leben geopfert hatte... 

Als Hitomi einige Zeit später an das Bett ihres Mannes zurückkehrte, 
verließ Nami beinahe sofort den Raum. Sie erzählte ihrer Schwester kein 
Wort von dem überraschenden Besuch oder der Mitteilung. Sie hatte einen 
Plan, aber sie wußte, das das Wissen um diesen Plan, Hitomi sicherlich 
nicht zuträglich sein würde. 

Schnell eilte Nami über den Gang hinüber in das Zimmer, das Robert für sie 
und ihre Schwestern hatte reservieren lassen.
Love lag im Bett und schlief immer noch fest. Welch schwere Zeit mußte sie 
durchmachen.- Doch so sehr Nami auch Alles ungeschehen machen wollte,- so 
sehr sie auch wünschte, daß sie sich damals nie auf den Handel mit dem 
Geheimdienst eingelassen hätte,- sie wußte, daß es jetzt keinen Weg zurück 
gab. 
Das Einzige, was sie noch für Toshi und ihre beiden Schwestern tun konnte 
war der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen.-
Zärtlich aber entschlossen weckte sie die Jüngste auf. "Komm Love, wir 
haben noch einen Auftrag zu erfüllen." sagte sie geheimnisvoll und begann 
sich umzuziehen.


12.  Finale

Kurz vor Mittag verließ ein Wagen mit Diplomatenkennzeichen ein 
Militärgefängnis, welches versteckt in einem Waldstück etwas außerhalb von 
Ost-Berlin lag.
Die einzige Zufahrtstrasse, die durch das beinahe undurchdringliche 
Unterholz führte, war so schmal, daß keine zwei Wagen aneinander vorbei 
kamen und so war es unvermeidlich, daß der Fahrer des geheimnisvollen 
Wagens anhalten mußte, als vor ihm ein liegengebliebenes Fahrzeug 
auftauchte. Er hupte und hinter der aufgeklappten Motorhaube des anderen 
Fahrzeuges tauchte ein junger Mann auf. Mit einer Handbewegung deutete er, 
daß er Hilfe benötige.
"Gehen Sie und sehen Sie nach, was da los ist. Wir haben wenig Zeit." 
drängte der einzige Mitfahrer der Diplomatenlimousine. Der Chauffeur nickte 
gehorsam und stieg aus.
Mit wachsamen Augen beobachtete der feine Herr vom Fond aus, wie sich sein 
Fahrer mit dem Fremden unterhielt um dann im Blickschatten der Motorhaube 
zu verschwinden.
Nervös blickte der edel angezogene Herr mit dem Bart und den asiatischen 
Gesichtszügen auf seine Uhr. "Wenn das noch lange dauert, dann komme ich 
nie rechtzeitig an." murmelte er noch leise, als sich mit einem Mal die 
Türe öffnete und eine Dame in einem hautengen Trikot eine Waffe auf ihn 
richtete. Der Mann war nicht sehr erstaunt.
"Fräulein Nami. Und in ihrer Berufskleidung." entfuhr es dem Herrn im 
Angesicht des Revolverlaufes und der aufreizenden Dame.
"Ich würde sie gerne zu einem kleinen Spaziergang einladen, Herr 
Nageischi." erwiderte Nami und drängte den Herrn auszusteigen.
Wortlos und unauffällig verließen die beiden die Straße und schlugen sich 
in das angrenzende Dickicht. Mit vorgehaltener Waffe führte Nami ihren 
einst so vertrauensvollen Freund immer tiefer in den Wald, bis zu einer 
kleinen Lichtung. 
"Gut, das reicht ! Und jetzt umdrehen. Aber langsam und keine Tricks." 
befahl sie schließlich. Doch so energisch sie auch nach Außen hin zu sein 
schien, so aufgeregt war sie in ihrem Innersten. Und sie mußte sich gehörig 
konzentrieren um die Waffe ruhig zu halten. In all den Jahren ihrer 
Raubzüge als Katzenauge hatte sie sich noch nie in einer solchen Situation 
befunden. Zumal ein Freund, dem sie jahrelang bedingungslos vertraute, sich 
plötzlich als ihr größter Feind entpuppt hatte.
"Ich freue mich zu sehen, daß sie dem Anschlag auf ihr Leben unverletzt 
entkommen sind." bemerkte der feine Herr scheinbar besorgt nun, da er sich 
umdrehte und Nami musterte.
"Ja, ich lebe noch." entgegnete die Frau angewidert von der 
offensichtlichen Unaufrichtigkeit dieses Mannes. "Es mag zwar ein Schock 
für sie sein, aber wir alle leben noch.- Dank Detektiv Utzumi, der in 
diesem Moment um sein Leben kämpft."
"Es tut mir leid, aber ich hatte keine Möglichkeit es zu verhindern." 
rechtfertigte sich der Botschafter.
"Es reicht !" rief Nami erbost und richtete die Waffe demonstrativ auf den 
Kopf des Mannes. "Ich habe ihrem doppelten Spiel lange genug vertraut. Sie 
haben uns nicht nur benutzt, um die Drecksarbeit für die Regierung zu 
machen, nein, sie haben uns auch noch hintergangen."
"Entschuldigen sie, aber ich weiß nicht, wovon sie reden." heuchelte der 
Herr unschuldig.
"Natürlich nicht.Schade nur, daß ihr Plan nicht funktioniert hat. Ihre 
Kollegin Asaja konnte uns noch rechtzeitig warnen, bevor wir ihrer kleinen 
Stolperdrahtfalle zum Opfer gefallen wären."
"Aber bitte, sie müssen verstehen, auch ich hatte meine Befehle und sie 
können sich ja denken, wie Befehlsverweigerung beim Geheimdienst bestraft 
wird."
"Das ist eine abscheuliche Lüge !" schrie Nami wütend und spannte den Hahn 
des kleinen Revolvers. "Sie haben den Befehl uns zu töten nie erhalten. 
Erst als es durch die Zeitungen ging haben ihre Vorgesetzten erfahren, daß 
man versucht hat uns zu töten." erklärte sie und wandte ihren Kopf ab. 
Tränen schossen in ihre Augen als sie fortfuhr. "Und der Befehl meinen 
Vater zu töten stammte auch von ihnen."
Der Mann grinste angesichts des Gefühlsausbruches der Frau "Warum hätte ich 
sowas machen sollen ? Heintz war immerhin mein Freund."
Namis Kopf fuhr herum. So ruckartig, daß die letzten Tränen von ihren 
Wangen geschleudert wurden. Sie begann bitter zu lächeln. "Sie sind wohl um 
keine Antwort verlegen." sagte sie. "Freundschaft,- was bedeutet das 
überhaupt für Sie. Die Feundschaft endet für Sie doch dann, wenn einer 
nicht mehr nützlich ist. - Leugnen Sie es, wenn sie können. Sie haben Vater 
verraten. Sie haben seine Sammlung verschachert. Das er sein Wissen darin 
versteckt hat, haben Sie erst später bemerkt. Sie haben uns und die 
Regierung Japans benutzt. Und Sie waren es auch, der uns hat entführen 
lassen. Es waren Ihre Leute, die Toshi und Hitomi verfolgten. Als Sie aber 
merkten, daß die beiden Ihnen auf die Schliche kamen, da haben Sie 
kurzerhand ihre eigenen Leute umgebracht um uns zu ködern.- Sie haben vier 
Menschen kaltblütig umgebracht,- und Einer liegt im Sterben, nur um Ihre 
Spuren zu verwischen. Nur um Ihre doppelte Identität zu verschleiern.- Aber 
das Spiel ist aus ! Man hat die Wahrheit über Sie herausgefunden und man 
wird Sie zur Rechenschaft ziehen.- Sie sind ein Kunsthehler, Spion und 
Doppelagent, Herr Nageischi !"
Der Enttarnte brach nur in ein lautes Gelächter aus. Jedoch war es kein 
fröhliches Lachen. - Es war mehr ein Ausdruck von Arroganz und Überheblichkeit
gegenüber den Schwestern. "Wenn Sie schon so versessen auf 
die Wahrheit sind, dann sollen Sie es auch erfahren." meinte er nach einer 
Weile herablassend. "Ja, Sie haben recht, ich arbeite für die Sowjetunion. 
Aber ich arbeite auch für die japanische Regierung. Ich bin ein 
Doppelagent, so wie Ihr Vater einer war, als er während des Krieges für 
Deutschland und die Alliierten arbeitete. Nur er hat leider den Fehler 
gemacht, sich für eine Seite zu entscheiden. Die falsche Seite."
"Und weil Sie sich für die richtige Seite entschieden haben, mussten 
Menschen sterben." gab Nami bitterböse zurück.
"Wissen Sie," begann der Spion anmaßend. "So ist das nunmal. Das 
Wohlergehen eines Volkes bedarf manchmal einiger Opfer."
"Aber nicht, wenn es meine Familie betrifft." erwiderte Nami gefaßt und mit 
einem Ausdruck absoluter Entschlossenheit im Gesicht. "Womit rechtfertigen 
Sie, daß eine junge Frau um das Leben ihres Mannes bangt. Das Sie - nach 
einer schlaflosen Nacht am Krankenbett - bange den ersten Sonnenstrahlen 
entgegen blickt, in der Angst, dort wo einst ihr Mann lag, nur noch ein 
Leichentuch zu finden... -  Was sind Sie für ein Mensch, das Sie zulassen, 
das ein junges Mädchen nie die Gelegenheit bekommt ihren Vater 
kennenzulernen.- Sagen Sie mir, womit kann man so etwas rechtfertigen ?"
"Aber Fräulein Nami. So kenne ich sie ja garnicht." entgegnete Herr 
Nageischi und lachte unberührt von Namis Worten.
"Sie wissen doch gar nichts über mich. " gab Nami verächtlich zurück. "Ich 
bin nicht mehr die Frau, die sie kennen und die sie benutzt haben. Die 
Frau, die für sie ihre Haut zu Markte trug und der ein Wink von ihnen 
genügte um mit jedem Mann ins Bett zu steigen. Es muß ihnen Spaß gemacht 
haben zu sehen, wie sich eine reife Dame zum Flittchen machte um ihren 
Vater zu retten, der schon längst verloren war. Aber dann war da ja auch 
noch die Diebin, die einen Detektiv liebte, und was könnte schöner sein, 
als mit der aufrichtigen Liebe zweier Menschen zu spielen. Aber vielleicht 
wurde das ja alles noch übertroffen von dem Gefühl, einem Kind seine Eltern 
genommen zu haben."
Herr Nageischi lachte. "Das war aber eine ergreifende Rede." meinte er mit 
Gleichgültigkeit in der Stimme. "Aber wenn sie nun fertig sind, dann würde 
ich jetzt gerne gehen. Mein Flugzeug wartet." fügte er schließlich bereits 
im Gehen begriffen hinzu, doch als Nami scheinbar zu allem entschlossen von 
Neuem die Waffe auf ihn richtete blieb er stehen.
"Na los, schießen sie schon." sagte er arrogant. "Na los, worauf warten 
sie. Schießen sie." drängte er, doch Nami zögerte. Irgend etwas in ihr ließ 
sie diesen gespannten Abzug nicht durchdrücken. "Sie können es nicht. Hab 
ich recht. " stellte Herr Nageischi triumphierend fest, als er das 
angstvolle Zittern bemerkte, das durch den Körper der Dame ging. "Ich kenne 
sie besser als sie denken." meinte er verächtlich. "Ich kenne ihren Sinn 
für Fair-Play. Ihre Loyalität. Ihr Ehrgefühl. Ich bin sicher, daß sie 
keinen Moment zögern würden, wenn ich eine Waffe hätte und sie bedrohen 
würde. - Aber einen wehrlosen Mann umzubringen, das bringen sie einfach 
nicht fertig." Der Mann begann erneut höhnisch zu lachen. "Ein 
bewundernswerter Charakterzug." spottete er siegessicher als Nami letztlich 
entnervt den Revolver sinken ließ. Die älteste der drei Kisugi-Schwestern 
stand wie angewurzelt da.- Enttäuscht von sich und betroffen von den 
verletzenden Worten des Mannes, dem sie einst vertraut hatte.
Der Spion hingegen kam hochmütig lächelnd auf sie zu und ging provozierend 
nah an ihr vorbei. "Ach übrigens, grüßen sie mir Fräulein Love. Ich fand 
ohnehin, daß sie die Bestaussehendste von ihnen Dreien war." meinte er noch 
beiläufig und ließ Nami dann alleine auf der Lichtung stehen.
Die gedemütigte Frau verharrte einen Moment. Sie lauschte, wie sich die 
Schritte des Herrn entfernten,- doch dann plötzlich fuhr sie herum.
"Ach, Herr Nageischi." rief Nami und der angesprochene Mann und drehte sich 
nochmals um. "Haben sie heute morgen den Sonnenaufgang gesehen ?" fragte 
sie voller Selbstvertrauen.
Der Herr stutzte und sah sie verwundert an. Vielleicht wollte er noch etwas 
erwidern, doch da hallte auch schon ein Schuss durch den dichten Wald und 
ein Körper fiel zu Boden....



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Autorenliste:       

Teil I:  Martin Bueltgen                                            1992-1994
         
Teil II: Martin Bueltgen                        1,3                 1994
         Melissa Schneider                      2,4-12              1994-1997
         Stefan Krommes                         (11-12)             1995
  
         Zusammenstellung: Melissa, Stefan                               1997


 
Prügel und wüste Beschimpfungen bitte in Runenschrift an Bill Gates.
Konstruktive Kritik bitte per eMail an Martin oder Stefan (er verteilt das dann...)
Danksagungen bitte in monetärer Form auf unsere Schweizer Bankkonten.

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